www.humane-wirtschaft.de – 03/2009
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prämie, den Urzins durch „künstliche Durchhaltekosten“(Keynes) neutralisieren. Mit der „Umlaufsicherungsgebühr“soll die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verstetigt wer-den. Es ist – auf unsere obige Metapher übertragen – das„Knöllchen“, das den Verkehrssünder zum Weiterfahrenbewegt. Das Geld wird also über die „Umlaufsicherungsge-bühr“ in den Wirtschaftskreislauf „gedrückt“. Wer Liquidi-tät hält, entzieht sie dem Wirtschaftskreislauf – er darf diestun, wird jedoch als Verursacher der Belastungen, die er der Gemeinschaft hiermit zufügt, zur Kasse gebeten. Dies gibtjedem Wirtschaftsteilnehmer einen Anreiz, die individu-elle Liquidität so gering wie möglich zu halten. Selbst einePerson mit der psychischen Verfassung von Dagobert Duckwürde bei einer solchen Gebühr das Geld nur noch zumZwecke von Transaktionen und in so geringen Mengen wiemöglich halten. Über die Umlaufsicherungsgebühr würdenGeldzirkulation wie Nachfrage auch und gerade dann gesi-chert, wenn Investitionen nach heutigen Maßstäben nichtmehr „rentabel“ durchzuführen sind.Das alles hört sich zunächst für ungewaschene Gehirnegut an, wenngleich der Glaubensgemeinschaft der Öko-nomen diese Logik normalerweise nicht zugänglich zumachen ist. Dennoch sitzt der Teufel im Detail. So muss,wenn von „Geldreform“ geredet wird, zunächst überhauptdefiniert werden, was in die Regulierung einbezogen wer-den bzw. was als „Geld“ definiert werden soll. Es geht umdie uralte Frage: „Was eigentlich ist Geld“? Und die Ant-wort ist wesentlich komplizierter als die übliche studen-tische: „das, was ich nicht habe“. Allerdings kann es nichtum die Frage gehen, welches die „richtige“ Gelddefinitionist. Definitionen können per se nicht „richtig“ oder „falsch“sein – es geht bei Definitionen vielmehr um die Zweck-mäßigkeit sprachlicher Konventionen. Um Anhaltspunktedafür zu bekommen, welche Konvention zweckmäßig ist,werfen wir noch einmal einen kurzen Blick auf typischeKrisenerscheinungen: Jeder kennt es aus eigener Erfahrung: Am Supermarktan der Kasse zahlen 80% der Leute bar. Ich mache nach-folgend aus Vereinfachungsgründen keinen Unterschiedzwischen Bargeld und Zentralbankgeld, wenngleich sol-che Differenzierungen möglicherweise zu den wenigen Bei-trägen gehören, welche die akademische Wissenschaftvom Geld zum Thema liefern könnte. Mit beiden Bezeich-nungen meine ich „physisches Geld“. Bei Konsumgüterndes gehobenen Bedarfs und v.a. bei Investitionsgüternkommt jedoch zunehmend Giralgeld ins Spiel. Im Normal-fall wird die Couchgarnitur oder das neue Auto nicht Cash,sondern über EC-Karte bezahlt. Es gibt nun gute Gründe für die Annahme, dass der Umsatz mit alltäglichen Konsumgü-tern – und damit auch die Umlaufgeschwindigkeit des Bar-geldes – verhältnismäßig stabil ist – im Gegensatz zumAbsatz von Konsumgütern des gehobenen Bedarfs oder von Investitionsgütern: Wenn der Familienvater nicht mehr weiß, ob er morgen noch seinen Job bei Opel (Konsum-güter des gehobenen Bedarfs) hat, spart er eben nicht anKonsumgütern des alltäglichen Bedarfs; vielmehr wird dieUrlaubsreise nach Mallorca aufgeschoben (Konsum desgehobenen Bedarfs, der wieder normalerweise per Kredit-karte oder Banküberweisung beglichen wird).Wenn bei einem Automobilzulieferer die Absatzzahleneinbrechen, wird z.B. die eigentlich vorgesehene Investitionin eine neue Stanzmaschine in eine bessere Zukunft ver-legt. Auch die Maschine wäre nicht mit Bargeld, sondern per Banküberweisung bezahlt worden. So aber parkt der Auto-mobilzulieferer das Geld einstweilen auf Terminguthaben –hier ist es schnell verfügbar (falls die Bank den Dispo-Kreditnicht mehr länger gewährt) und wird noch halbwegs zufrie-denstellend verzinst.Diese Beispiele sollen darstellen, dass die konjunktu-relle Problematik weniger in Störungen des Bargeldumlaufsliegt – die unter der Matratze gehorteten Euro-Scheine der sprichwörtlichen Oma sind nicht der Auslöser der Krise –möge die alte Frau in Ruhe und von Gesell-Anhängern unbe-helligt ihren Lebensabend verbringen. Entscheidend hinge-gen ist das Verhalten insbesondere der Unternehmen, dieihre Investitionsnachfrage einschränken oder der Banken,die keine Kredite mehr zu tragbaren Konditionen vergeben– dies alles sind wesentlich Stockungen der „Buchgeldzir-kulation“. Dabei handelt es sich um erkleckliche Summen.Die Herrscher über das „parkende Buchgeld“ sind nichtarm – zumeist handelt es sich um institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaftenetc. Die Konsequenzen ihres Verhaltens hinterlassen dannauch deutliche Spuren in der Realwirtschaft.
2. Buchgeld: Fünf Probleme
Nachfolgend wollen wir fünf Probleme darstellen, die mit demBuchgeld verbunden sind. Es wird nicht der Anspruch erho-ben, dass es sich um eine vollständige Aufzählung der Pro-bleme handelt. Der Leser möge sich erst einen Kaffee auf denTisch stellen, denn nun wird´s leider ein wenig theoretisch.
Problem 1: Der Umlauf des Buchgeldes
Seit Keynes wird zwischen der Transaktions-, der Vorsichts-und der Spekulationskasse unterschieden. Die Transakti-onskasse wird für geplante Anschaffungen gehalten, dieVorsichtskasse hingegen, weil ungeplante Auszahlungenzu Liquiditätsengpässen führen können – zumal wenn(anders als in der neoklassischen Theorie) eben Bankkre-dite eben nicht allzeit bereit stehen. Otto-Normalökonomgeht für Otto-Normalphasen davon aus, dass das Trans-
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