www.humane-wirtschaft.de – 02/2009
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das Unternehmen verfügt über eine gute Substanz in ihremKerngeschäft, dann ist es gerettet und kann befreit weiter machen, zum Wohle aller Beteiligten, selbst der „geprell-ten“ Gläubiger, denn sie haben die Chance auf neueGeschäfte gewahrt.Würde der Staat in die Rolle des Insolvenzverwaltersder Banken schlüpfen – was er im Grunde in Ansätzenschon tut, allerdings nicht mit den sonst üblichen Rech-ten eines Insolvenzverwalters – dann hätte er es in Hän-den, bei der Sicherung der Einlagen für soziale Ausgewo-genheit zu sorgen. Beispielsweise könnte man die Einla-gen bis zu einer gewissen Höhe komplett sicherstellen undab dieser Höhe die Quote der Sicherung degressiv abfal-len lassen. Das bedeutet, dass sich mit steigender Einlageder Anteil des geretteten Geldvermögens verringert und bei-spielsweise ein Milliardär nur noch 30 % seines Vermö-gens zurück bekommt, während der „kleine Anleger“ seine50.000,- Euro komplett sicher hat.Derzeit ist politisch so vieles möglich, was man noch vor einem Jahr niemals für möglich gehalten hätte (man denkenur an die Verstaatlichungs-Pläne oder die Enteignung vonBank-Anteilseignern), sodass der Ideenwettbewerb für Lösungen weder Grenzen noch Tabus kennen sollte. Sogesehen ist weder ein wirksamer „Gläubigerschutz“ für denZeitraum einer „Insolvenzbearbeitung“ ein unmöglichesUnterfangen, noch die offenkundig erforderliche teilweiseRückführung über Jahre entstandener Ungleichgewichtebei der Vermögensentwicklung. Letztere droht in zuneh-mendem Maße unsere Gesellschaft zu zerbrechen.
Fazit:
Ohne einen Kapitalschnitt, sprich eine Herab-setzung der Bewertung der Einlagen, wird es kein langfri-stig tragbares Zukunftskonzept für die Bankenwelt gebenkönnen.
Bilanzbereinigung
Nachdem die Gläubiger im Rahmen der staatlichen Insol-venzverwaltung zu einer Lösung „gezwungen wurden“,sehen die Bilanzen der Banken schon besser aus. Zwar sindnoch immer die faulen Vermögenswerte in der Bilanz, aber wir haben die Verbindlichkeiten gegenüber den Anlegern auf ein Maß zurück geführt, das uns die weiteren Schritte leich-ter macht. Als nächstes transferieren wir die zweifelhaftenVermögenspositionen zu einem zu diesem Zeitpunkt markt-gerechten Preis aus den Banken in eine staatliche „Auffang-gesellschaft“ – meinetwegen sagen wir „Bad Bank“ dazu.In den Banken besteht nach der Herauslösung der schlechten Vermögenspositionen vermutlich noch immer Bedarf an einer Eigenkapitalstärkung. Auch dabei muss der Staat einspringen, was aber schon deshalb Sinn macht,weil er dadurch seinen Einfluss in der Übergangsphase auf dem Weg zu einer Normalisierung des FinanzgeschehensDas bedeutet, die Schere von Arm und Reich bildet sichauch auf der Gläubigerseite der Banken ab. Wenigen mil-liarden- und millionenschweren Einlegern steht eine Viel-zahl von Kleinanleger gegenüber. Doch die wenigen Super-reichen schaffen es, mehr als 60% der Geldvermögen auf sich zu vereinen. Es ist doch klar, dass ein Milliardär, der mit dem Abzug seiner Einlage droht, eine Bank in erheblicheSchwierigkeiten stürzen kann. Am 10. Oktober 2008 haben„wichtige Kontoinhaber“ den englischen Banken mit demAbzug ihrer Vermögen gedroht und alle englischen Ban-ken standen vor dem Kollaps.
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Ein „Run“ auf die Banken istlängst keine Massenveranstaltung mehr. Wenn die Massenbeginnen zu laufen, ist in Wahrheit alles schon gelaufen.Da Banken wie jedes andere Unternehmen, bzw. jeder Mensch überhaupt, auf Dauer nicht mehr ausgeben als ein-nehmen können, sitzen sie jetzt in der „Kreditklemme“. DasGeld der Anleger ist weg. Es ist in die faulen Kredite undwertlosen „Finanzprodukte“ investiert worden, die keineRückflüsse, also Einnahmen für die Banken mehr erzeugen.Neue Anleger gibt es aufgrund des Vertrauensverlusteskaum noch. Im Gegenteil: verunsicherte Anleger entzie-hen zunehmend Geld ihren Bankkonten. Die Banken habenjetzt schlicht kein Geld, um neue, in der Realwirtschaft drin-gend benötigte Kredite auszugeben. Der Staat versucht mitPaketen und Schirmen den Banken aus dieser Klemme zuhelfen. Doch damit stopft man bestenfalls Löcher und wirftgutes Geld dem schlechten hinterher. Von einer Belebungdes Kreditgeschäftes zu Gunsten der Realwirtschaft ist manmeilenweit entfernt.
Gläubigerschutz kann auch anders aussehen
Ist die Situation, an das eigene Geld zu kommen, aus-sichtslos und die Zahlungsunfähigkeit droht, ist man nachheute geltendem Recht nicht nur verpflichtet, den schmerz-haften Schritt in die Insolvenz zu gehen. Es kann sogar vongroßem Vorteil sein, wenn es darum geht, den Betrieb amLeben zu erhalten. Das heutige Insolvenzrecht ist in erster Linie auf den Erhalt des Unternehmens ausgerichtet. Ausdiesem Grund tritt mit Einreichung der Insolvenz der soge-nannte „Gläubigerschutz“ in Kraft. In den USA im neuer-dings oft genannten „Chapter 11“ ebenfalls fest verankert.Dabei werden nicht etwa die Gläubiger des Unternehmensgeschützt, sondern das Unternehmen vor den eventuellberechtigten Zwangsvollstreckungen ihrer Gläubiger. Zielist es, das Unternehmen fortzuführen. Dazu muss der Insol-venzverwalter das Unternehmen nach den entsprechendenChancen einer Weiterführung beurteilen. Er wird versuchen,möglichst viele Forderungen von Kunden und Geschäfts-partnern herein zu holen. Vor allem aber wird er versuchen,die Gläubiger von einem teilweisen Verzicht ihrer Forde-rungen zu überzeugen. Gelingt ihm dieses Kunststück und
PLEITE AUF RATEN
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