• Embed Doc
  • Readcast
  • Collections
  • CommentGo Back
Download
 
33
33 Leber
Dieter Häussinger, Georg Löffler 
33.1 Die zellulären Bestandteile der Leber und ihre anatomischenBeziehungen 1084
33.1.1 Zusammensetzung der Leber 108433.1.2 Funktion und Aufbau der Leber 1084
33.2 Funktionen der Leberparenchymzellen 1086
33.2.1 Funktionen im Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel 108633.2.2 Funktionen im Protein- und Aminosäurestoffwechsel 108733.2.3 Synthese spezifischer Proteine in der Leber 108833.2.4 Die Leber als Speicherorgan 1089
33.3 Biotransformation 1090
33.3.1 Die Phasen der Biotransformation 109033.3.2 Die metabolische Aktivierung durch das Biotransformationssystem 1093
33.4 Die Leber als Ausscheidungsorgan 1096
33.4.1 Die Bedeutung der Hepatozyten bei der Gallebildung 109633.4.2 Die Funktion der Cholangiozyten bei der Gallebildung 1098
33.5 Funktionen der Nichtparenchymzellen der Leber 109833.6 Pathobiochemie 1099
33.6.1 Leberzellschädigung – 109933.6.2 Gallensteine – 1101
Literatur 1102
 
1084Kapitel 33 ·
Leber
33
 >>
Einleitung
Die Leber ist eines der größten Organe des Organismus. Etwa 70% ihrer Zellmasse besteht aus Parenchymzellen, den verblei-benden Anteil bilden Gallengangsepithelien, Zellen des reticuloendothelialen Systems (Kupfferzellen), Sternzellen und Endo-thelzellen. In der Leber laufen die meisten der heute bekannten Reaktionen des Intermediärstoffwechsels ab.Die Kapazität der Leber zur Erfüllung ihrer vielfältigen Funktionen im Stoffwechsel ist außerordentlich groß. Dies geht alleinaus der Tatsache hervor, dass erst ein Zustand, in dem mehr als 80% der Parenchymzellen zerstört sind, mit dem Leben nichtmehr vereinbar ist. Da die Leber über eine besondere Regenerationsfähigkeit verfügt, können akute und chronische Schädi-gungen von ihr relativ gut bewältigt werden.
33.1
Die zellulären Bestandteile derLeber und ihre anatomischenBeziehungen
33.1.1
Zusammensetzung der Leber
Nur etwa 60–70% der Zellmasse der Leber bestehen aus deneigentlichen Leberparenchymzellen oder
Hepatozyten
.Eine weitere Gruppe epithelialer Zellen sind die als
Chol-angiozyten
bezeichneten Zellen der Gallengangsepithelien.Neben diesen enthält die Leber eine Reihe von nichtepi-thelialen Zelltypen. Diese befinden sich bevorzugt entlangder Sinusoide und stehen sowohl anatomisch als auchfunktionell in enger Beziehung zu den Parenchymzellen(
.
Abb. 33.1
). Im Einzelnen handelt es sich um:
4
Sinusoidale
Endothelzellen
. Sie sind ein erheblicherTeil der nichtepithelialen Zellen und bilden ein ge-fenstertes Endothel, wobei der Durchmesser der Fensterdurch endogene oder exogene Substanzen, wahrschein-lich über die Beteiligung von Elementen des Cytoske-letts, beeinflusst werden kann
4
 
Kupfferzellen.
Diese gehören zum reticuloendothelia-len System, adhärieren an die Wand der Sinusoide, sindaber sehr wahrscheinlich beweglich
4
 
Sternzellen
(Synonym Fettspeicherzellen, Ito-Zellen).Sie finden sich in engerer Assoziation an die Hepato-zyten und entwickeln cytoplasmatische Extensionen,die ähnlich wie Perizyten um das Endothel der Sinuso-ide gewickelt sind
4
 
Pit-Zellen.
So werden in der Leber große granuläreLymphozyten bezeichnet, die zur Gruppe der Killer-Zellen gehören
4
 
Progenitor- oder Ovalzellen.
Es handelt sich um Le-berstammzellen, die im Bereich der Heringschen Kanä-le lokalisiert sind und sich sowohl zu Hepatozyten alsauch Cholangiozyten differenzieren können. SchwereLeberschädigungen stimulieren die Proliferation vonProgenitorzellen, die dann zur Leberregeneration bei-tragenFerner ist die Leber sympathisch und parasympathisch in-nerviert, wobei die meisten Nervenendigungen an Leber-sternzellen zu finden sind. Efferente Lebernerven sind nichtnur an der Regulation des Leberstoffwechsels und des Blut-flusses durch die Leber beteiligt, sondern auch an der Leber-regeneration nach Schädigungen. Darüber hinaus existie-ren in der Leber afferente Nerven, welche Signale von Vo-lumen- und Osmosensoren an das Zentralnervensystemweitergeben.
33.1.2
Funktion und Aufbau der Leber
Die Funktionen der Leber sind vielfältig:
4
Verwertung aufgenommener Nährstoffe
4
Aufrechterhaltung der Glucose-, Aminosäuren-, Am-moniak- und Hydrogencarbonathomöostase
4
Synthese der meisten Plasmaproteine
4
Gallensäurensynthese und Gallebildung
4
Bildung, Speicherung und Prozessierung von Signal-molekülen
4
Mitwirkung bei der Immunabwehr
4
Metabolisierung von Endobiotica und Xenobiotica
4
Blutspeicherung
 !
Durch ihre Stoffwechselleistungen ist die Leber für dieAufrechterhaltung des konstanten inneren Milieus derextrahepatischen Organe und Gewebe verantwortlich.
Die besondere Funktion der Leber im Intermediärstoff-wechsel erklärt sich aus ihrer anatomischen Lage:
4
Sie nimmt während der
Resorptionsphase
die über denIntestinaltrakt resorbierten Nahrungsstoffe, Vitamineund Elektrolyte auf. Eine Ausnahme hiervon machendie Nahrungslipide, die über die Lymphbahnen desIntestinaltrakts gesammelt und über den Ductus thora-cicus in den großen Kreislauf verteilt werden. Dement-sprechend ist die Leber als einziges Organ daran an-gepasst, ein sowohl von der Quantität als auch von derQualität her sehr variables Stoffangebot zu bewältigen.Die während der Resorptionsphase angefluteten Subs-trate werden von ihr zu einem beträchtlichen Teil ge-speichert
4
In der
postresorptiven
oder
Hungerphase
ist sie dannimstande, die gespeicherten Substrate in den Blutkreis-lauf abzugeben und den anderen Organen und Gewe-ben des Körpers zur Deckung des Energiebedarfes zurVerfügung zu stellen. In diesem Sinne trägt die Leberentscheidend zur Aufrechterhaltung eines konstanten
 
33
1085
inneren Milieus und damit zur Funktionsfähigkeit allerextrahepatischen Organe und Gewebe bei
 !
Die Leberparenchymzellen sind funktionell hetero-gen.
Der
Leberacinus
ist die funktionelle Grundeinheit derLeber. Er erstreckt sich vom terminalen Pfortaderast ent-lang des Sinusoids bis zum terminalen Lebervenenast; zuihm gehören die das Sinusoid begrenzenden Parenchym-und Nichtparenchymzellen der Leber. Während eineracinären Passage strömt das Blut an etwa 20–30 Paren-chymzellen vorbei, die
funktionell heterogen
sind, d.h.unterschiedliche Genexpressionsmuster aufweisen. EineUrsache für diese funktionelle Leberzellheterogenität sindMetabolit-, Sauerstoff- und Hormongradienten entlang desLeberacinus.
Periportale
(an der acinären Einflussbahngelegene) Hepatozyten zeichnen sich durch höhere Aktivi-tät des Glycogenabbaus, der Gluconeogenese, der Fettsäure-oxidation, der Harnstoffbildung aus Aminosäurestickstoff sowie der Gallensäuren- und Bilirubinausscheidung aus.Dagegen stellen
perivenöse
(an der acinären Ausflussbahngelegene) Hepatozyten den bevorzugten Ort der Glycogen-synthese, der Glycolyse, Lipogenese, der Harnstoffbildungaus Ammoniak und der Biotransformation körpereigenerund körperfremder Stoffe dar. Unmittelbar am perivenösenEnde des Leberacinus findet sich eine besonders speziali-sierte, kleine Hepatozytenpopulation (Scavenger- oder Fän-gerzellen), welche als einzige Leberparenchymzellen dasEnzym Glutaminsynthetase enthält. Ihre Aufgabe ist es u.a.mit hoher Affinität Ammoniak, aber auch viele innerhalbdes Acinus freigesetzte und der interzellulären Kommuni-kation dienende Signalstoffe zu entfernen, bevor das sinuso-idale Blut in die Lebervene und damit in die systemischeZirkulation gelangt.
.
 
Abb. 33.1.
 
Hepatozyten und ihre anatomischen Beziehungenzu Nichtparenchymzellen und dem Dissé-Raum
. A = Aktinfilamente;C = Gallecanaliculus; D = Dissé‘scher Raum; De = Desmosom; E = Endo-thelzelle, G = Golgi-Apparat; GER = glattes endoplasmatisches Retiku-lum; H = Hepatozyt; K = Kupffer-Zelle; Ly = Lysosomen; M = Mitochon-drien; Mt = Mikrotubuli; Mv = Mikrovilli; N = Zellkern; Ne = Nexus;Nu = Nucleolus; P = Peroxisomen; R = Ribosomen; RER = raues endo-plasmatisches Retikulum; S = Sternzellen; T = Tonofilamente; V = peri-canaliculäre Vesikel; Za = Zona adhärens; Zo = Zonula occludens (
tight  junction
)
33.1 ·
Die zellulären Bestandteile der Leber und ihre anatomischen Beziehungen
of 00

Leave a Comment

You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...
You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...