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Mitteilungsblatt der Schützen der Alpenregion
Nummer 5Bozen, Innsbruck, Weyarn, Kronmetz im Oktober 200428. Jahrgang
Grüß mir die Heimat . . .
 Vor wenigen Wochen hat sich zum 40. Male der Todestag von Luis Amplatz gejährt. Der damalige Fahnenleutnant der Schützenkompanie Gries war Opfer eines heimtückischen Mordesgeworden; mit drei Schüssen aus einer Beretta wurde er von einem Spitzel der italienischenGeheimdienste in einer Almhütte hoch über dem Passeiertal im Schlaf erschossen. Die Tat bliebbis heute ungesühnt. Unvergessen sind aber der Heldenmut und die Freiheitsliebe dieses Man-nes aus dem Kreise der Südtiroler Freiheitskämpfer der 60er Jahre, dessen Leben der heutigeLKdt. des Südtiroler Schützenbundes und damalige Kamerad in der Schützenkompanie Gries,Mjr. Paul Bacher, hier nachzeichnet:
Luis Amplatz
wurde am 28. August 1926 in Gries bei Bozen geboren. Schon als Kinderkrankte Luis an einer doppelseitigen Lungenentzündung und wurde in das allgemeine Kran-kenhaus in Trient eingeliefert. Dort war er drei lange Jahre in Behandlung und verlernte folg-lich die deutsche Sprache völlig.Nach seiner Genesung blieb ihm nun keine andere Wahl, als die italienische Schule zu besu-chen; nur nebenbei konnte er in einer so genannten „geheimen Katakombenschule“ ein wenigseine Muttersprache erlernen.Der junge Grieser Schulbub weigerte sich, die Balilla Uniform (die Einheitsuniform der faschistischen Jugendorganisation) anzuziehen, das missfiel seinen Lehrern und es setzte einegehörige Tracht Prügel. Bei seinen Klassenkameraden war er wegen seines lustigen Wesens aber nach wie vor sehr beliebt.Im Jahre 1935 nahm die große Verbauungspolitik in Bozen ihren Anfang; man enteignetedie schönsten landwirtschaftlichen Gründe, um dort Fabriken und Volkswohnungen für Zuwanderer aus dem Süden zu bauen, nur wenige Meter von seinem Grundstück entfernt.
Schützenwallfahrt in Absam………………6Schützenkalender 2005………………………7Bataillone und Bezirke ………………………9Leserbriefe …………………………………………14»Hui & Pfui« ………………………………………14Die Seite der Marketenderinnenund Jungschützen ………………………………19Wir gratulieren ………………………………20Gesamttiroler Schützenchronik …………22Totengedenken …………………………………30Ehrungen für langjährige Treue ………32Seligsprechung von Kaiser Karl ……………6
 Versand im Postabonnement Art. 2, Abs. 20c, Ges. 662/96 Fil. Bozen Verlagspostamt 6020 Innsbruck - P.b.b. - 02Z030036
I.R.
Berichte aus Bayern………………………………15
Der Grabstein von Luis Amplatz, Südtiroler Freiheitskämpfer der 60er Jahre, am Friedhof in Bozen.Die Worte könnten für ihn nicht treffender sein wenn es heißt: „Freund, der du die Sonne noch schaust,grüß mir die Heimat, die ich mehr als mein Leben geliebt.“
 
Nummer 5 - Oktober 20042
Die Boshaftigkeiten gegenüber der bäuerlichen Bevölkerung nah-men täglich zu und nicht selten kam es zu Prügeleien zwischenZuwanderern und Einheimischen.In diesem Milieu, das Unrecht immer mehr erkennend, wuchs Luis Amplatz auf.Das Aushängen der Tiroler Fahne war in dieser Zeit strengstens verboten, dem Luis jedoch war es eine wahre Freude, an den waghal-sigsten Orten (Hochstromleitungen, Felsen usw.) Tiroler Fahnen zu his-sen. Viel zu schnell entschwand die Jugendzeit und das eingetreteneUnglück des Zweiten Weltkriegs ging auch an dem jungen heimatbe-wussten Luis nicht spurlos vorüber.1944 wurde er nach Schlanders zum Polizeiregiment Alpenvorlandeinberufen und nach seiner Ausbildung schließlich zum Partisa-neneinsatz nach Oberitalien geschickt. Von den Amerikanern gefan-gen genommen kam er nach Süditalien, von wo er - seinem freiheits-liebenden Wesen entsprechend - ausbrach und in seine Heimat flüch-tete.Nach dem Krieg heiratete Luis Amplatz, wurde Vater von drei Kin-dern und bearbeitete als Kleinbauer in der Kaiserau seine kleines Obst-gut. Damit es zum Leben für ihn und seine Familie reichte, musste er zusätzlich auch landwirtschaftliche Gelegenheitsarbeiten in den Wein-gärten und als Tagelöhner annehmen. Obwohl er in Sichtweite der qualmenden Industriezone wohnte und sich öfters für ein festes Gehaltund ein Minimum an sozialer Absicherung für seine Familie bemühte,hatte er, wie damals so viele Südtiroler, keine Chance, dort eine Anstellung zu bekommen.In seiner Entschlossenheit, endlich dem tatenlosen Zusehen der Politik Abhilfe zu schaffen, schloss er sich den Südtiroler Freiheits-kämpfern an. Unvergessen ist sein Auftritt bei der Kundgebung imJahre 1957 auf Schloss Sigmundskron, wo er auf einem Mauergesimsin schwindelnder Höhe stehend patriotische Parolen in die Menge rief.Bereits vor der „Feuernacht“ im Juni 1961 führte Luis Amplatzdemonstrative Sprengstoffanschläge auf in Bau befindliche Volks-wohnhäuser durch, die für die italienischen Zuwanderer bestimmtwaren. Der großen Verhaftungswelle nach der Herz-Jesu-Nacht desJahres 1961 entkam er und konnte sich durch eine dramatische Fluchteiner Verhaftung entziehen. In Österreich angekommen, wurde er vonden Behörden nach Wien verbannt.Seine Liebe zur Heimat und seiner Familie war jedoch stärker alsdie Angst erwischt zu werden. Vom Heimweh geplagt nahm er, mitseinem Freund und Schützenkameraden Jörg Klotz, den gefährlichen Weg über die Berge auf sich, um wenigstens für kurze Zeit in seineHeimat zurückzukehren. Wohl wissend, dass eine Verhaftung eine lan-ge Zeit der Haft nach sich ziehen könnte. Beide, Amplatz und Klotz,übernachteten in einer Almhütte im Passeiertal. Dabei wurden sie vom vermeintlichen Freund Christian Kerbler, der von ihrem Vorhabeninformiert war und zugleich für den italienischen Geheimdienstarbeitete, verraten. Am 7. Sep-tember 1964, wie zu AndreasHofers Zeiten, führte der Verrä-ter die Sicherheitskräfte auf die„Brunner Mahder“. Dorterschoss Luis Kerbler Amplatzund verletzte Jörg Klotz. Letzte-rem gelang schwer verwundetdie Flucht über die Grenze.Luis Amplatz war ein über-aus lustiger und geselliger Kamerad, dem die Zukunft sei-ner Heimat sehr am Herzen lag.Es stimmt traurig, wenn der Einsatz von Luis Amplatz mitden Terroranschlägen der Rotenund Schwarzen Brigaden und Anarchistengruppen verglichenwird.Luis Amplatz steht jenseitsder extremen Verfechter der  Anarchie und des Marxismus-Leninismus mit ihren men-schenverachtenden Beweggrün-den und Geheimdienstver-strickungen. Auch die jüngsten Ereignisse in Russland haben nichts,aber auch schon gar nichts mit dem Geiste der Freiheitskämpfer vondamals zu tun. Luis Amplatz war ein Idealist, ein Patriot, der immer  jegliches Blutvergießen verhindern wollte. Er forderte einzig undallein die Rechte unserer völkischen Minderheit ein, Rechte, die in den50er und 60er Jahren mit Füßen getreten wurden. Unsere Generation,unsere Wohlstandsgesellschaft kann nur voll Bewunderung auf Män-ner wie Luis Amplatz, Sepp Kerschbaumer, Jörg Klotz und alle ihreKampfesbrüder zurückblicken. Lassen wir ihre Opfer und die Opfer ihrer Familien nicht umsonst sein, lassen wir ihren aufrechten Ruf nach Freiheit nicht im Winde verhallen. Nehmen wir uns ein Beispielan ihrem ritterlichen Handeln und ihrem Einstehen für unsere Heimat. Wir, die wir bis heute das in der Geschichte unseres Landes selteneGlück hatten, von Krieg undUnheil verschont zu bleiben,bündeln wir unsere Kräfteund handeln wir im Gedenkenan die Männer, mit allen unszur Verfügung stehendenfriedlichen Mitteln, damit das Ansinnen eines Luis Amplatzirgendwann in Erfüllunggehen möge. Wir beugen uns in Ehr-furcht vor diesem für unsereHeimat gefallenen Freiheits-helden, welcher Gesundheit,Familie und sein Leben für unser Land aufs Spiel setzteund im Kampfe für eine bes-sere Zukunft unseres Landesmeuchlings ermordet wurde.Paul Bacher Landeskommandant
 Am Tatort erinnert noch einMarterle an die schrecklicheBluttat vom 7. September 1964Luis Amplatz als Oberjäger der Schützenkompanie GriesDie „Brunner Mahder“: Hier wurde Luis Amplatz von Christian Kerbler ermordet.
 
Offizier sein, was heißt das?
 An den vorigen Artikel der Serie „Offizier sein, was heißt das?“anschließend, sei noch hinzugefügt, dass es ebenso undenkbar ist, dassOffiziere für sich das Privileg in Anspruch nehmen, die Tracht will-kürlich zu verändern. Genau diese Offiziere möchten gleichzeitig ger-ne mit den Finger auf Schützen und Marketenderinnen zeigen, dieihrer Meinung nach nicht korrekt gekleidet sind. Es ist auch hier wie-der darauf hinzuweisen, auch wenn es eigentlich für jeden eine Selbst- verständlichkeit sein sollte, Schützenoffiziere sind in erster Linie„Schützen“ und werden nur auf Zeit mit einem Amt betraut. Aber fah-ren wir fort und kommen wir zum zweiten Kriterium, welches einenOffizier kennzeichnen sollte.
 b.) Die Ausstrahlung:
Das Auftreten eines Schützenoffiziers soll ruhig, gelassen undselbstsicher wirken, dies aber ohne Arroganz. Er muss Selbstdisziplinund Verlässlichkeit besitzen, selbstkritisch und bescheiden sein, ohneUnterwürfigkeit.Ein Schützenoffizier soll Ansehen und gesellschaftliche Kontakte inder Gemeinde (Pfarrer, Verbände, Vereine usw.) besitzen. Er muss sichbewusst sein, dass sein Verhalten in der Öffentlichkeit wie im Privatenauf das Ansehen der Kompanie (Bataillon, Bezirk, Bund) abfärbt. Die Würde (und Bürde) eines Schützenoffiziers trägt man immer, mankann sie nicht je nach Opportunität an- oder ablegen.Ein Schützenoffizier hat die Zielsetzungen und Ideale des Schüt-zenwesens, die allgemeine Gültigkeit haben, in Verbänden und Partei-en, denen er angehört, einzubringen und nicht umgekehrt, Lobby für eine Interessensgruppe zu machen. Nicht jeder kann ein guter Redner sein, aber klare Sprache und gute Aussagen kann man sich aneignen.Die Deutlichkeit und Klarheit seiner Aussagen können durch etwasDiplomatie in ihrer Härte gemildert werden, dürfen dabei aber ihrenInhalt nicht verlieren oder verwaschen wirken.Schützenoffiziere müssen sagen, was sie denken und tun, was siesagen, sonst verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit.
c.) Das Verhalten:
 Wie unser Verband ohne Zweifel seine Wurzeln im soldatischenBereich hat, so haften ihm auch starke demokratische Züge an. Sowird auch das Verhalten eines Schützenoffiziers innerhalb und außer-halb der Kompanie sowohl nach militärischen Gesichtspunkten, alsauch nach den Regeln der üblichen Umgangsformen gemessen bzw.hat er sich danach zu richten.Der Schütze in Tracht ist immer im Dienst, auch außer Dienst ist er immer Schütze!Nach militärischen Gesichtspunkten soll er strammes und aufrech-tes Gehen, eine saubere Adjustierung (Hutschmuck, Schuhputz, Fest-abzeichen usw.) und gerade Haltung zeigen. Innerhalb der Formationist Rauchen, Sprechen und Verlassen seiner Position ungehörig undunerlaubt - wo bleibt sonst das Vorbild für die Schützenkameraden?Es ist immer wieder ärgerlich und anstößig, wenn Ehrengäste beim Aufmarsch quasseln, winken und die Marschordnung stören.Nach den Regeln der üblichen Umgangsformen soll ein Schützen-offizier sich also zuvorkommend, diszipliniert und höflich geben, einegute sprachliche Ausdrucksform haben, den Überblick über sich undseine Männer wahren und nüchtern sein, sei es in der Beurteilung der Situation als auch sonst.
3Nummer 5 - Oktober 2004
 Ankündigung:
 Von Wittelsbach zu Habsburg
Maximilian I. und der Übergang der GerichteKufstein, Rattenberg und Kitzbühel von Bayernan Tirol 1504–2004
Eine Tagung des Tiroler Landesarchivs der Universität Innsbruck undder Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayeri-schen Akademie der Wissenschaften
15.-16. Oktober 2004, Tiroler Landesarchiv,Michael-Gaismair-Str. 1, 6020 Innsbruck
 Am 17. Oktober 1504 eroberte Maximilian I. nach schweremKampf die Festung Kufstein. Das spektakuläre Geschehen vondamals, das in der Enthauptung Pienzenauers und seiner Gefährtengipfelte, ist zwar im Bewusstsein der Tiroler Bevölkerung sehr leben-dig geblieben, hat zugleich aber den Blick auf die Komplexität die-ses weit ausgreifenden Konflikts verstellt und ihn auf dieses einelokale Ereignis reduziert.Das Tiroler Landesarchiv nimmt die 500-jährige Wiederkehr die-ses Ereignisses zum Anlass, das damalige Geschehen kritisch undumfassend zu beleuchten und in einen größeren Kontext zu stellen. Acht Referenten aus Bayern und Tirol werden im Rahmen diesesSymposiums nicht nur die militärischen Aspekte dieses wittelsbachi-schen Erbfolgekrieges herausarbeiten, sondern auch die archivalischeÜberlieferung, die politisch-diplomatischen Hintergründe sowie die Auswirkungen des Herrschaftswechsels in den drei Gerichten Kitz-bühel, Kufstein und Rattenberg behandeln und diskutieren.Gerade die Annäherung von zwei Seiten an dieses Thema, dieBetrachtung des Jahres 1504 aus bayerischer und tirolischer Per-spektive, kann dazu beitragen, das bisherige, vor allem von Brüchenund Grenzen geprägte Geschichtsbild durch eine Sichtweise zu erset-zen, die auch die trotz Herrschaftswechsels vorhandenen Kontinuitä-ten berücksichtigt.
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