Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
7Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Aristoteles - Nikomachische Ethik - Buch I

Aristoteles - Nikomachische Ethik - Buch I

Ratings: (0)|Views: 4,076 |Likes:
Published by helldog93

More info:

Published by: helldog93 on Aug 22, 2009
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as ODT, PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

09/19/2010

pdf

text

original

 
Einleitung.
Die Nikomachische Ethik hat ihren Beinamen davon, daß Aristoteles sie seinem Sohne Nikomachusgewidmet, oder nach Einigen davon, daß dieser sie nach seines Vaters Tode herausgegeben hat.Sie behandelt, wie im Worte liegt, die Lehre von der Sittlichkeit oder Tugend. Durch die Tugenderf 
ü
llt der Mensch seine Bestimmung, die darin besteht, daß er seine nat
ü
rliche Vollendung erlangtund dadurch gl
ü
cklich wird. Darum ist f 
ü
r Aristoteles das Ziel des Menschen der Ausgangspunktder ethischen Betrachtung. Wie alles Lebendige nach dem Guten strebt, so auch der Mensch: seinh
ö
chstes Gut, das Ziel aller seiner Handlungen, ist die Gl
ü
ckseligkeit, und die ethische Er
ö
rterungwird uns zeigen, daß dieselbe einzig in Bet
ä
tigung der Tugend zu finden ist.Da aber der Mensch von Natur in staatlicher Gemeinschaft lebt und seine Bestimmung nur in ihrund durch sie erreicht, so behandelt Aristoteles die Tugendlehre als einen Teil der Staatslehre. DerStaat hat die Aufgabe, die B
ü
rger gl
ü
cklich zu machen, indem er sie zur Tugend anh
ä
lt und anleitet,und so ist das Ziel des Einzelnen von dem Staatsziel wie das Besondere und Untergeordnete vondem Allgemeinen und H
ö
heren umschlossen.Die Tugendlehre des Aristoteles hat verschiedene Eigent
ü
mlichkeiten, die mit ihrer Unterordnungunter die Staatslehre mehr oder minder zusammenh
ä
ngen.Vor allem versteht Aristoteles unter jener Gl
ü
ckseligkeit, die das Ziel der Tugend ist, ausschließlichdie diesseitige und irdische und l
ä
ßt die jenseitige außer Betracht. Dies ist nicht so zu erkl
ä
ren, alskenne er kein anderes Leben. Weiß man doch, daß er gleich seinem großen Vorg
ä
nger Plato dieUnsterblichkeit der Seele lehrt. Vielmehr kommt jenes daher, daß er die Gl
ü
ckseligkeit desEinzelnen im Zusammenhang mit dem Staatszweck betrachtet. Der Staat aber ist eine Einrichtung,die nur dem Diesseits angeh
ö
rt und darum auch nur irdisches Wohl verfolgen kann.Aristoteles scheint ferner die Tugend zur Gl
ü
ckseligkeit in das Verh
ä
ltnis des Mittels zum Zweck zustellen, und doch ist sie auch ihrer selbstwegen liebenswert, und wer sich um sie nur deshalbbem
ü
hte, weil sie uns gl
ü
cklich macht, verfiele dadurch einer Art von Egoismus. Aber es istzweierlei, zu sagen, daß die Tugend gl
ü
cklich macht, und zu sagen, daß damit ihr Wert ersch
ö
pft ist,und man nur deshalb nach ihr streben soll. Das erste hat Aristoteles gesagt und stark betont, unddazu wurde er wieder durch die ihm eigent
ü
mliche Verbindung der Ethik mit der Politik veranlaßt.Die Politik verfolgt das Gl
ü
ck der Staatsangeh
ö
rigen, und so kam er wie von selbst dazu, auch beidem Einzelnen, das eud
ä
monistische Moment in den Vordergrund zu stellen. Dabei ist er aber gewißweit davon entfernt, einem einseitigen Eud
ä
monismus das Wort zu reden. Er sagt vielmehrausdr
ü
cklich, daß man um jeden Preis, auch den des Lebens, an der Tugend halten, und daß manlieber die gr
ö
ßten Qualen leiden m
ü
ßte als schimpflichen Zumutungen nachgeben; vgl.III,1; 3. Absatz. Wenn ihm daneben die Gl
ü
ckseligkeit oder auch die Lust das h
ö
chste Gut sind, so k 
ö
nnteman ja meinen, damit w
ä
re der Tugend der zweite Rang angewiesen, sie solle Mittel, jene beidenaber Zweck sein. Allein einmal sagt er das nirgendwo, und er scheint nachX,5, Absatz 1 fast absichtlich das Rangverh
ä
ltnis zwischen Tugend und Lust unentschieden zu lassen. Sodann wird dieRangfrage bei ihm so zu sagen gegenstandslos, insofern ihm Tugend und Gl
ü
ckseligkeit v
ö
llig
 
gleich und von einander untrennbar sind. Er sagt ja nicht blos, daß die Tugend zur Gl
ü
ckseligkeit
ü
hre, sondern noch
ö
fter sagt er, daß sie oder die tugendgem
ä
ße T
ä
tigkeit die Gl
ü
ckseligkeit sei. Esist aber auch wohl zu bemerken, daß es nicht verkehrt und nicht tadelnswert ist, wenn man dieTugend um der Gl
ü
ckseligkeit willen liebt, die man durch sie erlangt. Tugendhaft sein um desLohnes willen, mag nicht der h
ö
chste Grad der Tugend sein, aber ein Grad ist es immerhin, undauch der Beste braucht sich der R
ü
cksicht und der Hoffnung auf den Lohn, als w
ä
re dasunmoralisch, nicht zu entschlagen. Es ist eine gef 
ä
hrliche
Ü
bertreibung, eine Sittlichkeit, die auf denLohn blickt, als Pseudomoral zu bezeichnen. W
ä
re sie das, was w
ä
re dann die Moral desChristentums, wie sie z. B. von dem Stifter unseres Glaubens in den acht Seligkeiten vorgetragenwird?Noch ein Drittes ist der aristotelischen Tugendlehre eigent
ü
mlich und kann auffallen undbefremden. Sie schweigt g
ä
nzlich von dem Willen Gottes, der doch mit Recht als das obersteMoralgesetz gilt. Man kann dieses Schweigen nicht daraus erkl
ä
ren, daß die sittlichen Gesetze undForderungen innerlich notwendig sind, indem sie auf der Natur der Dinge beruhen und aus ihrabgeleitet werden k 
ö
nnen, so daß es f 
ü
r die sittliche Erkenntnis nichts weiter bed
ü
rfte als einesrichtigen Urteils
ü
ber das nat
ü
rliche Verh
ä
ltnis, in dem die Dinge zu einander stehen. Denn einsolches Urteil kann uns nur versichern, daß etwas zum Sittengesetze geh
ö
rt, aber nicht dar
ü
berbelehren, was
ü
berhaupt der Grund und das Wesen der sittlichen Verpflichtung ist; das ist es aber,was man von einer wissenschaftlichen Sittenlehre verlangt. Die Natur der Dinge lehrt z. B., daß mandie Sinnlichkeit bez
ä
hmen, nicht stehlen, nicht l
ü
gen, daß man die Eltern ehren soll, aber darumwissen wir noch nicht, warum uns diese Regeln die in ihrer Art so ganz eigent
ü
mliche sittlicheVerpflichtung auferlegen, von wem sie im letzten Grunde kommen, und wem wir f 
ü
r dieBeobachtung derselben verantwortlich sind. Alle diese Fragen lassen sich ohne Bezugnahme auf den Willen und das Gebot Gottes nicht beantworten. Nur aus dem Willen Gottes entspringt sittlicheVerpflichtung, und wenn dieser g
ö
ttliche Wille als Grund des nat
ü
rlichen Sittengesetzes auch nichtfrei ist, sondern notwendig aus der Heiligkeit und Weisheit Gottes hervorgeht, so daß er
ü
berallstillschweigend hinter den sittlichen Forderungen steht, so kann doch von sittlicher Erkenntnis undHandlung nur da die Rede sein, wo von dem sittlichen Subjekt nicht blos der materielle Inhalt desSittengesetzes, sondern auch der Wille Gottes als die Quelle des Gesetzes erkannt ist. Wir m
ö
chtendarum glauben, daß Aristoteles nicht deshalb vom Willen Gottes als Grund und Norm derSittlichkeit geschwiegen hat, weil derselbe seinem Gegenstande nach mit den nat
ü
rlichenForderungen der Vernunft und dem inneren Gesetze der Dinge zusammenf 
ä
llt, sondern aus einemanderen Grunde, darum n
ä
mlich, weil es seine Absicht nicht war, eine wissenschaftliche Theorie derMoral zu schreiben. Seine Ethik ist ein popul
ä
rer Traktat mit einer unmittelbar praktischenBestimmung; sie ist, wir m
ü
ssen es auch hier wieder sagen, ein St
ü
ck Staatslehre und muß sichdarum in den Rahmen dieser Bestimmung f 
ü
gen. Das k 
ö
nnte sie aber nicht, wenn sie esuntern
ä
hme, die Sittlichkeit aus ihren letzten Gr
ü
nden abzuleiten. Denn allerdings ist diese eineSache, die an sich mit dem Staate nicht notwendig zu tun hat. Ihr Platz ist
ü
berall gegeben, wo einvern
ü
nftiges Gesch
ö
pf frei handelnd auftritt. Dies m
ö
chte also die Erkl
ä
rung f 
ü
r das Schweigensein, mit dem Aristoteles in diesem Werke an den letzten Fragen der Moral vor
ü
bergeht. Ihn unterdie Vertreter der religionslosen Moral zu rechnen, hat man kein Recht.Gehen wir nun weiter und erkl
ä
ren wir, wie Aristoteles seine Lehre, daß die Tugend und dietugendgem
ä
ße T
ä
tigkeit das Ziel des Menschen ist und ihn wahrhaft gl
ü
cklich macht, durchf 
ü
hrt.
 
 Er zeigt zun
ä
chst, daß das Ziel des Menschen nicht in Sinnengenuss, in eitler Ehre oder in irdischemBesitze, sondern in menschenw
ü
rdiger T
ä
tigkeit besteht. F
ü
r alles, was eine T
ä
tigkeit undVerrichtung hat, liegt das Gute und Vollkommene in der T
ä
tigkeit. Die Dinge haben eine ersteVollkommenheit auf grund ihrer Natur, ihrer Wesensform, eine zweite und h
ö
here auf grund ihrerT
ä
tigkeit. Durch diese wird alles Gute, was sie der Anlage nach haben, zur Entfaltung gebracht undin die Wirklichkeit
ü
berf 
ü
hrt. Die bloße Anlage ohne die T
ä
tigkeit ist unfruchtbar und liegtgleichsam im Schlafe. Dies wird also auch f 
ü
r den Menschen gelten: auch ihm wird die Vollendungaus der T
ä
tigkeit erwachsen.Aber es fragt sich, aus welcher T
ä
tigkeit. Ohne Zweifel aus derjenigen, die ihm als Menscheigent
ü
mlich ist und ihn von anderem T
ä
tigen unterscheidet. Das ist eben die tugendgem
ä
ßeT
ä
tigkeit. Die vitalen oder vegetativen Funktionen hat er mit den Pflanzen, die sensitiven mit denTieren gemein, nur die tugendgem
ä
ße T
ä
tigkeit, als Funktion des vern
ü
nftigen Seelenteils in ihm,hat er allein zu eigen. Sie ist T
ä
tigkeit der Vernunft und des Willens, nur daß sie in rechter Weise,nach der Norm der Sittlichkeit, geschieht. Die tugendgem
ä
ße T
ä
tigkeit vollendet also den Menschenund macht ihn gl
ü
cklich, und wenn es der Tugenden mehrere gibt, so wird es vor allem die derbesten und vollkommensten Tugend gem
ä
ße T
ä
tigkeit sein, die ihn vollendet und gl
ü
cklich macht.An dieser Stelle wendet sich bei Aristoteles die Er
ö
rterung. Es folgt nicht gleich, wie man erwarten
ö
nnte, die Angabe und Beschreibung der besten Tugend und eine n
ä
here Erkl
ä
rung, wie sie und dieTugend
ü
berhaupt das Lebensgl
ü
ck des Menschen ausmachen k 
ö
nne, sondern diese Dinge werdenbis zum Ende der ganzen Schrift verschoben und im letzten, dem zehnten Buche erledigt. Zun
ä
chstfolgt in ausf 
ü
hrlicher Darstellung, die den Kern der Schrift ausmacht, die Er
ö
rterung der Tugend,ihres Begriffes, ihrer psychologischen Voraussetzungen im Menschen, welches der Verstand und derfreie Wille sind, und ihrer verschiedenen Arten. Das Bisherige n
ä
mlich sollte nur das Fundamentdes ganzen ethischen Lehrgeb
ä
udes sein und uns die Bedeutung der Tugend zum Bewußtseinbringen, da sie das Mittel ist, um unsere Bestimmung als Menschen zu erreichen. Entsprechend solldie Er
ö
rterung am Ende
ü
ber das Gl
ü
ck und die Befriedigung, die aus der Tugend fließt, und
ü
berdie vollkommenste Tugend gleichsam der Schlußstein des Werkes sein.Wir sehen hier von dem mittleren Teile der Ethik, der Darstellung der Tugend und der Tugenden, ab.Man kann das N
ä
here dar
ü
ber aus unseremInhaltsverzeichnissezur Ethik entnehmen. DiesesVerzeichnis, zusammengehalten mit zerstreuten Notizen in unseren Anmerkungen, ergibt zurGen
ü
ge, daß die aristotelische Er
ö
rterung wohl geordnet ist und
ü
berall, im kleinen und großen, gutzusammenh
ä
ngt. Wir m
ü
ssen jetzt von dem zehnten Buche der Ethik reden. Dort wird zuerstvorbereitend von der Lust gehandelt, die aus naturgem
ä
ßer T
ä
tigkeit fließt, und dann im Anschlußdaran von der Gl
ü
ckseligkeit, die aus tugendgem
ä
ßer T
ä
tigkeit fließt, besonders aus dem Akt dervollkommensten und besten Tugend. Diese ist die Weisheit und ihr Akt das Denken, die Erkenntnisund Betrachtung der Wahrheit.Alles Lebendige begehrt nach der Lust, wie es auch nach dem Sein, dem Leben und der T
ä
tigkeitbegehrt. Die T
ä
tigkeit ist n
ä
mlich die Vollendung des Lebens und des Seins, und darum ist sie mitLust verbunden, weil jedes Wesen sich seiner nat
ü
rlichen Vollendung freut. Die Lust begleitet dieT
ä
tigkeit und folgt aus ihr; sie erleichtert aber auch die T
ä
tigkeit, steigert und vollendet sie. Wie dieT
ä
tigkeit, so ist die Lust. Sie ist um so gr
ö
ßer, je vollkommener die T
ä
tigkeit ist, und diese ist

Activity (7)

You've already reviewed this. Edit your review.
1 hundred reads
1 thousand reads
letzterbaer liked this
Mi Mit Herz liked this
Markus Wurl liked this
ivalex liked this
Fraterperdurabo liked this

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->