1084Kapitel 33 ·
Leber
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Einleitung
Die Leber ist eines der größten Organe des Organismus. Etwa 70% ihrer Zellmasse besteht aus Parenchymzellen, den verblei-benden Anteil bilden Gallengangsepithelien, Zellen des reticuloendothelialen Systems (Kupfferzellen), Sternzellen und Endo-thelzellen. In der Leber laufen die meisten der heute bekannten Reaktionen des Intermediärstoffwechsels ab.Die Kapazität der Leber zur Erfüllung ihrer vielfältigen Funktionen im Stoffwechsel ist außerordentlich groß. Dies geht alleinaus der Tatsache hervor, dass erst ein Zustand, in dem mehr als 80% der Parenchymzellen zerstört sind, mit dem Leben nichtmehr vereinbar ist. Da die Leber über eine besondere Regenerationsfähigkeit verfügt, können akute und chronische Schädi-gungen von ihr relativ gut bewältigt werden.
33.1
Die zellulären Bestandteile derLeber und ihre anatomischenBeziehungen
33.1.1
Zusammensetzung der Leber
Nur etwa 60–70% der Zellmasse der Leber bestehen aus deneigentlichen Leberparenchymzellen oder
Hepatozyten
.Eine weitere Gruppe epithelialer Zellen sind die als
Chol-angiozyten
bezeichneten Zellen der Gallengangsepithelien.Neben diesen enthält die Leber eine Reihe von nichtepi-thelialen Zelltypen. Diese befinden sich bevorzugt entlangder Sinusoide und stehen sowohl anatomisch als auchfunktionell in enger Beziehung zu den Parenchymzellen(
.
Abb. 33.1
). Im Einzelnen handelt es sich um:
4
Sinusoidale
Endothelzellen
. Sie sind ein erheblicherTeil der nichtepithelialen Zellen und bilden ein ge-fenstertes Endothel, wobei der Durchmesser der Fensterdurch endogene oder exogene Substanzen, wahrschein-lich über die Beteiligung von Elementen des Cytoske-letts, beeinflusst werden kann
4
Kupfferzellen.
Diese gehören zum reticuloendothelia-len System, adhärieren an die Wand der Sinusoide, sindaber sehr wahrscheinlich beweglich
4
Sternzellen
(Synonym Fettspeicherzellen, Ito-Zellen).Sie finden sich in engerer Assoziation an die Hepato-zyten und entwickeln cytoplasmatische Extensionen,die ähnlich wie Perizyten um das Endothel der Sinuso-ide gewickelt sind
4
Pit-Zellen.
So werden in der Leber große granuläreLymphozyten bezeichnet, die zur Gruppe der Killer-Zellen gehören
4
Progenitor- oder Ovalzellen.
Es handelt sich um Le-berstammzellen, die im Bereich der Heringschen Kanä-le lokalisiert sind und sich sowohl zu Hepatozyten alsauch Cholangiozyten differenzieren können. SchwereLeberschädigungen stimulieren die Proliferation vonProgenitorzellen, die dann zur Leberregeneration bei-tragenFerner ist die Leber sympathisch und parasympathisch in-nerviert, wobei die meisten Nervenendigungen an Leber-sternzellen zu finden sind. Efferente Lebernerven sind nichtnur an der Regulation des Leberstoffwechsels und des Blut-flusses durch die Leber beteiligt, sondern auch an der Leber-regeneration nach Schädigungen. Darüber hinaus existie-ren in der Leber afferente Nerven, welche Signale von Vo-lumen- und Osmosensoren an das Zentralnervensystemweitergeben.
33.1.2
Funktion und Aufbau der Leber
Die Funktionen der Leber sind vielfältig:
4
Verwertung aufgenommener Nährstoffe
4
Aufrechterhaltung der Glucose-, Aminosäuren-, Am-moniak- und Hydrogencarbonathomöostase
4
Synthese der meisten Plasmaproteine
4
Gallensäurensynthese und Gallebildung
4
Bildung, Speicherung und Prozessierung von Signal-molekülen
4
Mitwirkung bei der Immunabwehr
4
Metabolisierung von Endobiotica und Xenobiotica
4
Blutspeicherung
!
Durch ihre Stoffwechselleistungen ist die Leber für dieAufrechterhaltung des konstanten inneren Milieus derextrahepatischen Organe und Gewebe verantwortlich.
Die besondere Funktion der Leber im Intermediärstoff-wechsel erklärt sich aus ihrer anatomischen Lage:
4
Sie nimmt während der
Resorptionsphase
die über denIntestinaltrakt resorbierten Nahrungsstoffe, Vitamineund Elektrolyte auf. Eine Ausnahme hiervon machendie Nahrungslipide, die über die Lymphbahnen desIntestinaltrakts gesammelt und über den Ductus thora-cicus in den großen Kreislauf verteilt werden. Dement-sprechend ist die Leber als einziges Organ daran an-gepasst, ein sowohl von der Quantität als auch von derQualität her sehr variables Stoffangebot zu bewältigen.Die während der Resorptionsphase angefluteten Subs-trate werden von ihr zu einem beträchtlichen Teil ge-speichert
4
In der
postresorptiven
oder
Hungerphase
ist sie dannimstande, die gespeicherten Substrate in den Blutkreis-lauf abzugeben und den anderen Organen und Gewe-ben des Körpers zur Deckung des Energiebedarfes zurVerfügung zu stellen. In diesem Sinne trägt die Leberentscheidend zur Aufrechterhaltung eines konstanten
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