Nr. 1/20052
Diskussion kann auch nicht losgelöst von vergangenen Ereignissengeführt werden. Es ist nun mal Tatsache, dass die Befreiung Wiens imJahre 1683 und das Zurückdrängen der osmanischen Truppen dieGeburtsstunde des modernen Europas war und als Rettung der abend-ländisch-christlichen Kultur gilt. Die Europäer ahnen derzeit, dass mitder äußeren Grenze auch die Gestaltung des Innenbereichs eng ver-bunden ist. Nur, wem Europa ganz egal ist, der übersieht die Kraft die-ser politisch-historischen Kultur. Uns aber darf Europa nicht egal sein.Bei der Diskussion um eine EU-Mitgliedschaft der Türkei müssendie Verantwortlichen berücksichtigen, dass die Europäische Unionnicht dazu da ist, die innenpolitischen Probleme eines Landes zu lösen.Es ist richtig, dass viele Türken die europäischen Werte schätzen undsich von einem Beitritt zu Europa mehr Freiheit und Gerechtigkeiterhoffen. Diese Menschen stellen allerdings eine Minderheit der 70Millionen Türken dar. Es ist also offenkundig, dass es künftig sehr stark darauf ankommt, mit welchem Islam wir es zu tun haben.Kardinal Karl Lehmann hat grundsätzlich Recht, wenn er zum Aus-druck bringt, dass Religion auf keinen Fall zum politischen Kampf-mittel werden darf. Man darf Gott nicht instrumentalisieren; weder dasKreuz und schon gar nicht das Gebet eignen sich dafür. Was ist aber,wenn künftig die islamischen Strömungen dominieren, die die bürger-liche Gesellschaft und die Religionsgemeinschaft in Eins setzen wol-len?Bei dieser Diskussion muss man genau zwischen den Begriffen„Glaubensfreiheit“ und „Freiheit der Ausübung der Religion“ unter-scheiden. Es ist leicht, jemandem zu gestatten, zu glauben, was immer er mag: Die Gedanken sind frei! Wenn man sich aber zu einer Glau-bensgemeinschaft zusammenschließen möchte, so ist das z.B. in der Türkei nicht oder nur unter großen Problemen möglich. Gerhard Dun-ker, der neun Jahre Pfarrer der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei war, berichtet, dass es keinen Nachwuchs für christliche oder orthodoxe Kirchen gibt, denn seit Anfang der 70er Jahre sind alle geistlichen Seminare und kirchlichen Hochschulengeschlossen. Wenn Geistliche aus dem Ausland kommen, wie die Pfar-rer der katholischen oder evangelischen Gemeinden, so dürfen dieselediglich als Angehörige der Botschaften ihrer Länder einreisen. Dieeinheimischen Kirchen aber können aus dem Ausland keine Geistli-chen rekrutieren. Das wird dazu führen, dass es irgendwann überhauptkeine Pfarrer mehr in der Türkei gibt.Ein neues Gesetz besagt, dass künftig Kirchen und kirchliche Ein-richtungen gebaut werden dürfen. Die Anträge zum Bau einer Kirchemüssen beim Außenministerium gestellt werden. Dahinter steht dieEinstellung, dass Christen eigentlich Ausländer sind. Das Bewusstsein,dass es auch türkische Staatsbürger gibt, die keine Muslime sind, istextrem unterentwickelt. Die Kirchen in der Türkei vertreten nationaleMinderheiten. Das sind auch Sprachminderheiten. Eines der neuenGesetze erlaubt muttersprachlichen Unterricht, wenn die Lehrer staat-lich anerkannt sind. Es gibt aber keine staatlich anerkannten christli-chen Lehrer. Diese müssen erst ausgebildet werden, aber die Ausbil-dungsstellen sind geschlossen.Die multikulturelle Gesellschaft, die sich bei uns entwickelt, brauchtunbeschadet vieler zueinander in Spannung stehender Überzeugungenund Lebensgewohnheiten gemeinsame Maßstäbe. Erzbischof LuigiBressan hat in Trient die dort versammelten Schützen der Alpenregi-on aufgerufen, die großen Werte – Familie, das Erbe Gottes und dieMenschlichkeit, die Freiheit, die Gerechtigkeit und die wirkliche Liebezum eigenen Volk – zu verteidigen und er tat dies wissend um die Ver-gangenheit der Schützen, welche immer Verteidiger und nie Angreifer waren. Aber sie zeigten sich immer wehrhaft, immer bereit, diese Wer-te zu verteidigen. Auch daran sollten die politisch Verantwortlichendenken, wenn sie an die Reform des Militärs denken. Allgemeine Wehrpflicht ist nur vorstellbar, wenn es um die Verteidigung der Hei-mat geht. Davon ist derzeit, wenn überhaupt, nur noch sehr selten dieRede. Man spricht von übergeordneten globalen Aufgaben, von einer Weltpolizei. Für diese Aufgabe benötigt man Berufssoldaten. Manmuss sich dann aber auch im Klaren sein, dass die Wehrbereitschaft im Volk geringer werden wird, und dass es damit schwieriger wird, Wer-te zu erhalten. Wie können die Schützen die Botschaft von 1705 umsetzen? Erzbi-schof Dr. Alois Kothgasser hat dies bei der Schützenwallfahrt in Absam so zum Ausdruck gebracht: Dass alle Mitverantwortung dafür tragen, dass der Gedanke an Gott in unseren Ländern lebendig bleibt. Wenn man sich treu zu Gott bekennt, dann wirkt das weiter, dannwirkt das wie ein Beispiel für andere Menschen. Und er erinnerte dar-an, dass die Liebe zur Heimat einen Menschen auszeichnet. Wer seineHeimat liebt, weiß auch, dass es wichtig ist, diese Heimat zu schützen,zu erhalten und zu gestalten.Die Botschaft richtet sich an alle, in diesem Jahr besonders an dieBayerischen Gebirgsschützen. Gedenken wir in würdiger Form der Ereignisse von 1705 und unterstreichen wir damit, wie wichtig es ist,sich der christlich abendländischen Werte bewusst zu sein und sich zuihnen zu bekennen.Hptm. Hans Baur, Schriftleiter der Bayerischen Gebirgsschützen
Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier
ST. PAULS - An die 1.000 Schützen, vorwiegend aus Südtirol,haben zusammen mit Kameraden aus den restlichen Landesteilensowie einer großen Zahl an „zivilen“ Landsleuten und den Vertreterndes Südtiroler Heimatbundes an der diesjährigen Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier in St. Pauls teilgenommen.Begonnen hatte die diesjährige Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier,welche vom Südtiroler Heimatbund und vom Südtiroler Schützenbundalljährlich gemeinsam organisiert wird, mit der Meldung der angetre-tenen Formationen durch den Bozner Bez.-Mjr. Karl Marmsoler an denLKdt. Mjr. Paul Bacher und den Obmann des Südtiroler HeimatbundesSepp Mitterhofer. Zusammen mit den beiden LKdt. Dr. Otto Sarnthein(BTSK) und Carlo Cadrobbi (WTSB) wurde die Front abgeschritten.Unter dem Spiel der Musikkapelle Girlan zogen anschließend dieSchützen durch die Gassen von St. Pauls zum Kirchgang.Pater Reinald Romaner OFM hob in seiner Predigt Sepp Kerschbau-mers Gläubigkeit hervor. „Kerschbaumer war kein kalter Patron, keinKriegshetzer und kein Menschenverachter. Er war einer, der mit demSystem nicht zurechtkam und auf seine Weise eine Veränderung woll-te“, so Pater Romaner. Sein Andenken verschwinde nur dann, wennsein Gedächtnis nichts mehr zu sagen hat oder sich die Menschennichts mehr sagen lassen.
Schritten gemeinsam die Front ab: Der Obmann des Südtiroler HeimatbundesSepp Mitterhofer und die drei Landeskommandanten Tirols
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