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3 Die Frage nach dem gelingenden Leben - Nietzsche Kierkegaard & Heidegger Zur Phil. des guten Lebens

3 Die Frage nach dem gelingenden Leben - Nietzsche Kierkegaard & Heidegger Zur Phil. des guten Lebens

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La questione della vita riuscita - Nietzsche, Kierkegaard, Heidegger sulla filosofia della buona vita - In 5 pdf - 3/5
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11/30/2013

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 12
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. Franz Kafka
2. Hauptteil 2.1 Auftakt mit Nietzsche
Das treibende Motiv der gesamten Philosophie Nietzsches ist das
Problem des Nihilismus
. Spätestens seit der Lektüre Schopenhauers (
Die Welt als Wille und Vorstellung
, 1819) ist der Nihilismus für Friedrich Nietzsche (1844-1900) zum Hauptproblem seines schriftstellerischen Schaffens geworden. Aber nicht nur biografisch, sondern auch der Sache nach ist das Nihilismusproblem das Ausgangsproblem, von dem aus die zentralen Anliegen von Nietzsches Philo-sophie, vor allem seine Christentums- und Moralkritik sowie dann die Konzep-tion des „Willens zur Macht“ und der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ inklu-sive der Gestalt des „Übermenschen“ erschlossen werden müssen. Ich werde im ersten Teil der vorliegenden Untersuchung den Versuch unternehmen, Nietzsches Konzeption des „Übermenschen“ von dieser problemlösenden In-tention her zu rekonstruieren. Denn in dieser Konzeption sieht Nietzsche
die Überwindung des Nihilismusproblems
.
2.1.1 Das Nihilismusproblem und der „Tod Gottes“
Zuallererst müssen wir daher fragen: Was versteht Nietzsche unter „Nihilis-mus“? Und was lässt den Nihilismus zu einem Problem, ja einem Lebenspro-blem werden? Um in der ersten Frage Aufschluss zu bekommen, ist es hilfreich, mit dem in der zweiten Frage ausgesprochenen Hinweis zu beginnen. Dass der Nihilismus ein
Lebens
problem ist, bietet den Schlüssel zu seinem Verständnis. In dem abschließenden Paragrafen seiner Schrift
Zur Genealogie der Moral
(1887) formuliert Nietzsche das Nihilismusproblem ausgehend von der Frage nach dem
Sinn des menschlichen Lebens
.
13
 Mit der Frage nach dem „Sinn“ von etwas kann im Wesentlichen zweierlei gemeint sein, das streng auseinander gehalten werden muss. Sie kann dasje-nige, nach dessen Sinn gefragt wird, einerseits auf dessen Wort- oder Zei-chenbedeutung hin befragen; dann lautet sie (wenn wir das, nach dessen Sinn gefragt wird, für den Moment mit „X“ formalisieren): „Was ist die Bedeutung von ‚X‘?“. Sie kann nach dessen „Sinn“ bzw. „Bedeutung“ andererseits im
13
 Vgl. Friedrich Nietzsche:
Zur Genealogie der Moral 
. In: „Sämtliche Werke“. Kriti-sche Studienausgabe (nachfolgend „KSA“). Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Monti-nari. Berlin/New York: Deutscher Taschenbuch Verlag/de Gruyter 1967-1977 und 1988. Bd. 5, S. 411 f. Nietzsches Sperrungen werde ich kursiv hervorheben.
 
 13
Sinne von „Wichtigkeit“, „Wert“ oder „Zweck“ bzw. „Ziel“ fragen. Die letztge-nannten Alternativumschreibungen geben der Sinnfrage den Wortlaut „Wo-für/wozu ist X wichtig/gut?“ bzw. „Was ist der Zweck/das Ziel von X?“. – In dem letzteren,
teleologischen
 Sinne ist die Frage nach dem Sinn des mensch-lichen Lebens gewöhnlich gemeint und so ist sie auch bei Nietzsche zu verste-hen. Nietzsche erläutert „Sinn“ mit „Ziel“ und gelangt damit zu der Frageform des Wozu: „wozu Mensch überhaupt?“.
14
 Die Frage nach dem Wozu des Menschseins schließt für Nietzsche, der den Menschen wesentlich als „krank-haftes“, leidendes Wesen auffasst, insbesondere die Frage ein: „
wozu
 lei-den?“. Nach Nietzsche fragt der Mensch nach dem „Sinn“ und d. h. hier: nach dem „
Dazu
 des Leidens“.
15
 Das teleologische Frageschema des „Wozu“- „Dazu“, mithilfe dessen Nietzsche die Frage nach dem „Sinn“ des menschli-chen Lebens ausdeutet, führt so zu der Präzisierung: „Worin besteht der Zweck des menschlichen Lebens?“, oder einfach: „Wozu leben wir?“ Der „Nihilismus“ nun ist nach Nietzsche gerade dadurch definiert, dass er die existenzielle „Wozu?“-Frage nicht positiv aufnimmt, sondern mit einem  „Umsonst!“ schroff abweist.
16
 Immer wieder kehrt die Formel des „Wozu?“- „Umsonst!“ in Nietzsches Schriften als Definiens des „Nihilismus“ wieder. In ihr drückt sich eine Geisteshaltung aus, die Nietzsche auch „die große Müdigkeit“ nennt: „[...] was ist heute Nihilismus, wenn er nicht
das
 ist? ... Wir sind
des Menschen
 müde ...“.
17
 Und das bedeutet, wie Nietzsche andernorts selbst paraphrasiert: „Nicht-mehr-wollen und Nicht-mehr-schätzen und Nicht-mehr-schaffen!“ – und er seufzt: „ach, dass diese grosse Müdigkeit mir stets ferne bleibe!“
18
 Diese Resignation ist indessen nicht, wie das Bild der „Müdigkeit“ nahe le-gen könnte, von schläfrig-ruhiger Art, sondern sie hat im Gegenteil den unru-hevollen Charakter existenzieller
Not 
. Ihre tiefe Not drückt sich in einem in-nerlichen „Schrei“ aus.
19
 In
 Also sprach Zarathustra
 (1883-85) ist dies der  „Nothschrei“, der aus einer abgründigen Tiefe in Zarathustras Innerem auf-steigt.
20
 Ausgelöst wird er ebendort durch die Nihilismus-Verkündigung des  „Wahrsagers“, und das Unheilvolle dieser Verkündigung ist mit besonderer Eindringlichkeit gleichnishaft ausgedrückt in der Wendung: „[...] und als ihm Zarathustra in die Augen blickte, wurde sein Herz abermals erschreckt: so viel schlimme Verkündigungen und aschgraue Blitze liefen über diess [des Wahr-sagers] Gesicht.“
21
 Hier, in „Der Nothschrei“ der
Zarathustra
-Dichtung, umschreibt Nietzsche auch in direkten Worten
die Botschaft
des Nihilismus. Sie lautet: „Alles ist
14
 Zur Genealogie der Moral 
, S. 411.
15
 Zur Genealogie der Moral 
, S. 411.
16
 
Zur Genealogie der Moral 
, S. 411.
17
 
Zur Genealogie der Moral 
, S. 278.
18
 Er legt diese Äußerung Zarathustra in den Mund:
 Also sprach Zarathustra
. KSA Bd. 4, S. 111.
19
 
Zur Genealogie der Moral 
. KSA Bd. 5, S. 411.
20
 
 Also sprach Zarathustra
, S. 300 ff.
21
 
 Also sprach Zarathustra
, S. 300.
 
 14
gleich, es lohnt sich Nichts, Welt ist ohne Sinn, Wissen würgt.“
22
 Und schon an früherer Stelle („Der Wahrsager“) lässt Nietzsche sie, noch bündiger, mit den Worten verlautbaren: „Alles ist leer, Alles ist gleich, Alles war!“.
23
 Auf die sys-tematische Rolle der Verdichtung der Nihilismusbotschaft in dem „Alles war“ werde ich später noch ausführlich zu sprechen kommen. – Aufschlussreich ist Zarathustras
Reaktion
 auf den (seinen eigenen) Verzweiflungsschrei des Nihi-lismus: „Nein! Nein! Drei Mal Nein!“ ruft er „mit starker Stimme“.
24
 In diesem Diktum bekundet sich die Hauptintention der
Zarathustra
-Dichtung Nietz-sches. Die Zarathustra-Gestalt hat in Leben und Lehre ihre Hauptaufgabe in der
Überwindung des Nihilismus
.
25
 Nietzsche hielt das Nihilismusproblem für das Hauptproblem seiner Zeit, ja mehr noch: für das Kardinalproblem des gesamten modernen Europa. Bevor wir uns Nietzsches positivem Vorschlag zur Überwindung des Nihilismuspro-blems zuwenden können, müssen wir zunächst fragen, wo er eigentlich die weltanschaulich-systematische Grundlage für das Nihilismusproblem sah. Von der
systematischen
 Grundlage spreche ich deshalb, weil die Heraufkunft des Nihilismus im modernen Europa nach Nietzsches Überzeugung keineswegs bloß eine
historische Zufälligkeit 
, eine Mode seiner Zeitgenossen ist, sondern eine
notwendige Eigenkonsequenz
des christlich bestimmten Denk- und Wertesystems der europäischen Kultur. Mit „christlich“ ist auch bereits das Stichwort für Nietzsches Ansatz im Umgang mit dem Nihilismusproblem gege-ben: seine
Kritik des Christentums
. Ihre Schlüsselfigur hat die Christentums-kritik in dem berühmten Ausruf „Gott ist todt!“. Mit der Verkündung, „dass
Gott todt 
 ist“, beginnt denn auch die
Zarathus-tra
-Dichtung.
26
 In der Sekundärliteratur zu Nietzsches Philosophie ist dieser berühmt gewordene Ausspruch immer wieder neu und auf verschiedenste Weise interpretiert worden. Ich schlage vor, zunächst einmal jede konkretisti-sche Ausdeutung (als habe Gott wirklich einmal existiert und sei dann von sei-nem eigenen Geschöpf, dem Menschen, getötet worden) zu vermeiden. Und zwar nicht nur deshalb, weil mit ihr der begriffliche Unsinn schlechthin an den Anfang von Nietzsches Philosophie gestellt würde, sondern vor allem aus dem Grund, weil Nietzsche selbst uns seinen Ausspruch bereits in seiner früheren Schrift
Die fröhliche Wissenschaft 
 (1881-82) in klaren und begrifflich ein-wandfreien Worten erklärt: „dass ‚Gott todt ist‘“ heißt, „dass der Glaube an den christlichen Gott unglaubwürdig geworden ist“.
27
 Nietzsches Wendung vom  „Todt Gottes“ oder davon, dass „wir“ Menschen ihn „getödtet“ haben, ist ein
22
 
 Also sprach Zarathustra
, S. 300.
23
 
 Also sprach Zarathustra
, S. 172.
24
 
 Also sprach Zarathustra
, S. 302.
25
 Das belegt auch Nietzsches spätere Selbsteinschätzung. Vgl.
Zur Genealogie der Moral 
. KSA Bd. 5, S. 336 f., sowie „das psychologische Problem im Typus des Zara-thustra“ in
Ecce homo
. KSA Bd. 6, S. 344 f.
26
 
 Also sprach Zarathustra
, S. 14.
27
 Zu Beginn des Fünften Buches in:
Die fröhliche Wissenschaft 
. KSA Bd. 3, S. 573.

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