31.1 ·
Stoffwechsel des Gehirns
31
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fügbar wird. Damit verhält sich das Gehirn im Hungerzu-stand ähnlich wie die Muskulatur (
7
Kap. 16.2.3
). Währendder Stillzeit verwendet das Säuglingsgehirn Ketonkörper viel effizienter als das Hirn eines Erwachsenen. Nach derGeburt steigen die Aktivitäten der Ketonkörper verwerten-den Enzyme
β-Hydroxybutyrat-Dehydrogenase
und
Suc-cinyl-CoA-Acetacetyl-CoA-Transferase
deutlich an undermöglichen damit eine optimale Ausnutzung des hohenFettanteils der Muttermilch. Infolgedessen tolerieren Säug-linge wesentlich geringere Blutglucosekonzentrationen(20–30 mg/dl, entspricht 1,2–1,8 mmol/l) ohne neurologi-sche Ausfälle als Erwachsene. Glucose kann jedoch auchbeim Säugling nicht vollständig durch Ketonkörper ersetztwerden. Nach dem Abstillen und der Umstellung desKleinkindes auf kohlenhydratreiche Nahrung fallen dieKetonkörper metabolisierenden Enzymaktivitäten ab. Da-nach ist das Gehirn wieder überwiegend von Glucose ab-hängig.
!
Aminosäuren sind wichtige Substrate des Gehirnstoff-wechsels. Sie spielen im Nervensystem eine bedeuten-de Rolle als Neurotransmitter oder deren Vorläufer.
Glutamat
ist nicht nur der wichtigste erregende Neuro-transmitter im ZNS, sondern dient auch als Vorläufer deshemmenden Neurotransmitters
γ-Aminobutyrat
(GABA).Beide Transmitter werden in den präsynaptischen Vesikelnder Neurone in hohen Konzentrationen (bis zu 100 mmol/l)gespeichert. An Synapsen freigesetztes Glutamat wird gro-ßenteils von Gliazellen aufgenommen und durch Übertra-gung von Ammoniak in
Glutamin
überführt. Glutamatund Glutamin machen zusammen bis zu 60% der freien
-Aminosäuren des ZNS aus. Im
Glutamat-Glutamin-Zyklus
wird von Gliazellen freigesetztes Glutamin erneut von Neuronen aufgenommen und durch mitochondrialeGlutaminase (
7
Kap. 13.5.2
) der aktive NeurotransmitterGlutamat regeneriert. Alternativ kann das Kohlenstoffske-lett von Glutamat aus Glucose synthetisiert werden: Pyru- vat liefert durch Carboxylierung zu Oxalacetat oder dehy-drierende Decarboxylierung zu Acetyl-CoA die Produkte,aus denen im Citratzyklus
-Ketoglutarat gebildet wird.Transaminierung von
-Ketoglutarat führt schließlich zuGlutamat. Auch das an der Synapse freigesetzte GABA un-terliegt einem Stoffwechselzyklus, indem es in den GABA
-Shunt
(engl. GABA-Nebenweg) eingeht (
7
Kap. 31.3.4
).
Tyrosin
ist der Vorläufer für die Biosynthese der Neu-rotransmitter Dopamin und Noradrenalin sowie des Hor-mons Adrenalin (
7
Kap. 26.3.2, 31.3.5
), während die Bio-synthese von Serotonin und Melatonin von
Tryptophan
(
7
Kap. 13.6.6, 31.2.6
) ausgeht.
31.1.2
Blut-Hirn-Schranke und Liquorcerebrospinalis
!
Die Blut-Hirn-Schranke beruht auf der besonderenArchitektur der Kapillaren des Gehirns und des Plexuschoroideus, in dem der Liquor cerebrospinalis als pro-teinarmes Filtrat des Blutplasmas gebildet wird.
Die
Blut-Hirn-Schranke
isoliert das ZNS und den umge-benden
Liquor cerebrospinalis
(engl.:
cerebrospinal fluid
,CSF) von den übrigen Organen des Körpers. Dadurch trägtsie dazu bei, dass das extrazelluläre Milieu des Gehirns kon-stant gehalten wird. Der proteinarme Liquor füllt Gehirn- ventrikel und Subarachnoidalraum aus. Seine Zusammen-setzung ähnelt derjenigen der interstitiellen Flüssigkeites Gehirns (
.
Abb. 31.2
). Das Liquorvolumen entsprichtmit ca. 150 ml etwa einem Zehntel des Hirnvolumens. DieBlut-Hirn-Schranke stellt keine einheitliche Grenzflächezwischen Blutplasma und ZNS dar, sondern umfasst zweiunterschiedliche Schrankenfunktionen, die den Stoffaus-tausch zwischen Körper, Gehirn und Liquor regulieren(
.
Abb. 31.2
):
4
Der Liquor wird im
Plexus choroideus
der Hirnventri-kel aus Blutplasma abfiltriert. Diese Grenzfläche beruhtauf der besonderen Architektur des Plexus choroideusund wird als
Blut-Liquor-Schranke
bezeichnet. DieLiquorsekretion erreicht mit ca. 0,4 ml/min ein Drittel
der Urinbildung und erlaubt einen dreifachen Umsatzdes Liquorvolumens pro Tag. Mit der interstitiellenFlüssigkeit des Gehirns tauscht sich der Liquor durchDiffusion aus
4
Der direkte Stoffaustausch zwischen Blutplasma undHirnparenchym erfolgt über die
Hirnkapillaren
, dieebenfalls eine charakteristische Architektur aufweisenund die
Blut-Hirn-Schranke
im engeren Sinne bilden
.
Abb. 31.1. Substratverwertung des menschlichen Gehirnsbei längerem Hungern.
Aus arteriovenösen Differenzen sowie derDurchblutung wurden Glucose- und Ketonkörperaufnahme sowieLactatabgabe ermittelt
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