26.1 ·
Insulin
26
811
Röntgenstrukturanalyse des Insulinmoleküls ermöglicht(
7
Kap. 3.5.1
). Dabei hat sich gezeigt, dass große Teile derA-Kette des Moleküls nach außen exponiert sind, währenddie B-Kette mehr im Inneren des Moleküls liegt. DieseTatsache hat zur Annahme geführt, dass die A-Kette dengrößeren Anteil an der biologischen Aktivität des Insulin-moleküls hat, während die B-Kette beispielsweise für dieAusbildung von Insulinoligomeren verantwortlich ist.
26.1.2
Biosynthese
Das endokrine Pankreas.
Für die Insulinbiosynthese,-speicherung und -sekretion ist der endokrine Teil des Pank-reas verantwortlich. Er besteht aus den Langerhans’schenInseln, kleinen homogen über das Pankreas verteilten undin das exokrine Drüsengewebe eingebetteten Zellaggre-gaten, in denen verschiedene Zelltypen nachzuweisen sind(
.
Abb. 26.2
):
4
Die
α-Zellen
(ca. 20% der Inselzellen), die für dieGlucagonbiosynthese (
7
Kap. 26.2
) verantwortlich sind
4
die Insulin-produzierenden
β-Zellen
(70–80% derInselzellen)
4
die
δ-Zellen
(max. 5% der Inselzellen), die Somatostatin(
7
Kap. 28.6
) produzieren, sowie
4
die
PP-Zellen
(max. 2% der Inselzellen), die das Pank-reatische Polypeptid bilden und sezernieren (in
.
Abb.26.2
nicht dargestellt)
!
Biosynthese und Sekretion von Insulin finden in den
-Zellen der Langerhans’schen Inseln des Pankreasstatt.
Aufbau der Langerhans’schen Insel.
Die vier Zellarten sindin der Langerhans’schen Insel in typischer Weise verteilt.Die
-Zellen befinden sich im Zentrum der Insel, umgeben von den
-,
- und
PP
-Zellen. Die arterielle Blutversorgungder Langerhans’schen Insel gestaltet sich derart, dass die
-Zellen im Zentrum zuerst erreicht werden und dann erstdie anderen Zelltypen. Hierdurch wird eine rasche Antwortauf Änderungen der Blutglucose-Konzentration ermög-licht. Im elektronenmikroskopischen Bild lassen sich dieZellarten aufgrund ihrer unterschiedlichen
Sekretgranula
differenzieren.
!
Der einkettige Insulinpräkursor wird als Proinsulinbezeichnet.
Synthese des Proinsulins.
An einem menschlichen Insel-zelltumor konnte der Mechanismus der
Insulinbiosyn-these
von Donald Steiner aufgeklärt werden. Er zeigte, dassdie beiden Ketten des Insulins Teile eines einkettigen Vor-läufermoleküls sind.
Inzwischen ist auch die Struktur desauf dem kurzen Arm von Chromosom 11 gelegenen In-sulingens bekannt, sodass der in
.
Abb. 26.3
dargestellteSyntheseweg gesichert ist. Das Insulingen enthält zweiIntrons. Die nach Transkription und Spleißen entstehen-de mRNA des Insulins codiert für ein Protein, das vomN- zum C-Terminus zunächst eine Signalsequenz (
7
Kap.9.2.2
) aus 24 Aminosäuren enthält, an die sich die voll-ständige Sequenz der B-Kette anschließt. Nach einem 35Aminosäuren langen
C-Peptid
folgt dann die Sequenzder A-Kette. Dieses 11,5 kDa große Translationsproduktist das
Prä-Proinsulin
. Wie andere Exportproteine wirdauch Prä-Proinsulin an den Ribosomen des rauen en-doplasmatischen Retikulums synthetisiert, wobei dasSignalpeptid für die Einfädelung der synthetisiertenPeptidkette in das Lumen des ER verantwortlich ist. Dorterfolgt die Abtrennung des Signalpeptids, sodass dasetwa 9 kDa große
Proinsulin
entsteht. Struk turell gehörtProinsulin zu einer Familie stoffwechselak tiver Wachs-tumsfaktoren, zu denen auch die
insulin-like growth factors
(IGF,
7
Kap. 27.7.2
) und die Relaxine (
7
Kap. 27.6.8
)gehören.
Infobox
Die bedeutendste Entdeckung im Rahmen der Erfor-schung der Zuckerkrankheit endete mit einem Eklat
1921 war es Dr. Frederick Banting (1891–1941) unddem damals 22-jährigen Studenten Charles Best gelun-gen, im Labor von Professor John J.R. McLeod in Torontodas Hormon Insulin aus Pankreasextrakten von Ver-suchstieren zu gewinnen (Banting, F. G., Best C. H. andMacLeod, J. J. R. The internal secretion of the pancreas.Am. J. Physiol. 59:479, 1922).Damit stand das entscheidende Heilmittel zur Verfü-gung, die bislang unheilbare Krankheit Diabetes mellituszu behandeln. Bereits 2 Jahre später, also 1923, erhieltenBanting und McLeod, letzterer war während der entschei-denden Experimente gar nicht im Labor, den Nobelpreisfür Medizin. Charles Best aber wurde als zu jung befundenund ging leer aus – zu Unrecht.Die Ausgezeichneten bewiesen jedoch Fairness.Banting teilte seine Preishälfte demonstrativ mit Best,McLeod die seine mit James B. Collip, der bei der erstmali-gen Insulinreinigung aus Bauchspeicheldrüsen einenwichtigen Beitrag geleistet hatte.Übrigens: Banting und Best verzichteten auf die Reich-tümer, die sie mit der Insulinentdeckung hätten verdie-nen können. Für einen symbolischen Betrag von einemDollar vergaben sie die Lizenz zur Insulinherstellung analle Firmen, die sich der Einhaltung von Qualitätsstandardsbei der Herstellung verpflichteten. Aus diesem Grundkonnten sehr schnell nach der Entdeckung viele sonstdem Tod geweihte Zuckerkranke zu einem vertretbarenPreis behandelt werden.
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