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Reprint 
Als vor einigen Wochen Karlsruher Richter einen Teil desNichtraucherschutzes aufhoben, witterten viele Süchtigejene Morgenluft, die sie mit Vorliebe verpesten. Natürlichhoffe ich, dass die dramatischen Schicksale, die ich schon vorüber einem Vierteljahrhundert schilderte, alle Pro-Qualm-Positionen widerlegen mögen ...
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Von Gundolf S. Freyermuth
 
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Unter Rauchern1/24vol. 2008.09info
Unter Rauchern
Eine Leidensgeschichte
 
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Unter Rauchernvol. 2008.09info2/24
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it fünf Jahren verlief ich mich in einem Schneesturm, weil mich mein Vater in dieDunkelheit hinausschickte, ihm zwei Päckchen Zigaretten zu holen — zum zweiten Malan diesem kalten Wintertag. Als ich aufgelesen wurde, war ich halb erfroren. Geradenoch konnten meine vereisten Kinderlippen die Adresse meiner lieben Eltern stammeln.Mein Vater erwartete mich, im Zimmer auf und ab gehend und seine zittrigen Fingerwringend.»Nun sind alle Läden geschlossen!« rief er mit einer Stimme, deren Ton mich seltsamrührte. Ich hatte meinen Vater ohne Zigaretten gelassen. Zum ersten Mal in meinemjungen Leben spürte ich den Schmerz eines schlechten Gewissens.Es sollte nicht mein einziger Schmerz bleiben. Von meiner Rücksichtslosigkeit in dieStrudel des Entzugs gestürzt, begann mein Vater, mich warm zu schlagen.Im Zorn des Süchtigen ließ er erst von mir ab, als er seine Hände wieder anderweitiggebrauchen konnte, weil meine Mutter zurückkam. Die hatte er nicht mich suchen,sondern zu den Nachbarn geschickt, die den kleinen Tabakwarenladen an der Eckebetrieben. Ein Auftrag übrigens, den meine Mutter kaum ohne kräftiges Zureden über-nommen haben dürfte, denn sie hasste alle Nachbarn und weigerte sich seit Jahren,
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Unter Rauchernvol. 2008.09info3/24
mit ihnen ein Wort zu wechseln. Aber natürlich war auch sie eine starke Raucherin undbrauchte den Nachschub.
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eit diesem Schlüsselerlebnis meiner Kindheit ist keine Woche vergangen, in dernicht der eine oder andere Raucher versucht hätte, mein Leben zu zerstören.Ich musste lernen, dass Raucher rücksichts- und gewissenlos sind, dass sie keine Skrupelkennen, wenn es um die Beschaffung von rauchbaren Naturprodukten geht, und dass siefür »ihre« Marke nicht nur in unwirtliche Dschungelgebiete, sondern auch über Leichenihrer besten Freunde gehen.Ich hatte mich daran zu gewöhnen, morgens mit dem harten Kopfschmerz des starkenMitrauchers aufzuwachen, und ich störte mich bald kaum mehr an dem kalten Rauch,der mir entgegenschlug, wenn ich die Tür des Wagens öffnete, in dem ich am Vortageinen meiner süchtigen Freunde transportiert hatte.Stangenweise schmuggelte ich ihren Stoff aus dem billigeren Ausland ein, und bisweilenverführte ich gar eine Frau, die mehr an ihrem Glimmstengel als an mir saugte. Dassdabei mehrfach mein Bett mehr Feuer fing als ich, war in diesen Nächten nicht mal das
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