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Herbert Martius 1924-2009

Herbert Martius 1924-2009

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Published by Werner Krebber
Text über den Erlanger Künstler Herbert Martius, der zuerst im Katalog des Kunstvereins Coburg erschien.
Text über den Erlanger Künstler Herbert Martius, der zuerst im Katalog des Kunstvereins Coburg erschien.

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Published by: Werner Krebber on Oct 18, 2009
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10/18/2009

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Herbert Martius
Erlangen | 9. Juli 1924 – 17. Oktober 2009
 
 
Erst relativ spät habe ich Herbert Martius kennengelernt. Es war 1980 anlässlich einer Reise in diedamalige Sowjetunion mit meiner Frau. Erst kurz vor dem Rückflug kamen wir – wenn auch zunächst indirekt über seine Frau, Irmgard Martius-Busch, - miteinander ins Gespräch. Und es wurde dann inder Folgezeit ein intensiver Gesprächsfaden gesponnen; meine Frau und unsere Kinder einbezogen. Esging um das gegenseitige Aufspüren der Lebenswelten anderer. Kennengelernt habe ich auf dieseWeise den Menschen und Künstler Herbert Martius, und das Werk von Herbert Martius. Mit Ihnen,den Lesern dieses Textes, will ich mich auf den Weg machen, einen Einblick in die Wirklichkeit einesMenschen zu gewinnen, der durch seine Kunst Realitäten schafft, die immer wieder neu zumNachdenken anregen wollen.
Einheit von Künstler und Werk
Wer sich mit Herbert Martius auseinandersetzt – im besten Sinn des Wortes – stellt nach kurzemfest: Mensch, Künstler und Werk bilden bei ihm eine untrennbare Einheit.Herbert Martius ist kein bequemer Mensch, niemand, der sich anbiedert, der um des schnellenErfolges willen Kompromisse schließt, niemand, der sich anderen aufdrängt, niemand, der sich selbstals das Maß aller Dinge sieht.Hoch aufgeschossen geht er mit wachem Blick durch die Welt, betrachtet Menschen, Gegebenheiten,Realitäten ebenso wie mythische und religiöse Vorstellungen im weitesten Sinn und das über denTellerrand eurozentristischer Vorstellungen hinaus – immer offen für Neues.Herbert Martius ist einerseits ein außerordentlich bescheidener Mensch, der in seinem Umfeldimmer schlicht lebt, fast spartanisch. Schon ein kurzer Blick in seine Wohnung und sein Atelier lässtdeutlich werden, wie einfach hier einerseits ein Mann lebt, der andererseits durch Ausstellungen undArbeiten weltweit Beachtung findet. Diese scheinbare Bescheidenheit ist jedoch, kennt man HerbertMartius näher, nur äußerlich.Mit der äußerlichen Bescheidenheit einher gehen hohe Ansprüche an Qualität, an Perfektion, anGestaltungskraft, die er nicht nur anderen, sondern vor allem sich selbst abverlangt. Das macht denUmgang mit ihm nicht leichter, es macht ihn aber auch sympathisch, weil er eben nicht mehr vonanderen fordert, als er selbst gibt.Mit dieser – noch recht vorläufigen – Sicht ist man, bin ich, bei dem Künstler und seinem Werk, auchwenn ich den Menschen nicht hintanstellen möchte.Schon am äußeren Auftreten von Herbert Martius wird deutlich, dass es sich hier nicht um einenMenschen handelt, der auf modische Richtungswechsel, auf platte Wirkungen oder Trends schielt.Hat er doch selbst ein in sich ruhendes Gespür dafür, sich nicht anzubiedern. Er ist einer, der dieHerausforderung provoziert. Das ist gut so und heute – gerade auch in seiner Generation wie bei
 
 jüngeren Kollegen, die sich um des schnellen Geldes oft dem „Markt“ anzupassen versuchen – leiderselten geworden.Herbert Martius geht es – formal wie inhaltlich – um Positionen, die er auf seine spezifische Art undWeise ausfüllt und ausfüllen will: Qualitativ, quantitativ, in unterschiedlichsten Techniken,Gestaltungsmitteln, Formaten.Beton beispielsweise ist für ihn kein dämonischer Werkstoff, den es zu bekämpfen gilt. Wo andereBeton als eine fast tödliche Gefahr sehen, die Stadt und Landschaft zu zerstören droht, wandeltHerbert Martius die Grundstruktur dieses Materials in die Vorgabe eines Grundstoffes um, den es zubearbeiten, aber auch zu gestalten gilt. Das vom Material her vorgegebene „Grau“ reicht ihm nicht.Er schneidet, drückt, drängt in den Beton hinein und gestaltet damit außerordentlich kreativeStrukturen. Doch Martius bleibt dabei nicht stehen. Er bereichert diese Strukturen noch durch dieKraft leuchtender Farben.Keramik als Endprodukt, Ton als Material, ist ein anderer Werkstoff, den Herbert Martius ebensoselbstverständlich mit in seine künstlerische Arbeit einbezieht.In seinem Atelier steht eine der größeren Keramik-Skulpturen, vor deren Umsetzung er von anderenFachleuten gewarnt worden war. Deutlich habe ich diese Plastik vor Augen: Ein mächtig wirkendesTier, stiergleich, das grau/weiß gezeichnet und gestaltet, nach vorne blickend, offenbar nach Achtungschreit.Eine solche Keramik, in der Große, dann noch massiv, so hieß es damals, könne man gar nichtbrennen, sie müsse zwangsläufig bereits im Brennofen zerspringen. Das Gegenteil war richtig; sie hatschon viele Jahre ihre Kritiker überlebt. Noch heute behauptet sie ihren Platz, ist Beleg dafür, immerwieder neu unmöglich Scheinendes mit Recht zu wagen.Beton und Keramik habe ich bislang nur kurz als ein Synonym für die gesamte Arbeit von HerbertMartius angesprochen; geht es hier doch um zwei Materialien, die von ihrer Konsistenz her zu einerAuseinandersetzung geradezu drängen, dazu aufrufen, sich ihnen zu stellen. Doch es sind eben auchMaterialien, die der Psyche von Herbert Martius besonders nahezukommen scheinen. Deshalb vorallem, weil sie danach rufen, dass man sich an ihnen reibt, an ihnen wächst, sich an ihnen„abarbeitet“. Gemeint ist damit konkret, dass hier ein Prozess stattfindet, bei dem sich die innereÜberzeugung, die innere Kraft sehr direkt auf ein anderes Medium überträgt. Das ist nichtnachzustellen, sondern nur sehr direkt an sehr konkreten Arbeiten nachvollziehbar, so wie HerbertMartius sie präsentieren kann.Beton und Keramik sind in dem Gesamtwerk von Herbert Martius nur Elemente, Spuren, Teile. DasWerk ist weit umfangreicher, vielseitiger und wesentlich facettenreicher. Auch das hat – so denke ichund es ist wohl auch aus dem Werk ablesbar – seine Gründe in der Psyche und Biographie vonHerbert Martius.

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