• Embed Doc
  • Readcast
  • Collections
  • CommentGo Back
Download
 
Freiheit und Würde des Menschen
Zur Treue zu Gott und zum Erbe der Väter und Müt-ter gehört unweigerlich „Freiheit und Würde des Men-schen“. Freiheit braucht ein gutes Gedächtnis, ansons-ten lässt sie sich leicht kolonisieren und besetzen. DasFreiheitsbewusstsein erfuhr im Verlauf der Geschich-te Einfärbungen und auch Verdunkelungen. Es ist einWert, sich für Freiheit und Unabhängigkeit zu entschei-den. Freiheit heißt ja auch: Sich nicht besetzen lassen,sich nicht vereinnahmen lassen. Das inkludiert eine Un-abhängigkeit von fremden Machthabern, aber auch eineinnere Freiheit von herrschenden Meinungen und vonden Zwängen der Strukturen.Freiheit, das heißt andere nicht als Mittel für eigeneInteressen ge- oder missbrauchen. Freiheit, d.h. anderenicht hörig oder abhängig machen.Freiheit ist gefährdet, wenn sie auf Egoismus redu-ziert wird und von einem reinen Anspruchs- und Ver-sorgungsdenken geprägt wird.
(Fortsetzung siehe Rückseite Kalenderblatt Januar!)
S
chützen, beschützen, zum Schutzengel beten,Schutzmacht, Schutzbefohlene, Schutzman-telmadonna, Unter deinen Schutz und Schirm,Schutzbrille, Schutzbündnis, Schutzanzug, Schutzbrief,Schutzweg, Schutzraum, Schutzpatron, Schutzimp-fung, Schutzhütte, Schutzgeld, Schutzgelderpressung,Schutzhaft, Schutzgebühr, Knieschützer, Schützenhil-fe, Schutzherrschaft, Schützengraben, Schütze, Schie-ßender, Schützling, Flurschütz, Schutzmann (Polizist),Schützenbruder, Schützenfest, Schützenversammlung,Schützenbund.Das alles und noch mehr findet sich im Duden unterdem Stichwort Schutz, Schütze, Schützen.Zunächst bedeutete schützen im Mittelhochdeutschen„aufdämmen, (Wasser) aufstauen, das entwickelte sichdann zur Bedeutung: Schutz gewähren, beschirmen.Und der „Schütze“ stand zunächst im Zusammenhangmit „schießen“. Es meinte ursprünglich den Bogen-schützen, später den Armbrust- und Gewehrschützen.Unter dem Einfluss des Verbs „schützen“ war mit demSchützen auch der Feldhüter, d.h. der Flurschütz, ge-meint.
Der Wesenskern einer Institutionbesteht in ihrer geistigen Zielsetzung
Anknüpfend an die jahrhundertealte Tradition desSchützenwesens in Tirol wurden die Grundsätze desBundes der Tiroler Schützenkompanien in Anlehnungan die Präambel der Tiroler Landesverfassung einmütigbeschlossen. Sie lauten:Die Treue zu Gott und zum Erbe der Väter.Der Schutz von Heimat und Vaterland.Die geistige und kulturelle Einheit des ganzen Landes.Die Freiheit und Würde des Menschen.Die Pflege des Tiroler Schützenbrauches.
Treue zu Gottund zum Erbe der Väter und Mütter
In einer Zeit, in der Treue und Bindungsfestigkeitauf vielen Ebenen zu zerrinnen drohen, ist die Rück-besinnung auf das Bekenntnis unserer Väter und Müt-ter umso dringlicher. In unserer Zeit, in der der Glaubein weiten Teilen der Gesellschaft zu verlöschen drohtwie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, istdie allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen indieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zuöffnen. In unserem Land sind viele Kirchen und Kapel-len Zeugnisse für die Bindung der Tiroler an den leben-digen Gott. Die Schützen haben sehr viel für die Erhal-tung und Renovierung der Kirchen und Kapellen getan.„Der Glaube hat den Charakter dieses Landes und seineMenschen tief geprägt. Es muss daher ein Anliegen al-ler sein, nicht zuzulassen, dass eines Tages womöglich
Heimat gibt uns Halt
- Teil 1
Predigt von Bischof Manfred Scheuer beim Gottesdienst anlässlich der Bundes- und Festversammlungder Tiroler Schützen im Gedenkjahr 2009 in der Dogana in Innsbruck
Herausgegeben vom Bund der Tiroler Schützenkompanien - Innsbruck. Redaktion: EMjr. Karl Pertl, Völs. Herstellung: dtp Tyrol, Klaus Leitner, Innsbruck.
nur noch die Steine hierzulande vom Christentum redenwürden. Ein Tirol ohne lebendigen christlichen Glau-ben wäre nicht mehr Tirol.Es geht nicht um irgendeinen Gott, sondern um denGott, der am Sinai gesprochen hat; um den Gott, des-sen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1)- im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christuserkennen. „Dazu kommt die Notwendigkeit, dass alle,die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen,versuchen, einander näher zu werden, um so in derUnterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsamauf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöseDialog.“Diese Treue zu Gott verlangt persönlichen und ge-meinschaftlichen Umgang mit Gott, ruft zur Feier undEinhaltung des Sonntags. Der möglichst arbeitsfreieSonntag als gemeinsamer Tag größerer Ruhe ist einhohes Gut, dessen Preisgabe der ganzen Gesellschaftschweren Schaden zufügen würde. Uns Christen ist derSonntag heilig. Er ist ein Tag des Feierns vor Gott undmit Gott, ein Tag des Dankes für Schöpfung und Erlö-sung und ein Tag der Familie.
„Verantwortung tragen, einander Hüter und Beschützer sein.” Bischof Manfred Scheuer bei der Predigt in der Dogana. Die Gemeinschaft der Schützen bemüht sich, zwischen den Generationen Brücken zu schlagen. (Fotos: M. Wedermann)
 
D
ie Freiheit in unserem Land lebt von vielen Eh-renamtlichen, von den Netzwerken und von derFreundschaft, von der Gratisgabe der Zeit undvon der Solidarität. Zur Freiheit im christlichen Sinngehört die soziale Dimension des christlichen Glau-bens. Ein großes Vergelt’s Gott den Schützen für dieAllianz mit Kirche, Land und Gemeinden im sozialen,kulturellen und kirchlichen Bereich.Der umfassende Schutz des Lebens ist eine Grund-haltung der Bibel und damit der Christen. Die Fragenam Lebensanfang und Lebensende wie Embryonenfor-schung, Abtreibung und Euthanasie stehen in intensiverWechselwirkung mit dem Problem des Umgangs mit-ten im Leben: Zugang zu medizinischer Behandlungund Leistung, soziale Lebensbedingungen, Bildung alswichtige Grundlage für Lebenschancen, Vorsorge imAlter, Sicherheit, Frieden. Was um die Lebensrändergesellschaftlich besprochen wird, ist ein Signal für das,was uns künftig auch in der Lebensmitte betreffen kann.Der menschlichen Person kommt eine unantastbareWürde zu, die in der Gottebenbildlichkeit eines jedenMenschen und seiner Berufung zur Gotteskindschaftbegründet ist. „Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist deinBruder Abel? Kain entgegnete: Ich weiß es nicht. Binich denn der Hüter meines Bruders? (Gen 4,9)“ - DieBotschaft der Heiligen Schrift mutet uns zu, dass wireinander aufgetragen sind, einander Patron sind, für-einander sorgen,Verantwortung tragen, einander Hüter und Beschüt-zer sein. Das Evangelium traut euch, den Schützen, zu,dass ihr Freunde und Anwälte des Lebens seid, dass ihrLebensräume schafft, in denen in die Enge getriebeneMenschen Ja zum Leben sagen können. - Umso er-freulicher ist eure Bereitschaft, liebe Schützen, diesenGrundwert menschlichen Lebens hineinzutragen in dasneue Jahrtausend unserer christlichen Geschichte.
Der Schutz von Heimat- und Vaterland
Heimat gibt uns Menschen Halt. Heimatlosigkeit be-deutet Entwurzelung des Daseins und Entwurzelung isteine Krankheit. Sie betrifft nicht nur jene, die flüchtenmüssen oder aus anderen Gründen ihre Heimat verlas-sen. Und gar nicht so wenige haben hier bei uns keinseelisches Obdach, kein Zuhause mehr, weil sie keinenMenschen haben, weil sie nirgends dazu gehören.Die Treue zum Vater- bzw. Mutterland bedeutet,dessen Geschicke mitzutragen und mitzugestalten,dass dieses Land kostbare Heimat bleiben oder werdenkann.Wenn ihr bereit seid, die Schöpfung als Lebens-grundlage des Menschen - bis hin zu Fragen des Tran-sitverkehrs - zu bewahren, wenn ihr bereit seid, in Ka-tastrophen und Gefahren auch unter schweren Opfernden Mitmenschen zu helfen, dann verwirklicht ihr denGrundauftrag Jesu.
Die geistige und kulturelle Einheitdes ganzen Landes
Die Spannungen und Kriege vergangener Jahrzehn-te und Jahrhunderte sind Gott sei Dank einem freund-schaftlichen und bewussten Miteinander im HerzenEuropas gewichen. Es gibt keinen anderen Weg, dasGemeinsame zu stärken und zu fördern, als Begeg-nung, Dialog und Austausch auf allen Ebenen. Dass esda und dort - auch heute noch - Spannungen gibt, istHerausforderung, das Wesentliche zu gewinnen. AlsSchützen versteht ihr euch als Diener des Friedens, dervon Freiheit und Gerechtigkeit geprägt ist. Die Einheitdes Landes ist auch eine soziale Frage, eine Frage dersozialen Gerechtigkeit. Die Tiroler Landesverfassunghebt hervor, dass der innere und äußere Friede, dieFreiheit, die Gerechtigkeit und der Wohlstand für allenur zu schaffen sind, wenn die Verantwortung vor Gottund den Menschen wahrgenommen wird. Und es ist ei-ne Frage der Gerechtigkeit kommenden Generationengegenüber, wie wir mit der Umwelt, mit dem Lebens-raum, mit der Schöpfung umgehen.Einheit, das stellt euch vor die Aufgabe, mit Unter-schieden und Grenzen schöpferisch umzugehen. In je-der Schützenkompanie, in jeder Gruppe und in jedemVerein gibt es ganz unterschiedliche Menschen undTypen, unterschiedlich von der Art und vom Charakterher, unterschiedlich vom beruflichen Werdegang, vonirgendwelcher fachlichen Qualifikation und Ausbil-dung, unterschiedlich auch von Zielen, die angestrebtwerden. Manchmal denke ich mir, was ist das für eineChance für eine Gesellschaft, wenn diese Unterschiedenicht vom Neid, nicht von der Konkurrenz und nichtvon der Rivalität her geprägt sind. Die Schützen schla-gen Brücken. In der Schützenkompanie marschiert derAkademiker neben dem Hilfsarbeiter, der Beamte ne-ben der Sekretärin, der Bauer neben dem Geschäfts-mann, der 60-jährige neben der 16-jährigen.
Die Pflege des Tiroler Schützenbrauches
Mit Dankbarkeit und Sympathie nehme ich bei gro-ßen Festlichkeiten in den Dörfern und Städten Tirolseure Ehrensalve, liebe Schützen, entgegen und freuemich über eure aktive Mitbeteiligung und Mitgestal-tung unserer kirchlichen Feste. Wir brauchen Bräuche!Der Mensch braucht Bräuche wie das tägliche Brot. Esklingt überraschend und ist es dann doch nicht, wennim Lexikon als Sprachwurzel für „Brauch“ angegebenwird: Nahrung aufnehmen, verwenden, genießen. DieUrbitte: „Und gib uns unser täglich Brot“, heißt: Gib,was wir heute und jeden Tag zum Leben brauchen.Sicher: Bräuche sollen nicht zum bloßen Ritual er-starren, es geht auch nicht um reine Folklore, schon garnicht um die kommerziell orientierte Aufführung fürGäste. Es wäre aber fatal, wenn mit den Bräuchen undTrachten auch die Liebe zum Leben, der gute Stolz auf die Heimat, die Zusammengehörigkeit und die innereVerbundenheit sowie auch die Tradition des Glaubensund des Betens weggeworfen werden würden. Es wäreein großer Verlust an Menschlichkeit, eine Verarmungin den Beziehungen und auch eine Ausdünnung deschristlichen Glaubens.Taten gelten mehr als Worte. Der deutsche DichterErich Kästner hat einmal in einem Gedicht geschrie-ben: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Und dasist wirklich wahr. Und wenn ihr jetzt fragt, was hat dasalles mit der Religion und dem Glauben zu tun, dannmöchte ich euch sagen: Die Mitmenschlichkeit hat sehrviel mit dem Glauben und Gott zu schaffen. Denn wersich im Gutsein, im Verstehen, im Abbauen von Vorur-teilen, wer sich in Hilfsbereitschaft und Kameradschaftübt, wer das soziale, kulturelle und kirchliche Mit-einander aufbaut, der ist nie weit von Gott entfernt,selbst wenn er sich in Glauben schwer tut.
 Dr. Manfred Scheuer ist Bischof von Innsbruck.
Herausgegeben vom Bund der Tiroler Schützenkompanien - Innsbruck. Redaktion: EMjr. Karl Pertl, Völs. Herstellung: dtp Tyrol, Klaus Leitner, Innsbruck.
Heimat gibt uns Halt
- Teil 2
 Von Manfred Scheuer
 Bräuche sollen nicht zum bloßen Ritual erstarren - es wäre aber fatal, wenn mit den Bräuchen und Trachten der Stolz auf die Heimat, sowie auch die Tradition des Glaubens und des Betensweggeworfen würden. Im Bild die Fronleichnamsprozession 2008 in Axams. (Fotos: M. Wedermann)
 
D
ie letzten Kämpfe in diesem so ereignisreichenJahr 1809 hatten noch am 6. Dezember im Ei-sacktal bei Brixen sowie an der Lienzer Klauseund am 8. Dezember bei Ainet im Iseltal stattgefunden.Diese letzte militärische Auseinandersetzung war fürdie Tiroler zwar gewonnen worden, änderte aber nichtsmehr am Schicksal des Landes. Tirol wurde flächen-deckend von französischen und bayerischen Truppenbesetzt und es begann die Suche nach den Anführernder Erhebung, von denen mehrere nach Österreich flie-hen konnten.
 Andreas Hofers Versteck
Der Oberkommandant, der Sandwirt Andreas Hofer,war nicht dazu zu bewegen, das Land zu verlassen. Erhielt sich sogar in seiner engeren Heimat, im Passeier-tal, versteckt, zunächst am Pfandlerhof und dann durchWochen in einer Mähderhütte auf der Pfandleralm hochüber Prantach.Nur der getreue Cajetan Sweth, einer seiner Schrei-ber, begleitete ihn. Seine Lebensbeschreibung ist einewichtige Quelle zur Kenntnis der letzten Wochen inHofers Leben. Gegen Ende des Jahres 1809 kam auchdes Sandwirts Gattin, Anna, mit dem 15 Jahre altenSohn Johann auf die Hütte, nachdem ihr Versteck amSchneeberg bekannt geworden war. Der Alltag in derwinterlichen Bergeinsamkeit verlief einfach und wohlauch nervlich zermürbend. Verlässliche Freunde wuss-ten von Hofers Aufenthaltsort; sie versorgten ihn undseine Leute mit Nahrungsmitteln, brachten Briefe bzw.übernahmen solche zum Weiterleiten und sie berichte-ten ihm über die Lage im Tal und im Land.Einen Eindruck von Hofers geistiger Verfassung undseinem Entrücktsein von jeder Realität gewinnt manaus seinem letzten Brief, datiert mit 26. Jänner 1810,gerichtet an den von ihm so verehrten Erzherzog Jo-hann: Er, Hofer, habe den Tirolern immer die Hilfevon österreichischer Seite in Aussicht gestellt, wenndiese ausbleibe, stehe er als Lügner da. Aber selbst die„Fluchreden“, er sei die Ursache großen Unglücks, dieihn bis in das Grab verfolgen würden, ertrage er ger-ne; er fürchte nur das gestrenge Gericht Gottes. Hoferfühlte sich immer noch für das Seelenheil der Bevöl-kerung verantwortlich! Bei dieser „feindlichen Re-gierung“ würden viele Tausende Seelen ein Opfer desTeufels werden, daher müsse weiter gestritten werden.Er bittet den Erzherzog, den Tirolern „nur eine kleineHilfe an Truppen“ zu senden, um gemeinsam den Feindschlagen zu können. Der Sandwirt unterzeichnete dasSchreiben mit der „armbe verlassne ßinder [= Sünder]Andere Hofer“.Vor einem Jahr, im Jänner 1809, hatte sich Hofer inWien u. a. mit dem Erzherzog getroffen und in optimis-tischer Weise die Tiroler Erhebung geplant. Niemandhatte sich ein so deprimierendes Ende erwartet!
Raffl entdeckt Hofers Versteck
Anfang Jänner 1810 hatte der Sandwirt unliebsamenBesuch erhalten. Auf dem Weg zu seiner Mähderhüt-te entdeckte Franz Raffl, ein einheimischer Bauer, desSandwirts Versteck. Da Hofer von der schlechten wirt-schaftlichen Lage Raffls wusste, übergab er ihm eine als„Schweigegeld“ gedachte Summe, worauf dieser ver-sprach, sein Versteck nicht bekannt zu geben. Dennochscheint ihn das hohe „Kopfgeld“ von 1.500 Gulden,das auf den ehemaligen Oberkommandanten ausgesetztwar, gereizt zu haben. Nach einigen Wochen, am 27.Jänner, meldete er seine Entdeckung dem Richter vonSt. Leonhard, der ein Protokoll aufnehmen musste unddaraufhin Raffl mit dem Akt zum kommandierendenfranzösischen General Léonard Huard de Saint-Aubinnach Meran schickte. Um kein Risiko einzugehen, ent-sandte dieser sofort rund 600 Mann zur Festnahme Ho-fers auf die Pfandleralm.Die Gefangennahme des Sandwirts und seiner Leuteerfolgte in den frühen Morgenstunden des 28. Jänner.Der Zug führte von der Alm hinunter ins Tal und wei-ter nach Meran. Nach ersten Verhören ging es weiternach Bozen; dort musste sich Hofer von Gattin undSohn verabschieden. Hier besuchte ihn der hohe Of-fizier Charles Pierre Grisois und er hinterließ eine re-spektvolle Beschreibung Andreas Hofers (in deutscherÜbersetzung):„Eine hohe Figur, breite Schultern, ein dichterschwarzer Bart, der ihm bis auf die Brust reichte undgrau zu werden begann, und ein strenger, aber ruhigerund schicksalsergebener Ausdruck verliehen seinerErscheinung etwas Ehrwürdiges, das mich sehr beein-druckte, eine patriarchalische Gestalt aus alten Zeiten.“
Der Transport nach Mantua
Am 5. Februar 1810 gelangte der Gefangenentrans-port nach Mantua. Die dortigen Bürger, denen der„General barbone“ längst ein Begriff war und die einHerz für ihn gefasst hatten, versuchten vergeblich, ihndem französischen Militär um 5.000 Scudi Lösegeld„abzukaufen“. Kaiser Napoleon, von der Gefangen-nahmeunterrichtet, hatte zunächst vor, Andreas Hofernach Vincennes in Frankreich, wo mehrere Prominen-te inhaftiert waren, bringen zu lassen, wies aber seinenAdoptivsohn Eugène Napoleon (Beauharnais), Vizekö-nig von Italien, an, nun in Mantua eine Militärkommis-sion einzuberufen, die ihn aburteilen und innerhalb von24 Stunden erschießen lassen sollte. Unter diesen Um-ständen war der Prozess, der am 19. Februar stattfandund bei dem der Mantuaner Rechtsanwalt dott. Gio-acchino Basevi den Sandwirt gekonnt zu verteidigensuchte, eine Farce! Schon Tage vorher hatte sich Hofer,sein Schicksal ahnend, Cajetan Sweth gegenüber ge-äußert, dass es besser sei, er opfere sich für das ganzeLand, als dass noch weitere Tiroler seinetwegen oderfür das Land sterben müssten.
Hofers Tod
Am Tag nach dem Prozess musste das Urteil, Hin-richtung durch Erschießen, vollstreckt werden. Eszeugt von Hofers innerer Festigkeit, nur aus seinemtiefen christlichen Glauben heraus erklärbar, wenn ereinige Stunden vorher noch die Kraft hatte, einen Brief mit letzten Anweisungen zu schreiben und darin auchseinen Freund Vinzenz von Pühler in Neumarkt bat,seiner Ehefrau Trost zuzusprechen. Er verabschiedetesich nicht nur von seinem Freund, sondern vom irdi-schen Leben überhaupt: „Vo[n] der welt lebet alle wohl,wiß mir [= bis wir] in himel zam khomen vnd dorttengott loben an ent … Ade mein schnede welt, so leichtkhombt mir das sterben vor, das mir nit die augen nasßwerden …“Gegen 11 Uhr war es soweit, dass Hofer aus seinerZelle geholt und von den französischen Grenadierenunter dem Kommando des Feldwebels Michel Eiffesauf den Hinrichtungsplatz in der Nähe der Porta Mag-giore der Festung Mantua gebracht und füsiliert wurde.Mehrere Legenden ranken sich um Andreas HofersTod. Übereinstimmend aber wurde berichtet, dass erihn standhaft und unerschrocken erlitten habe, wie esauch Giovanni Battista Manifesti, Erzpriester der Kol-legiatsbasilika S. Barnaba, der den Sandwirt auf seinemletzten Weg begleitet hatte, in einem Schreiben vom 21.Februar 1810 ausdrückte (in deutscher Übersetzung):„Gestern, kurz vor Mittag, wurde Herr Andreas Ho-fer, ehemaliger Kommandant Tirols, füsiliert. Von derMilitärkommission, die ihn verurteilt hat, wurde ichaufgefordert, ihm Beistand zu leisten, … Ich habe einenMann bewundert, der als christlicher Held in den Todgegangen ist und diesen als unerschrockener Märtyrererlitten hat.“
 Dr. Meinrad Pizzinini ist Universitätsdozent für NeuereGeschichte an der Universität Innsbruck 
 Historische Aufnahme der Mähderhütte auf der „Pfandler-alm“, auf der der Sandwirt Andreas Hofer am 28. Jänner 1810 von französischen Soldaten verhaftet worden ist. Die Hütte ist im November 1919 abgebrannt und wurde 1984 re-konstruiert. (Ansichtskarte; Sammlung Ute Pizzinini, Völs)
Das Ende des Oberkommandanten Andreas Hofer
von Meinrad Pizzinini
Herausgegeben vom Bund der Tiroler Schützenkompanien - Innsbruck. Redaktion: EMjr. Karl Pertl, Völs. Herstellung: dtp Tyrol, Klaus Leitner, Innsbruck.
Franz Raffl verrät das Versteck des ehemaligen Ober-kommandanten Andreas Hofer; Ölgemälde von Leopold Puellacher, 1820 (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum)Erschießung des Sandwirts Andreas Hofer in Mantua am20. Februar 1810; Ölgemälde von Leopold Puellacher, 1820(Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum) Darstellung der Gefangennahme Andreas Hofers auf einer  zeitgenössischen bayerischen Propaganda-Radierung, er-schienen bei Friedrich Campe in Nürnberg (Tiroler Landes-museum Ferdinandeum)
of 00

Leave a Comment

You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...
You must be to leave a comment.
Submit
Characters: ...