1054Kapitel 32 ·
Gastrointestinaltrakt
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Einleitung
Der Gastrointestinaltrakt ist eines der komplexesten Organsysteme des menschlichen Organismus. Er ist von vitaler Bedeutungfür sämtliche Lebensvorgänge, da er für die Aufnahme der Nahrungsstoffe und damit für die Aufrechterhaltung der Energiezu-fuhr des Organismus verantwortlich ist.Die Nährstoffe können i. Allg. in der angebotenen Form vom Organismus nicht aufgenommen werden, da es sich um hoch-molekulare bzw. nicht oder nur schwer wasserlösliche Verbindungen handelt. Die Aufgabe der Verdauungsvorgänge im Ma-gen-Darm-Trakt besteht darin, die Nahrungsstoffe zu einer für die anschließende Resorption im Duodenum, Jejunum und Ile-um geeigneten Form abzubauen. Dies geschieht durch hydrolytische Spaltung der hochmolekularen Verbindungen in ihremonomeren Bausteine. Sie erfolgt durch die in den verschiedenen Verdauungssäften des Magen-Darm-Traktes und in derDünndarmmukosa enthaltenen Enzyme, deren Wirkung durch Milieubedingungen wie die Salzsäurekonzentration des Magensoder die Gallensäuren des Dünndarms beeinflusst wird. Die bei der Hydrolyse der Nahrungsstoffe entstehenden monomerenEinheiten werden von den Zellen der Dünndarmmukosa resorbiert und gelangen dadurch in die Blutbahn bzw. in das Lymph-system, von wo aus sie über den gesamten Organismus verteilt werden.
32.1.2
Magensaft
Die in der Magenschleimhaut gelegenen Magendrüsen pro-duzieren täglich etwa 3000 ml Magensaft, dessen Bestand-teile von den verschiedenen sekretorischen Zellen der Ma-genschleimhaut gebildet werden. Für die Produktion dereinzelnen Bestandteile des Magensaftes sind jeweils unter-schiedliche Epithelzellen verantwortlich:
4
Während die Nebenzellen des Antrums im Wesent-lichen das für den Schutz der Magenschleimhaut vorSelbstverdauung notwendige
Mucin
produzieren
4
wird in den Parietalzellen (Belegzellen) des Magenfun-dus und Corpus die für den Magensaft charakteristische
Salzsäure
sezerniert
4
Die Protease
Pepsin
, sowie bei einigen Arten
Renin
,werden in den Hauptzellen der Magenschleimhaut ge-bildet
!
Die Parietalzellen produzieren HCl und den
intrinsic factor
.
32.1
Gastrointestinale Sekrete
32.1.1
Speichel
In den Parotiden sowie den submaxillaren und sublin-gualen Speicheldrüsen werden je nach Menge und Art deraufgenommenen Nahrung pro Tag etwa 1000–1500 mlSpeichel produziert. Die Speichelflüssigkeit besteht zu99,5% aus Wasser und hat einen pH-Wert von etwa 7. Sieenthält mehrere unterschiedliche Mucine (
7
Kap. 32.1.2
),die die Nahrung gleitfähig machen. Verschiedene körper-fremde Substanzen wie Alkohol oder Morphin, außerdemanorganische Ionen wie Kalium, Calcium, Hydrogencar-bonat und Jodid werden teilweise in die Speichelflüssigkeitsezerniert.Die Speichelflüssigkeit enthält eine Reihe von Pro-teinen:
4
Als antimikrobiell wirkende Komponenten wurden Ly-sozym, Immunglobulin A, eine Gruppe histidinreicherProteine, die Histatine sowie die als Proteinase-Inhibi-toren wirkenden Cystatine identifiziert
4
Von Bedeutung für die Zahnmineralisierung (
7
Kap.22.2.7
) sind die sog. Prolinreichen Proteine (PRP’s)sowie die Statherine
4
Mucine machen die Nahrungsbissen gleitfähig undüben eine cytoprotektive Wirkung aus
4
Im Speichel kommt schließlich ein Stärke verdauendesEnzym, das
Ptyalin
, vor. Es handelt sich um eine
-Amylase
, die Stärke bis zur Maltose hydrolysiert. Infol-ge ihrer geringen Aktivität und der kurzen Verweilzeitder Speise in der Mundhöhle spielt sie allerdings nureine geringe Rolle bei der Verdauung. Das pH-Opti-mum des Ptyalins liegt bei 6,7, bei pH-Werten unter 4wird das Enzym rasch inaktiviert, sodass es im saurenMilieu des Magens nicht mehr wirksam ist
.
Abb. 32.1. Mechanismus der Salzsäurebildung in den Belegzel-len der Magenschleimhaut.
Die rot dargestellte H
+
/K
+
-ATPase istimstande, die luminale H
+
-Konzentration auf etwa 0.1 mol/l (pH 1) zuerhöhen
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