Offizier sein, was heißt das?
An den vorigen Artikel der Serie „Offizier sein, was heißt das?“anschließend, sei noch hinzugefügt, dass es ebenso undenkbar ist, dassOffiziere für sich das Privileg in Anspruch nehmen, die Tracht will-kürlich zu verändern. Genau diese Offiziere möchten gleichzeitig ger-ne mit den Finger auf Schützen und Marketenderinnen zeigen, dieihrer Meinung nach nicht korrekt gekleidet sind. Es ist auch hier wie-der darauf hinzuweisen, auch wenn es eigentlich für jeden eine Selbst- verständlichkeit sein sollte, Schützenoffiziere sind in erster Linie„Schützen“ und werden nur auf Zeit mit einem Amt betraut. Aber fah-ren wir fort und kommen wir zum zweiten Kriterium, welches einenOffizier kennzeichnen sollte.
b.) Die Ausstrahlung:
Das Auftreten eines Schützenoffiziers soll ruhig, gelassen undselbstsicher wirken, dies aber ohne Arroganz. Er muss Selbstdisziplinund Verlässlichkeit besitzen, selbstkritisch und bescheiden sein, ohneUnterwürfigkeit.Ein Schützenoffizier soll Ansehen und gesellschaftliche Kontakte inder Gemeinde (Pfarrer, Verbände, Vereine usw.) besitzen. Er muss sichbewusst sein, dass sein Verhalten in der Öffentlichkeit wie im Privatenauf das Ansehen der Kompanie (Bataillon, Bezirk, Bund) abfärbt. Die Würde (und Bürde) eines Schützenoffiziers trägt man immer, mankann sie nicht je nach Opportunität an- oder ablegen.Ein Schützenoffizier hat die Zielsetzungen und Ideale des Schüt-zenwesens, die allgemeine Gültigkeit haben, in Verbänden und Partei-en, denen er angehört, einzubringen und nicht umgekehrt, Lobby für eine Interessensgruppe zu machen. Nicht jeder kann ein guter Redner sein, aber klare Sprache und gute Aussagen kann man sich aneignen.Die Deutlichkeit und Klarheit seiner Aussagen können durch etwasDiplomatie in ihrer Härte gemildert werden, dürfen dabei aber ihrenInhalt nicht verlieren oder verwaschen wirken.Schützenoffiziere müssen sagen, was sie denken und tun, was siesagen, sonst verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit.
c.) Das Verhalten:
Wie unser Verband ohne Zweifel seine Wurzeln im soldatischenBereich hat, so haften ihm auch starke demokratische Züge an. Sowird auch das Verhalten eines Schützenoffiziers innerhalb und außer-halb der Kompanie sowohl nach militärischen Gesichtspunkten, alsauch nach den Regeln der üblichen Umgangsformen gemessen bzw.hat er sich danach zu richten.Der Schütze in Tracht ist immer im Dienst, auch außer Dienst ist er immer Schütze!Nach militärischen Gesichtspunkten soll er strammes und aufrech-tes Gehen, eine saubere Adjustierung (Hutschmuck, Schuhputz, Fest-abzeichen usw.) und gerade Haltung zeigen. Innerhalb der Formationist Rauchen, Sprechen und Verlassen seiner Position ungehörig undunerlaubt - wo bleibt sonst das Vorbild für die Schützenkameraden?Es ist immer wieder ärgerlich und anstößig, wenn Ehrengäste beim Aufmarsch quasseln, winken und die Marschordnung stören.Nach den Regeln der üblichen Umgangsformen soll ein Schützen-offizier sich also zuvorkommend, diszipliniert und höflich geben, einegute sprachliche Ausdrucksform haben, den Überblick über sich undseine Männer wahren und nüchtern sein, sei es in der Beurteilung der Situation als auch sonst.
3Nummer 5 - Oktober 2004
Ankündigung:
Von Wittelsbach zu Habsburg
Maximilian I. und der Übergang der GerichteKufstein, Rattenberg und Kitzbühel von Bayernan Tirol 1504–2004
Eine Tagung des Tiroler Landesarchivs der Universität Innsbruck undder Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayeri-schen Akademie der Wissenschaften
15.-16. Oktober 2004, Tiroler Landesarchiv,Michael-Gaismair-Str. 1, 6020 Innsbruck
Am 17. Oktober 1504 eroberte Maximilian I. nach schweremKampf die Festung Kufstein. Das spektakuläre Geschehen vondamals, das in der Enthauptung Pienzenauers und seiner Gefährtengipfelte, ist zwar im Bewusstsein der Tiroler Bevölkerung sehr leben-dig geblieben, hat zugleich aber den Blick auf die Komplexität die-ses weit ausgreifenden Konflikts verstellt und ihn auf dieses einelokale Ereignis reduziert.Das Tiroler Landesarchiv nimmt die 500-jährige Wiederkehr die-ses Ereignisses zum Anlass, das damalige Geschehen kritisch undumfassend zu beleuchten und in einen größeren Kontext zu stellen. Acht Referenten aus Bayern und Tirol werden im Rahmen diesesSymposiums nicht nur die militärischen Aspekte dieses wittelsbachi-schen Erbfolgekrieges herausarbeiten, sondern auch die archivalischeÜberlieferung, die politisch-diplomatischen Hintergründe sowie die Auswirkungen des Herrschaftswechsels in den drei Gerichten Kitz-bühel, Kufstein und Rattenberg behandeln und diskutieren.Gerade die Annäherung von zwei Seiten an dieses Thema, dieBetrachtung des Jahres 1504 aus bayerischer und tirolischer Per-spektive, kann dazu beitragen, das bisherige, vor allem von Brüchenund Grenzen geprägte Geschichtsbild durch eine Sichtweise zu erset-zen, die auch die trotz Herrschaftswechsels vorhandenen Kontinuitä-ten berücksichtigt.
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