Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Look up keyword
Like this
1Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Der Staat und die Zuwanderung

Der Staat und die Zuwanderung

Ratings: (0)|Views: 21|Likes:
Published by Mises Fan
Die natürliche Ordnung als Gegenmodell. Von Hans-Hermann Hoppe.
Die natürliche Ordnung als Gegenmodell. Von Hans-Hermann Hoppe.

More info:

Published by: Mises Fan on Oct 11, 2013
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

10/31/2013

pdf

text

original

 
16 I
eigentümlich frei
Nr. 58 I Dez./Jan. 2005/06
Frankreich brennt – eine langfristige Alternative
Der Staat und die Zuwanderung
Und die natürliche Ordnung als Gegenmodell
 von Hans-Hermann Hoppe
Übersetzung aus dem Englischen von Ronald Gläser I Foto von Ronald Gläser
Die natürliche Ordnung
Nehmen wir an, alles Eigentum befindet sich in priva-ter Hand. Ferner ist die ganze Welt besiedelt. Jedes Stück Land, jeder Hof, jedes Haus, jede Straße, jeder Fluss undSee und Wald, jedes Gebirge und jeder Küstenstrich wird von Privatpersonen oder privaten Firmen besessen. Es gibt weder Volkseigentum noch offene Grenzen. Blicken wirauf mögliche Probleme bei der Zuwanderungspolitik indiesem Szenario der natürlichen Ordnung.Zuerst einmal gilt folgendes: In der natürlichen Ord-nung gibt es so etwas wie ein Menschenrecht auf Einwan-derung nicht. Menschen können nicht einfach dahin gehen, wo es ihnen gefällt. Wann immer sich jemand bewegt, dannbewegt er sich auf Privateigentum. Grundsätzlich kann sicheine Person nur bewegen, wenn der Gastgeber, dem dasLand gehört, sie auch eingeladen hat. Und dieser Gastge-ber hat natürlich stets das Recht, seine Einladung zu wider-rufen und die „Gäste“ zu entfernen, wann immer ihm die Anwesenheit der betroffenen Gäste nicht mehr erstrebens- wert erscheint.Es wird in dieser Ordnung sehr viel Bewegung geben, weil es viele Gründe gibt, Gäste in sein Land zu holen. Aberes gibt auch Gründe dagegen. Zu denjenigen, die Gäste inerster Linie einladen werden, gehören die Eigentümer derStraßen, Bahnhöfe, Häfen und Flughäfen. Mobilität ist ihrGeschäft. Dementsprechend werden die Zugangsrechte – Fahrkarten – günstig zu haben sein. Trotzdem werden die-se Gastgeber nicht jedem Zugangsrechte einräumen. Sie würden chaotische oder gar volltrunkene Personen von vornherein ausschließen. Unbefugte, Bettler und Schmarot-zer werden sie davonjagen und alle restlichen Kunden wäh-rend ihres Aufenthalts gegebenenfalls filmen und überwa-chen.Nicht viel anders ist die Situation von Einzelhandel,Hotel- und der Gastwirtschaft. Vermieten und Verkaufenist ihr Geschäft. Und freier Zugang zu ihnen ist dafür uner-lässlich. Für sie gibt es genügend Anreize, Fremde und Aus-länder nicht zu diskriminieren, weil sie ansonsten Verlusteerleiden würden. Sie müssen jedoch bedeutend vorsichti-ger und zurückhaltender bei ihrer Zugangspolitik sein alsdie Betreiber von Flughäfen und Straßen. Sie dürfen die Auswirkung der Anwesenheit Fremder in einer bestimm-ten Gegend nicht außer Acht lassen. Wenn die Umsätzeeines Händlers oder Hotels aufgrund einer zu freizügigenZugangspolitik für Ausländer zurückgehen, dann ist eineDiskriminierung derselben absolut gerechtfertigt. Um ausdieser Zwickmühle zu entkommen, werden Unternehmen von ihren ausländischen Kunden eine minimale Anpassung an lokale Sitten und Gebräuche einfordern.
Im Staat
Nehmen wir jetzt den Staat hinzu. Dieser wird wie üb-lich so definiert: Der Staat ist eine Institution, die auf einembestimmten Gebiet exklusive und ultimative Rechte ausübtund zwischen Konfliktparteien entscheidet. Insbesonderenimmt sich der Staat das Recht heraus, auch in den ihn selbstbetreffenden Konflikten zu entscheiden. Er schließt andereals ultimative Richter einfach aus. Das zweite Kernelementeines Staates ist das Recht, Steuern erheben zu dürfen. Ein-
TIef 
Ief -SCHWERPUNKT
 
 www.ef-magazin.de
 
I
 
17
Dez./Jan. 2005/06 I Nr. 58
seitig bestimmt er darüber, was Gerechtigkeits-Suchendedem Staat für seine Dienste als Monopolanbieter von Ge-setz und Ordnung zahlen müssen.Natürlich ist es angesichts dieser Definition einfach zu verstehen, warum es das Bedürfnis gibt, einen Staat zu grün-den. Im Kindergarten sagen sie uns, dass es wegen des„Gemeinwohls“ sei und dass es andernfalls keine Ordnung geben würde. Das ist offenbar Unsinn. Es geschieht ausselbstsüchtigen, einfachen Motiven heraus. Denn derjenige,der der letztentscheidende Schlichter in allen Konfliktfällenin einem bestimmten Gebiet ist, kann seine eigenen Gesetzemachen, anstatt bestehende Gesetze zu beachten oder an-zuwenden. Und wer die Gesetze macht, kann Steuern er-heben und sich an anderen bereichern.Immigration bekommt eine ganz neue Bedeutung, wennein Staat mit klar definierten Staatsgrenzen etabliert ist. Inder natürlichen Ordnung ist Immigration die Wanderung einer Person von einer Nachbarschaft zur nächsten (Mikro-Migration). Anders unter den Bedingungen eines bestehen-den Staates: Immigration ist die Einwanderung von Men-schen von außen, Ausländern also, wobei die Entscheidung, wer dies darf und wer nicht, nicht mehr bei dem betroffe-nen Eigentümer oder einer Nachbarschaft von betroffe-nen Eigentümern liegt, sondern bei einer zentralen oder garzentralistischen Regierung, die die ultimative Herrschaft überdie Einwohner des Staates und deren Eigentum ausübt(Makro-Migration). Wenn ein Einwohner einen fremdenGast einlädt und ihm sein Privateigentum zur Verfügung bereitzustellen gewillt ist, die Regierung den potentiellen Gastaber von seinem Territorium ausschließt, dann ist dies einFall von gewaltsamem Ausschluss. Ein Phänomen, das inder natürlichen Ordnung nicht existiert. Andererseits ist esein Fall von gewaltsamer Integration, wenn die Regierung Fremde ins Land holt, obwohl kein Privateigentümer dieseMenschen eingeladen hat – da in der natürlichen Ordnung nur Wanderungen auf Einladung hin stattfinden, gibt es dortauch diese Erscheinung nicht.
Zuwanderung im Staat
Um die Bedeutung des Wandels von einer dezentrali-sierten Entscheidung der betroffenen Eigentümer oder ei-nes Zusammenschlusses betroffener Eigentümer (Mikro-Migration) hin zu einer zentralisierten Zulassung zur Ein- wanderung durch einen Staat (Makro-Migration) zu ver-deutlichen, und um insbesondere das Entwicklungspoten-tial von Zwangs-Integration unter staatlichen Bedingungenzu erfassen, ist es zunächst einmal erforderlich, die Politik des Staates hinsichtlich interner Wanderungsbewegungen zuuntersuchen. Basierend auf der Definition des Staates alsterritorialem Monopolisten für Gesetze und Steuern undder Annahme, dass er über ein Eigeninteresse verfügt, kanndiese Politik leicht vorausgesagt werden. Vor allem sind die Staatsbeamten daran interessiert, dieStaatseinnahmen zu erhöhen, ja zu maximieren, und dieGesetzesbefugnis soweit auszudehnen, dass sie ihre „Ho-heit“ über immer fremdes Privateigentum erweitern kön-nen. Sie werden nur das nicht oder ganz unzureichend tun, was sie eigentlich tun sollten: nämlich Privateigentümer undihr Privateigentum vor einer fremden Invasion bewahren.Mehr noch – weil Einschnitte in das Privateigentum unddie Bezahlung von Steuern nicht freiwillig, sondern wider- willig erfolgen, muss der Staat, um sein Recht auf Steuernund Gesetzgebung zu verteidigen, seinen Beamten ausSelbsterhaltungsinteresse Zugang zu jedermann und jeder-manns Eigentum innerhalb seines Territoriums verschaffen.Um das zu erreichen, muss der Staat erst einmal die Kon-trolle über alle privaten Straßen übernehmen – durch Enteig-nung. Dann nimmt er das Steuergeld, um weitere Straßen,Plätze, Parks und Einrichtungen zu bauen, bis jedermannsEigentum an öffentliches Eigentum angrenzt oder von ihmumzingelt ist. Viele Wirtschaftswissenschaftler haben argumentiert,dass ein Mangel an öffentlichen Straßen eine Schwäche dernatürlichen Ordnung – des freien Marktes – andeute. Dem-nach produziere der freie Markt zu wenig öffentliche Gü-ter wie eben Straßen. Die steuerfinanzierten Straßen dage-gen würden diesen Fehler beheben und damit die Volks- wirtschaft stärken. Offensichtlich ist dies eine sehr wirklich-keitsfremde Sichtweise der Dinge.Freie Märkte produzieren sehr wohl Straßen – auch wenn sie weniger und andersartige Straßen produzieren alsunter staatlichen Bedingungen. Und betrachtet unter denBedingungen der natürlichen Ordnung ist die gesteigerteProduktion von Straßen in Staaten keine Verbesserung, son-dern eine Überproduktion – um nicht zu sagen Fehlpro-duktion – von Straßen. Öffentliche Straßen sind nicht ein-fach harmlose Einrichtungen für interregionalen Austausch.Zuerst einmal sind Straßen der Weg zu Besteuerung undKontrolle, weil Finanzbeamte, Polizisten und Soldaten auf öffentlichen Straßen ungehindert bis zu jedermanns Türgelangen können.Zusätzlich führen öffentliche Straßen und Gebiete einekünstliche Aufspaltung der räumlichen Gemeinschaftsord-nungen, die für die natürliche Ordnung charakteristisch ist,herbei. Es gibt gute Gründe dafür, sich abzuschotten undauch in deutlicher räumlicher Distanz zu anderen zu leben.
Zuerst einmal sind Straßen der Weg zu Besteuerung und Kontrolle, weilFinanzbeamte, Polizisten und Soldaten auf öffentlichen Straßenungehindert bis zu jedermanns Tür gelangen können.
TIef 
Ief -SCHWERPUNKT
 
18 I
eigentümlich frei
Nr. 58 I Dez./Jan. 2005/06
Die Überproduktion unter staatlichen Bedingungen bringtnun Gemeinschaften in eine größere Nähe zueinander, alssie dies vielleicht wünschen. Andererseits werden durch Stra-ßen bestehende Nachbarschaften aufgespalten und zerteilt.Darüber hinaus – insbesondere im Fall eines demokra-tischen Staates – können noch genauere Voraussagen ge-macht werden. Schon fast per definitionem erstreckt sichdas Gebiet eines Staates über ethnisch-kulturell unterschied-liche Gemeinschaften. Wegen der wiederholt stattfinden-den Wahlen wird eine Regierung eines Staates über kurzoder lang mit Umverteilungspolitik beginnen. In einem eth-nisch-kulturell gemischten Staat bedeutet dies, eine Rasse,einen Stamm, eine Sprach- oder Religionsgruppe, eine Klas-se – arm gegen reich, Kapitalisten gegen Arbeiter – gegeneine andere auszuspielen. Am Ende werden Mütter gegen Väter ausgespielt und Kinder gegen ihre Eltern. Die darausresultierende Einkommens- und Vermögensumverteilung ist sehr komplex und variiert stark. Es gibt einfache Zah-lungen von einer Gruppe an eine andere. In jedem Fall hatUmverteilung immer auch einen räumlichen Aspekt. In Hin-blick auf den räumlichen Aspekt findet die Umverteilung auch Ausdruck in einem immer durchdringenderen Netz- werk der „Affirmative Action“-Politik, die das Recht vonPersonen an ihrem Eigentum einschränkt.Das Recht eines Eigentümers, andere von seinem Ei-gentum auszuschließen, ist das Mittel, das ihm ermöglicht,„Unheil“ zu verhindern, also Ereignisse, die den Wert sei-nes Eigentums schmälern. Durch seine Umverteilungspoli-tik hat der demokratische Staat seine Bürger nicht nur ihrer Waffen als Mittel der Selbstverteidigung beraubt, sondernauch ihre Grundrechte auf Ausschluss anderer von ihremEigentum untergraben. Damit hat er ihnen auch ihre per-sönliche Sicherheit geraubt. Gewerbetreibende wie die Be-treiber von Geschäften, Restaurants und Hotels sind nichtmehr frei, ihr Eigentum ihren Kunden nur restriktiv odergar nicht zur Verfügung zu stellen. Arbeitgeber dürfen nichtmehr heuern und feuern, wen sie wollen. Landeigentümerkönnen sich ihre Pächter nicht mehr aussuchen. Kurz ge-sagt: Zwangsintegration ist allgegenwärtig und macht sämt-liche Aspekte des Lebens zunehmend unangenehm undunerfreulich.
Offene Grenzen als Ausweg?
Gibt es Abhilfe gegen die Probleme? Kommen wirzunächst zu einem Vorschlag des „Wall Street Journals“,des „Cato-Instituts“, der „Foundation for Economic Edu-cation“ und weiterer links-libertärer Schreiberlinge, die füreine „Offene-“ oder gar „Keine-Grenzen-Politik“ eintre-ten. Nicht weil man damit einen Blumentopf gewinnenkönnte. Sondern, weil es hilft, das Problem zu erhellen undLösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.Es ist nicht schwer vorauszusagen, welche Konsequen-zen eine Offene-Grenzen-Politik auf unserer Welt anrich-ten würde. Sollten die Schweiz, Deutschland, Österreich oderItalien zum Beispiel jeden einlassen, der bei ihnen an die Türklopft, dann würden sie in Kürze überrannt von MillionenEinwanderern aus der Dritten Welt – aus Albanien, Bangla-desch, Indien oder Nigeria zum Beispiel. Selbst die etwasauffassungsfähigeren Befürworter der „Offene-Grenzen-Politik“ begreifen, dass dies den sofortigen Zusammenbruchder sozialen Sicherungssysteme zur Folge haben würde. Dassollte uns nicht weiter stören, denn um wirklichen Schutz von Person und Privateigentum wiederherzustellen, soll der Wohlfahrtsstaat ja gerade entsorgt werden. Aber dannkommt der große Sprung, die klaffende Lücke in der Ar-gumentation der Offene-Grenzen-Advokaten: Aus denRuinen des demokratischen Wohlfahrtsstaates, so will manuns glauben machen, entsteht irgendwie die neue, natürlicheOrdnung.Der erste Fehler in dieser Argumentationskette ist schnellausgemacht: Sobald die Wohlfahrtsstaaten unter der neuenLast zusammengebrochen sind, sind die Massen von Ein- wanderern, die diese Lasten verursacht haben, immer nochda. Sie haben sich nicht auf wundersame Weise in Österrei-cher, Bayern oder Lombarden entwickelt. Stattdessen sindsie noch immer Zulus, Hindus, Ibos, Albaner oder Bangla-deschis. Assimilation ist möglich, wenn die Zahl der Zu- wanderer klein ist. Eine Integration ist dagegen absolut un-möglich, wenn Einwanderung in massigen Dimensionenauftritt. In diesem Fall transportieren die Einwanderer ein-fach ihre Ethno-Kultur in das neue Territorium. Wenn die Wohlfahrtsstaaten in sich zusammengefallen sind, dann wirdes eine Vielzahl von kleinen oder auch größeren Kalkuttas,Dakars, Lagos’ und Tiranas in der Schweiz, Österreich undItalien – verteilt über das ganze Land – geben. Es verräteine enorme soziologische Naivität, wenn man glaubt, dassaus diesem Potpourri eine natürliche Ordnung emporstei-gen wird. Basierend auf unseren Erfahrungen mit solchenFormen der Multikulturalität in der Vergangenheit kann mitziemlicher Sicherheit ein Bürgerkrieg vorausgesagt werden.Es wird flächendeckende Plünderungen und Hausbesetzun-gen geben. Dies führt zu massiver Kapitalvernichtung. DieZivilisation – wie wir sie kennen – wird verschwinden, inder Schweiz, in Österreich und in Italien. Die früheren Gast-geber-Nationen werden schnell ausgebrannt sein. Letztlich werden sie durch die Gäste vollständig ersetzt. Es wird noch
Es wird flächendeckende Plünderungen und Hausbesetzungen geben.Dies führt zu massiver Kapitalvernichtung. Die Zivilisation – wie wir siekennen – wird verschwinden, in der Schweiz, in Österreich und in Italien.
TIef 
Ief -SCHWERPUNKT

You're Reading a Free Preview

Download
scribd
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->