27.1 ·
Hypothalamisch-hypophysäre Beziehungen
27
843
>>
Einleitung
Das hypothalamisch-hypophysäre System stellt zusammen mit seinen Zielgeweben ein komplexes neuroendokrines Systemdar, das die Funktionsfähigkeit elementarer Lebensvorgänge wie Wachstum, Fortpflanzung oder adäquate Reaktionen auf Stress garantiert. Dieses System besteht aus Hypothalamus, Hypophysenvorderlappen und verschiedenen Hormone produzie-renden peripheren Geweben wie Schilddrüse, Zona fasciculata der Nebennierenrinde, Keimdrüsen (Hoden bzw. Ovarien) undLeber. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Bestandteilen dieses Systems erfolgt über Hormone, Wachstumsfaktorenund Cytokine. Der Hypothalamus integriert biochemische Informationen aus verschiedenen Hirnarealen und gibt diese an dieHypophyse weiter, in der sie in endokrine, d.h. die Regulation entfernter Zielorgane bestimmende Informationen umgesetztwerden. Von den Zielorganen erfolgt eine hormonelle Rückkoppelung über den Blutweg. Angeborene und erworbene Stö-rungen dieser verschiedenen Achsen führen zu Krankheiten, die an Störungen des Wachstums und der Entwicklung, der Fertili-tät oder der Reaktion auf Stresssituationen erkennbar sind. Da praktisch alle an diesen Systemen beteiligten Hormone oder ihreAnaloga chemisch synthetisiert oder gentechnologisch hergestellt werden können, sind die Achsen durch synthetische Hor-mone gezielt beeinflussbar geworden.
monen
(RH) über welche die Freisetzung (= engl.
release
) von Hormonen aus dem Hypophysenvorderlappen (
Ade-nohypophyse
) gesteuert wird (
.
Tabelle 27.1
). Die regula-torischen Polypeptide des Hypothalamus stellen eine Grup-pe von Molekülen mit Längen von 3 bis etwa 60 Amino-säuren dar, die sich u.a. dadurch auszeichnen, dass ihrC-terminaler Rest amidiert und damit vor Proteolyse ge-schützt ist. Alle hypothalamischen Hormone entstehendurch
limitierte Proteolyse
aus hochmolekularen Vorstu-fen. Die Klonierung der Vorstufen für die einzelnen Poly-peptide hat gezeigt, dass jeweils ein in der Vorstufe demC-Terminus anliegender Glycylrest als Amiddonor fürdie enzymatische Amidierung dient. Fast alle hypothala-mischen Regulatorhormone finden sich auch in extrahypo-thalamischen Arealen und anderen Geweben des Organis-mus, ohne dass jedoch ihre dortige Funktion in jedem Fallbekannt ist.
!
rel easi ng
-Hormone werden pulsatil aus dem Hypotha-lamus freigesetzt.
Einen weiteren essentiellen Bestandteil des neuroendokri-nen Systems stellt eine biologische Uhr dar, die verschie-dene hormonelle Zyklen steuert, die auch mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus verbunden ist. Wie diese Uhr circadianeRhythmen wie den der Cortisolsekretion (
7
Kap. 27.3.7
)hervorbringt, ist noch unbekannt. Andere reproduzierbareVeränderungen werden nicht von einer tageszeitlichenRhythmik bestimmt, sondern z.B. davon, wann man ein-schläft: So kommt es etwa 60–90 min. nach dem Einschla-fen zu einem starken Anstieg der Wachstumshormonsekre-tion. Eine weitere bedeutende Form der Periodizität findetsich z.B. bei der Sekretion des
releasing
-Hormons GnRH(aber auch bei den anderen
releasing
-Hormonen): die
pul-satile Freisetzung
, d.h. das Hormon wird nicht kontinuier-lich, sondern stoßweise in Abständen von 90–120 min. ausdem Hypothalamus sezerniert. Dieses Sekretionsmuster,das eine wesentliche Voraussetzung für die biologischeWirkung der
releasing
-Hormone darstellt, bleibt auch dann
27.1
Hypothalamisch-hypophysäreBeziehungen
27.1.1
Hypothalamus
!
Der Hypothalamus kommuniziert mit der Hypophyseüber Peptidhormone.
Der
Hypothalamus
(
.
Abb. 27.1
) erhält Informationen vonder Hirnrinde (Cortex), dem limbischen System (Hippo-campus, Nucleus amygdalae, Septumregion), dem Thala-mus, dem retikulären ascendierenden System und von Ner- venfasern des Rückenmarks. Diese Einflüsse werden inte-griert und über
neuroendokrine Zellen
, d.h. spezialisierteNeurone mit endokriner Funktion, an die Hypophyse wei-tergegeben. Diese neuroendokrinen Zellen werden durchNeurotransmitter aktiviert, die an den synaptischen Ver-bindungen der verschiedenen Neuronen, die sich an diesenZellen treffen, freigesetzt werden. Die Aktivierung der neu-roendokrinen Zellen führt zur Freisetzung von Polypepti-den mit regulatorischer Funktion, den sog.
releasing
-Hor-
.
Abb. 27.1. Die einzelnen Anteile des Hypothalamus
Leave a Comment