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Energiepolitik im Wandel - READER 
Energieträger
Erdöl ist der wichtigste Energieträger weltweit. 36 Prozent des gesamten globalenPrimärenergiebedarfs wurden 2007 durch Erdöl gedeckt. Wie beim Öl konzentrieren sichauch beim Gas die Vorkommen auf nur wenige Länder. Das schafft Abhängigkeiten beiLändern wie Deutschland, die auf Energieimporte angewiesen sind. Auch Kohle bleibt einwichtiger Energieträger, vor allem in Asien trägt der fossile Brennstoff zur Energieversorgung bei. Die Nuklearenergie ist in den USA, in Teilen Europas und Asiens von Bedeutung.Moderne Nutzungsformen erneuerbarer Energien wie Sonne, Wind, Biomasse undGeothermie gewinnen vor allem in Europa an Wichtigkeit.
Öl hält die Weltwirtschaft am LaufenErdöl ist der wichtigste Rohstoff auf dem internationalen Energiemark. Aber wie langereichen die Ölvorräte aus, wenn die Nachfrage stetig steigt?
Die Destillationsanlage der ErdölraffinerieLeuna in Sachsen-Anhalt. Durch die über 700 Kilometer Rohrleitungen der gesamtenAnlage fließen täglich rund 30.000Kubikmeter Rohöl zur Verarbeitung. Foto:AP
Öl ist und bleibt auf absehbare Zeitdie wichtigste Energiequelleweltweit. 2007 verbrauchte dieWeltgemeinschaft rund 85 MillionenBarrel Öl pro Tag, ein Barrelentspricht 159 Litern. Der Rohstoff deckte damit 36 Prozent des gesamten globalen Primärenergiebedarfs ab. Wird dieÖlförderung im heutigen Ausmaß beibehalten, reichen die zurzeit bekannten Reserven nochschätzungsweise 40 Jahre – bei unverändertem Konsum.Doch der Bedarf wird zunehmen: So prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA)für 2030 einen Verbrauch von täglich 116 Mio. Barrel Öl. Vor allem in den Schwellenländernsoll der Ölkonsum wachsen. Das gilt für China und Indien, aber auch Brasilien und Mexiko.Wie groß der Öldurst tatsächlich sein wird, lässt sich nur schwer voraussagen.So ist auch unklar, wann der letzte Tropfen Öl fließen wird. Die so genannte Reichweite desErdöls verschiebt sich immer wieder. In den 1970er Jahren hatte der Club of Rome das Endedes Ölzeitalters für Anfang des 21. Jahrhunderts vorausgesagt. Es kam anders: Einerseitswurden und werden neue Vorkommen erschlossen, andererseits helfen modernere Technikendabei, Lagerstätten intensiver zu nutzen, also mehr Erdöl herauszupressen. Noch dazu machtder steigende Ölpreis bislang unrentable Ölfelder durchaus lukrativ. Auch so genanntesunkonventionelles Öl gewinnt an Wirtschaftlichkeit – Ressourcen wie Ölsande undÖlschiefer, die bislang nicht konkurrenzfähig waren. Doch modernere Fördertechniken setzenzunächst massive Investitionen voraus.Genaue Schätzungen über die tatsächliche Reichweite des Öls sind auch schwierig, da privateÖlkonzerne Zahlen über die Vorkommen sehr vertraulich behandeln. Ebenso sind die
 
 2Prognosen der Golfstaaten mit Skepsis zu genießen. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wurden bis Ende 2006 weltweit seit Beginn der industriellen Erdölförderung 147 Gigatonnen Erdöl gewonnen, die Hälfte davon innerhalb der letzten 22 Jahre. Das Maximum des Öl-Fördervolumens, der Peak-Oil, scheint realistischer zuwerden. Die BGR, die als Fachbehörde die Bundesregierung in Rohstoff-Fragen berät,erwartet den Peak-Oil für 2015 bis 2020. Danach muss mit dem Rückgang der Förderunggerechnet werden.
Der Ölboom begann in den USA
Blick auf den Bohrer auf dem Ölförderschiff "Discoverer Deep Seas" im Golf von Mexiko. Verbesserte Technologienund der steigende Ölpreis machen das Bohren nach Öl imTiefwasser wieder rentabel. Foto: AP
Erdöl wie auch Erdgas sind aus biologischenRückständen unter hohem Druck, hoher Temperatur und Luftabschluss entstanden – über Jahrmillionen hinweg. Erdöl bildete sich vor 90 bis150 Millionen Jahren: Große Mengen totenorganischen Materials sammelten sich auf demBoden riesiger Ozeane, der so genannteFaulschlamm entstand. Durch Sedimentablagerungen wurden die organischen Substanzenimmer weiter in die Tiefe gedrückt. In einer Tiefe von 2.000 bis 4.000 Metern und einer Temperatur von 80 bis 120 Grad Celsius bildete sich schließlich infolge chemischer ProzesseErdöl. Der Rohstoff wurde quasi aus dem Faulschlamm herausgekocht.Erdöl wird schon seit einigen Tausend Jahren genutzt. Auch weil es in manchen Regionen ausdem Boden sickerte, war es früh bekannt. Doch die industrielle Nutzung von Erdöl setzteMitte des 19. Jahrhunderts im US-Bundesstaat Pennsylvania ein. Dort wurde die erste größereErdölquelle erschlossen.[1] Es folgte ein wahrer Ölboom.
Die Produktpalette ist riesig
Bis heute hält Erdöl die industrielle Welt am Laufen; es ist das "Schmiermittel der Wirtschaft". Erdöl findet sich längst nicht mehr nur im Transportsektor oder dient der Wärmeerzeugung, verstärkt wird es in der Textil- und Pharmaindustrie oder als Grundstoff inder Chemieindustrie verwandt. Je nach Raffination, also Verarbeitung, bringt Rohöl eineumfangreiche Produktpalette hervor: Heizöl, Benzin, Diesel, Schmierstoffe. Rohöl lässt sichin verschiedene Sorten, auch in unterschiedliche Qualitäten unterteilen. Im Mittleren Ostenfindet sich vor allem das Schweröl mit einem hohen Schwefelgehalt. Das leichte Rohöl mitweniger Schwefel findet sich zum Beispiel in der Nordsee. Seine Förderung ist etwas teurer,doch dafür muss während der Raffination weniger Schwefel herausgetrennt werden, was dieKosten senkt.
Fast 100 Prozent werden importiert
In Deutschland wurden 2007 112 Mio. Tonnen Öl verbraucht, das waren täglich rund 2,4 MioBarrel. Deutschland war auf Rang 6 der größten Ölverbraucher weltweit. Doch der deutscheÖlkonsum nimmt langsam ab: 1997 wurden noch 136 Mio. Tonnen Öl verbraucht, einRückgang von knapp 22 Prozent innerhalb der letzten 10 Jahre. Das ist ein Resultat milder Temperaturen, steigender Preise für Kraftstoff aber auch Heizöl und der Beimischung von
 
 3Biokraftstoffen. Doch Öl bleibt wichtig. 2007 trug der Rohstoff knapp 34 Prozent zumPrimärenergieverbrauch bei und war damit der wichtigste Energieträger.Auch in Deutschland findet sich Erdöl: am meisten fördert die Öl-Bohrinsel Mittelplate in der  Nordsee vor Büsum. Doch die heimische Förderung deckt nur knapp 3 Prozent des Bedarfs,der Rest wird importiert. Die wichtigsten Lieferländer waren 2007 Russland, Norwegen,Großbritannien und Libyen: Sie sorgten gemeinsam für 70 Prozent der Ölimporte.
Der Mittlere Osten dominiert den Ölmarkt
Auch andere Länder sind in hohem Maße abhängig von Erdölimporten. Die weltweitenÖlvorkommen konzentrieren sich auf nur wenige Länder. 5 Staaten besitzen knapp 60 Prozentder weltweit wirtschaftlich förderbaren Ölreserven: das sind Iran, Irak, Kuwait, dieVereinigten Arabischen Staaten und vor allem Saudi-Arabien. Das Königreich hält allein über 20 Prozent der konventionellen Rohölreserven.Die fünf ölreichen Länder gehören der OPEC an, der Organistion der Erdöl exportierendenLänder. Die OPEC, mit ihren insgesamt 11 Mitgliedsstaaten, funktioniert als eine ArtFörderkartell. Man verständigt sich auf Fördermengen sowie die Erdölpreise. Die OPEC-Staaten verfügen gemeinsam über mehr als 75 Prozent der heute wirtschaftlich förderbarenErdölreserven. 2007 trug die OPEC mehr als 40 Prozent zur weltweiten Ölproduktion bei.2007 wurden fast 55 Mio. Barrel Erdöl pro Tag weltweit gehandelt. Öl ist die wichtigste Wareauf dem internationalen Energiemarkt. Rund 25 Prozent importierten die USA, ebenso vielging nach Europa. Auch Japan ist stark von Erdölimporten abhängig. Die Lieferanten sind vor allem die Länder des Mittleren Osten, sie trugen fast 36 Prozent zu den gehandeltenÖlmengen bei. An zweiter Stelle folgte Russland mit rund 15 Prozent.Die steigenden Ölpreise haben erneut eine Diskussion über die Abhängigkeit vom Ölentfacht: Seit 2004 hat der Ölpreis stetig zugelegt, in den letzten Monaten erreichte er nochmals ungekannte Höhen. Die Erklärungen dafür gehen auseinander. Manche erkennendarin die Verknappung der Ölreserven plus steigender Nachfrage; andere werfen der OPECvor, sie treibe die Preise gezielt in die Höhe, oder sie machen eine Spekulationsblaseverantwortlich. Sicher ist nur, mit stark sinkenden Ölpreisen ist nicht zu rechnen.
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