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Exportgegen MuttermilchDer tödliche Fortschritt durchBabynahrung
Eine Dokumentation der Arbeitsgruppe Dritte Welt BernRowohlt
 
 
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Zu diesen Buch «Nestle mag vor Gericht gehen und den Prozeß mit juristischen Details gewinnen. Aber als Teil eines weitverbreiteten und erfolgreichen Versuchs -wovon Säuglingsnahrung nur ein kleiner Teil ist - die kulturelle und soziale Integrität verwundbarer Gesellschaften zu untergraben, ist Nestle eindeutig schuldig» («International Herald Tribune», 15.
9.
1975)- Der «Fortschritt» verändert die Gesellschaften der Dritten Welt nicht nur durch Autobahnbau und Tanzerimport, sondern er greift unmittelbar in die zentralen Lebensbereiche der Menschen ein. Mit ungeheurem Werbeaufwand versuchen Großkonzerne, die Mütter Asiens, Afrikas und Lateinamerikas davon zu überzeugen, daß die Muttermilch altmodisch und daß Ersatzmilchpulver fortschrittlich sei. Die Werbe- und Verkaufsstrategien für diesen «Importschlager» berühren folgende Aspekte: 
*
In ohnehin armen Ländern wird die Muttermilch millionenfach entwertet und dadurch vernichtet.* In Gesellschaften, in denen ein Großteil der Menschen in Subsistenzwirtschaft lebt, wird der Kauf von Babynahrung durch Geld geradezu erzwungen.* Da das Notprodukt Milchpulver in den hochindustrialisierten Gesellschaften, wo die Stillbereitschaft und -fähigkeit immer mehr zurückgeht, auch einen hochentwickelten Hygieneapparat voraussetzt,ist die Zahl der schweren Krankheits- und Todesfälle, vor allem bei afrikanischen Babies, sprunghaft gestiegen.* Dieser Milchpulverexport hat nicht das Geringste mit Entwicklungspolitik zu tun: er ist das Gegenteil. Er vernichtet die Fähigkeit der Mütter, ihre Kinder zu nähren.
1973
hieß es in einem Report der Weltgesundheitsorganisation: «Unter den Babies in Chile, die vor dem dritten Lebensmonat die Flasche erhielten, gab es dreimal so viele Tote wie unter den rein mit der Brust ernährten.»Die vorliegende Dokumentation wurde von der Schweizer Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern nach ihrem Prozeß gegen den Nestle-Konzern zusammengestellt.Von dieser Arbeitsgruppe haben an der Zusammenstellung des Buches insbesondere mitgearbeitet: Christoph Kurth, Rüdiger Schleicher und Hans K. No 
 
 
3
 
November 1974 
(Aus:
Die Weltwoche,
13. November 1974)Umstrittener Milchersatz«Nestle tötet Babies» - Tatsache oder Verleumdung?
Der Nestle-Konzern strengt gegen die «Arbeitsgruppe Dritte Welt» gleich zwei Strafprozesse wegen «Verleumdung» und «übler Nachrede» an.Nestles Gegenparteien wollen die Gelegenheit beim Schopfpacken und diese Prozesse zu einer öffentlichen Anklage gegen die Schweizer Weltfirma benutzen.
Um den «Versuch eines multinationalen Konzerns, eine entwicklungspo-litische Arbeitsgruppe mundtot zu machen», handelt es sich nachAnsicht der «Schweizerischen Arbeitsgruppen für Entwicklungspolitik»(Safep). Das Streitobjekt ist eine im März 1974 von der englischenHungerhilfsorganisation «War and want» veröffentlichte Untersuchungmit dem Titel
<The Babykiller),
von der «Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern»mit dem Titel
<Nestle tötet Babies> 
in deutscher Übersetzung verbreitet.Wegen des «sich durch die gesamte Schrift durchziehenden Vorwurfs,die Firma Nestle Alimentana AG arbeite in Ländern der Dritten Welt mitunkorrekten Werbemethoden für die Produkte und versuche, dieeinheimische Bevölkerung von der Ernährung der Säuglinge mitMuttermilch abzubringen und den eigenen Produkten zuzuwenden»,fühlt sich der Nestle-Konzern in seiner Ehre verletzt (üble Nachrede oder Verleumdung) . . .In der Broschüre
(Nestle tötet Babies> 
wird behauptet, daß immer mehr Mütter in den Entwicklungsländern dazu gebracht werden, vomtraditionellen Stillen auf die hochgezüchteten Produkte der westlichenErnährungsindustrie überzugehen. Die Folgen für die Säuglinge seienfatal: während Muttermilch einwandfrei, gefahrlos und erst noch gratissei, brauchten die Ersatzprodukte einen hygienischen Standard (saubereKüchen, sterilisierte Saugflaschen), wie er in der Dritten Welt nur seltenanzutreffen ist. Weil die Milch zudem (im Vergleich zu den Einkommen)sehr teuer ist, «strecken» viele Mütter die Milch: Infektionen, Magen/Darm-Erkrankungen, Unterernährung und als Resultat geistige undkörperliche Schädigung und Tod seien die Folgen für die kleinen Kinder.Für den verhängnisvollen Trend zur Flasche sei - so die englischeUntersuchung - zu einem Teil die gewaltige Werbemaschinerie der Milchkonzerne verantwortlich. Nestle propagiere ihre Produkte durcheinprägsame Radioslogans, verteile riesige Mengen von Gratismustern
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