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Im Hause Gottes
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 Interview mit Dr. Vijai S Shankar MD.PhD.Von Mrs. Paula MarvellyAus dem Buch "The Teachers of One",Watkins Publishing, London,2002 Pollen der Casablanca-Lilie, die ich als Gabe für den Guru bereithalte, habenmeine Jacke und meine Wange bestäubt. Ich erinnere mich, wie ich meineSchuhe auszog, bevor ich eintrat. Wie so viele Wohnungen der indischenBevölkerungsgruppe in Nord-West London, ist Kalpna Dave’s halb abgetrennte,einfache Unterkunft außerhalb jeder Beschreibung und doch enthüllt sie sich alsein Tempel zum Lobe Gottes. Indische Gewürze und Weihrauch durchziehen den Raum, der mit vedischenDenkwürdigkeiten geschmückt ist. Im Vorraum dominiert ein majestätischerSchrein von Sri Sathya Sai Baba die halbe Wand, Fotographien und Malereienvon Sri Shirdi Sai Baba und seiner Reinkarnation, Sri Sathya Sai Baba, sindbestäubt mit Vibuti. Mala-Perlenketten hängen über Portraits von Krishna undRadha, Shiva und Parvati, Hanuman und Ganesh und auf dem Altar befindetsich ein mit Reiskörnern geschriebenes OM-Zeichen. Ich bin teilweise überrascht, dass ich hier bin um mit Vijai zu sprechen. Eserscheint als Ironie, dass er der erste nicht westliche Lehrer sein soll, mit demich sprechen werde: die Advaita-Lehre war für mich bisher eher ein Randgebietder indischen Sagenwelt. Ich bin gespannt, ob seine Interpretationen sichirgendwie unterscheiden werden. Vielleicht wird er mir die Geschichten vonKrishna und Rama erzählen, etwas über die Bedeutung der indischen Ritualeund die magischen Kräfte des Ganges. Vijai’s rundes und pausbackiges Gesicht – seine linke Augenbraue strebt zumHimmel auf – begrüßt mich mit liebevollem Respekt. Er trägt den traditionellen
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Kurthapyjama , der im eine exotische und würdevolle Erscheinung verleiht. Erführt mich zum Esszimmer auf der Rückseite des Hauses, ein sehr einfacher,bescheidener Raum im Vergleich zum kaleidoskopartigen Vorraum. Kalpna,seine ihm auf dem geistigen Weg folgende Assistentin erscheint aus derangrenzenden Küche: eine lebendige Verkörperung einer indischen Göttin, derenseidener, grüner Sari prunkvoll über dem Boden schleift, als sie eintritt. Wirbegrüßen uns gegenseitig mit einem Namaste; sie lächelt bescheiden, ihrenBlick in einer Art gottesfürchtigen, demütigen Haltung abwendend. In den späten Vierzigern in Bangalore / Südindien geboren, war Vijai inspiriertvon den Schriften Sri Ramana Maharshi und Nisargadatta Maharaj. Genötigt,den letzten Sinn der Existenz zu ergründen, verschrieb er sich der Suche, dieihn im Alter von 16 Jahren zu einer Zusammenkunft mit Sri Sathya Sai Babaund zu einem ersten flüchtigen Blick in sein wahres „Selbst“ führte. In denfrühen Siebzigern wurde er in Madras von Sri Shiva Ramakrishna in Tapaseingeführt. Vijai ist ausgebildeter Mediziner, zuerst in Indien dann in Afrika beruflich tätig,spezialisierte er sich auf Kardiologie und Nierenleiden. 1986 kam er nachLondon, wo er den Ph.D. der University of London erzielte. Dies führte ihn zuLehrtätigkeiten an der medizinischen Fakultät als forschender Wissenschaftler inzellulärer und molekularer Biologie. Es geschah etwa zu dieser Zeit, dass seinEgo komplett erschüttert wurde – der Gefallen an weltlichen Dingen ging ihmverloren; aber das genaue Ereignis möchte er nicht preisgeben. 1997 zog Vijaiin die U.S.A und lebte dort in einem Garagen-Appartement in Galveston. Erzieht derzeit um in sein neues Zuhause, das in Alvin /Texas entsteht: dasKaivalya Shivalaya Ashram (Wohnort des Absoluten). Wie viele seiner Advaita-Kollegen hat Vijai eine eigene Web-Site mitTerminkalendern von Events, der Lage des Ashrams, Artikeln und Kommentaren(Anmerkung: auch diese Übersetzung stammt von einem englischen Aufsatzdort) seiner devotees (Nachfolger). Dort findet sich auch eine Erinnerung andas, was ich bin:  „Ein Tropfen Wasser, der als Regen einen See bildet, löst sich auf im Meer. Erverliert nicht sein Tropfen-Sein, aber er gewinnt den ganzen Ozean. So ist esauch mit dem „pernlichenIch. Wenn es sich aufst im Herz desGewahrseins, erfährt es das gesamte Universum.“ Es ist schwer zu verstehen, dass ich in London verweile, während ich zuhöre,wie Vijai und Kalpna in Gujrati miteinander schwatzen. Kalpna lächelt mich anund sagt, dass Vijai sich an mich erinnert von einem Satsang (Zusammenseinin Wahrheit) vor einigen Monaten in Kensington her. Wie in der Tradition vonDarshan stellte sich jeder Teilnehmer am Ende in einer Reihe auf, um vomLehrer Prasad zu erhalten. Umgekehrt kniet jeder Teilnehmer vor Vijai, sichdemütig vor ihm verbeugend, während er an alle weiße und rote Trauben in dieausgestreckten Hände verteilt. Als ich an die Reihe kam, folgte ich diesemZeremoniell. „Möge Gott dich segnen, mein Kind!“, sagte Vijai mit
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verströmender Liebe in seinen Augen „und möge Gott dich auch segnen!erwiderte ich spontan. Bei diesen Worten schaute Vijai mit einem Gelächter zurDecke hinauf : „Das ist so süß!“ gluckste er, als ich gerade erkannte, dass dieswohlmöglich nicht gerade die richtigen Worte waren, die ich gebrauchte. Als ich das Bandaufnahmegerät startete wartete Vijai sanftmütig wie ein kleinerJunge, seine Finger verschränkt und nonchalant auf dem Tisch vor ihm ruhend.Als ich meine erste Frage stelle, öffnet er seine Augen und lässt sie tief inmeinen ruhen. Plötzlich verzieht sich sein Gesicht, er öffnet seine Hände undbeginnt mit den Fingern in der Luft rumzustochern, wobei er mit seinem Kopf inder vertrauten Art der Inder hin und her wackelt. Seine Stimme hatGesangsqualitäten, sie hebt sich und senkt sich, wird lauter und leiser, je nachden Erfordernissen seiner Intuition. Am Ende einer jeden philosophischenZusammenfassung schnallst er mit der Zunge gegen den oberen Gaumen underzeugt einen Pop-Laut, als ob er damit das Gesagte unterstreichen undbestätigen möchte. Vijai liebt es provoziert zu werden: je mehr du ihn herausforderst, destolebhafter wird er, seine Arme gestikulieren weiträumiger, wie bei einemDirigenten in einem Orchester. Während der ganzen Unterhaltung hänselt ermich und übt sanften Druck auf mich aus, seinen Gedankenpfaden zu folgen.Man bekommt den Eindruck, dass einzig Gespräche über Gott (die Existenz) esihm wert genug sind, überhaupt den Mund zu öffnen – sein „persönliches“ Lebenerscheint als irritierende Ablenkung, die er mit einem Handstreich hinwegfegt. Vijais’s Humor hält unsere intensiven theoretischen Ausführungen im Fluss.Meine übliche Reaktion in solchen tiefschürfenden Momenten ist die, vorExperimenten dieser tragischen Art unterzutauchen. Jedoch gab mir meinWochenende mit Arjuna das Gefühl, den letzten Tropfen an Tränen ausgedrücktzu haben und ich hle, dass ich an einem entscheidenden Wendepunktangelangt bin Nun, soweit bis hierher. Insgesamt hle ich mich positivinspiriert, geradezu gesegnet am Ende unserer gemeinsamen Zeit. Ich bin tief berührt von Vijai’s väterlicher Zärtlichkeit. Ich fühle, dass egal wo ein Problemauftaucht, alles sich in Ordnung entwickelt. Kalpna macht das Essen. Sie wartet am Tisch auf uns nach indischer Sitte Tellerfür Teller indischer Köstlichkeiten aufdeckend. „Willst du mit uns essen?“, frageich sie. „Nein, nein!“, antwortet sie bestimmt, „es ist eine Ehre für mich, dich zubedienen. In Indien wird ein Gast als eine Verkörperung Gottes betrachtet. Ichbin wirklich geehrt, dass er in mein Haus kommt und mich mit seiner Gegenwartsegnet.“ Das Gespräch Ich weiß, von der Wahrheit kann nicht in Worten gesprochen werden... 
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