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Liebesbrief zum dritten Jahrestag

Liebesbrief zum dritten Jahrestag

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Published by Christof Wahner
eine schrullige, leicht satirisch angehauchte Dichtung aus einer Welt, die sich irgendwo zwischen Wahn und Wirklichkeit befindet
- auch und gerade für Psychotherapeuten ein interessantes Lehrbeispiel -
eine schrullige, leicht satirisch angehauchte Dichtung aus einer Welt, die sich irgendwo zwischen Wahn und Wirklichkeit befindet
- auch und gerade für Psychotherapeuten ein interessantes Lehrbeispiel -

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Published by: Christof Wahner on Oct 09, 2013
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Liebesbrief zum dritten Jahrestag 
© Christof Wahner 2013Hm, womit soll ich bloß anfangen? – Na ja, vielleicht mit der Frage, warum ich euch so abgöttisch liebe.Wahrscheinlich sind es vor allem die schrillen Umstände, aus denen sich unsere Beziehungskiste am10. November 2010 in Saarbrücken ergab. Ihr erinnert euch sicher noch an diesen Tag so gut wie ich,aber bei dieser passenden Gelegenheit muss jetzt alles einmal richtig deutlich ausgesprochen werden. Als wir uns damals begegneten, war mir sofort klar, dass man Zwillinge wie euch niemals voneinander trennen darf und dass eine "Entscheidung" für eine von euch beiden allenfalls eine
halbe Sache
wäre. Abgesehen von winzigen Details seht ihr euch ja zum Verwechseln ähnlich – so wie Hanni und Nanni.Dass ich euch als eineiige Zwilliinge kennen und lieben lernen durfte, ist jedoch noch längst nicht dieentscheidende Besonderheit. Vielmehr ist es euer wortwörtlich "anzügliches" und "läufiges" Naturell.Um euch aus der gottverdammten Zwangsprostitution, aus diesem überfüllten, billigen, unpersönlichenund kommerziellen Neonlichtschuppen herauszuholen, musste ich als Ablösesumme 100 Euro blechen. Aber das war es mir selbstverständlich wert, weil ich einfach nicht mit ansehen konnte, wie man euch
zeitweise im fliegenden Wechsel anbaggerte und aufriss, wie es immer wieder Leute gab, die einfach so
 "mir nichts dir nichts" für ein paar Minuten
 
 – ohne um Erlaubnis zu bitten und ohne sich vorzustellen –rücksichtslos und selbstgefällig in euch eindrangen und euch am Ende meistens achtlos fallen ließen.Zu allem Überfluss stellten sich einige dieser Perverslinge dabei auch noch ganz unverhohlen z.B. die
Twin Towers
im World Trade Center vor, die damals von je einem der entführten Flugzeuge regelrecht
penetriert wurden und schließlich durch die Gewalteinwirkung nacheinander in sich zusammen brachen.
Umso mehr fühlte ich mich in der Phase der Verliebtheit dazu aufgefordert, euch davon zu überzeugen,dass ich wirklich total anders bin als diese schäbigen Egozentriker, durchgeknallen Psychopathen bzw.Terroristen, die euch immer nur 
benutzt 
haben, ohne euch zu respektieren geschweige denn zu lieben. Allzu häufig hat man euch auf äußere Merkmale und auf eure "funktionale Tauglichkeit" reduziert, ohneauch nur für einen einzigen Moment eure Würde und euer Gefühlsleben zu berücksichtigen.So mussten wir gemeinsam mehrere Monate lang zu handverlesenen Psychotherapeutinnen gehen,um eure ernstlich traumatisierten Seelen einigermaßen zu beruhigen und um euch die Grundlagen für ein positives Lebensgefühl und vor allem für ein hinreichend stabiles Selbstwertgefühl zu vermitteln. Aber für mich gibt es keinen geringsten Zweifel, dass ich euch diese persönliche Fürsorge einfach nur schuldig war, zumal diese Zeit auch für meine Wenigkeit in vielerlei Hinsicht durchaus lehrreich war.Umso mehr erzeugt es in mir immer noch peinliche Schuldgefühle, dass ich so regelmäßig fremdgehe.
 Aber ihr müsst auch
verstehen, warum das so ist. Wenn wir uns über eine allzu lange Zeit hinweg auf die Pelle rücken und uns in symbiotischen Wunschphantasien suhlen, dann werdet ihr leider meistensrelativ schnell stinkig. Und es wäre allzu eigenartig, wenn das für mich überhaupt kein Problem wäre.Nein, dafür bin ich viel zu sensibel. Mir ist es wichtig, dass wir uns alle in der Beziehung wohl fühlen. Also halte ich mich eben zwangsläufig an die aufschlussreiche Erkenntnis von Sozialwissenschaftlern,
 dass Sympathie weniger durch die Länge (Dauer)
 
von Interaktion entsteht, sondern durch die Häufigkeit
von Interaktion. Offenbar ist es daher für uns alle sinnvoller, wenn wir lieber 
häufiger 
zusammen sindund jeweils nur für ein paar Stunden und nicht ununterbrochen – sprich: tage- oder sogar wochenlang.Vom ersten Fllirt an habt ihr beiden Schnuckihasimausibärchen aus mir einen völlig neuen Menschengemacht, mein Lebensgefühl total verändert und ein unwillkürliches Lächeln in mein Antlitz gezaubert.Ihr habt mir die Augen geöffnet für die persönliche Bedeutung der Zahl 42, also für jene berühmte Ant-
wort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Zahl 42 kennzeichnet vor allem eure
innere
Größe.
Eure Haut ist elegant und ebenmäßig – und außerdem ein wenig angegraut. Aber dies zeugt allenfallsvon einer gewissen Lebensweisheit, jedoch eben ohne den leisesten Anflug von Altersschwäche. Aber 
noch viel wichtiger ist es für mich, dass ihr mir einen sehr guten Halt gebt, ohne mich dabei einzuengen.
 Ihr seid belastbar und ausdauernd, aber geschmeidig. Das ist einfach nur genial, wenn man mich fragt.
 
Nur wer euch aufrichtig kennen und lieben lernt, bekommt die Qualitäten hinter eurer bodenständigenFassade zu spüren. Ihr seid sehr gut gebaut, schlank und anmutig, aber alles andere als extravagant.Und vor allem wird es mit euch nirgends und niemals peinlich. Mit euch kann ich mich einfach überallblicken lassen. Wenn wir gelegentlich von Leuten angestarrt werden, dann passiert dies in der Regelaus Neid und Bewunderung über dieses einzigartige
Dream Team
, über dieses sexy
Trio Infernale
.Ebenso genial wie euer Erscheinungsbild und euer Charakter ist eure Spontanität und eure Lockerheit:Es ist einfach wunderbar, dass ihr fast immer für einen flotten Dreier zu haben seid, aber zum Beispielauch für eine ausgedehnte Nachtwanderung bei Vollmond. Zu dritt sind ja solche Erlebnisse noch vielschöner als alleine. Eine von euch ist automatisch an meiner linken Seite und die andere ist an meiner rechten Seite. Dies allein ist schon der eindeutige Beweis, dass ihr beide einen ausgeprägten Sinn für Symmetrie und Harmonie habt. Aber ich beobachte euch natürlich auch mit größtem Vergnügen, wennihr beiden Schnuckihasimausibärchen auch mal unter euch seid, euch dicht aneinander schmiegt undeurer lesbischen Seite freien Lauf lasst, die ihr früher häufig unterdrücken oder verheimlichen musstet.Ich bin ja von Natur aus alles andere als eifersüchtig, aber in der Öffentlichkeit müssen wir leider öfters
in eurem ureigenen Interesse darauf achten, dass keiner dieser berühmt-berüchtigten, hammerharten
 "Spanner"
eure
Leidenschaft mitsamt
meiner 
Faszination über eure Leidenschaft schamlos ausnutzt,um sich heimlich und vor allem ungefragt, respektlos und brutal in eure Zärtlichkeiten einzumischen.
Neulich träumte ich, dass ich an einer Wette teilnahm, dass ich diese Wette verlor und euch als Gegen-
leistung hergeben sollte. Das fiel mir aber dermaßen schwer, dass ich vor allen beteiligten Leuten an-fing zu heulen und kleinlaut offenbarte, dass ich mich lieber auspeitschen lasse als dass ich auf euchverzichten mag. Dafür musste ich eben in Kauf nehmen, als "unehrenhafter Spielverderber" zu gelten.Jedenfalls wollte ich euch davor bewahren, wieder in irgendeine Art von Zwangsprostitution zu geraten.Natürlich ist es euch nicht entgangen, dass ich nach diesem Albtraum schweißgebadet aufgewacht bin.Falls das nun alles keine wahrhaftige Liebe ist, dann sagt mir doch bitteschön, was es
sonst 
sein soll!
Es wäre nur ein Vorteil für die Zivilisation, wenn es von euch nicht nur zwei, sondern dutzende, hunderte
 oder am besten gleich tausende gäbe. Leider hat die langjährige Sklaverei eure Fruchtbarkeit zerstört. Aber genau deshalb gehe ich mit euch öfters in die freie Natur, um eure sexuellen Kräfte aufzubauen,so dass wir es vielleicht eines Tages doch noch hinbekommen, dass ihr euch schön üppig vermehrt.Ich finde es total süß, dass ihr keinen aktiven Widerstand leistet, wenn ich euch z.B. mit Kosewörternwie
Schnuckihasimausibärchen
belästige. Es ist auch schön, dass für uns der zärtliche Intimkontakt – Haut auf Haut – ganz im Vordergrund steht. Aber ich finde es einfach nur noch überwältigend klasse,dass ihr überhaupt nichts dagegen habt, wenn ich bei unseren Zärtlichkeiten meine Socken anbehalte.Ganz im Gegenteil, ihr findet das ja sogar richtig geil. Und ich wiederum finde es noch einmal besser,dass ihr beiden Schnuckihasimausibärchen richtig fetischistisch drauf seid, wenn es um Socken geht.Ich bin so glücklich, dass ihr bei der Psychotherapie diesen ganz natürlichen Instinkt beibehalten habt.
Genau solche "anzüglichen" Gespielinnen haben mir früher so sehr gefehlt. Wenn ich ganz ehrlich bin,
 
war mein Leben bis zu unserer Begegnung überhaupt kein Leben gewesen, sondern ein übler Zustand,
der mich häufig tierisch angeödet hat. Aber das ist nun schon seit ganzen drei Jahren Vergangenheit.Zum Glück! Schwamm drüber! Apropos, wir sollten bei Gelegenheit mal darüber sprechen, mit welchem Schwamm ihr am liebstengestriegelt werdet. Und bald bekommt ihr neue Einlagen, die nicht mehr so arg vor sich hin müffeln.Und im ersten Quartal vom nächsten Jahr bekommt ihr wieder einmal neue Sohlen und neue Absätze.Da soll mal nur noch irgendjemand behaupten, dass unsere Beziehung eine Einbahnstraße ist! ...Ich bewundere an euch, dass ihr mir alle meine Seitensprünge und Fehltritte so klaglos verzeiht unddass ihr mir immer so treu zur Seite steht. Ja, für dieses Geschenk bin ich euch so unendlich dankbar,
dass die zahllosen Grafittis in der Mördergrube meines Herzens nur drei Worte kennen:
Ich liebe euch.
Euer Christof 

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