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Bei den Gewerkschaftslinken ist Arbeits-zeitverkürzung wieder populär. Der An-lass dafür ist die aktuelle Wirtschaftskri-se, in der mit einer deutlich steigendenArbeitslosigkeit gerechnet werden muss.Dabei erfolgt dieser Anstieg auf der Basiseiner bereits hohen Arbeitslosigkeit inDeutschland. Die offiziell 3,4 MillionenArbeitslosen markieren eine statistischeKonstruktion. Die tatsächliche Arbeitslo-sigkeit liegt aktuell bei rund 4,5 Millio-nen, rechnen wir die Effekte der Kurzar-beit hinzu, bei rund 4,9 Millionen. Inso-fern klingt die Forderung nach einer radi-kalen Arbeitszeitverkürzung, in den Wor-ten der Befürworter nach Arbeitsumver-teilung, auf den ersten Blick einsichtigund plausibel. Das vorhandene Arbeitsvo-lumen soll auf mehr Köpfe verteilt wer-den. In diese bestechend einfache Sicht-weise gehen aber Annahmen ein, die auseiner sozialwissenschaftlichen Perspektiveunhaltbar sind.Die erste Kritik lautet: Der Arbeitsmarktkennt keine Arbeitsmengen oder Arbeits-fonds, die sich auf mehr Beschäftigteverteilen lassen, sondern unterschiedlichqualifizierte Arbeitskräfte. Marx hat nichtnur diese Annahme eines Arbeitsfondshart kritisiert (MEW 23, S. 636ff), er hatauch auf die Gefahr der Verwechselungvon Arbeit und Arbeitskraft hingewiesen(MEW 23, S. 562). Auf dem Arbeitsmarktbieten sich Arbeitskräfte an und es wer-den Arbeitskräfte nachgefragt. Der Lohnist dabei gerade nicht der Preis der ver-ausgabten Arbeit, sondern der Preis fürdas zur Verfügung stellen der Arbeitskraftfür eine bestimmte Zeit. Wenn die Ar-beitszeit verkürzt wird, reduziert sich dasAngebot an kumulierter Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt. Bei steigender Produk-tion erhöht dies die Nachfrage nach Ar-beitskräften, bei sinkender Produktionverringert es den Anstieg der Arbeitslo-sigkeit. Arbeitszeitverkürzung hat daheralso Beschäftigungseffekte, aber diesesind relativ niedrig. Sie sind am größtenbei einer anziehenden Konjunktur, wenndie Nachfrage nach zusätzlichen Arbeits-kräften steigt. Dieser Effekt der Arbeits-zeitverkürzung kann, wie wir gegenwär-tig sehen, auch durch das Instrument derKurzarbeit genutzt werden. Arbeitszeit-verkürzung sichert in der Krise zumindestkurzfristig ein bestimmtes Niveau der Be-schäftigung. Aber den Vertretern der Ar-beitsumverteilung geht es um mehr. Siekonzentrieren die Auseinandersetzungum den Abbau der Massenarbeitslosigkeitin der Hauptsache auf das Instrument derArbeitszeitverkürzung, die dann bei hoher
Michael Wendl
Arbeitszeit-verkürzung –Klappt nicht
im Kapitalismus
   M  o  n   t  a  g  e  :   J .   R   ö  m  e  r
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