Für die Putin-Nachfolge schien Vizepremier und Ex-VerteidigungsministerSergej Iwanow ein aussichtsreicher Kandidat zu sein. Ihm wurde aberschliesslich Medwedew vorgezogen, „weil Medwedew über keine eigeneHausmacht verfügt, auf Zusammenarbeit mit allen angewiesen ist unddamit die Machtbalance der Putin-Ära nicht in Gefahr bringen wird”, wiedie angesehenen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlinplausibel vermutet.Der Kreml hatte dafür gesorgt, dass Oppositionelle wie Ex-Ministerpräsident Michail Kasjanow, Ex-Schachweltmeister GarriKasparow oder der ehemalige sowjetische Dissident Wladimir Bukowskizu den Präsidentenwahlen am 2. März 2008 gar nicht erst antretenkonnten. Alle vom Staat kontrollierten Medien – und insbesondere dasFernsehen – stellten sich während des Wahlkampfes ganz in den DienstMedwedews, der gleich im ersten Wahlgang mit 70,28 Prozent derStimmen gewählt wurde.Zwei Tage nach der Amtseinführung am 7. Mai 2008 besuchten derPräsident Medwedew und der gerade von der Staatsduma gewählteMinisterpräsident Putin die Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau.Hier marschierten zum “Tag des Sieges” über Hitlerdeutschland nicht nurSoldaten auf, zum ersten Mal seit der Auflösung der Sowjetunion wurdenauch wieder Panzer, Kampfflugzeuge und atomar bestückteInterkontinentalraketen gezeigt. Das war ein gut überlegtes undvorbereitetes Signal an das In- und Ausland: “Wir sind wieder wer!” Keine Änderungen der Aussen- und Sicherheitspolitik unter MedwedewDass seine erste Auslandsreise als Präsident Dmitri Medwedew Ende Mai2008 nach Kasachstan und China führte, war natürlich kein Zufall,sondern mit Bedacht gewählt. Der russischen Journalistin Masha Lipmanzufolge gab Medwedew dadurch zu verstehen, dass “der Osten fürRussland wichtiger ist als der Westen”. Beide Staaten spielen in seinerenergiepolitischen Strategie eine signifikante Rolle – China als Markt undKasachstan als Land, das sein Öl und Gas auch weiterhin überrussisches Gebiet auf den Weltmarkt transportieren und nicht etwa aufdie Idee kommen soll, Alternativen zu suchen.Änderungen in der Aussenpolitik waren von Medwedew von Anfang annicht zu erwarten. Für ihn wie auch für jeden anderen irgendwierelevanten politischen Funktionär steht vollkommen ausser Frage, dassRussland eine Supermacht ist und entsprechende Ansprücheanzumelden hat. Referenzland im atomstrategischen Bereich sind nur dieUSA – und nicht Mittelmächte wie Grossbritannien, Frankreich, China
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