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22 Spurenelemente
Petro E. Petrides
22.1 Allgemeine Grundlagen 656
22.1.1 Einteilung der Spurenelemente 65622.1.2 Wirkungsweise der Spurenelemente 65722.1.3 Klinische Bedeutung der Spurenelemente 658
22.2 Die einzelnen Spurenelemente 658
22.2.1 Eisen – 65822.2.2 Kupfer – 66722.2.3 Molybdän – 67122.2.4 Kobalt – 67222.2.5 Zink – 67222.2.6 Mangan – 67322.2.7 Fluorid – 67322.2.8 Jod – 67522.2.9 Chrom – 67522.2.10 Selen 67622.2.11 Cadmium 67622.2.12 Blei 67722.2.13 Quecksilber 677
Literatur 678
 
656Kapitel 22 ·
Spurenelemente
22
 >>
Einleitung
Viele Elemente kommen in Geweben in so geringen Konzentrationen vor (1×10
–6
bis 10
–12
g/g Feuchtgewicht des Organs), dasses mit den früher verfügbaren analytischen Methoden unmöglich war, ihre Konzentration zu bestimmen. Man sagte deshalb,dass sie in Spuren vorkommen und bezeichnete sie demzufolge als Spurenelemente.Die systematische Einteilung der Spurenelemente ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, da ihre einzige Gemein-samkeit darin besteht, dass sie in Zellen von Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren in geringen Konzentrationen vorkommen.Die Höhe der Konzentration unterscheidet sich ganz erheblich von Element zu Element, von Spezies zu Spezies und von Organzu Organ. So benötigen Säugetiere beispielsweise sehr viel mehr Zink und Kupfer als Jod und Selen, und in tierischen Zellensind die Konzentrationen von Zink und Eisen sehr viel höher als die von Mangan und Kobalt. Einige offenbar nicht lebensnot-wendige Spurenelemente kommen in Blut und Geweben des Organismus in Konzentrationen vor, die höher sind als die deressentiellen Spurenelemente.
22.1
Allgemeine Grundlagen
22.1.1
Einteilung der Spurenelemente
 !
Spurenelemente werden nach ihrer Lebensnotwendig-keit eingeteilt.
Die Spurenelemente können nach ihrer Lebensnotwendig-keit in drei Gruppen eingeteilt werden (
.
Tabelle 22.1
):
4
Die essentiellen
4
die möglicherweise essentiellen und
4
die nichtessentiellen Spurenelemente11 Spurenelemente werden als lebensnotwendig bezeich-net (
.
Tabelle 1.1 in Kap. 1.1,
.
Tabelle 22.1
). Interessanter-weise gehören sie mit wenigen Ausnahmen zu den Metal-len, was für Überlegungen zu ihrer Funktion von Bedeu-tung ist (
7
Kap. 22.1.2
).Es ist häufig schwierig, experimentell festzustellen, obein Spurenelement essentiell ist oder nicht. Oft reichenschon die geringsten Mengen des jeweiligen Elements aus,um Mangelerscheinungen des Organismus zu verhindern.Versuchstiere werden zu diesem Zweck in einer Umgebunggehalten, die eine Kontamination mit Spurenelementen verhindert. Man verwendet dazu Isolatoren mit Acrylkäfi-gen, da Plastikmaterial die in ihm enthaltenen Spurenele-mente viel schlechter abgibt als z.B. Gummi, Glas oder Me-talle. Die im Luftstaub enthaltenen Spurenelemente werdendurch starke Luftfilter entfernt. Die Tiere erhalten eineNahrung, die aus chemisch reinen Aminosäuren (statt Pro-teinen, die oft Spurenelemente in fester Bindung enthalten)und anderen Stoffen besteht und der ein bestimmtes Spu-renelement fehlt. Ist dieses Element lebensnotwendig, sotreten
Wachstums- und andere Störungen
auf, die sichdurch eine normale Nahrung wieder beheben lassen.
.
Abb. 22.1
(unterer Teil) zeigt eine Ratte, die 20 Tage ineinem Isolator eine fluor-, zinn- und vanadiumfreie Nah-rung erhielt. Die Ratte im oberen Teil der Abbildung erhieltzwar dieselbe Nahrung, wurde jedoch in einem normalenKäfig gehalten. Offensichtlich genügen die in Staub undanderen Verunreinigungen enthaltenen Mengen dieserSpurenelemente, um einen Mangelzustand völlig zu verhin-dern. Welche biochemischen Veränderungen bei einemSpurenelementmangel zu den Wachstumsstörungen füh-ren, ist bisher nur in wenigen Fällen bekannt. Ein Teil dernichtessentiellen Spurenelemente wirkt schon in relativniedrigen Konzentrationen toxisch (Blei und Quecksilber).Für die anderen Spurenelemente gilt, was
TheophrastusParacelsus
vor fast 500 Jahren formulierte:
.
Tabelle 22.1.
Die Spurenelemente (in Klammern die Atomge-wichte zur Umrechnung in molare Einheiten)
Gesamtbestanddes 70 kg schwerenErwachsenen [g]Plasmaspiegel[mmol/l]
Essentiell
Eisen (56)451322Kupfer (64)0,040,081323Zink (65)241520Molybdän (96)0,16Kobalt (59)0,0011Mangan (55)0,0120,0200,27Jod (127)0,010,020,0060,047Zinn (119)Selen (79)0,030Vanadium (51)
Möglicherweise essentiellNichtessentiell
Fluor (19)Antimon (122)Chrom (52)Blei (207)Nickel (59)Quecksilber (201)Brom (80)Arsen (75)Cadmium (112)Barium (137)Strontium (88)Silicium (28)Aluminium (27)
 
22.1 ·
Allgemeine Grundlagen
22
657
»Was ist das nit gifft ist? Alle ding sind gifft/und nichtsohn gifft/allein die dosis macht das ein ding kein gifft ist«,d.h. alle essentiellen Spurenelemente können
toxisch
sein, wenn sie über einen bestimmten Zeitraum in hohenKonzentrationen verabreicht werden. Während einigeSpurenelemente für alle Lebewesen essentiell sind (wiez.B. Eisen), sind andere nur für bestimmte Gruppen vonLebewesen lebensnotwendig. So wird von den meistenPflanzen kein Jod benötigt, Tiere hingegen benötigenkein Bor.
22.1.2
Wirkungsweiseder Spurenelemente
 !
Spurenelemente sind an katalytischen Vorgängenbeteiligt.
Die geringe Konzentration der Spurenelemente in der Zelledeutet darauf hin, dass sie an katalytischen Vorgängen be-teiligt sind. So wirken die meisten Spurenelemente – die bisauf Jod und Bor Metalle sind – vorwiegend bei der Enzym-katalyse. Nahezu 30% aller Enzyme und alle Ribozyme(RNA-Enzyme
7
Kap. 4.2.4
) enthalten ein
Metallion
als we-sentlichen Bestandteil. Enzyme, die Metallionen benötigen,können in zwei Gruppen eingeteilt werden:
4
die Metallenzyme und
4
die metallaktivierten Enzyme
Metallenzyme.
Bei den
Metallenzymen
sind die Metall-ionen
fest
an bestimmte Stellen des Enzymproteins gebun-den, sodass jedes Enzymmolekül eine bestimmte Anzahl von Metallionen besitzt. Diese können nur unter Verlustder katalytischen Aktivität des Enzyms entfernt werden.Unter günstigen Umständen kann die Aktivität des metall-freien Proteins (Apoenzyms) durch Zufügung des ur-sprünglichen Metallions wiederhergestellt werden. Von ei-nigen seltenen Ausnahmen abgesehen, führt die Hinzufü-gung eines anderen Metalls nicht zur Wiederherstellung derenzymatischen Aktivität. Die Wechselwirkung zwischendem jeweiligen Metall und dem Apoenzym muss demzu-folge
hochspezifisch
sein. Metallenzyme enthalten häufigÜbergangsmetalle wie Fe
3+
, Fe
2+
, Cu
2+
, Zn
2+
oder Mn
2+
.Für bestimmte Reaktionstypen werden häufig spezifischeMetallione benutzt so
4
Cu
2+
bei Oxidasen
4
Zn
2+
bei mehreren Dehydrogenasen und Hydrolasen
4
Fe
3+
/Fe
2+
bei einer Reihe Elektronen-übertragenderEnzyme und Oxygenasen
Metallaktivierte Enzyme
.
Die zweite Enzymgruppe, dieMetallionen benötigt, wird von den metallaktivierten En-zymen gebildet. Bei ihnen ist das Metall nur
locker
an dasProtein gebunden, auch hier ist es jedoch wichtig für die volle enzymatische Aktivität. Bei dieser Enzymgruppe kanndas Metall bei der chemischen Reindarstellung vom Proteinabgetrennt werden, ohne dass das metallfreie Protein seineAktivität vollständig verliert. Diese weniger enge Bindunglässt vermuten, dass die Beteiligung des Metallions für dieAktivität des Enzymproteins von geringerer Bedeutung ist.Trotzdem weisen auch Enzymproteine dieses Typs einehohe Spezifität für das betreffende Metallion auf. Zu denMetallen, die Enzyme aktivieren, gehören die Spurenele-mente Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Molybdän und Kobaltsowie die Erdalkalimetalle Magnesium und Calcium unddie Alkalimetalle Natrium und Kalium.
 !
Metalle können in Proteinen strukturgebende Funktio-nen ausüben.
Außer ihrer katalytischen Funktion sind Metalle für eineReihe von Proteinen zur Ausbildung der korrekten drei-dimensionalen Struktur notwendig. Bekannte Beispielesind die als Transkriptionsfaktoren wirkenden Zinkfinger-
.
 
Abb. 22.1. Spurenelementmangel.
Die Ratte im unteren Teilwurde 20 Tage in einem Spurenelementisolator gehalten, das gesun-de Tier im oberen Teil erhielt dieselbe Nahrung, wurde jedoch unternormalen Bedingungen gehalten. (Aufnahme von K. Schwarz, LongBeach)
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