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Mitteilungsblatt der Schützen der Alpenregion
Nummer 5Bozen, Innsbruck, Weyarn, Kronmetz im Oktober 200529. Jahrgang
Wasser und Steine veränderten unser Dorf!
Ein Situationsbericht aus dem hochwassergeschädigten Pfunds -stellvertretend für alle Katastrophengebiete in Tirol - 1. Teil
Pfunds, am 21. 8. 2005- Seit Tagen regnet es mehr oder weniger stark! Die Landschaft trieftgeradezu vor Nässe. Bis zu 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in wenigen Stunden wur-den heute gemessen. Der Wetterbericht ist nicht ermutigend - für die Nacht sind weitere schwe-re Regenfälle angesagt - die Muren- und Hochwassergefahr hängt drohend über ganz Tirol. Auch in Pfunds führen alle Seitenbäch und der Inn Hochwasser.Den Kommandanten der Polizei Pfunds, Anton Wilhelm, befällt ein mulmiges Gefühl. Des-halb beruft er um 18.20 Uhr eine interne Einsatzbesprechung ein, bei der bereits an die Her-beischaffung von Baggern und anderen schweren Geräten gedacht wird. Auch der Kommandant der Freiw. Feuerwehr Pfunds, Hauptbrandinspektor Michael Nardin,und seine Führungsleute machen sich schon länger berechtigte Sorgen. Ständig werden die Sei-tenbäche, insbesondere aber der Stubener Bach im Pfundser Ortsteil Stuben, beobachtet. Siemüssen feststellen, dass der Regen ständig zunimmt und die Wasserführung des Baches bedroh-lich steigt.Gegen 21.50 Uhr spitzt sich die Situation zu. Zum ersten Mal heulen die Sirenen in Pfunds.In kürzester Zeit stehen 75 Mann der Feuerwehr einsatzbereit beim Gerätehaus. Gemeinsam mitder Polizei beschließt die Kommandantschaft, die unmittelbaren Bewohner an den Ufern desStubener Baches zu evakuieren. Michael Nardin teilt seine Männer dazu ein - noch konnte er nicht ahnen, dass dieser Einsatz für ihn erst 26 Stunden später eine erste Pause bringen wür-de.Gerhard Krenslehner, Polizist aus Pfunds und später selbst Betroffener des Hochwassers, war bei der Evakuierung mit dabei und schildert:
Tiroler Schützenkalender erschienen7Gesamttiroler Winterfest …………………11Bataillone und Bezirke………………………13Leserbriefe …………………………………………17Hui und Pfui ………………………………………17Die Seite der Marketenderinnenund Jungschützen ………………………………18Berichte aus Bayern ……………………………19Wir gratulieren …………………………………24Gesamttiroler Schützenchronik …………27Totengedenken ……………………………………31
 Versand im Postabonnement Art. 2, Abs. 20c, Ges. 662/96 Fil. Bozen Verlagspostamt 6020 Innsbruck - P.b.b. - 02Z030036
I.P.
Einer Seenlandschaft gleicht das Dorf Pfunds während der Naturkatastrophe am 21. und 22. August 2005.
Tiroler Schützen ausgezeichnet ……………5Schützenwallfahrt in Absam ………………5
 
Nr. 5/20052
„Die Bewohner, alle unsere Nachbarn und Bekannten, waren teilsüberrascht und betroffen, aber dann auch einsichtig. In aller Eile wur-de das Notwendigste an Papieren, Geld und Kleidung zusammenge-rafft - man telefonierte noch schnell mit Verwandten und organisier-te eine vorübergehende Bleibe. Dann wurden die meisten Autos ausden Garagen an einen sicheren Platz gebracht.Ich musste auch meine eigenen Eltern und meine Familie von der drohenden Gefahr überzeugen - dazu drängte die Zeit - ich durfte kei-ne großen Emotionen zeigen - das war ganz schön hart.“Mittlerweile unterstützt auch die Bergrettung Pfunds die Evaku-ierungen. Einige der Evakuierten kehren allerdings wieder in ihre Häu-ser zurück, holen Sachen, die sie in der Eile vergessen hatten oder wol-len die Gefahr nicht wahrhaben und einfach ihr Hab und Gut im Augebehalten.Bergrettungschef Bruno Netzer dazu:„Einige Uneinsichtige mussten deshalb später unter Lebensgefahr mit Hilfe eines Baggers aus dem ersten Stock eines Hauses geborgenund durch die mittlerweile tosenden Fluten in Sicherheit gebrachtwerden. Von einem Mann wusste niemand, dass er in einer Kellerwohnungschlief. Als ihm das Wasser bereits bis zu den Füßen gestiegen war,erwachte er, floh in Panik durch ein Zimmerfenster und konnte nur durch Zufall von einem Bagger unverletzt aus dem reißenden Wasser gerettet werden.“Gegen 2.00 Uhr morgens, Bagger versuchen noch fieberhaft, demreißenden Wildbach die Brücken freizuhalten, tritt der Stubener Bachauch im oberen Ortsteil gewaltig über seine Ufer und schwemmt nahe-zu alles, was sich ihm in den Weg stellt, fort.Unser Fahnenleutnant Edwin Westreicher vom Haus „Montjola“ inPfunds dazu:„Kurz vor 2.00 Uhr fraß sich der Bach bei uns in den Garten. EinBrennholzstapel und die Gartenhütte versanken in der Flut. Unser klei-nes Gästeschwimmbad und eigentlich der gesamte Garten verschwan-den spurlos - zurück blieb nur eine Schotterwüste. Unser Wohnhauswurde im gesamten Kellergeschoß überschwemmt und mit Schlammbis zur Oberkante der Kellertüre gefüllt.“Mittlerweile sind die Feuerwehren der Nachbarorte längst nacha-larmiert und nach Pfunds zur Hilfe gekommen. Insgesamt stehendamit in dieser Nacht ca. 160 Feuerwehrleute, etliche Baggerfahrer,Polizei, Bergrettung und zahlreiche freiwillige Helfer im Einsatz.Pfunds, am 22. 8. 2005 morgens - Bei Tagesanbruch wird langsamdas Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Es übertrifft alles, was man sichhier vorstellen konnte.Gegen 6.00 Uhr morgens rauscht der Bach immer noch mit Tonnen von Geröll ca. 10 Meter über seinem ursprünglichen Bachbett talwärtsund breitet sich inzwischen über 100 Meter seitlich der Ufer aus. Eineweitere Welle von Schlamm, Schotter und Wasser ergießt sich auf bei-den Seiten des Baches, überschwemmt sämtliche Brücken und über-flutet die Bundesstraß. Ein Rückgang der Wassermassen ist noch nichtin Sicht.Der Feuerwehrkommandant Michael Nardin:„Es war zum Verzweifeln! Aller Maschineneinsatz schien nutzlos -momentan konnten wir nur noch fassungslos dastehen und zuschau-en - bei einigen Häusern strömte der Bach oben hinein und ergoss sichaus den Fenstern. Die Bundesstraße glich einem riesigen Bachbett miteinigen Verkehrszeichen. Viele meiner Männer standen die Tränen inden Augen.“ Als die Regenfälle endlich nachlassen, geht auch der Wasserschwalldes Stubener Baches etwas zurück. Das Ausmaß der Verwüstung istfurchtbar.Bürgermeister Dipl.-Ing. Gerhard Witting zieht eine traurige Bilanz:„Es stellte sich heraus, dass insgesamt 80 Häuser beschädigt wur-den, davon sind derzeit 40 Häuser nahezu unbewohnbar, etwa 15 Häu-ser müssen wahrscheinlich abgerissen werden.Gott sei Dank sind keine Menschenleben zu beklagen, es wurde bis-her auch niemand ernstlich verletzt. Wenn man diese Verwüstungsieht, gleicht das einem Wunder. Hotels, private Wohnhäuser undGewerbebetriebe sind gleichermaßen betroffen. Wir bemühen unssehr, die Betroffenen mit Wohnungen und dem nötigsten Hausrat zuunterstützen, wir brauchen aber jede Hilfe! Eine Katastrophe in diesem Ausmaß hat Pfunds noch nie erlebt, zumindest ist dies in keiner Chro-nik je genannt!“Jetzt beginnt eine erstaunliche Maschinerie zu laufen. Unter der Führung von Michael Nardin und der Feuerwehr wird in aller Eile diesofortige Hilfe für die betroffenen Gemeindebürger organisiert. DieFeuerwehrhalle wird zur Drehscheibe für Arbeitsaufträge, Hilfsange-bote und Informationen. Laufend melden sich Hilfswillige, Geräte wie
 Wie eine geplante Wasserlandschaft ergießt sich Wasser und Schlamm über die Aufgangstreppe zum Musikpavillon.Bei Tagesanbruch wird langsam das Ausmaß der Zerstörung sichtbar.
 
gen untergebracht. Alles wurde überflutet und unbrauchbar gemacht.Gemeinsam mit Schützen aus den Nachbarkompanien unserer Tal-schaft begannen wir, unser Lager vom Schlamm zu befreien. Die mei-sten Kühlgeräte waren derart zerschlagen und verschlammt, dass wir sie nur auf den großen Haufen mit Sperrmüll werfen konnten.“ Von Auswärts kommt dank der intakten Straßenverbindung rascheHilfe nach Pfunds. Das Rote Kreuz, insbesondere das Krisen-Interven-tions-Team kümmert sich ständig um die Betroffenen. Auch die Ver-pflegung aller Helfer wird vorerst vom Roten Kreuz und unter Mithil-fe von zahlreichen Frauen aus Pfunds organisiert.Fliegende „Wurstsemmel-Trupps“ bringen den Helfern Wurstbrote,Kuchen und Mineralwasser an ihre Arbeitsstellen, was dankbar ange-nommen wird. Das österreichische Bundesheer trifft bald mit denersten Hilfsmannschaften ein.
(Fortsetzung siehe Seite 4!)
Pumpen, Schläuche, Schubkarren und Handwerkszeuge werden ver-teilt. Vom kleinsten Bagger bis zum größten Radlader sind alle ver-fügbaren Arbeitsmaschinen aus der ganzen Region im Anmarsch. Dasgroße Aufräumen geht los. Zum Glück stehen noch die Zelte auf demEnsplatz für das geplante, aber abgesagte, „Pfunds-Kerle-Fest“. Siewerden in den nächsten Wochen dringend gebraucht. Auch die Schützenkompanie beteiligt sich selbstverständlich, sowie bereits bei früheren Elementarereignissen, an den Aufräumungs-arbeiten.Hptm. Wilfried Grießer dazu:„Wir Pfundser Schützen wurden auch selbst Opfer des Hochwassers.Mitten im Überschwemmungsgebiet hatten wir erst im vergangenenJahr in einem Stadel ein Lager für verschiedene Geräte hergerichtet.Unter anderem waren dort sämtliche Kühlgeräte für Festveranstaltun-
3Nr. 5/2005
Spendenaufruf des SSB
BOZEN - Angesichts der immensen Hochwasserschäden im nördlichen Tirol hat der Südtiroler Schützenbund eine spontane Spendenaktiongestartet. Dem Spendenaufruf des Südtiroler Schützenbundes für die Hochwasseropfer in Tirol sind bereits zahlreiche Südtiroler gefolgt, essind bis zum heutigen Tag (20. Sept.) über 180.000,– Euro auf das Spendenkonto eingegangen.Koordiniert wird die Spendenaktion von der Bundeskanzlei des SSB in enger Absprache mit den Kameraden nördlich des Brenners.„Auch in schwierigen Zeiten muss man von Landeseinheit sprechen und in diesem Sinne handeln“, so LKdt. Mjr. Paul Bacher. „Es genügtnicht, wenn wir diese Einheit nur in Sonntagsreden heraufbeschwören. Insofern kann jeder noch so kleine Geldbetrag, der gespendet wird,ein Zeichen dafür sein, dass die Südtiroler nicht darauf vergessen haben, wie viel Gutes ihnen in Zeiten der Not von der Bevölkerung desBundeslandes Tirol zugekommen ist.“ Eine Delegation des SSB, bestehend aus LKdt. Paul Bacher, BGF Elmar Thaler und weiteren Mitglie-dern der Bundesleitung fuhr in die Gemeinden Kappl, See, Pfunds und Pflach (Reutte). In Zusammenarbeit mit den zuständigen Bürgermei-stern, Schützenhauptmännern und Ortspfarrern wurden die jeweils schwerstbetroffenen Familien ausfindig gemacht, denen ein beachtlicher Geldbetrag persönlich und als Soforthilfe übergeben wurde.Der SSB dankt allen Spendern für den überwältigenden Zuspruch, ruft die Südtiroler Bevölkerung auf, auch weiterhin für die Landsleute imNorden Tirols zu spenden und weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass restlos jeder gespendete Euro den unwetterge-schädigten Familien in Nordtirol übergeben wird. Jede - auch noch so kleine Spende - ist wichtig. Auf Wunsch wird den Spendern ein Belegfür die eingezahlte Spende zugesandt, somit ist der Betrag für Betriebe von der Steuer absetzbar. Die Abwicklung aller Formalitäten erfolgtehrenamtlich bzw. mit Mitteln des SSB.
Spenden können weiterhin aufdas Konto der Raiffeisen Landesbank Südtirol, IBAN: IT30S0349311600000300035009Swift-BIC: RZS BIT 2B, Stichwort: „Hochwasseropfer Tirol“, eingezahlt werden.
Die Spendenaktion erfolgt mit freundlicher Unterstützung der Tageszeitung Dolomiten, Südtirol-Online und der Raiffeisen-Landesbank Süd-tirol.Pressedienst Südtiroler Schützenbund - http://tirolinnot.schuetzen.com
Liebe Kameraden!
INNSBRUCK - Die schweren Regenfälle am 21. August haben enorme Schäden in einzelnen Landesteilen Nordtirols (Wörgl, Lechtal, Außer-fern, Oberes Gericht, Stanzertal und Paznaun) verursacht. Betroffen sind viele Tiroler Landsleute – darunter auch mehrere Schützenkamera-den in den genannten Regionen.Nach Rücksprache mit den organisatorisch zuständigen Bezirkshauptleuten werden die derzeitigen Aufräumungsarbeiten von den jeweiligenFeuerwehrverbänden und dem Bundesheer organisiert. Darüber hinaus werden zur Zeit keine weiteren Arbeitskräfte benötigt. Weiters sindbei uns im ländlichen Raum die meisten Schützenkameraden auch Mitglieder bei den jeweiligen Feuerwehren und sind bzw. waren daher bereits im Einsatz. Was wir benötigen, ist Geld und fachliche Hilfe für den Wiederaufbau der beschädigten oder neu zu errichtenden Wohngebäude unserer Kameraden. Daher haben wir ein spesenfreies Konto bei der Hypo Tirolbank AG eingerichtet mit der Auflage, dass diese Spenden aus-schließlich betroffenen Schützenkameraden zu Gute kommen.In weiterer Folge wollen wir bei Bedarf (kann auch noch im Frühjahr 2006 sein) auch freiwillige Arbeitstrupps (Holzer, Maurer, Zimmerer usw.) zusammenstellen, um den Betroffenen beim Wiederaufbau weitere Hilfe zukommen zu lassen.Die jeweiligen Schützenhauptleute oder Obmänner der betroffenen Gemeinden werden gebeten, eine genaue Liste der geschädigten Kamera-den zu erstellen, in denen Art und Umfang der Beschädigungen sowie die Höhe des Schadens - abzüglich der erhaltenen bzw. in Aussichtgestellten Versicherungsleistungen und Leistungen der öffentlichen Hand – angeführt werden. Diese Listen sind über den jeweiligen Baon-Kdt. an die Bundeskanzlei zu übermitteln.
Spendenkonto: Hypo Tirolbank AG, BLZ 57000, Kto.-Nr. 21011144900, Kennwort: Schützen helfen Schützen
Mit einem Tiroler Schützengruß und vielem Dank für die bereits geleistete HilfeBGF Mjr. Josef Haidegger, LKdt. Mjr. Dr. Otto Sarnthein
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