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Paragrana 17 (2008) 1
dieses Denkens als ein temporäres
Hybrid
verschiedener Substanzen, die eine ganzForm, die andere Materie und Erscheinung.Bleiben wir noch einen kurzen Augenblick bei der historisierenden Betrachtung:Die platonische Theorie des ontologischen Abstiegs von der Ideenwelt zur ma-teriellen Welt wurde im Neuplatonismus, zuerst bei Proklus (410-485), dann beiComenius bildungstheoretisch gewendet als Hervorgehen (
próodos
) der sinnlich-materiellen Sphäre (
mundus realis
) aus dem
mundus possibilis
, also der Welt desDenk- und Vorstellbaren (
rationabile
,
appetibile
,
operabile
), verstanden.
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Der
mundus possibilis
ist aber dem Wortlaut nach nichts anderes als eine
virtuelle Welt
,nämlich eine der Kraft oder Möglichkeit nach bestehende.
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Der
mundus realis
istdie materiell-sinnliche Sphäre der Dinge, und das Bildungsziel bestand bei Co-menius in der Mimesis an die göttliche Kunst der Hervorbringung (
imitatio aut transformatio
), die eine in der Rückwendung (
epistrophé)
zur ideellen und „po-tentiellen“ Sphäre versprechen sollte: die Frage der Virtualität steht gewissermaßenschon sehr früh in einem bildungstheoretischen Bezugsfeld, dessen Richtung vonder körperlich-materiellen Welt hin zur ideell-virtuellen Welt gehen sollte.Im nachmetaphysischen, postcartesianischen Zeitalter präsentieren sich die Ver-hältnisse interessanterweise umgekehrt: Der medientechnologische
Avatar
ist nichtdie
Herab
kunft einer ideellen Substanz in einen materiellen Körper – in den posthumanistischen Cyberphantasien der 1980/1990er Jahre, von
Max Headroom
bis zu
Stelarc
, ist er vielmehr das Ergebnis eines
Auf
stiegs (
upload
) des immer schon verkörperlichten, an den Körper gefesselten Subjekts in einen
mundus possibilis
, also einen virtuellen, unkörperlichen Raum – ein Traum von der technologischen Überwindung des Körpers, den Elisabeth List treffenderweise als„kybernetischen Platonismus“ gekennzeichnet hat,
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als Vision „vom körperlosenSelbst in der telematischen Kultur“. Die Liebhaber und Verächter des Avatars undder angeblich körperlosen Welten der Neuen Medien saßen dabei gleichermaßeneinem (eigentlich bereits unzeitgemäßen, weil durch den Konstruktivismus erheb-lich angeschlagenen) ontologischen Schema auf, indem sie unter dem Eindruck der medialen „Bilderfluten“ einerseits und der avantgardistisch-kritischen Schwund-theorien (Baudrillard, Virilio) andererseits die Medien- und Entkörperungs- problematik auf der
Basis
der Differenz „Realität vs. Virtualität“ beobachteten. DieSorge der Entkörperung breitete sich mithin – paradoxerweise – zugleich mit der Erkenntnis aus, dass der Körper selbst bis in seine Materialität hinein konstrukt-haft, diskursiv, imaginär, dem begrifflichen Zugriff entzogen ist, – jedenfalls allesandere als einen sicheren theoretischen Bezugspunkt für Virtualisierungsdebattendarstellt.
2 Vgl. Buck, Günther: Rückwege aus der Entfremdung: Studien zur Entwicklung der deutschenhumanistischen Bildungsphilosophie. Paderborn, München 1984, S. 49 ff.3 Welsch, Wolfgang: »Wirklich«. Bedeutungsvarianten – Modelle – Wirklichkeit und Virtualität.In: Krämer, Sybille (Hg.): Medien – Computer – Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und NeueMedien.
Frankfurt am Main 1998, S. 169-212.4 List, Elisabeth: Grenzen der Verfügbarkeit.Wien 2001, S. 143.
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