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Patrick Engelke
 
Mit der Risikoanalyse Krisen vorbeugen
Zur Krisenprävention gehört auch: Verborgene Krisengefahrensollten frühzeitig aufgedeckt und abgeschaltet werden
Viele Krisen kündigen sich an – lange bevor sie in die Medien gelangenund dadurch einen irreparablen Schaden anrichten. Krisen haben ihreUrsachen nicht selten in Risiken, die im Unternehmen bekannt sind oderzumindest bekannt sein könnten. Die Erfahrung zeigt: In vielenUnternehmen schlummern verborgene (kommunikative) Risiken. Dennnicht nur Gesetze können sich ändern, auch gesellschaftliche Werte undAnsichten sind einem Wandel unterworfen. Was vor einigen Jahrenvielleicht noch akzeptiert wurde, ist heute verpönt. Erst am (medialen)Pranger Einsicht zu zeigen und Besserung zu geloben, ist dann allerdingszu spät – und selbst erfahrene Kommunikationsexperten können in einersolchen Situation den Schaden nur noch begrenzen, aber nicht mehrabwenden. Effektive Krisenprävention muss deshalb bei einer möglichstumfassenden Risikoanalyse beginnen undauf ihr aufbauen. Unternehmen sollten ihreStrukturen und Abläufe, aber auch ihreGewohnheiten und Ansprüche nicht nurunter betriebswirtschaftlichen Aspekten,sondern auch unter kommunikativer Sichtdurchleuchten.
Die Empörungsindustrie als Kontrahent
Für Unternehmen gilt es in Zeiten einer immer effektiver arbeitendenEmpörungsindustrie die eigenen Strukturen auf mögliche Angriffspunkteund Schwachstellen hin zu untersuchen. Denn Unternehmen werdenheute als gesellschaftliche Akteure verstanden, deren Verantwortung
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E&Z Position ●
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nicht mehr am Werkstor endet. Ihnen gegenüber steht ein mächtigerKontrahent: Eine Allianz aus Medien, „Nichtregierungsorganisationen“,Verbrauchern und Politikern. Je nach Empörungspotential bilden dieseAkteure spontane Bündnisse, die dann für einen bestimmten Zeitraumdas gleiche Ziel verfolgen: Die Skandalierung eines (vermeintlichen)Missstandes. Erleichtert wird dies durch Medien, die zwar vordergründigkritisch berichten wollen, sich aber ohne genaue Recherche und oftmalsunter Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht vor denKampagnenkarren der NGOs spannen lassen. JournalistischerNeutralität? Oftmals Mangelware – denn zu verlockend erscheint für vieleJournalisten das Angebot der Umwelt-/Natur-/Tier-/Verbraucherschützer,mit vorgefertigten Thesen, geschnittenem Filmmaterial undempörten/betrogenen/benutzten Bürgern schnell Einschaltquote bzw.Auflage zu machen.
Schwachstellen beseitigen
Angesichts dieser Ausgangslage müssen Unternehmen wissen, wo dieeigenen Schwachstellen liegen – und diese nach Möglichkeit beseitigen.Gerade in den Bereichen Personal, Qualität und soziale Verantwortungsollten sich Firmen keine Blöße geben. Im Rahmen einer umfassendenRisikoanalyse sollte deshalb herausgearbeitet werden, ob und wie diegeltenden Standards eingehalten und vor allem moralische Aspektebeachtet werden. Beispiel Datenschutz: Es mag (denkbare) Fälle geben,in denen die Speicherung personenbezogener Daten von Mitarbeiternsinnvoll und juristisch vertretbar sein kann. Es ist aber die Frage, wie dieÖffentlichkeit vor dem Hintergrund zahlreicher „Datenaffären“ in jüngsterZeit auf solche Aktivitäten eines Unternehmens reagiert. Es ist sogarvorstellbar, dass eine gesetzlich erlaubte, moralisch aber fragwürdigeSpeicherung von Daten ohne das Wissen der Geschäftsführung vonstatten geht, weil dies von den zuständigen Stellen „schon immer so“gemacht wurde. Und schließlich ist nicht auszuschließen, dass eine
 
 
E&Z Position ●
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solche Datensammlung zwar jede Menge Speicherplatz frisst, de factoaber gar nicht benutzt wird. Eine Risikoanalyse deckt solche Vorgängeauf und bewertet sie unter medialen Gesichtspunkten. Danach obliegt esder Verantwortung der Geschäftsführung, wie mit diesem Risikoumzugehen ist – ein Fortführen der Datensammlung mit dem Risiko,irgendwann eine „hausgemachte“ Krise bewältigen zu müssen oder eineEinstellung der Datensammlung zu veranlassen und das Risiko damit imZeitverlauf stetig zu minimieren.Am Ende des Abwägungsprozesses auf Grundlage der Risikoanalysewerden Risiken skizziert, die von der Geschäftsleitung als nichtakzeptabel eingestuft und deshalb abgestellt werden sowie Risiken, dieals akzeptabel eingestuft werden, auch wenn sie sich vielleichtirgendwann zu (kommunikativen) Krisen auswachsen könnten. Dies wäre – um im Beispiel zu bleiben – dann der Fall, wenn eine Geschäftsführungnach juristischer Prüfung entscheidet, die rechtmäßige Sammlung vonDaten beizubehalten und die mögliche Kritik daran durch die Öffentlichkeitmit den herkömmlichen Instrumenten der (Krisen-)Kommunikation zubewältigen.
Strukturaufbau spart wertvolle Zeit
 Da im Zuge der Risikoanalyse auch die Strukturen des Unternehmens imHinblick auf die Krisenkommunikation untersucht werden, enthält sieneben dem themenbezogenen Ergebnis auch konkreteHandlungsempfehlungen zur Einrichtung eines Krisenstabs, zurOptimierung der Kommunikationswege oder zur Erstellung vonnotwendigen Basistexten.Entscheidender Vorteil einer Risikoanalyse ist der so entstehendeZeitgewinn. In „Friedenszeiten“ mit der Umsetzung zu beginnen und dieStrukturen auf den Krisenfall vorzubereiten, spart im Ernstfall wertvolle

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