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hinnerk 
10/0928
kultur
28
Aus der Traum
Jochen Hick porträtiert in „The Good American“ den Ex-Callboy und „HustlaBall“-Gründer Tom Weise
   F  o   t  o  :   G  a   l  e  r   i  a   A  m  e  r   i  c  a  n
Wie er so auf der Bühne des „HustlaBalls“ in NewYork steht, umringt von Callboys und Pornodarstel-lern, scheint die Welt des Tom Weise nur aus Exzessund verruchtem Glamour, Drogen, Sex und Geld zubestehen. Mitte der 90er war der Student Weise indie USA gegangen, hatte sich mehr schlecht als rechtals Stricher durchgeschlagen. Schließlich mischte ergemeinsam mit einem Kompagnon die Branche aufseine Weise auf. Mit der Website Rentboy.com orga-nisierte er von Argentinien bis Sierra Leone weltweitschwulen Sex für Geld.Der „HustlaBall“ wurde zur perfekten Werbeplatt-form für das Unternehmen wie für die „Rentboys“selbst. Dem Schmuddelimage des schwulen Sexge-werbes setzte die Veranstaltung Selbstbewusstsein,öffentliche Selbstinszenierung und Glamour entge-gen.Der Berliner Dokumentarfilmer Jochen Hick („Ichkenn keinen – Allein unter Heteros“) hat Weise übermehrere Jahre mit der Kamera begleitet. Er beobach-tete ihn bei den Vorbereitungen des „HustlaBalls“ inLas Vegas und New York und in privaten Momentenmit seinem afroamerikanischen LebensgefährtenKeith. Hick begleitetete den HIV-kranken Weise nach15 Jahren als illegaler Immigrant bei der Rückkehrnach Deutschland. Nachdem ihn die schwule Escort-und Porno-Community in New York mit einer rau-schenden Party verabschiedet hatte, begann der Neu-start für ihn in Berlin umso ernüchternder.Wo zu Anfang in Jochen Hicks sehr intensivem undimmer wieder überraschenden filmischen Porträt einvor Selbstbewusstsein strahlender Self-Made-Mansteht, offenbaren sich immer stärker seine Ängsteund Schwächen. Aber auch das Sexgewerbe entzau-bert sich. Scheitern und Selbstverwirkung, Tristesseund Drama, Erfolg und Einsamkeit liegen im Lebender verschiedenen Porno- und Escortmodels näherals manchen selbst bewusst ist. Wie auch in seinenDokumentationen über die schwule Sexbranche (u.a.„Sex/Life in L.A.“) nähert sich Hick seinen Protagonis-ten unvoreingenommen und ohne jegliche morali-sche Wertung, weder prüde noch sensationshei-schend.Die Offenheit und das Vertrauen zahlen sich aus:durch unverstellte Bilder (bis hin zu einer spontanenSexszene auf dem Küchentisch) wie auch durch frei-mütige Interviews. Mehr und mehr weitet sich dasPorträt zu einem thematisch vielschichtigen, auchoptisch immer wieder erstaunlichen Film; über deut-sche wie amerikanische Tugenden, die Kommerziali-sierung und Unterschiedlichkeit der schwulen Sze-nen und deren Umgang mit sexueller Freiheit wieauch über Verständnis von (Staats-)bürgerlichkeit.Am Ende steht Tom Weise, der sich zuvor als vor-bildhafter „Good American“ erklärt hat, in Hannovervor einer Textilreinigung. Es ist der Familienbetriebseiner Eltern. Sein Lebenspartner Keith steht nebenihm und blickt nicht weniger irritiert wie amüsiertdurchs Schaufenster. In diesem Moment ist die gla-mouröse schwule Welt der Sexpartys, Hustlers undder New Yorker Community so fern wie nie.A
XEL
S
CHOCK
„The Good American”, Regie und Kamera: Jochen Hick. Schnitt: Thomas Keller. D 2009, 95 min.Hamburg-Premiere am 21.10. bei den Lesbisch- Schwulen Filmtagen, danach 22.-28.10. Kino 3001.Die nächsten HustlaBalls: 11.10. in New York und am 16.10. in Berlin.www.hustlaball.de 
Tom Weise mit seinem Lebensgefährten Keith.
 
Ein sadistischer, pädophiler KZ-Arzt, der seine spä-ten Jahre gelähmt an einer Lungenmaschine ver-bringen muss, gerät in die Fänge eines jungen Pfle-gers. Agustí Villarongas’ Tuberkulose-Sanatori-ums-Thriller „El Mar“ ist ein Kindergeburtstag imVergleich zu seinem Erstlingswerk „Im Glaskäfig“(Tras el Cristal). Gleichermaßen mit Homosexua-lität und Wahn aufgeladen, ist dieses Psychodramadabei perfide und grausam, psychologisch so durch-dacht wie überkonstruiert. Seit der Uraufführung auf der Berlinale 1986 warder Film hierzulande nicht mehr zu sehen, nun liegt er in einer mustergültigenDVD-Edition vor.
www.bildstoerung.tv 
Racheakt
Tom Kalin („Wilde Unschuld“) verfilmte 1991 denrealen Fall der schwulen Chicagoer ElitestudentenNathan Leopold und Richard Loeb. Sie hatten 1924einen präzise geplanten Mord an einem Halbwüch-sigen begangen. Ihr Ziel: ein perfektes Verbrechenals Beweis ihrer moralischen wie geistigen Über-legenheit. „Swoon“ rekonstruiert den Ablauf desMordes, den spektakulären Prozess und die Haft inexzellent gefilmten Bildern und einer gewagtenHerleitung der Beweggründe für die Tat. Ein Klassiker des New Queer Cinema,erstmals in deutscher Fassung auf DVD.
www.cmv-laservision.de 
Mordspiel
„If You Make It There, You Can Make It Anywhere“– Frank Sinatras Motto gilt auch für Marc und Ro-bert, die den Broadway als Komponisten undSchauspieler erobern wollen. Der eine ein char-manter Männeraufreißer, der andere eher schüch-tern, unscheinbar und klammheimlich in den Mit-bewohner verliebt. Dritte im Bunde ist die unver-meidliche füllige Fag Hag. Victor Mignattis „Broad-wayfieber“ um junge Künstler im Greenwich Villa-ge der 90er Jahre ist kein umwerfend großes Ding, entwickelt sich aber im-merhin nach einigen Minuten Anlaufschwierigkeiten zu einer charmanten undwarmherzigen Liebeskomödie.
www.salzgeber 
Showbiz
Auf den ersten Blick könnte man „Queens“ für eintäuschend ähnliches Almódóvar-Plagiat halten,angefangen vom Design des leuchtend buntenVorspanns bis zur Besetzung mit bewährten Al-módóvar-Diven (Marisa Paredes, Veronica Forque,Carmen Maura). Doch nicht der spanische Starre-gisseur, sondern Manuel Gómez Pereira führte hierRegie, weshalb die Verwicklungen und Figuren-zeichnung dann auch nicht ganz so intelligent undkunstvoll ausgefallen sind. Für die Kinoleinwand wäre diese Komödie über eineschwule Massenhochzeit in Spanien denn auch etwas zu gefällig geraten, für ei-nen netten Fernsehabend zuhause aber taugt sie allemal.
www.evolution.ch 
Hochzeitswirren
 
30
hinnerk 
10/09
kulturkultur
genial
❚❚❚❚❚❚❚❚❚❚❚❚
mies
Vor zwei Jahren brachte er sein De-büt-Album mit dem unwiderstehlichen„Acceptable in the 80ies” heraus,mittlerweile ist Calvin Harris auch alsRemixer unter anderem für Mika, Ky-lie oder Katie Perry gut im Geschäft.Für sein zweites Werk hat der 25-jäh-rige Schotte seine Bandbreite lustvollerweitert. 80er-Synthie trifft über-bordenden Nineties-House auf „ReadyFor The Weekend“, Retro-Funk-Anlei-hen lassen sich bei „The Rain“ unddem Outkast-Klon „Worst Day“ aus-machen, ein bisschen Faithless-Trancebei „I‘m Not Alone“ und aktuellenElektro-Dance in „Flashback“. Bei „Re-lax“ kreuzen sich entspannte Akustik-Gitarren mit dreckigen Soul-Vocals.Liebevoll gemacht und sehr unter-haltsam! T
ORSTEN
B
LESS
www.calvinharris.co.uk 
Calvin Harris: „Ready For the Weekend“
(Ministry of Sound)
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Dance
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Chanson
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Klassik
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Swing-Pop
Als Tim Fischer vor Jahren die ersten,ganz klassischen Chansons des Wie-ner Altmeisters Georg Kreisler in seineAbende streute, hätte niemand ge-ahnt, dass daraus eine solch engeKünstlerfreundschaft erwachsen wür-de. Neben dem Musical „Adam Schafhat Angst“ ist nun mit „GnadenloseAbrechnung“ bereits das zweite, aus-schließlich mit Kreisler-Songs be-stückte Programm entstanden. TimFischer meistert die stilistische Viel-falt mit Bravour und versucht gar nichterst den Wiener Schmäh des inzwi-schen 87-jährigen Kreislers zu imitie-ren. Stattdessen: eine immer wiederüberraschend präzise Artikulation die-ser oft pfeilschnellen Sprachspitzen.Geradezu minimalistisch und klas-sisch. Axel Schoc
K
www.timfischer.de 
Tim Fischer: „Gnadenlose Abrechnung“
Wer jemals Cecilia Bartoli live erlebthat, weiß, was für ein Kraftpaket dieseFrau ist: Wie eine Jazz-Sängerin stehtsie da und sprudelt ihre Koloraturenhervor. Wer, wenn nicht La Bartolikönnte es mit dem Repertoire der Kas-traten aufnehmen? Die Arien von Ni-cola Porpora, Antonio Caldara und an-dere Geheimtipps aus der Kastraten-Ära füllt sie mit Leben. Wenn sie diemörderischen Koloraturen gurrt undzwitschert, liefert sie nicht nur Voka-lakrobatik, sondern hochdosierteEmotion. Wohl mit Blick auf Weih-nachten gibt es das Album zunächst inlimtierter Edition als kunstvolles CD-Buch mit vielen Informationen überdas Kastraten(un)wesen.E
CKHARD
W
EBER
www.ceciliabartolionline.com 
Cecilia Bartoli: „Sacrificium“
(Decca)
Barbara Schöneberger: „Nochmal, nur anders“
(Universal)
Die Dame hat eine berühmteMutter: Dee Dee Bridgewater isteine stimmgewaltige Jazzdiva,und da wundert es nicht, wennihre Tochter China Moses ihrähnlich kraftvoll folgt. „Jede ein-zelne Silbe klingt sexy“ jubeltedas SZ-Magazin, und in der Tat bereitetihr neues Jazzalbum „This One‘s For Di-nah“ durchweg Vergnügen. Der Titel istVerpflichtung: China Moses nimmt sichneben zwei Eigenkompsitionen der Klas-siker von Dinah Washington an und ver-passt ihnen dank der erfrischenden Ar-rangements von Raphaël Lemmonier ei-nen zeitgemäßen Kick. SchwermütigeBluesstandards wechseln mit direkt tanz-baren Songs, die den eigentlichen An-spruch der Sängerin widerspiegeln: „Ichbin angetreten, um den Rock‘n Roll-As-pekt wieder in den Jazz zurückzubrin-gen.“ Das gelingt ihr bei „Teach Me To-night“ oder „Fat Daddy“ vorzüglich, wäh-rend man „Cry Me A River“ lange nichtmehr mit soviel Gänsehauteffekt hörendurfte.S
TEFAN
M
IELCHEN
China Moses: „This One‘s For Dinah“ (EMI).Live in der Fabrik am 11. Oktober (Kartenverlosung auf Seite 80).www.myspace.com/dinahblues 
          ❚          ❚          ❚          ❚          ❚          ❚
Perfekte Klassiker
Für ihr zweites Album wurden wederKosten noch Mühen gescheut und un-ter anderem Till Brönner, Pe Wernerund Christina Stürmer als Songschrei-ber engagiert, um schmissige, geist-reiche Lieder zu Wege zu bringen. Nunist Humor so eine Sache. Sich über dieCafé Latte-Generation in Berlin-Mittelustig zu machen mit Verszeilen wie„Ick will mir frei betätjen/Irgentwat mitMedien“ ist ein oller Gag. Ihre schwu-len Fans umgarnt Schöneberger mit„Ich steh auf Jungs“, die immer gutdurchtrainiert „sich auch zu ABBA aufdie Tanzfläche trauen.“ Verzweifeltwird der Swing klassischer Orchesterund der Philly-Sound der 70er kopiert.Aber die Originale sind einfach besser.S
VEN
K
IELAU
www.barbara-schoeneberger.com 
China Moses interpretiert Dinah Washington
of 00

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