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16
16 Koordinierung des Stoffwechsels
Georg Löffler 
16.1 Nahrungszufuhr und Nahrungskarenz 516
16.1.1 Leber und extrahepatische Gewebe bei Nahrungszufuhr 51616.1.2 Leber und extrahepatische Gewebe bei Nahrungskarenz 52016.1.3 Hormonelle Regulation des Stoffwechsels bei Nahrungszufuhr 52216.1.4 Die hormonelle Regulation der Substratmobilisierungbei Nahrungskarenz 526
16.2 Muskelarbeit 531
16.2.1 Stoffwechsel der Muskelzelle in Ruhe 53116.2.2 Herkunft des für den Kontraktions-Relaxations-Vorgangbenötigten ATP 53116.2.3 Mobilisierung der für Muskelarbeit benötigten Substrate 532
Literatur 536
 
516Kapitel 16 ·
Koordinierung des Stoffwechsels
16
 >>
Einleitung
Der Stoffwechsel in einem aus verschiedenen Organen und Geweben zusammengesetzten Organismus ist davon abhängig,dass die Stoffwechselleistungen einzelner Gewebe und Organe optimal aufeinander abgestimmt sind. Dies setzt komplexeWechselwirkungen zwischen Geweben und Organen voraus, deren Störungen Krankheitswert besitzen.Anhand von zwei Beispielen soll in diesem Kapitel dieses Netzwerk von Organ- und Gewebsbeziehungen geschildert wer-den. Im Einzelnen sind dies:
4
Stoffwechsel bei Nahrungsaufnahme und Nahrungskarenz
4
Stoffwechseländerungen beim Übergang von der Ruhe in den Zustand körperlicher, muskulärer Aktivität
16.1
Nahrungszufuhrund Nahrungskarenz
Beim Menschen erfolgt wie bei allen anderen höherenOrganismen die Nahrungszufuhr diskontinuierlich. Einwichtiges Prinzip des Stoffwechsels ist daher, dass währendder Nahrungszufuhr im Überschuss aufgenommene Nah-rungsstoffe in dafür spezialisierten Geweben des Organis-mus gespeichert werden, um dann während Phasen derNahrungskarenz dem Organismus zur Verfügung zu stehen.Als Speicherorgane bzw. Substratverbraucher sind für dieseVorgänge die Leber, die Skelettmuskulatur und das Fett-gewebe von besonderer Bedeutung.
16.1.1
Leber und extrahepatische Gewebebei Nahrungszufuhr
 !
Über die Pfortader kommt der größte Teil der resor-bierten Nahrungsstoffe zunächst mit der Leber in Kon-takt.
Die besondere Funktion der Leber während der Resorp-tionsphase (Nahrungszufuhr) erklärt sich aus ihrer anato-mischen Lage. Sie nimmt die über den Intestinaltrakt resor-bierten Nahrungsstoffe, Vitamine und Elektrolyte auf. EineAusnahme hiervon machen die Nahrungslipide, die überdie Lymphbahnen des Intestinaltrakts gesammelt und überden Ductus thoracicus in den großen Kreislauf verteilt wer-den und dementsprechend in größerer Verdünnung zurLeber gelangen. Damit ist die Leber als einziges Organ da-ran angepasst, ein sowohl von der Quantität als auch vonder Qualität her sehr variables Stoffangebot zu bewältigen.Die während der Resorptionsphase angefluteten Sub-strate können von der Leber zu einem beträchtlichen Teilgespeichert werden.
 !
In der Leber wird ein großer Teil der Nahrungskohlen-hydrate zur Glycogensynthese verwendet.
Die Tatsache, dass die Leber in der Resorptionsphase Glu-cose aufnimmt, in der Postresorptionsphase (
7
Kap. 11.4
)diese dagegen abgibt, erfordert einen Mechanismus zurUnterscheidung zwischen oral aufgenommener, resorbier-ter und endogen produzierter Glucose. Hierfür ist das sog.
portale Signal
verantwortlich. Resorbierte und über diePfortader aufgenommene Glucose löst in den Hepatozytennicht nur eine Steigerung der Glucoseaufnahme, sondernauch eine Stimulierung der Glycolyse und vor allem der
Glycogenbiosynthese
aus. Gleichzeitig wird die endo-gene Glucoseproduktion supprimiert. Die intravenöseGabe einer äquivalenten Glucosemenge zeigt diese Effektenicht.Die molekulare Natur des portalen Signals ist nochnicht bekannt. Für seine Auslösung ist die Differenz derGlucosekonzentrationen in der Arteria hepatica und derPfortader verantwortlich. Diese benützen intrahepatischeNerven zur Erzeugung eines cholinergen Signals (
7
Kap.31.3
). Die Aufnahme und Speicherung von
Glucose
durchdie Hepatozyten ist bereits in allen Einzelheiten beschrie-ben (
7
Kap. 11.4
) und läuft in folgenden Schritten ab:
4
Glucoseaufnahme unter Vermittlung des Glucose-Car-riers GLUT-2
4
Phosphorylierung von Glucose durch die Glucokinasesowie
4
Einschleusung eines großen Teils des dabei entstehen-den Glucose-6-phosphats in die GlycogenbiosyntheseNeben einer gesteigerten Glycogenbiosynthese führt dieenterale Zufuhr von Kohlenhydraten in den Hepatozytenauch zu einer Steigerung der
Glycolyse
und dem anschlie-ßenden oxidativen Abbau. Ihr Ausmaß hängt sehr stark  von der metabolischen Situation ab, z.B. von der Fettsäure-konzentration, dem Insulinspiegel (
7
Kap. 16.1.3
) und derkörperlichen Aktivität.Ein signifikanter Teil der zu Lactat abgebauten Glucosewird allerdings als sog.
indirekte Glycogenbiosynthese
 wieder für die Glucose- und Glycogenbiosynthese verwen-det. Die Ursache für dieses Phänomen beruht auf der meta-bolischen Zonierung des Leberparenchyms (
7
Kap. 33.1.2
).Glucose wird durch perivenöse Hepatozyten des Leberazi-nus aufgenommen und zunächst für die Glycogenbiosyn-these verwendet. Mit zunehmender Füllung der Glycogen-speicher wird Glucose auch glycolytisch abgebaut, wobeiallerdings wegen der relativen Sauerstoffarmut in diesemAreal überwiegend
Lactat
gebildet wird. Dieses gelangtan die periportalen Hepatozyten, wo es über gesteigerteGluconeogenese in Glucose-6-phosphat umgewandelt undanschließend in Glycogen eingebaut wird.
 
16.1 ·
Nahrungszufuhr und Nahrungskarenz
16
517
 !
Die
de novo
Lipogenese aus Nahrungskohlenhydratenist von untergeordneter Bedeutung.
Die vollständige Biosynthese von Triacylglycerinen ausNichtlipidvorstufen, vor allem aus Glucose, wird als
denovo
Lipogenese
bezeichnet. Hierbei muss sowohl derGlycerin- als auch der Fettsäureanteil der Triacylglycerineaus Glucosekohlenstoff synthetisiert werden. Wie durcheine Reihe von Messungen mit stabilen Isotopen gezeigtwerden konnte, lässt sich beim Menschen unter physiolo-gischen Bedingungen weder in der Leber noch im Fettge-webe eine nennenswerte
de novo
Lipogenese nachweisen.Als allgemeine Regel lässt sich ableiten, dass – solange dieKohlenhydratzufuhr niedriger als der Gesamtenergiever-brauch ist – Kohlenhydrate bevorzugt oxidativ abgebautbzw. als Glycogen gespeichert werden. Eine Lipidneusyn-these wird immer aus den zugeführten Nahrungslipidengedeckt. Diese Beziehung ändert sich erst, wenn extremkohlenhydratreiche Kost zugeführt wird. In einer kontrol-lierten Studie an schwerstkranken, über eine enterale Sondeernährte Patienten, konnte gezeigt werden, dass die
de novo
 Lipogenese in der Leber vom relativen Kohlenhydratgehaltder infundierten Nahrungsstoffe abhängt und bei 75%Kohlenhydraten einem Wert von etwa 20% der zugeführtenKohlenhydrate entsprach.Der Grund für die Unfähigkeit zur
de novo
Lipogenesebei der üblichen lipidreichen Alltagskost liegt offensichtlichdarin, dass die Expression einiger an diesem Vorgang be-teiligter Enzyme wie Pyruvatdehydrogenase, Acetyl-CoA-Carboxylase und v.a. Fettsäuresynthase durch mehrfachungesättigte Fettsäuren der Nahrung reprimiert wird(
7
Kap. 12.3.2
).
 !
Triacylglycerine der Nahrung werden nach Spaltungdurch die hepatische Lipase von der Leber aufge-nommen.
.
Abb. 16.1
gibt eine schematische Übersicht über dieRolle der Leber bei der Metabolisierung der Nahrungslipi-de, die ihr v.a. in Form von
Chylomikronen
und
Chylomi-kronen-Remnants
(
7
Kap. 18.5.2
) angeboten werden. Diein diesen Lipoproteinen enthaltenen Triacylglycerine wer-den durch die
hepatische Lipase
gespalten. Außerdem kön-nen Hepatozyten diese Lipoproteine mit Hilfe spezifischerRezeptoren aufnehmen und dann weiter verwerten.Die durch hepatische Lipase freigesetzten Fettsäurenwerden von den Hepatozyten mit Hilfe von Fettsäure-Transportproteinen (FATP,
7
Kap. 12.1.3
) aufgenommen.Intrazellulär erfolgt dann eine Aktivierung zum entspre-chenden Acyl-CoA.Die jeweilige Stoffwechsellage bestimmt das Schicksalder aufgenommenen Fettsäuren. Durch
β-Oxidation
kön-nen sie zur Deckung des Energiebedarfs der Hepatozytendienen. Hierzu müssen sie als Carnitinester in die mito-chondriale Matrix transportiert werden. Die dazu benötigteCarnitin-Palmityltransferase 1 wird durch Malonyl-CoAgehemmt, dessen Konzentration von der Aktivität der Fett-säurebiosynthese abhängt. Wesentlich wichtiger ist aller-dings in der Resorptionsphase die Veresterung der aufge-nommenen Fettsäuren zu Triacylglycerinen. Die hierfür be-nötigte Phosphatidat-Phosphohydrolase wird durch hoheKonzentrationen an Acyl-CoA stimuliert (
7
Kap. 12.3.1
).Neu synthetisierte Triacylglycerine werden in
VLDL-Lipo-proteine
eingebaut, die anschließend sezerniert werden.An der Bindung von Triacylglycerinen an das für dieVLDL typische Apolipoprotein B
100
ist das
Triacylglycerin-Transfer-Protein
beteiligt. Seine experimentelle Überex-pression führt zu einer drastisch gesteigerten VLDL-Syn-these und -Sekretion.
.
 
Abb. 16.1. Die Aufnahme von triacylglycerinreichen Lipopro-teinen und Fettsäuren durch die Leber.
Durch Katalyse der hepa-tischen Triacylglycerin-Lipase werden die Triacylglycerine in verschie-denen Lipoproteinen gespalten und deren Fettsäuren vom Hepato-zyten aufgenommen. Diese Fettsäuren können entweder abgebautoder aber zu Triacylglycerinen und Phospholipiden verestert werden.Außerdem werden bei allen Zuständen mit gesteigerter Lipolyse imFettgewebe Fettsäuren vermehrt durch die Leber aufgenommen.CPT-1 = Carnitin-Palmityltransferase 1; PH = Phosphatidat-Phospho-hydrolase. (Einzelheiten
7
 Text)
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