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www.humane-wirtschaft.de – 04/2009
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Von Pat Christ
Verbrauchte Gedanken
Alternative Wirtschaftsideen in den Medien –„Verschwiegen? Verdrängt? Vergessen?“
In
schöner Einhelligkeit stellenMedien dieser Tage zahlreicheErscheinungen als Folge der Wirtschaftskrise dar, ohne dass tiefer hinterfragt würde, ob die Krise nichtnur als Vorwand herhalten muss. Etwafür Arbeitsplatzabbau. Ein Beispiel vonvielen: Der Motoren- und Ventilatoren-produzent ebm-papst mit Hauptsitz inMulfingen verkündete im April, dasswegen starker Auftragsrückgänge „inFolge der Weltwirtschaftskrise“ 250Stellen in St. Georgen und Herbolzheimgestrichen werden müssen. Gewerk-schaftler sahen wenig Zusammenhangmit der Krise. Laut der IG Metall habendie Belegschaften an den zwei Stand-orten in den vergangenen Jahren einen„Schweinsgalopp“ hinter sich gebracht.Unternehmensgewinne seien jedoch anden Hauptsitz abgeführt worden.Aus dem von Horst Pöttker undChristiane Schulzki-Haddouti heraus-gegeben Buch „Verschwiegen? Ver-drängt? Vergessen? Zehn Jahre ‚Initi-ative Nachrichtenaufklärung’“ lässtsich als eine der wichtigsten Instrukti-onen für Journalisten die Direktive ab-leiten: Recherche, Recherche, Recher-che! Genau die ist laut Pöttker im deut-schen Journalismus „unterbelichtet“.Von den Eliten vorgegebene Themenund Fakten werden aufgegriffen undwiederholt. Neue Gedanken, zum Bei-spiel Alternativen zur herrschendenGeld- und Wirtschaftsordnung, dringennicht bis in die Redaktionsstuben vor.Psychologische Gründe sieht der Jour-nalistikprofessor hierfür als Ausschlaggebend an: Wie alle Menschen, bevor-zugten auch Journalisten das ihnen be-reits Vertraute, „Gemütliche“.Verleger wiederum haben ein Le-sepublikum vor Augen, das angeblichnach reißerischen, aus verbrauchten,alltagstauglichen Gedanken beste-henden Kolportagen verlangt. „Stimmtnicht!“, dementiert Pöttker und ver-weist auf zwei Zeitungen, die inmit-ten der seit 2001 anhaltenden Medi-enkrise Auflagenzuwächse verbuchen:„Die Zeit“ und die „Frankfurter Allge-meine Sonntagszeitung“. Hier werdenmitunter Themen aufgegriffen, denenanderswo keine Zeile gewidmet wird.
„Niemand kann die Globalisierung aufhalten. Sieist ein ‚Wachstumsmotor’. Mit Chancen für die ge-samte Menschheit.“ So lauten die Stereotypen inden verschiedenen Blättern der deutschen Medien-landschaft. „Einer schreibt vom anderen ab“,kommentiert Horst Pöttker, Professor amInstitut für Journalistik an der TU Dortmund undGeschäftsführer der„Initiative Nachrichtenaufklä-rung“ (INA), die seit über zehn Jahren aufdeckt,welche Themen in den Medien verdrängt,verschwiegen und vergessen werden.
 An medialer Vielfalt ist in Deutschland vermeintlich kein Mangel. Das Problem:Einer schreibt vom anderen ab.
 
Foto: Pat Christ 
MEDIENVIEFALT 
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