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32 Gastrointestinaltrakt
Georg Löffler, Joachim Mössner 
32.1 Gastrointestinale Sekrete 1054
32.1.1 Speichel – 105432.1.2 Magensaft – 105432.1.3 Pankreassekrete – 105732.1.4 Galle – 106032.1.5 Duodenalsekret – 106232.1.6 Regulation der gastrointestinalen Sekretion 106232.1.7 Pathobiochemie – 1067
32.2 Verdauung und Resorption einzelner Nahrungs-bestandteile 1068
32.2.1 Kohlenhydrate – 106932.2.2 Lipide – 107032.2.3 Proteine, Peptide und Aminosäuren 107332.2.4 Resorption von Wasser und Elektrolyten 107432.2.5 Schicksal der Nahrungsstoffe im Colon 107632.2.6 Pathobiochemie – 1076
32.3 Das Immunsystem des Intestinaltrakts 1079Literatur 1080
 
1054Kapitel 32 ·
Gastrointestinaltrakt
32
 >>
Einleitung
Der Gastrointestinaltrakt ist eines der komplexesten Organsysteme des menschlichen Organismus. Er ist von vitaler Bedeutungfür sämtliche Lebensvorgänge, da er für die Aufnahme der Nahrungsstoffe und damit für die Aufrechterhaltung der Energiezu-fuhr des Organismus verantwortlich ist.Die Nährstoffe können i. Allg. in der angebotenen Form vom Organismus nicht aufgenommen werden, da es sich um hoch-molekulare bzw. nicht oder nur schwer wasserlösliche Verbindungen handelt. Die Aufgabe der Verdauungsvorgänge im Ma-gen-Darm-Trakt besteht darin, die Nahrungsstoffe zu einer für die anschließende Resorption im Duodenum, Jejunum und Ile-um geeigneten Form abzubauen. Dies geschieht durch hydrolytische Spaltung der hochmolekularen Verbindungen in ihremonomeren Bausteine. Sie erfolgt durch die in den verschiedenen Verdauungssäften des Magen-Darm-Traktes und in derDünndarmmukosa enthaltenen Enzyme, deren Wirkung durch Milieubedingungen wie die Salzsäurekonzentration des Magensoder die Gallensäuren des Dünndarms beeinflusst wird. Die bei der Hydrolyse der Nahrungsstoffe entstehenden monomerenEinheiten werden von den Zellen der Dünndarmmukosa resorbiert und gelangen dadurch in die Blutbahn bzw. in das Lymph-system, von wo aus sie über den gesamten Organismus verteilt werden.
32.1.2
Magensaft
Die in der Magenschleimhaut gelegenen Magendrüsen pro-duzieren täglich etwa 3000 ml Magensaft, dessen Bestand-teile von den verschiedenen sekretorischen Zellen der Ma-genschleimhaut gebildet werden. Für die Produktion dereinzelnen Bestandteile des Magensaftes sind jeweils unter-schiedliche Epithelzellen verantwortlich:
4
Während die Nebenzellen des Antrums im Wesent-lichen das für den Schutz der Magenschleimhaut vorSelbstverdauung notwendige
Mucin
produzieren
4
wird in den Parietalzellen (Belegzellen) des Magenfun-dus und Corpus die für den Magensaft charakteristische
Salzsäure
sezerniert
4
Die Protease
Pepsin
, sowie bei einigen Arten
Renin
,werden in den Hauptzellen der Magenschleimhaut ge-bildet
 !
Die Parietalzellen produzieren HCl und den
intrinsic factor 
.
32.1
Gastrointestinale Sekrete
32.1.1
Speichel
In den Parotiden sowie den submaxillaren und sublin-gualen Speicheldrüsen werden je nach Menge und Art deraufgenommenen Nahrung pro Tag etwa 1000–1500 mlSpeichel produziert. Die Speichelflüssigkeit besteht zu99,5% aus Wasser und hat einen pH-Wert von etwa 7. Sieenthält mehrere unterschiedliche Mucine (
7
Kap. 32.1.2
),die die Nahrung gleitfähig machen. Verschiedene körper-fremde Substanzen wie Alkohol oder Morphin, außerdemanorganische Ionen wie Kalium, Calcium, Hydrogencar-bonat und Jodid werden teilweise in die Speichelflüssigkeitsezerniert.Die Speichelflüssigkeit enthält eine Reihe von Pro-teinen:
4
Als antimikrobiell wirkende Komponenten wurden Ly-sozym, Immunglobulin A, eine Gruppe histidinreicherProteine, die Histatine sowie die als Proteinase-Inhibi-toren wirkenden Cystatine identifiziert
4
Von Bedeutung für die Zahnmineralisierung (
7
Kap.22.2.7
) sind die sog. Prolinreichen Proteine (PRP’s)sowie die Statherine
4
Mucine machen die Nahrungsbissen gleitfähig undüben eine cytoprotektive Wirkung aus
4
Im Speichel kommt schließlich ein Stärke verdauendesEnzym, das
Ptyalin
, vor. Es handelt sich um eine
-Amylase
, die Stärke bis zur Maltose hydrolysiert. Infol-ge ihrer geringen Aktivität und der kurzen Verweilzeitder Speise in der Mundhöhle spielt sie allerdings nureine geringe Rolle bei der Verdauung. Das pH-Opti-mum des Ptyalins liegt bei 6,7, bei pH-Werten unter 4wird das Enzym rasch inaktiviert, sodass es im saurenMilieu des Magens nicht mehr wirksam ist
.
 
Abb. 32.1. Mechanismus der Salzsäurebildung in den Belegzel-len der Magenschleimhaut.
Die rot dargestellte H
+
 /K 
+
-ATPase istimstande, die luminale H
+
-Konzentration auf etwa 0.1 mol/l (pH 1) zuerhöhen
 
32.1 ·
Gastrointestinale Sekrete
32
1055
.
Abbildung 32.1
zeigt die Vorgänge bei der Salzsäuresekre-tion durch die Parietalzellen. Morphologisch zeichnen sichdiese durch ein
spezifisches vesikuläres System
aus, dessenMembranen nach Stimulierung der Belegzellen mit denMembranen eines intrazellulären Kanalsystems fusionie-ren. Dieses stellt die Verbindung mit der luminalen Seiteder Belegzellen her. In die Vesikelmembranen ist eine
Pro-tonenpumpe
integriert, welche unter ATP-Verbrauch Pro-tonen im Austausch mit Kaliumionen gegen einen erhebli-chen Konzentrationsgradienten ins Lumen transportiert.Die Protonenkonzentration im Magensaft kann bis etwa0,1 mol/l entsprechend einem pH-Wert von 1 betragen.Da die Protonenkonzentration intrazellulär bei etwa10
–7
mol/l (pH 7,0) liegt, entspricht dies einem Konzentra-tionsgradienten von etwa 10
6
. Die für den Austausch benö-tigte Energie entstammt der Hydrolyse von ATP mit einerStöchiometrie von je 2H
+
bzw. K
+
pro ATP.Die für die Salzsäureproduktion benötigten Protonenwerden mit Hilfe der
Carboanhydrase
aus CO
2
und H
2
Ogebildet. Das dabei entstehende Hydrogencarbonat wirddurch einen auf der basolateralen Seite der Belegzellen lo-kalisierten Antiporter gegen Chloridionen ausgetauscht,die über einen speziellen
Chloridkanal
in das Lumen abge-geben werden. Auch die für das Funktionieren der Proto-nenpumpe notwendigen K
+
-Ionen gelangen durch einenentsprechenden Kanal auf die luminale Seite der Beleg-zellen.Die Salzsäure spielt eine wichtige Rolle in der Pathoge-nese von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren undder Reflux-Ösophagitis. Daher war die Aufklärung derStruktur der Protonenpumpe des Magens sowie der Regu-lation ihrer Expression von großer Bedeutung.
.
Abbil-dung 32.2a
zeigt die aus der Aminosäuresequenz abgeleiteteMembrantopologie der Protonenpumpe. Es handelt sich
.
 
Abb. 32.2. Mechanismus der H
+
/K
+
-ATPase der Belegzellender Magenschleimhaut.
 
a
Membrantopologie der humanen H
+
 /K 
+
-ATPase. Die
-Untereinheit besitzt zehn Transmembrandomänen. DieATP-Bindungsstelle sowie das für den Katalysezyklus wichtige Aspar-tat
387
befinden sich auf der cytosolischen, die K 
+
-Bindungsstelle sowiedie für die Hemmung durch Omeprazol verantwortlichen Cysteinylres-te Cys
815
 und Cys
892
auf der luminalen Seite. Die
-Untereinheit ist fürdie zelluläre Lokalisation und die Aktivität der Pumpe verantwortlich
b
Katalysezyklus der H
+
 /K 
+
-ATPase. Dargestellt ist die für den H
+
 /K 
+
-Antiport verantwortliche Phosphorylierung und Dephosphorylierungdes Asp
387
. (Einzelheiten
7
  Text)
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