www.humane-wirtschaft.de – 04/2009
Schritte erwägen. Muss eine solche Ausweitung der Geld-menge nicht zwangsläufig zu Inflationen führen? Antwort:
Zweifellos ist eine solche Ausweitung der Geld-menge mit Inflationsgefahren verbunden. Die Notenbankenhaben aber auch jederzeit die Möglichkeit, das herausgege-bene Mehrgeld durch den Verkauf der erworbenen Wertpa-piere wieder aus dem Umlauf zurückzuziehen, auch wenndas mit Verlusten verbunden sein kann. Mit dieser vorü-bergehenden Vermehrung der Geldmenge wollen die Zen-tralbanken auch die derzeit dem Kreislauf entzogenen Bar-geldbestände ausgleichen. Zu diesen Geldzurückhaltungenbzw. -hortungen kommt es einmal aufgrund der allgemei-nen Furcht vor den Krisenfolgen (Angstsparen!), aber auchaufgrund der derzeit niedrigen Bankzinsen, die eine Anlageund damit Freigabe des Geldes unattraktiv machen.
. Frage:
In der Presse ist immer wieder von drohender Inflation undsogar Deflation die Rede. Aber so etwas kann doch nur bei zu großen bzw. zu geringen Ausweitungen der Geld-menge vorkommen. Warum wird die Geldmenge denn nichtgenauer von den Notenbanken kontrolliert? Antwort:
Das Problem der Notenbanken ist, dass sieeine Sache steuern müssen, deren wirksame Größe sienicht kennen. Zwar wissen sie ganz genau, wie viel Geld siein den Umlauf gegeben haben, aber nicht, wie viel davontatsächlich nachfragend in der Wirtschaft kursiert, alsonachfragewirksam ist.Um dieses Dilemma zu beheben und den Geldkreislauf zu verstetigen, wird von der Geldreformbewegung bekannt-lich die Einführung einer Gebühr auf die Geldhaltung alsUmlaufsicherung gefordert.
. Frage:
Häufig ist zu lesen, dass auch die Geschäftsbanken dieGeldmenge durch Kreditvergaben vermehren können.Wenn das tatsächlich der Fall ist, müssten wir dann nichtlängst eine galoppierende Inflation haben? Antwort:
Wie aus den Statistiken der Bundesbank her-vorgeht, ist die in den Umlauf gegebene Bargeldmenge seit1950, schwankend um 7% des BIP, praktisch im Gleich-schritt mit der nominellen Wirtschaftsleistung ausgewei-tet worden, ebenso die gesamte Zentralbank-Geldmengeschwankend um 10%. Sieht man von der darin bereits ein-gerechneten Inflation von durchschnittlich etwa drei Pro-zent in den vergangenen Jahrzehnten ab, war diese Steu-erung also halbwegs erfolgreich. Die Kreditvergaben der deutschen Banken sind dagegen von 1950 bis 2008 vonrund 30% auf 200% des BIP angestiegen, also fast siebenMal rascher als die nominelle Wirtschaftsleistung. Wäre mitdiesen Kreditvergaben tatsächlich eine Vermehrung der Geldmenge verbunden gewesen, dann wäre es tatsächlichzu einer „galoppierenden Inflation“ gekommen.Bei dieser Annahme der Geldvermehrung durch dieGeschäftsbanken, werden die sich akkumulierenden Spar-vorgänge mit Geld mit der dabei benutzten Geldmenge ver-wechselt. Diese Geldmenge wird jedoch bei diesen ständigwiederholbaren Sparvorgängen genau so wenig vermehrt,wie das bei den ständig wiederholbaren Kaufvorgängen mitGeld der Fall ist.
. Frage:
Im Zusammenhang mit der Banken- und Finanzkrise wirdimmer wieder von vernichteten Geldbeträgen in Milliarden-höhen berichtet. Wie kann man sich das eigentlich vorstel-len? Haben da tatsächlich Leute ihr Geld verbrannt
?
Antwort:
Nach Auskunft der Bundesbank hat zwar jeder das Recht, in seinen Besitz befindliche Geldscheine zu ver-brennen oder auf andere Weise zu vernichten, aber in Wirk-lichkeit dürfte das wohl kaum jemand tun, schon gar nichtin Milliardenhöhen. Mit diesen Dramatisierungen will manwohl umschreiben, dass es für viele Banken, Spekulantenund damit Geldvermögensbesitzer große Forderungs-Aus-fälle und Verluste gegeben hat. Doch wo es Verluste gibt,hat es in gleicher Höhe auch immer Gewinner gegeben! Dasgilt nicht nur für Geldeinsätze bei Wetten oder im Spielca-
FRAGEN ZUR KRISE
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