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01/22/2014

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FÜR EIN NEUES GLEICHGEWICHT IM FUSSBALL IM GLOBALISIERTEN 21. JAHRHUNDERT
Frau Präsidentin, Herren Präsidenten der Nationalverbände der FIFA,Offizielle und Mitglieder der Nationalverbände, Konföderationen, Ligen, Klubs und Spielervereinigungen,Liebe Freunde des Fussballs,
Es ist für mich eine grosse Ehre, Ihnen heute meine Kandidatur für die Wahl des FIFA-Präsidenten im Jahr 2015 bekannt zu geben.
Während meiner elf Jahre in der FIFA habe ich mit Hingabe dem Internationalen Fussballverband, seinen Mitgliedsverbänden, vor allem aber dem Fussball gedient. Engagement, Ehrlichkeit und Einsatz für Universalität und Gerechtigkeit in unserem Sport waren und sind meine Leitgedanken. Ich hatte das Privileg, aus nächster Nähe an
 historischen Augenblicken in der Geschichte des Fussballs
teilzuhaben und meinen Beitrag zu leisten:
!
Start der Entwicklungsprogramme « Goal » im Jahr 1999 und « In Afrika mit Afrika gewinnen » im Jahr 2006,
!
Unterzeichnung des Abkommens zwischen der FIFA und der EU-Kommission über Spielertransfers im März 2001,
!
Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der FIFA im Laufe des Jahres 2004,
!
Vergabe des ersten FIFA-Weltpokals an ein afrikanisches Land - an Südafrika - im Jahr 2004, die Nelson Mandela mit seiner Anwesenheit beehrte,
!
Bildung der Task-Force « For the good of the game » im Jahr 2005, welche zum ersten Mal alle an der Pyramide des Fussballs beteiligten Kreise an einem Tisch vereinte,
!
Unterzeichnung des Abkommens zwischen der FIFA und der FIFPro im Jahr 2006, das einige bahn-brechende Punkte umfasst,
!
Eröffnung des ersten Fussballstadions in Palästina, das den internationalen Normen entspricht, im Jahr 2008,
!
Aufnahme von neuen Nationalverbänden in die FIFA: Komoren, Süd-Sudan, Ost-Timor und Montenegro.Ich habe auch durchlebt, so die Konkurse der ISL
Momente des Zweifelns und grosser Schwierigkeiten
und des Kirch-Imperiums im Jahr 2001, die Auswirkungen der Anschläge des 11. September auf den FIFA-Weltpokal 2002 sowie zahlreiche intensive Momente, wenn es darum ging, gemeinsam mit Ihnen die Unabhängigkeit Ihrer Verbände gegen Einmischung von Außen zu verteidigen.Im persönlichen Bereich bleiben mir die Emotionen unvergessen, die ich empfand, als ich 2003 in Frankfurt die Auslosung der Vorrunde des FIFA-Weltpokals 2006 vor Millionen von Fernsehzuschauern vornehmen durfte.
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Mein ganzes Leben wurde durch zwei Leidenschaften geprägt, die beide die Form einer Kugel haben: der Globus und der Fussball. Erstens : sie hat mich durch ihre Vielfalt immer fasziniert. Meine diplomatische Karriere für
unsere Erde
Frankreich (mit Stationen in Muscat, Havanna, Los Angeles und Brasilia zwischen 1983 und 1997) und meine elf Jahre in der FIFA boten mir die Möglichkeit, auf vier Kontinenten zu leben und rund 150 Länder zu besu-chen. Eine solche Weltreise ist eine wunderbare Schule des Lebens: man entdeckt die Verschiedenartigkeiten, den Respekt für andere Kulturen, die Demut und das Bewusstsein, dass sich die Welt bewegt und verändert.Zweitens: er stand und steht für mich, seit ich ihn durch die Fussball-Weltmeisterschaft
der Fussball
1970 in Mexiko „entdeckte“, im Zentrum meines Lebens und führte mich zu folgenden Tätigkeiten:
!
Mitarbeiter des Magazins France-Football (1976-83) für die Beiträge über die ausländischen Fussballmeisterschaften,
!
diplomatischer Berater und Protokollchef des lokalen Organisationskomitees des FIFA-Weltpokals Frankreich 1998,
!
elf Jahre in der FIFA (von 1999 bis 2010) als Berater des FIFA-Präsidenten, stellvertretender Generalsekretär und Direktor für internationale Beziehungen,
!
seit 2010 Berater der Fussballverbände von Palästina, Kosovo, Türkisch-Zypern und des kongolesi-schen Klubs TP Mazembe, Berater des Sportministers von Benin im Jahr 2013, Fussball-Kommissar beim Weltfestival der schwarzen Kunst 2010 in Dakar, usw.Es ist für mich eine grosse Ehre, dass mir für meine Kandidatur für das FIFA-Präsidium seine
Pelé
Unterstützung gewährt. Er, der beste Spieler aller Zeiten, nicht nur in den Bildern der Fussball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko verewigt. Ich bin ihm erst viel später, im Jahr 1996, in Brasilien begegnet, als er ausserordentlicher Sportminister Brasiliens war und ich in der französischen Botschaft in Brasilia tätig. Seither haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt (beim FIFA-Weltpokal 1998 in Frankreich, in verschiedenen FIFA-Projekten, bei der Unterstützung Südafrikas). Wir hatten Gelegenheit zu ausgedehnten Gesprächen über den Fussball und seine Entwicklung. Ich habe eine Persönlichkeit mit festen Überzeugun-gen kennen gelernt, einen Mann, der sich im Kampf gegen den Rassismus engagiert und entschlossen ist, die Werte des Fussballs zu verteidigen. Den Entscheid zu kandidieren habe ich auch aufgrund des Zustands gefasst, in dem sich unser Sport heute befindet. In den vergangenen vierzig Jahren hat der Fussball eine grossartige Entwicklung durchlebt und gilt heute zweifellos als die weltweit bedeutendste Sportart. Die Gründe dafür sind bekannt: der
1.
Publikumserfolg der Wettbewerbe der National- und der Klubmannschaften, die markante Zunahme der
2.
Zahl der Fernsehanstalten,die Bemühungen von Institutionen wie die FIFA mit ihren Investitionen in die
3.
Fussballinfrastruktur und die Entwicklung des Fussballs. Mit 26 Milliarden Fernsehzuschauern (kumuliert) ist die mediale Präsenz des FIFA-Weltpokals fünfmal grösser als jene der Olympischen Spiele.
2
 
3
Der Fussball steht heute drei grossen Herausforderungen gegenüber:
1.
Die Entwicklung der Wettbewerbe hin zum Elitären und das damit verbundene Ungleichgewicht zwischen Kontinenten, Ländern und sogar innerhalb der nationalen Meisterschaften
!
Zwischen Kontinenten
: dem afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Fussball steht heute mehr Geld zur Verfügung als vor zwanzig Jahren. Trotzdem ist der Abstand zu Europa grös-ser geworden und degradiert diese Kontinente immer mehr zu Spielerlieferanten.
!
Zwischen Ländern des gleichen Kontinents
: In Europa hielten sich vor zwanzig Jahren die Einnahmen in den fünf „grossen Ligen“ (England, Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien) in etwa die Waage. Heute sind die Unterschiede markant: der Verein, der in der englischen Liga am Ende der Meisterschaft 2013/14 an 20. Stelle liegt, generiert grössere Einnahmen als der Drittplatzierte in Spanien und das Doppelte des französischen Meisters. Die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts starken Nationen (Niederlande, Frankreich, Portugal, Serbien, Belgien, Schweden usw.) sind heute in den europäischen Wettbewerben gegenüber den Vertretern aus England, Deutschland und Spanien nicht mehr konkurrenzfähig. Auf die zehn kostspieligsten Klubs der fünf grossen europäischen Ligen entfielen insgesamt 49 % der Transferausgaben des Sommers 2013, im Jahr 2008 waren es noch 35 %! In Asien steht die Champions League nicht allen Nationalverbänden offen.
!
Zwischen Vereinen des gleichen Landes
: Immer weniger Vereine haben die Möglichkeit, die natio-nale Meisterschaft zu gewinnen und an der sehr lukrativen Champions League der UEFA teilzuneh-men. In manchen Ländern dominieren zwei oder drei Vereine die Meisterschaft, während den restli-chen Vereinen nicht viel anderes übrig bleibt, als gegen den Abstieg zu spielen. Mehr und mehr entscheiden leider andere Faktoren als die Resultate auf dem Spielfeld, was der Spannung und Ungewissheit in der Meisterschaft schadet und die Wettbewerbsfähigkeit negativ beein-flusst.
2.
Die wachsende «Privatisierung» des Fussballs zum Schaden der Verbandsstrukturen
Der Fussball wird immer mehr durch private Interessen kontrolliert und/oder beeinflusst, durch milliar-denschwere Klubbesitzer (die englische Premier League als markantestes Beispiel), private Gesellschaften, direkte oder indirekte Investitionen seitens politischer Instanzen, Investitionsfonds, die sich Anteile am Marktwert von Spielern sichern, oder gar durch die grenzübergreifende Kriminalität (in Form von Sportwetten). Der Klubfussball absorbiert derart viel Aufmerksamkeit, dass wichtige Elemente, auf denen das Gleichgewicht des Fussballs seit 150 Jahren aufgebaut wurde, in Gefahr sind:
!
unangemessene Forderungen an die Nationalmannschaften
: die Klubs verlangen Entschädigungszahlungen für die Freistellung ihrer Spieler; die Zahl der Spieler, die für die Nationalmannschaft selektioniert werden können, nimmt in vielen Ländern wegen der Personenfreizügigkeit ab (England, Portugal z.B.), usw.
!
«professionelle» Organe fordern mehr Macht
 in den nationalen Fussballverbänden und auf inter-nationaler Ebene und stellen die regulierende Rolle der FIFA in Frage,
!
die EU-Kommission hat die Deregulierung
 als Folge des Bosmann-Falles verstärkt und betrachtet den Sport als gewöhnlichen Wirtschaftszweig. Damit eignet sie sich im Sport Rechte an, die zuvor allein in den Kompetenzbereich der Mitgliedstaaten der Europäischen Union fielen.

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