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198
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Software
Fantasy
Fantasy ist eine Kunst der Datenverarbeitung, dieRekombination tradierter Gehalte – freilich im Interessevon Regression. In der Frühzeit digitaler Kultur inszeniertedas Genre, was der Jugendstil in der industriellen Epochezu gestalten suchte: ihre ästhetische Aufhebung.
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von Gundolf S. Freyermuth
 
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Inhalt
1 Rendezvous im Wunderland ............................................32 Die Maschinen und das Phantasieren .................................73 Vom Wunderland ins Elfenreich .....................................124 Museum der Mythen ...................................................185 Trip nach Mittelerde ...................................................206 Synthetische Paradiese ................................................237 Magier gegen den Weltuntergang ...................................258 Klein-Bürger tun alles für ihren Frieden...........................319 Die neuen Märchen .....................................................34Postscriptum ...............................................................39Impressum ..................................................................40
vol. 2008.01inhaltinfosoftware fantasy2/40
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vol. 2008.01inhaltinfosoftware fantasy3/40
Kapitel
Rendezvous im Wunderland
In seinen nachgelassenen Erinnerungen berichtet ein langjähriger Videospieler aus der Pionierzeit derUnterhaltungs-Software:
Endlich konnten wir den Lauf der Dinge, das heißt der Spiele, mit unseren Computern steuern. Wir waren in der Lage, die Fantasy-Figuren zu kontaktieren und die Handlung innerhalb der Grenzender jeweiligen Programme zu verändern. Damit war uns der Sprung vom Spieler zum Teilnehmer  gelungen. Wir reisten gewissermaßen persönlich in die Reiche der Fantasy. So begann etwa ein Grup- penspiel für mehrere Personen an dem Bachufer, an dem einst Alice gesessen hatte. Bald kam dasWeiße Kaninchen mit den roten Augen vorbei, zog eine Uhr aus der Westentasche und beschleunigtesein Gehoppel. Als das obskure Wesen in seinem Bau verschwand, folgten wir ihm. Wir ließen uns dendunklen Schacht hinunterfallen und landeten nach einem fast schwerelosen Flug in einem Haufendürrer Blätter.Eine farbige Einblendung begrüßte uns im Wunderland und wies noch einmal darauf hin, daß wir nunmehr innerhalb der gesetzlichen Grenzen dieser Welt vollkommen freies Spiel hätten. Die mei-sten Teilnehmer verschmähten die dargebotenen Drogenpilze; und auch ich machte von der Farben,Geräusche und Geschwindigkeit eskalierenden Rausch-Schaltung erst bei späteren DurchgängenGebrauch. Ziel des Spiels war es, Alice zu finden, die hier wohnen sollte, seit sie in der Wirklichkeitnicht mehr lebte. Bei ihrer Ankunft hatte sie, da ihre Körpergröße durch die Pilze um ein Vielfaches gewachsen war, einen ganzen Tränenteich geweint. In ihm ertranken, durch eine Unachtsamkeit inder Steuerung, einige Teilnehmer und mußten ausscheiden. Wir anderen stolperten an dem Haus vonW. Kaninchen und dem der Herzogin vorbei und stießen auf einen Garten mit bunten Blumenrabattenund einem verschandelten Rosenbäumchen, dessen weiße Blüten zur Hälfte rot angestrichen waren.
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