• Embed Doc
  • Readcast
  • Collections
  • CommentGo Back
Download
 
24
24 Binde- und Stützgewebe
Rainer Deutzmann, Leena Bruckner-Tuderman, Peter Bruckner 
24.1 Zusammensetzung der extrazellulären Matrix (ECM) 71624.2 Kollagene 716
24.2.1 Fibrilläre Kollagene 71624.2.2 Nichtfibrilläre Kollagene 72224.2.3 Angeborene Erkrankungen des Kollagen-Stoffwechsels 723
24.3 Elastische Fasern 72424.4 Proteoglykane 727
24.4.1 Aggrecan – 72824.4.2 Kleine leucinreiche Proteoglykane 72824.4.3 Membrangebundene Proteoglykane 729
24.5 Nichtkollagene, zelladhäsive Glycoproteine 730
24.5.1 Fibronectin – 73124.5.2 Laminine – 73224.5.3 Integrine – 733
24.6 Abbau der extrazellulären Matrix 73624.7 Biochemie und Pathobiochemie des Skelettsystems 737
24.7.1 Die extrazelluläre Matrix von Knorpel und Knochen 73724.7.2 Synthese von Knochen und Knorpel durch Chondrozytenund Osteoblasten 73824.7.3 Differenzierung von Osteoklasten und Abbau und Umbau von Knochenund Knorpel 74224.7.4 Regulation des Knochenwachstums bis zur Pubertät 74424.7.5 Homöostase des Skelettsystems 74424.7.6 Osteoporose und Regulation des Knochenumbaus durch Cytokineund Steroidhormone 74524.7.7 Knochenerkrankungen – 746
24.8 Biochemie der Haut 747
24.8.1 Aufbau und Funktionen der Haut 74724.8.2 Die Epidermis 74824.8.3 Die dermo-epidermale Junktionszone 74924.8.4 Die Dermis 74924.8.5 Pathobiochemie der Haut 751
Literatur 754
 
716Kapitel 24 ·
Binde- und Stützgewebe
24
 >>
Einleitung
Das Bindegewebe durchzieht den gesamten Organismus. Um den vielfältigen Aufgaben als Gerüst- und Stützsubstanz gerechtzu werden, kommt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen vor. Dazu gehören feste Strukturen wie Knorpel, Sehnen undBänder, aber auch das aus locker gepackten fibrillären Strukturen bestehende interstitielle Bindegewebe, das den Extrazellulär-raum ausfüllt und Organe umgibt. Das Bindegewebe ist aber weit mehr als nur das strukturgebende Element des Körpers. EineVielzahl von extrazellulären Matrix-Molekülen binden über spezifische Rezeptoren an Zellen und beeinflussen Wachstum, Dif-ferenzierung und Funktion fast aller Zellen des Körpers. Eindrucksvoll konnte dies an Mäusen gezeigt werden, bei denen Rezep-toren oder deren extrazelluläre Liganden inaktiviert waren. Im Extremfall kam es nicht einmal zur Ausbildung des zweiblättrigenKeimblatts.Aufgrund des komplexen Aufbaus und der ubiquitären Verteilung ist das Bindegewebe an zahlreichen Krankheiten beteiligt.Dazu gehören angeborene Störungen, die auf Defekten in Genen für Strukturproteine oder Zelladhäsionsmoleküle beruhen.Darüber hinaus spielt das Bindegewebe eine entscheidende Rolle bei vielen atrophisierenden und fibrosierenden Prozessen.Pathologische Veränderungen treten bei entzündlichen Reaktionen wie den rheumatischen Erkrankungen auf. Auch die Metas-tasierung von Tumoren wird vom Bindegewebe beeinflusst.
24.1
Zusammensetzung der extra-zellulären Matrix (ECM)
Die verschiedenen Formen des Bindegewebes leiten sich vom embryonalen Bindegewebe, dem Mesenchym ab. DieBindegewebszellen im engeren Sinne sind die
Fibroblas-ten/ Fibrozyten
. Abkömmlinge sind die
Chondroblasten/Chondrozyten
des Knorpels und die
Osteoblasten/Osteo-zyten
des Knochens. Diese Zelltypen synthetisieren dengrößten Teil der extrazellulären Matrix, jedoch produzierenauch Epithel- und Endothelzellen sowie glatte Muskelzelleneine Reihe von extrazellulären Matrix-Molekülen, insbe-sondere die meisten Bestandteile der Basalmembran. Die von den verschiedenen Zelltypen sezernierten Proteinekönnen in vier Gruppen eingeteilt werden:
4
 
Kollagene
. Sie stellen quantitativ die bedeutendstenProteine des Organismus dar und sind die strukturge-benden Proteine von Haut, Sehnen, Bändern sowie derorganischen Grundsubstanz von Hartgeweben und derBasalmembranen
4
 
Elastin.
Dieses Protein verleiht Strukturen elastischeEigenschaften, z.B. in der Aortenwand
4
 
Proteoglykane.
Diese Proteinklasse ist wesentlichdurch ihren Kohlenhydratanteil definiert. Durch An-heften von sauren repetitiven Disaccharid-Einheiten(
7
Kap. 2.1.4
) stellen sie Polyanionen dar und sindsowohl für die Schaffung von elastischen wasserge-füllten Kompartimenten (z.B. Knorpel) notwendig alsauch für die Regulation der Kollagenfibrillen-Bildung.Proteoglykane sind als Zelloberflächen-assoziierteCo-Rezeptoren essentiell (z.B. Kooperation von Syn-decanen mit Integrinen, Beteiligung verschiedenerHeparansulfatproteoglykane an Bindung/Rezeptor-Präsentation von Wnt und Hedgehog, FGF-α TGF
-Proteinen)
4
 
nichtkollagene Glycoproteine
. Die Gruppe der nicht-kollagenen Glycoproteine umfasst eine Vielzahl vonMolekülen, die für die Zellfunktion essentiell sind. Diebekanntesten Moleküle dieser Gruppe sind die Lami-nine und das Fibronectin
24.2
Kollagene
 !
Kollagene sind Moleküle, die aus Polypeptidketten mitvielfach wiederholten Gly-X-Y-Sequenzmotiven beste-hen, die sich zu tripelhelicalen Strukturen zusammen-lagern. Durch Kombination von tripelhelicalen undglobulären Domänen entsteht eine Vielzahl von Pro-teinen mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Das gemeinsame Strukturmerkmal aller Kollagene sindstarre stabförmige Abschnitte, die eine
tripelhelicale Kon-formation
(
7
Kap. 3.3.2
) besitzen. Diese Konformation istdurch monoton wiederholte Triplet Sequenzen aus Gly-X-Y bedingt, wobei X und Y häufig Prolin und Hydroxyprolinsind. Ferner tritt in Y-Position bisweilen das für Querver-netzungen wichtige Hydroxylysin auf (
7
u.
).Zur Zeit sind wenigstens 40 verschiedene Kollagen-ketten sequenziert, die zu 27 distinkten trimeren Kollagen-molekülen assemblieren können. Dabei unterscheiden sichdie einzelnen Kollagentypen strukturell in der Länge dertripelhelicalen Abschnitte, kurzen Unterbrechungen in derTripelhelix und/oder in der Existenz zusätzlicher globulärerDomänen. Durch die Kombination dieser Module undMerkmale erhalten die Kollagene ihre spezifischen bio-logischen Eigenschaften. Einige Vertreter der Familie sindin
.
Tab. 24.1
aufgelistet.
24.2.1
Fibrilläre Kollagene
 !
Die fibrillären Kollagene sind die Hauptkollagene desBindegewebes von Haut, Knochen, Knorpel, Sehnenund Bändern und besitzen charakteristische Faserstruk-turen.
 
24
717
Die wichtigsten fibrillären Kollagene sind die in
.
Tab. 24.1
 aufgelisteten »klassischen« Typen I, II, III, V, und XI. DieAufgabe der fibrillären Kollagene ist die Bildung von festenFasern, die Druck- oder Zugbelastungen aushalten. ImElektronenmikroskop lassen sie einen Aufbau aus quergestreift erscheinenden
Fibrillen
mit einer
Periodizität von 67 nm
erkennen (
.
Abb. 24.1
,
.
Abb. 24.4
), jedochsind Anordnung und Dicke in verschiedenen Gewebenrecht unterschiedlich (
.
Abb. 24.1
). Die dreidimensionalenStrukturen sind den Anforderungen entsprechend opti-miert. In Sehnen z.B., die überwiegend Typ-I-Kollagen ent-halten, sind alle Fibrillen parallel angeordnet, sodass siemaximale Stabilität in Richtung einer Zugbelastung besit-zen, während sie in der Haut (vor allem Typ-I- und Typ-III-Kollagen) kreuz und quer liegen, um eine Dehnung in alleRichtungen zu ermöglichen. Knorpel hingegen besitztdünnere Fasern (überwiegend Typ-II-Kollagen), die eindreidimensionales auf Druckbelastung ausgelegtes Netz-werk ausbilden. Diese morphologischen Befunde beruhenauf unterschiedlichen Eigenschaften der Polypetidkettenund Zusammenwirken mit Fibrillendicke-regulierendenProteinen.Die Polypeptidketten der fibrillären Kollagene besitzenhomologe Aminosäuresequenzen und nahezu identischeDomänen-Strukturen (
.
Abb. 24.2
). Das charakteristischeStrukturmerkmal ist eine große zentrale Domäne. Sie be-
.
Tabelle 24.1.
Kollagen-Typen (Auswahl) und repräsentative Expressionsorte
Typtypische Molekül-Zusammensetzungtypisches Vorkommencharakteristische Merkmale
Fibrillen-bildende Kollagene
I[
1(I)]
2
 
2(I)Haut, Knochen, Sehnen, Bänderhäufigstes Kollagen, bildet besonders zugfeste FibrillenII[
1(II)]
3
Knorpel, Glaskörperhäufigstes KnorpelkollagenIII[
1(III)]
3
dehnbare Gewebe wie Haut,GefäßeVorkommen zumeist zusammen mit Typ-I-KollagenV[
1(V)]
2
3(V)Haut, Cornea,Nebenkomponente, zusammen mit Typ-I-Kollagen exprimiertXI
1(XI)
2(XI)
2(XI),[
1(XI)]
2
2(V)Knorpel, GlaskörperNebenkomponente, zusammen mit Typ-II-Kollagen exprimiert
Basalmembrankollagene
IV[
1(IV)]
2
2(IV)fast alle Basalmembranenflächiges Netzwerk,Hauptstrukturprotein der Basalmembran
3(IV)
4(IV)

V)Nierenglomeruli[
5(IV)]
2
6(IV)+ [
1(IV)]
2
2(IV)Bowmannsche Kapsel
Multiplexine, Basalmembran-assoziierte Kollagene
XV[
1(XV)]
3
vor allem vaskuläre und epithelialeBasalmembranenC-terminales Fragment hemmt AngiogeneseXVIII[
1(XVIII)]
3
C-terminales Fragment (=Endostatin) hemmt Angiogenese,Mutationen führen zur Erblindung
Fibrillen-assoziierte(FACIT) Kollagene
IX
1(IX)
2(IX)
3(IX)mit Typ II-Kollagen assoziiertknock-out-use entwickeln ArthroseXII[
1(XII)]
3
hauptsächlich mit Typ I-KollagenassoziiertBindung an ECM-Moleküle (Proteogykane),Regulation der Fibrillenbildung / Modifikation der Interaktionzwischen Fibrillen (?)XIV[
1(XIV)]
3
Netzwerk-bildende Kollagene
VIII[
1(VIII)
2
]
2(VIII)Endothel, Descemet Membran(Auge)Bildung hexagonaler NetzwerkeX[
1(X)]
3
hypertrophierender Knorpel
Transmembrankollagene
XIII[
1(XIII)]
3
breite GewebsverteilungZell-Zell- und Zell-Matrix-VerankerungXVII[
1(XVII)]
3
Hemidesmosomen der HautAdsion von Keratinozyten an die Basalmembran,Mutationen führen zur Epidermolysis bullosa junctionalis
Sonstige
VI
1(VI)
2(VI)
3(VI)ubiquitärbildet MikrofibrillenVII[
1(VII)]
3
Anker-Fibrillenexprimiert an der Dermis-Epidermis-Grenze, Verankerung der Ba-salmembran im interstitiellen Bindegewebe
24.2 ·
Kollagene
of 00

Leave a Comment

You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...
You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...