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28 Funktion der Nierenund Regulation des Wasser-und Elektrolyt-Haushalts
Armin Kurtz 
28.1 Die Niere 895
28.1.1 Durchblutung der Niere 89528.1.2 Aufbau und Funktion der Glomeruli 89628.1.3 Aufbau des Harnkanalsystems 89928.1.4 Reabsorption von Elektrolyten und Wasser 89928.1.5 Reabsorption von Monosacchariden, Peptiden und Aminosäuren 90528.1.6 Säure-Basen-Transport der Tubulusepithelien 90628.1.7 Transport von Protonen und Hydrogencarbonat 90628.1.8 Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen 90928.1.9 Energiegewinnung in der Niere 90928.1.10 Die Niere als endokrines Organ 910
28.2 Der Endharn (Urin) 914
28.2.1 Eigenschaften des Urins 91428.2.2 Chemische Zusammensetzung des Urins 91428.2.3 Pathobiochemie des Urins 91528.2.4 Harn- und Nierensteine 916
28.3 Der Wasserhaushalt 917
28.3.1 Wasserbilanz – 91728.3.2 Hormonelle Regulation des Wasserhaushalts 91828.3.3 Pathobiochemie des Wasserhaushalts 920
28.4 Der Natriumhaushalt 921
28.4.1 Natriumbilanzierung – 92128.4.2 Hormonelle Regulation des Natriumhaushalts 92228.4.3 Pathobiochemie des Natriumhaushalts 926
28.5 Der Kaliumhaushalt 928
28.5.1 Regulation des Kaliumhaushalts 92828.5.2 Pathobiochemie des Kaliumhaushalts 929
28.6 Der Calcium- und Phosphathaushalt 930
28.6.1 Calciumhaushalt – 93028.6.2 Phosphathaushalt – 93228.6.3 Hormonelle Regulation des Calcium- und Phosphatstoffwechsels 93328.6.4 Pathobiochemie des Phosphat- und Calciumhaushalts 938
 
28.7 Der Magnesium- und Sulfathaushalt 939
28.7.1 Magnesiumhaushalt – 93928.7.2 Schwefelhaushalt – 941
28.8 Der Säure-Basen-Haushalt 942
28.8.1 Notwendigkeit der Konstanthaltung der Protonenkonzentration 94228.8.2 Entstehung von Säuren im Stoffwechsel 94228.8.3 Verteilung der Protonen zwischen Intra- und Extrazellulärraum 94328.8.4 Puffersysteme – 94428.8.5 Regulation der Protonenkonzentration 94528.8.6 Pathobiochemie des Säure-Basen-Haushalts 946
Literatur 950
 
28.1 ·
Die Niere
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895
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Einleitung
Die Nieren scheiden endogen gebildete organische wasserlösliche Stoffwechsel-Endprodukte, anorganische Stoffe sowie exo-gen zugeführte, nicht abbaubare Substanzen wie Medikamente oder Vitamine aus. Sie dienen darüber hinaus der Erhaltungder Konstanz der Extrazellulärflüssigkeit, regulieren Volumen und Osmolarität der Körperflüssigkeiten durch selektive Reab-sorption oder Ausscheidung von Ionen und Wasser. Sie greifen durch Ausscheidung überschüssiger Säuren und Basen im Zu-sammenwirken mit den Lungen in das Säure-Basen-Gleichgewicht ein. Darüber hinaus sind die Nieren an der Regulation desBlutdrucks, der Erythropoiese und des extrazellulären Calciumspiegels beteiligt und synthetisieren wichtige Verbindungen wieGlucose und γ-Aminobutyrat. Die Funktion der Nieren steht in engem Zusammenhang mit den Regelsystemen, die für denWasser- und Elektrolythaushalt verantwortlich sind.Für die Regulation des Wasserhaushalts und des Natrium- und Kaliumstoffwechsels sind die Hormone Vasopressin, Aldo-steron und das atriale natriuretische Peptid von besonderer Bedeutung. Ihr Ziel ist es, Natrium- und Kaliumverluste gering zuhalten und eine ausgeglichene Wasserbilanz zu erreichen.Für die Regulation des wichtigen Calciumstoffwechsels stehen drei Hormone zur Verfügung, das Parathormon, dasD-Hormon sowie das Thyreocalcitonin.
28.1
Die Niere
28.1.1
Durchblutung der Niere
Die Durchblutung der Niere bewirkt eine ausreichende
Versorgung mit Nährstoffen
, gleichzeitig bestimmt sieaber auch das zur
Filtration
gelangende Blutvolumen. Zu-dem beeinflusst die Nierenmarkdurchblutung noch die
Salz- und Wasserreabsorption
. Beim Erwachsenen erhal-ten im Normalfall beide Nieren zusammen ca. 20–25%des Herzminutenvolumens in Ruhe, d.h. ca. 1,0–1,2 l Blutpro Minute, was einer sehr hohen spezifischen Gewebe-durchblutung von 4 ml
min
–1
 
g
–1
entspricht.
 !
Die Nierenrinde ist wesentlich besser durchblutet alsdas Nierenmark.
Die Blutversorgung des Nierenmarks erfolgt nur über dieefferenten Arteriolen derjenigen Glomeruli, die tief in derRinde, nahe an der Rinden-Mark-Grenze (juxtamedullär)liegen. Diese Arteriolen gabeln sich, ziehen geradlinig undunverzweigt als vasa recta in Richtung Pyramidenspitzeund übernehmen so die Versorgung des Parenchyms derAußen- und Innenzone des Marks. Wegen dieses speziellenVerteilungssystems fließen mehr als 90% des renalen Blut-stroms nur durch die Nierenrinde, womit das Mark, welchesimmerhin mehr als 60% der Nierenmasse ausmacht, ent-sprechend wenig Blut erhält.
 !
Die Nierendurchblutung wird über die Widerstände derafferenten und efferenten Arteriolen reguliert.
Der renale Blutfluss (RBF) wird von der treibenden Blut-druckdifferenz (
P) zwischen A. und V. renalis und demgesamten intrarenalen Gefäßwiderstand R bestimmt:Die für die Nierendurchblutung bestimmenden Gefäß-widerstände werden hauptsächlich von den afferenten undefferenten Arteriolen gebildet, welche daher die wichtigsten,Regulationsorte der Nierendurchblutung sind. Die physio-logischen Regulationen von afferentem und efferentemWiderstand sind dahingehend ausgerichtet, den Blutdruck innerhalb der Glomeruluskapillaren und den Blutfluss-durch die Glomeruluskapillaren konstant zu halten.Folgende Faktoren sind dabei von Bedeutung:
4
Die Autoregulation der Nierendurchblutung bewirkt,dass sich der renale Perfusionwiderstand in einemDruck bereich von ca. 70–180 mmHg parallel mit demPerfusionsdruck ändert und somit der renale Blutfluss(RBF =
P/R) in diesem Bereich konstant bleibt (
.
Abb.28.1
, Einzelheiten
7
Lehrbücher der Physiologie
)
.
 
Abb. 28.1. Abhängigkeit des renalen Blutflusses (RBF) undder glomerulären Filtrationsrate (GFR) vom Druck in der Nieren-arterie.
Im oberen Bildteil ist schematisch die Druckabhängigkeit desinneren Durchmessers von afferenten Arteriolen sowie die Bedeutungdes transmembranären Calciumeinstroms durch L-Typ-Calciumkanäledargestellt. Eine druckabhängige Reduktion des Innendurchmessersum 25% führt dabei zu einem 3-fachen Anstieg des präglomerulärenStrömungswiderstands (Hagen-Poiseuille-Gesetz) und bewirkt damiteine Konstanz von RBF und GFR
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