Für seine Entfaltung braucht ein Kind den Respekt seiner Bezugsperso-nen, Toleranz für seine Gefühle, Sensibilität für seine Bedürfnisse undKränkungen, die Echtheit seiner Eltern, deren eigene Freiheit - und nichterzieherische Überlegungen - dem Kind natürliche Grenzen setzt.Nahezu 10 Jahre sind vergangen, seitdem meine ersten drei Büchererschienen sind: Das Drama des begabten Kindes, 1979, Am Anfangwar Erziehung, 1980, Du sollst nicht merken, 1981. Trotzdem haben dieFakten und Zusammenhänge, die ich hier aufgrund meiner langjährigenPraxis aufzeige, weder an Geltung noch leider an Aktualität verloren.Was sich aber radikal verändert hat, ist meine hoffnungsvolle Haltungder Psychoanalyse gegenüber, von der ich mich schließlich, im Jahre1988, auch offiziell getrennt habe, indem ich aus der schweizerischenund der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgetretenbin. Zu diesem Schritt zwang mich die Erkenntnis, dass diepsychoanalytische Theorie und Praxis die Ursachen und Folgen vonKindesmisshandlungen verschleiern bzw. sie unkenntlich machen, unteranderem, indem sie Fakten als Phantasien bezeichnen, und dass solcheBehandlungen gefährlich sein können, wie es bei mir der Fall war, weilsie die Verwirrung aus der Kindheit zementieren, statt sie aufzulösen.Das habe ich vor zehn Jahren noch nicht so klar gewusst. Denn meinStudium der Philosophie, meine Ausbildung in Psychoanalyse und derenAusübung hinderten mich lange, viele Tatsachen wahrzunehmen. Erstals ich bereit war, meine Verdrängung aufzuheben, meine Kindheit ausdem Gefängnis der pädagogischen Meinungen und derpsychoanalytischen Theorien zu befreien, als ich die Ideologie desVergessens und Verzeihens ablehnte, mich mit dem misshandelten Kindverbündete und dank meiner Therapie fühlen lernte, entdeckte ichallmählich meine bisher verborgene Geschichte.
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