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Alice Miller Am Anfang war ErziehungSuhrkamp
Alice Miller studierte in Basel, wo sie 1953 in Philosophie doktorierte.Anschließend bildete sie sich in Psychoanalyse aus, die sie zwanzigJahre lang in Zürich ausübte. 1980 gab sie ihre Praxis und Lehrtätigkeitauf, um die Kindheit systematisch zu erforschen. Sie veröffendlichtemehrere Bücher über die Ursachen und Folgen vonKindesmisshandlungen, die sie für die Destruktivität undSelbstdestruktivität des Menschen verantwortlich macht. 1988 erhielt siein New York den Janusz-Korczak-Preis. 1988 erklärte sie ihren Austrittaus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA), weil sieder Meinung ist, dass die psychoanalytische Theorie und Praxis denehemaligen Opfern der Kindesmisshandlungen verunmöglicht, dies zuerkennen und die Folgen der Verletzungen aufzulösen.»Was dem Kind in den ersten Lebensjahren passiert, schlägt unweiger-lich auf die ganze Gesellschaft zurück. Psychosen, Drogensucht, Krimi-nalität sind ein verschlüsselter Ausdruck der frühesten Erfahrungen.Diese Erkenntnis wird meistens bestritten oder nur intellektuell zugelas-sen, während die Praxis (die politische, juristische oder psychiatrische)noch stark von mittelalterlichen, an Projektionen des Bösen reichenVorstellungen beherrscht bleibt, weil der Intellekt die emotionalen Be-reiche nicht erreicht«Alice Miller öffnet uns in diesem Buch die Augen über die verheerendenFolgen der Erziehung - die ja nur das Beste für das Kind will. Sie tut daseinmal durch eine Analyse der »pädagogischen Haltung« und zum an-deren durch die Darstellung der Kindheit einer Drogensüchtigen, einespolitischen Führers und eines Kindesmörders.
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Für seine Entfaltung braucht ein Kind den Respekt seiner Bezugsperso-nen, Toleranz für seine Gefühle, Sensibilität für seine Bedürfnisse undKränkungen, die Echtheit seiner Eltern, deren eigene Freiheit - und nichterzieherische Überlegungen - dem Kind natürliche Grenzen setzt.Nahezu 10 Jahre sind vergangen, seitdem meine ersten drei Büchererschienen sind: Das Drama des begabten Kindes, 1979, Am Anfangwar Erziehung, 1980, Du sollst nicht merken, 1981. Trotzdem haben dieFakten und Zusammenhänge, die ich hier aufgrund meiner langjährigenPraxis aufzeige, weder an Geltung noch leider an Aktualität verloren.Was sich aber radikal verändert hat, ist meine hoffnungsvolle Haltungder Psychoanalyse gegenüber, von der ich mich schließlich, im Jahre1988, auch offiziell getrennt habe, indem ich aus der schweizerischenund der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgetretenbin. Zu diesem Schritt zwang mich die Erkenntnis, dass diepsychoanalytische Theorie und Praxis die Ursachen und Folgen vonKindesmisshandlungen verschleiern bzw. sie unkenntlich machen, unteranderem, indem sie Fakten als Phantasien bezeichnen, und dass solcheBehandlungen gefährlich sein können, wie es bei mir der Fall war, weilsie die Verwirrung aus der Kindheit zementieren, statt sie aufzulösen.Das habe ich vor zehn Jahren noch nicht so klar gewusst. Denn meinStudium der Philosophie, meine Ausbildung in Psychoanalyse und derenAusübung hinderten mich lange, viele Tatsachen wahrzunehmen. Erstals ich bereit war, meine Verdrängung aufzuheben, meine Kindheit ausdem Gefängnis der pädagogischen Meinungen und derpsychoanalytischen Theorien zu befreien, als ich die Ideologie desVergessens und Verzeihens ablehnte, mich mit dem misshandelten Kindverbündete und dank meiner Therapie fühlen lernte, entdeckte ichallmählich meine bisher verborgene Geschichte.
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