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Argumentarium Datenschutz - Handreichung für die liberale Diskussion

Argumentarium Datenschutz - Handreichung für die liberale Diskussion

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Datenschutz - das hat der Skandal um die NSA gezeigt - ist längst keine Frage mehr, die nur mit deutschem Recht beantwortet werden kann. Die EU hat ihn deshalb schon im Jahr 2000 in der Grundrechtecharta, als elementaren Teil des Schutzes der Persönlichkeitsrechte, festgeschrieben. Aber wie sieht es mit der konkreten Umsetzung aus?

Annette Siemes hat in diesem Argumentarium die wesentlichen Komponenten des europäischen Datenschutzrechts kurz und knapp zusammengefasst und die liberalen Kernforderungen herausgearbeitet.
Datenschutz - das hat der Skandal um die NSA gezeigt - ist längst keine Frage mehr, die nur mit deutschem Recht beantwortet werden kann. Die EU hat ihn deshalb schon im Jahr 2000 in der Grundrechtecharta, als elementaren Teil des Schutzes der Persönlichkeitsrechte, festgeschrieben. Aber wie sieht es mit der konkreten Umsetzung aus?

Annette Siemes hat in diesem Argumentarium die wesentlichen Komponenten des europäischen Datenschutzrechts kurz und knapp zusammengefasst und die liberalen Kernforderungen herausgearbeitet.

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Annette Siemes
Argumentarium Datenschutz
Handreichung für die liberale Diskussion
1. Rechtliche Grundlagen für Datenschutz in Deutschland
Die ersten Datenschutzgesetze in Deutschland wurden auf Landesebene erstellt, 1970 in Hes-sen und 1974 in Rheinland-Pfalz. Der Geltungsbereich dieser Gesetze umfasste die maschinelle/elektronische Verarbeitung personenbezogener Daten bei öffentlichen Stellen. Am 28. Januar 1977 wurde das Bundesdatenschutzgesetz als Grundlage für den modernen Datenschutz ver-abschiedet. Der Datenschutz als eigenständiger Rechtsbereich ist nicht ausdrücklich im Grund-gesetz geregelt, kann aber aus den Artikeln 1 und 2 GG gelesen werden:
Artikel 1 Abs. 1 Grundgesetz
 „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflich-tung aller staatlichen Gewalt.“
Artikel 2 Abs. 1 Grundgesetz
 „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“Aus der Verbindung beider Artikel hat das Bundesverfassungsgericht im sogenannten Volks-zählungsurteil vom 15. Dezember 1983 das Recht auf
informationelle Selbstbestimmung 
 entwi-ckelt: „Unter den Bedingungen der modernen Datenverarbeitung wird der Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten von dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG umfasst. Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen.“Dieses Selbstbestimmungsrecht ist ein Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und damit ein Grundrecht. Dieser hohe Stellenwert erklärt sich aus der Annahme, dass ein freiheitlich demokratisches Gemeinwesen nur dann funktioniert, wenn die individuelle Handlungsfreiheit seiner Bürger gewährleistet ist, da nur diese eine selbstbestimmte Mitwirkung an Staat und Gesellschaft erlaubt. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit muss immer und überall möglich sein, um Ge-meinwohl für alle und von allen schaffen und erhalten zu können: „Mit dem Recht auf infor-mationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.“Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist weit gefasst. Das Bundesverfassungsge-richt stellte fest, dass in der modernen Informationstechnologie die Relevanz der jeweiligen
 
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Daten wechseln kann und es somit keine per se belanglosen Daten, die nicht schützenswert wären, gibt. Das BVerfG stellte deshalb die Verarbeitung personenbezogener Daten unter ein sogenanntes Verbot mit Erlaubnisvorbehalt und definierte gleichzeitig, wann diese Verarbei-tung erfolgen darf: „Wer nicht mit hinreichender Sicherheit überschauen kann, welche ihn be-treffenden Informationen in bestimmten Bereichen seiner sozialen Umwelt bekannt sind, und wer das Wissen möglicher Kommunikationspartner nicht einigermaßen abzuschätzen vermag, kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen oder zu entscheiden. Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wäre eine Gesell-schaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Ver-haltensweisen aufzufallen.“
Bundesbeauftragter für Datenschutz, BfD-Info 1, Bonn 2004, S. 11
Das Persönlichkeitsrecht sichert dem Einzelnen also sein Grundrecht auf freie Entfaltung und Meinungsfreiheit zu. Einschränkungen des Grundrechtes auf informationelle Selbstbestimmung sind nur aufgrund eines Gesetzes möglich, welches
dem überwiegenden Allgemeininteresse dient,die Voraussetzungen für die Einschränkung und den Umfang dieser Einschränkungen klar
und verständlich für den Bürger regelt,
dem Gebot der Normenklarheit entspricht undden Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachtet.
Bundesbeauftragter für Datenschutz, BfD-Info 1, Bonn 2004, S. 2 
Dies bedeutet, dass nur das absolute Minimum an Daten über das Individuum gesammelt wer-den darf, diese Sammlung einen bestimmten und definierten Zweck verfolgt und nicht für an-dere Zwecke verwendet werden darf sowie entsprechende Kontrollmöglichkeiten zum Schutz der Rechte für den Einzelnen ergriffen werden. Die Gefahr einer umfassenden Persönlichkeits-überwachung leitet Datenschutzdiskussion und Rechtsprechung und wird durch zunehmend digitale und globale Lebensbezüge verschärft.
Die Vorratsdatenspeicherung
Bis März 2010 regelte das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und
anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG die Vorratsdatenspeicherung (die FDP-Fraktion stimmte 2008 bei der Abstimmung im Deut-schen Bundestag geschlossen gegen das Gesetz). Dieses Gesetz erlaubte eine siebenmonatige Speicherung der Kommunikationsdaten – nicht der Inhalte – und ermöglichte so die Erstellung von Persönlichkeits- und Bewegungsprofilen. Sowohl BVerfG (Verstoß gegen Art. 10 Abs. 1 GG) als auch der EuGH (Änderungen der EU-Richtlinie) haben mittlerweile die Vorratsdatenspeiche-rung in der geltenden Fassung beanstandet. Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leut-heusser-Schnarrenberger setzte 2011 dem Modell der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung das
Modell einer anlassbezogenen Vorratsdatenspeicherung entgegen: Nur dann, wenn ein hinrei
-chender Anlass vorliegt, darf eine Speicherung von Verkehrsdaten der jeweiligen Personen er-folgen. Die Datensicherung betrifft existierende Daten, die zeitlich begrenzt verwahrt und ver-wertet werden dürfen („Einfrieren“). Eine solche vorübergehende Sicherung bedarf zwingend
 
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einer vorausgehenden Anordnung der Strafverfolgungsbehörden. Bestandsdatenauskünfte sind nach richterlicher Entscheidung möglich, nach Mitteilung der Telekommunikationsunterneh-men ist die Speicherung einer IP-Adresse für die Frist von sieben Tagen erlaubt.Der liberale Gesetzentwurf wurde vom Koalitionspartner CDU/CSU abgelehnt.
2. Rechtliche Grundlagen für Datenschutz in der Europäischen Union
Grundlage des Datenschutzes auf europäischer Ebene ist die Charta der Grundrechte der Eu-ropäischen Union vom 7. Dezember 2000. Hier wird in Artikel 7 der Schutz der persönlichen Sphäre einschließlich der Kommunikation und in Artikel 8 der Schutz personenbezogener Daten geregelt.
Artikel 7: Achtung des Privat- und Familienlebens
 Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung sowie ihrer Kommunikation.
Artikel 8: Schutz personenbezogener Daten
(1) Jede Person hat das Recht auf Schutz der sie betreffenden personenbezogenen Daten.(2) Diese Daten dürfen nur nach Treu und Glauben für festgelegte Zwecke und mit Einwil-ligung der betroffenen Person oder auf einer sonstigen gesetzlich geregelten legitimen Grundlage verarbeitet werden. Jede Person hat das Recht, Auskunft über die sie betref-fenden erhobenen Daten zu erhalten und die Berichtigung der Daten zu erwirken.(3) Die Einhaltung dieser Vorschriften wird von einer unabhängigen Stelle überwacht.
C 364/10 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 18.12.2000 
Dieser Schutz und damit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung leitet sich nach An-sicht des Europäischen Parlamentes auch aus Art. 8, Recht auf Achtung des Privat- und Fami-lienlebens, der Europäischen Menschenrechtskonvention ab:
(1) Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Woh
-nung und ihrer Korrespondenz.
(2) Eine Behörde darf in die Ausübung dieses Rechts nur eingreifen, soweit der Eingriff
gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer.Personenbezogene Daten dürfen nur für bestimmte Zwecke und unter Einwilligung des Be-troffenen verarbeitet werden oder aufgrund einer spezifischen gesetzlichen Grundlage. Die Überwachung der Einhaltung dieser Vorgaben durch unabhängige Datenschutzkontrollstellen ist
integraler Bestandteil 
 dieser rechtlichen Regelung. (Auf dieser Basis hat das EU-Parlament Klage gegen die EU-Kommission wegen der verbindlichen Speicherung von Verkehrsdaten der EU-Bürger erhoben.) Die Charta der Grundrechte ist ein integraler Bestandteil des Verfas-
sungsvertrages der Europäischen Union. Neben der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union und im Vertrag von Lissabon bietet Artikel 16 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union die Rechtsgrundlage für datenschutzrechtliche Vorschriften überall dort, wo EU-Recht angewendet wird.

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