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ie letzten Kämpfe in diesem so ereignisreichenJahr 1809 hatten noch am 6. Dezember im Ei-sacktal bei Brixen sowie an der Lienzer Klauseund am 8. Dezember bei Ainet im Iseltal stattgefunden.Diese letzte militärische Auseinandersetzung war fürdie Tiroler zwar gewonnen worden, änderte aber nichtsmehr am Schicksal des Landes. Tirol wurde flächen-deckend von französischen und bayerischen Truppenbesetzt und es begann die Suche nach den Anführernder Erhebung, von denen mehrere nach Österreich flie-hen konnten.
Andreas Hofers Versteck
Der Oberkommandant, der Sandwirt Andreas Hofer,war nicht dazu zu bewegen, das Land zu verlassen. Erhielt sich sogar in seiner engeren Heimat, im Passeier-tal, versteckt, zunächst am Pfandlerhof und dann durchWochen in einer Mähderhütte auf der Pfandleralm hochüber Prantach.Nur der getreue Cajetan Sweth, einer seiner Schrei-ber, begleitete ihn. Seine Lebensbeschreibung ist einewichtige Quelle zur Kenntnis der letzten Wochen inHofers Leben. Gegen Ende des Jahres 1809 kam auchdes Sandwirts Gattin, Anna, mit dem 15 Jahre altenSohn Johann auf die Hütte, nachdem ihr Versteck amSchneeberg bekannt geworden war. Der Alltag in derwinterlichen Bergeinsamkeit verlief einfach und wohlauch nervlich zermürbend. Verlässliche Freunde wuss-ten von Hofers Aufenthaltsort; sie versorgten ihn undseine Leute mit Nahrungsmitteln, brachten Briefe bzw.übernahmen solche zum Weiterleiten und sie berichte-ten ihm über die Lage im Tal und im Land.Einen Eindruck von Hofers geistiger Verfassung undseinem Entrücktsein von jeder Realität gewinnt manaus seinem letzten Brief, datiert mit 26. Jänner 1810,gerichtet an den von ihm so verehrten Erzherzog Jo-hann: Er, Hofer, habe den Tirolern immer die Hilfevon österreichischer Seite in Aussicht gestellt, wenndiese ausbleibe, stehe er als Lügner da. Aber selbst die„Fluchreden“, er sei die Ursache großen Unglücks, dieihn bis in das Grab verfolgen würden, ertrage er ger-ne; er fürchte nur das gestrenge Gericht Gottes. Hoferfühlte sich immer noch für das Seelenheil der Bevöl-kerung verantwortlich! Bei dieser „feindlichen Re-gierung“ würden viele Tausende Seelen ein Opfer desTeufels werden, daher müsse weiter gestritten werden.Er bittet den Erzherzog, den Tirolern „nur eine kleineHilfe an Truppen“ zu senden, um gemeinsam den Feindschlagen zu können. Der Sandwirt unterzeichnete dasSchreiben mit der „armbe verlassne ßinder [= Sünder]Andere Hofer“.Vor einem Jahr, im Jänner 1809, hatte sich Hofer inWien u. a. mit dem Erzherzog getroffen und in optimis-tischer Weise die Tiroler Erhebung geplant. Niemandhatte sich ein so deprimierendes Ende erwartet!
Raffl entdeckt Hofers Versteck
Anfang Jänner 1810 hatte der Sandwirt unliebsamenBesuch erhalten. Auf dem Weg zu seiner Mähderhüt-te entdeckte Franz Raffl, ein einheimischer Bauer, desSandwirts Versteck. Da Hofer von der schlechten wirt-schaftlichen Lage Raffls wusste, übergab er ihm eine als„Schweigegeld“ gedachte Summe, worauf dieser ver-sprach, sein Versteck nicht bekannt zu geben. Dennochscheint ihn das hohe „Kopfgeld“ von 1.500 Gulden,das auf den ehemaligen Oberkommandanten ausgesetztwar, gereizt zu haben. Nach einigen Wochen, am 27.Jänner, meldete er seine Entdeckung dem Richter vonSt. Leonhard, der ein Protokoll aufnehmen musste unddaraufhin Raffl mit dem Akt zum kommandierendenfranzösischen General Léonard Huard de Saint-Aubinnach Meran schickte. Um kein Risiko einzugehen, ent-sandte dieser sofort rund 600 Mann zur Festnahme Ho-fers auf die Pfandleralm.Die Gefangennahme des Sandwirts und seiner Leuteerfolgte in den frühen Morgenstunden des 28. Jänner.Der Zug führte von der Alm hinunter ins Tal und wei-ter nach Meran. Nach ersten Verhören ging es weiternach Bozen; dort musste sich Hofer von Gattin undSohn verabschieden. Hier besuchte ihn der hohe Of-fizier Charles Pierre Grisois und er hinterließ eine re-spektvolle Beschreibung Andreas Hofers (in deutscherÜbersetzung):„Eine hohe Figur, breite Schultern, ein dichterschwarzer Bart, der ihm bis auf die Brust reichte undgrau zu werden begann, und ein strenger, aber ruhigerund schicksalsergebener Ausdruck verliehen seinerErscheinung etwas Ehrwürdiges, das mich sehr beein-druckte, eine patriarchalische Gestalt aus alten Zeiten.“
Der Transport nach Mantua
Am 5. Februar 1810 gelangte der Gefangenentrans-port nach Mantua. Die dortigen Bürger, denen der„General barbone“ längst ein Begriff war und die einHerz für ihn gefasst hatten, versuchten vergeblich, ihndem französischen Militär um 5.000 Scudi Lösegeld„abzukaufen“. Kaiser Napoleon, von der Gefangen-nahmeunterrichtet, hatte zunächst vor, Andreas Hofernach Vincennes in Frankreich, wo mehrere Prominen-te inhaftiert waren, bringen zu lassen, wies aber seinenAdoptivsohn Eugène Napoleon (Beauharnais), Vizekö-nig von Italien, an, nun in Mantua eine Militärkommis-sion einzuberufen, die ihn aburteilen und innerhalb von24 Stunden erschießen lassen sollte. Unter diesen Um-ständen war der Prozess, der am 19. Februar stattfandund bei dem der Mantuaner Rechtsanwalt dott. Gio-acchino Basevi den Sandwirt gekonnt zu verteidigensuchte, eine Farce! Schon Tage vorher hatte sich Hofer,sein Schicksal ahnend, Cajetan Sweth gegenüber ge-äußert, dass es besser sei, er opfere sich für das ganzeLand, als dass noch weitere Tiroler seinetwegen oderfür das Land sterben müssten.
Hofers Tod
Am Tag nach dem Prozess musste das Urteil, Hin-richtung durch Erschießen, vollstreckt werden. Eszeugt von Hofers innerer Festigkeit, nur aus seinemtiefen christlichen Glauben heraus erklärbar, wenn ereinige Stunden vorher noch die Kraft hatte, einen Brief mit letzten Anweisungen zu schreiben und darin auchseinen Freund Vinzenz von Pühler in Neumarkt bat,seiner Ehefrau Trost zuzusprechen. Er verabschiedetesich nicht nur von seinem Freund, sondern vom irdi-schen Leben überhaupt: „Vo[n] der welt lebet alle wohl,wiß mir [= bis wir] in himel zam khomen vnd dorttengott loben an ent … Ade mein schnede welt, so leichtkhombt mir das sterben vor, das mir nit die augen nasßwerden …“Gegen 11 Uhr war es soweit, dass Hofer aus seinerZelle geholt und von den französischen Grenadierenunter dem Kommando des Feldwebels Michel Eiffesauf den Hinrichtungsplatz in der Nähe der Porta Mag-giore der Festung Mantua gebracht und füsiliert wurde.Mehrere Legenden ranken sich um Andreas HofersTod. Übereinstimmend aber wurde berichtet, dass erihn standhaft und unerschrocken erlitten habe, wie esauch Giovanni Battista Manifesti, Erzpriester der Kol-legiatsbasilika S. Barnaba, der den Sandwirt auf seinemletzten Weg begleitet hatte, in einem Schreiben vom 21.Februar 1810 ausdrückte (in deutscher Übersetzung):„Gestern, kurz vor Mittag, wurde Herr Andreas Ho-fer, ehemaliger Kommandant Tirols, füsiliert. Von derMilitärkommission, die ihn verurteilt hat, wurde ichaufgefordert, ihm Beistand zu leisten, … Ich habe einenMann bewundert, der als christlicher Held in den Todgegangen ist und diesen als unerschrockener Märtyrererlitten hat.“
Dr. Meinrad Pizzinini ist Universitätsdozent für NeuereGeschichte an der Universität Innsbruck
Historische Aufnahme der Mähderhütte auf der „Pfandler-alm“, auf der der Sandwirt Andreas Hofer am 28. Jänner 1810 von französischen Soldaten verhaftet worden ist. Die Hütte ist im November 1919 abgebrannt und wurde 1984 re-konstruiert. (Ansichtskarte; Sammlung Ute Pizzinini, Völs)
Das Ende des Oberkommandanten Andreas Hofer
von Meinrad Pizzinini
Herausgegeben vom Bund der Tiroler Schützenkompanien - Innsbruck. Redaktion: EMjr. Karl Pertl, Völs. Herstellung: dtp Tyrol, Klaus Leitner, Innsbruck.
Franz Raffl verrät das Versteck des ehemaligen Ober-kommandanten Andreas Hofer; Ölgemälde von Leopold Puellacher, 1820 (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum)Erschießung des Sandwirts Andreas Hofer in Mantua am20. Februar 1810; Ölgemälde von Leopold Puellacher, 1820(Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum) Darstellung der Gefangennahme Andreas Hofers auf einer zeitgenössischen bayerischen Propaganda-Radierung, er-schienen bei Friedrich Campe in Nürnberg (Tiroler Landes-museum Ferdinandeum)
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