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GdP – BZG Zoll (Bundesfinanzpolizei), Forststraße 3a, 40721 Hilden Internet: www.gdp-bundesfinanzpolizei.de
 
Info – aktuell Nr.17/09 
Bundestagswahl 2009:„Aufbruch oder
‚Weiter so?‘ 
Wahlprüfsteine zur Zukunft des Zoll und seiner Beschäftigten
Neben anderen wichtigen sozial-, gesellschafts- und wirtschaftspolitischenStandpunkten ist für die Beschäftigten des Zolls von wichtiger Bedeutung, welcheZiele die Kandidaten für den 17. Deutschen Bundestag für den Zoll, dessen Aufgabenund Struktur und vor allem die Menschen in dieser Behörde haben. Die Gewerkschaftder Polizei (GdP) hat den Bundestagsfraktionen deshalb fünf Fragen zurZusammenarbeit und Vernetzung des Zolls und anderer Sicherheitsbehörden, zurstrategischen Ausrichtung des Zolls und dessen Verwaltungsstruktur, zur Rolle desZolls in der Sicherheitsarchitektur und zur Gerechtigkeit des Dienstrechts im Hinblickauf die physischen und psychischen Belastungen im Zollvollzug gestellt.
Die Fraktion der Partei Die Linke. sieht den Zoll wegen seiner Anbindungan das Bundesfinanzministerium (BMF) in einer Sonderrolle. SeineHaupttätigkeitsfelder sollten nach ihrer Vorstellung die Bekämpfung derSteuer- und Wirtschaftskriminalität sein. Die Linke. fordert, die Belastungen in denVollzugseinheiten des Zolls im selben Umfang dienstrechtlich zu berücksichtigen, wie inanderen polizeilichen Tätigkeiten des Bundes.Bündnis 90/Die Grünen will die internationale Zusammenarbeit stärken undsetzt auf nationaler Ebene auf den Ausbau gemeinsamerErmittlungsgruppen. Sie fordern eine Verlagerung des Zolls in dieZuständigkeit des Bundesinnenministeriums. Die Belastungen desSchichtdienstes sollten in Lebensarbeitszeitkonten berücksichtigt undausgeglichen werden.Die Freie Demokratische Partei (FDP) hält nach Aussagen ihresGeneralsekretärs Dirk Niebel eine enge Zusammenarbeit von Zoll,Bundespolizei und Polizeien der Länder für dringend erforderlich, will aberZuständigkeitsüberschneidungen und „Doppelarbeiten“ vermeiden.Grundsätzlich sollten die Vollzugskräfte in allen sicherheitsrelevanten Bereichen die gleichendienstrechtlichen Bedingungen vorfinden, was laut Niebel im Rahmen der Reform desDienstrechts keine Zustimmung der bisherigen Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPDgefunden hatte.Die Sozialdemokratische Partei (SPD) antwortete durch ihren FinanzpolitischenSprecher Dr. Hans Ullrich Krüger im Stile des BMF-Verwaltungsapartes. Der Zollist demnach gut aufgestellt. Die besonderen Belastungen der Beschäftigtenwerden durch Zahlung der Polizeizulage und anderer Erschwerniszulagenausreichend ausgeglichen. Im Übrigen sind diese Belastungen nicht vergleichbar mit denenim Polizeidienst, da polizeiliche Aufgaben eben nur als „Annex“ der Finanzverwaltungwahrgenommen werden.Die Christlich Demokratische Union (CDU) und ihre Schwesterpartei, dieChristlich Soziale Union (CSU), setzen auf eine engere Verzahnung, wasauch die Zusammenführung von Bundespolizei und Zoll im Ermittlungsbereichbedeuten könne. Ziel muss es nach Meinung der Union sein, denZollbediensteten mit Vollzugsaufgaben die Perspektive zu bieten, auf Augenhöhe mit denweiteren Polizeien des Bundes zu stehen.
 
GdP – BZG Zoll (Bundesfinanzpolizei), Forststraße 3a, 40721 Hilden Internet: www.gdp-bundesfinanzpolizei.de
 
Info – aktuell Nr.17/09 
Bundestagswahl 2009:„Aufbruch oder
‚Weiter so?‘ 
Wahlprüfstein 1:Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbehörden stärken
 
Frage: Ist es nach Ihrer Auffassung erforderlich, zukünftig die Zusammenarbeit derbestehenden Kontroll-, Fahndungs- und Ermittlungseinheiten des Zolls mit anderenpolizeilichen Behörden der inneren Sicherheit durch engere Vernetzung zuverbessern?
Die Linke:
Die Partei DIE LINKE hält die Zusammenarbeit der verschiedenen Behördender Inneren Sicherheit für hochentwickelt und effektiv. Dort, wo sie in den letzten Jahrenfaktisch institutionalisiert wurde (Gemeinsames Terrorabwehrzentrum – GTAZ) halten wir sieallerdings für verfassungsrechtlich problematisch. Wir befürworten die Kooperation in konkretenDeliktbereichen – Beispiele wären hier Steuer- und Wirtschaftskriminalität, Menschenschmuggel – auf jeweils klar definierter Rechtsgrundlage und der Beachtung der jeweiligen Bundes- undLänderzuständigkeiten.
Bündnis 90/Die Grünen:
Wir haben in Deutschland gute Erfahrungen gemacht, miteinem Sicherheitssystem, das auf Spezialisierung und Kooperation setzt. BÜNDIS 90/DIEGRÜNEN wollen die Netzwerkstrukturen der inneren Sicherheit verbessern. Dieeuropäische und internationale Zusammenarbeit wollen wir stärken, auf nationaler Ebene setzen wirverstärkt auf gemeinsame Ermittlungsgruppen. Gerade der Zoll mit seinen vielfältigen Aufgaben mussin polizeiliche Netzwerkstrukturen eingebunden sein.
FDP:
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zoll, Bundespolizei und Polizeien der Länder istaufgrund der überschneidenden Aufgaben und Befugnisse unerlässlich. Gleichzeitig ist zuüberprüfen, ob klare Kompetenztrennungen der einzelnen Sicherheitsbehörden dieEffizienz steigerten, um Reibungsverluste und Doppelarbeiten zu vermeiden. Diese Überlegungensind bei der Zusammenarbeit des Zolls mit den anderen Sicherheitsbehörden einzubeziehen.
SPD:
Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen Behörden ist für eineumfassende, effektive und zielgerichtete Aufgabenwahrnehmung der Zollverwaltungunverzichtbar. Dies be-trifft nicht nur die Kontroll-, Fahndungs- und Ermittlungseinheitendes Zolls, sondern die gesam-te Zollverwaltung. Insbesondere die Überwachung desWaren- und Barmittelverkehrs, die ziel-gerichteten Prüf- und Kontrollmaßnahmen und die Aufdeckungkrimineller Strukturen erfordern eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden der Inneren Sicherheitgenauso wie mit den Res-sorts für Soziales, Wirtschaft, Verkehr und Auswärtiges. Darüber hinaussind Steuerverwaltung, Verbände, andere Staaten und internationale Organisationen umfassend undeffektiv beteiligt. Zu diesem Zweck wurden in der Vergangenheit Abkommen, Vereinbarungen undBündnisse geschlossen, die die zielgerichtete Zusammenarbeit aller Aufgabenbereiche derZollverwaltung mit den verschiedensten Stellen regeln. Die Ergebnisse beispielsweise derGemeinsamen Er-mittlungsgruppen Rauschgift mit den Polizeien der Länder belegen eindrucksvollden Erfolg des Konzeptes. Diese Formen der Kooperation bündeln die Stärken der beteiligtenVerwaltungen und machen eine direkte Zusammenarbeit ohne Reibungsverluste möglich.
CDU/CSU:
Eine den Erfordernissen angepasste Sicherheitsarchitektur muss auf Bundes-wie auch auf Länderebene kontinuierlich und kritisch überprüft werden. Um dabeiEffizienz- und Effektivitätspotenziale zu identifizieren, muss dies ungeachtet vonRessortzugehörigkeiten und Organisationsegoismen mit Blick auf Strukturen undFinanzmitteleinsatz erfolgen. Eine Vernetzung verspricht Synergien, um die Kriminalitätsbekämpfungzu optimieren und die Belastungen der einzelnen Behörden zu reduzieren. Aus diesem Grund ist essinnvoll, Kooperationen auszubauen, weitere Kooperationsfelder zu identifizieren und eine engereVerzahnung mit den Polizeien des Bundes und der Länder zu bewirken. Dies könnte etwa beim Bundeine Zusammenführung von Bundespolizei und Zoll im Ermittlungsbereich, speziell auf Flughäfen,bedeuten.
 
GdP – BZG Zoll (Bundesfinanzpolizei), Forststraße 3a, 40721 Hilden Internet: www.gdp-bundesfinanzpolizei.de
 
Info – aktuell Nr.17/09 
Bundestagswahl 2009:„Aufbruch oder
‚Weiter so?‘ 
Wahlprüfstein 2:Zukünftige moderne strategische Ausrichtung für den Zoll
Frage: Sollte nach ihrer Auffassung der Zoll in Zukunft strategisch so ausgerichtet undpersonell und sächlich entsprechend ausgestattet werden, um international operierendenSchmuggelorganisationen, Geldwäschern, Steuer-, Betrugs- und Wirtschaftskriminellen mitmodernen polizeilichen Mitteln wirksam entgegen zu treten?Die Linke:
Ja. Die Partei DIE LINKE versteht unter dieser strategischen Ausrichtung vorallem die Rückführung des Zolls auf seine eigentlichen Aufgaben. Unter demGesichtspunkt des volkswirtschaftlichen Schadens sind dies vor allem die Bereiche Steuer undWirtschaftskriminalität. Eine strategische Konzentration des Zolls auf diese Bereiche müsste aber eineStreichung der Bereiche zur Folge haben, die dem Zoll im Zuge des Kampfs gegen den Terrorismuszugewachsen sind. Beispiel hierfür ist die Mitarbeit im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum (GTAZ)und dem Gemeinsamen Analyse - und Strategiezentrum Illegale Migration (GASIM).
Bündnis 90/Die Grünen:
Kriminalität ist global und die internationale Zusammenarbeit,wie auch eine angemessene Ausstattung sind von großer Bedeutung. Wir wollen durchAus- und Fortbildung die Sprachkompetenz fördern und durch flexiblen Austausch, diemultinationale Ausrichtung des Zolls stärken.
FDP:
Ja. Die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität wie Schmuggel,Geldwäsche und andere Wirtschaftskriminalität nimmt einen immer höheren Stellenwert ein.Der Zoll muss so ausgestattet werden, dass er diesen Herausforderungen gerecht werdenkann.
SPD:
Sowohl die strategische Ausrichtung als auch die Personal- und Sachausstattungsind maßgebende Faktoren für eine erfolgreiche Aufgabenwahrnehmung in derZollverwaltung. Mit der Neuausrichtung des Zollfahndungsdienstes im Jahr 2002 wurde dergeänderten Kriminalitätslage und der anstehenden Öffnung der Grenzen nach OsteuropaRechnung getragen. Mit der Einrichtung der Sachgebiete „Informationsgewinnung“ und „OrganisierteKriminalität“ und der Schaffung größerer Arbeitseinheiten wurde die Bekämpfungsstrategie umfänglichmodernisiert. Die Zollfahndung wird von äußerst engagiertem, gut ausgebildetem und einsatzbereitemPer-sonal getragen. Sie verfügt über moderne Technik und ist mit weit reichenden rechtlichen Be-fugnissen ausgestattet. Gerade die Verbindung der fiskalischen Aufgabenstellung mit der Verfolgungstrafrechtlich relevanten Verhaltens bildet die Stärke einer mit Fachaufgaben betrauten Verwaltungund ermöglicht ihr die erfolgreiche Arbeit, insbesondere auch bei der Strafverfolgung. In Bezug auf dieKontroll-, Fahndungs- und Ermittlungseinheiten ist durch die enge Verzahnung derHauptzollämter/Zollämter mit dem Zollkriminalamt und seinen Zollfahndungsämtern in dergegenwärtigen Aufbau- und Ablauforganisation gewährleistet, dass auf allen Ebenen ein wichti-gerBeitrag zur Kriminalitätsbekämpfung geleistet wird. Das gilt für die Bekämpfung der Struktu-renmittlerer, schwerer und organisierter Kriminalität genauso wie für die Bearbeitung von eher einfachgelagerten sog. Kleinfällen. Das gute Zusammenwirken von Zollfahndungsdienst und Hauptzollämternwurde erst kürzlich durch eine eingehende Evaluierung belegt.
CDU/CSU:
CDU und CSU wollen der international organisierten Kriminalität nochwirksamer entgegentreten. Organisierte Kriminalität ist durch eine hochentwickelteKonspiration, abgeschottete Strukturen, internationale Arbeitsteilung und Logistikgekennzeichnet. Typische Erscheinungsformen der Organisierten Kriminalität finden sichim Rauschgift- und Waffenhandel, im Bereich des Menschenhandels sowie der Prostitution und in derSchleuserkriminalität, in der Wirtschafts-, Fälschungs-, Eigentums- und Umweltkriminalität. Hierzuhaben wir in dieser Legislaturperiode u. a. eine Kronzeugenregelung eingeführt, die auch fürStraftaten gilt, die zum Kernbereich der Organisierten Kriminalität gehören. Dem Aufspüren und derBeschlagnahme von Verbrechensgewinnen messen wir eine zentrale Bedeutung im Kampf gegen dieOrganisierte Kriminalität bei. Auf Basis der Kooperationsfelder ist es aus Sicht von CDU und CSUsinnvoll, auf Bundesebene eine Angleichung des Befugniskataloges voranzutreiben.
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