Nach seiner Rückkehr nach Weimar im Juni 1788 übernahm Goethe die Leitung des “FreienZeicheninstituts”, wurde aber ansonsten - abgesehen von der Direktion der Bergwerke - auf eigenen Wunsch von allen anderen Ämtern entbunden. Kurz darauf lernte er seine zukünftigeLebensgefährtin Christiane Vulpius kennen. Die Verbindung mit der in ärmlichenVerhältnissen lebenden Vollwaisen stieß in der standesbewussten Hofgesellschaft auf Ablehnung. Im selben Jahr kam es zur ersten Begegnung mit Friedrich von Schiller, demGoethe eine Professur in Jena vermittelte. 1790 veröffentlichte er die abgeschlosseneErstfassung des
Faust (Faust. Ein Fragment)
und reiste erneut nach Italien. Diese zweiteItalienreise stand im Zeichen ausgiebiger Kunst - und Naturstudien und war belastet von der zeitweiligen Trennung von Christiane und dem im Vorjahr geborenen Sohn August. 1792erlebte Goethe als Begleiter Karl Augusts den 1. Koalitionskrieg (1792 - 1797) der Österreicher und Preußen gegen die Franzosen und wurde Augenzeuge der Kanonade vonValmy. Die Ereignisse schilderte er später aus der Distanz von drei Jahrzehnten in
DieCampagne in Frankreich 1792
. Ende 1793 begann eine fünf Jahre andauernde Phaseintensiver Homer-Studien, während der er Teile der
Ilias
und
Odyssee
übersetzte.Das Jahrzehnt mit Schiller (1794 - 1805):Mitte 1794 gewann Schiller Goethe als Mitarbeiter für die Zeitschrift
Die Horen.
Schiller war ein häufiger Gast in Goethes Haus und übersiedelte1799 ganz nach Weimar. Das gemeinsameWirken erstreckte sich künftig auf gegenseitige Beratung bei programmatischen Schriften,wie Schillers Brieffolge
Über sie ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts
, undliterarischen Projekten, wie Goethes Roman
Wilhelm Meisters Lehrjahre.
Goethe wurde vonSchiller zur Vollendung des ersten Teils des
Faust
gedrängt. In beständigem Austausch mitSchiller entstand Goethes Hexameterepos
Hermann und Dorothea
(1797).In der Zusammenarbeit der beiden Dichter entwickelte sich der an Antike und Renaissanceorientierte Stil der “Weimarer Klassik”, wobei Goethe die Naturbetrachtung einbrachte,Schiller dagegen die kritische Sittlichkeitslehre Kants. Beide befassten sich ausführlich mitder Theorie der literarischen Gattungen (
Über epische und dramatische Dichtung. VonGoethe und Schiller,
1797). Anlässlich einer Schweizreise (1797) erweckte der später vonSchiller dramatisierte
Tell-
Stoff Goethes Interesse, und ab 1798 erschien seineKunstzeitschrift
Propyläen
, unter der Mitarbeit von Schiller und Wilhelm von Humboldt.Dort wie auch in seinem Bildungsroman
Wilhelm Meisters Lehrjahre
folgte Goethe dem Idealklassischer Humanität, in dem er mit Schiller weitgehend übereinstimmte.Schillers Tod im Mai 1805 bedeutete eine schmerzliche Zäsur im Leben Goethes. Der umfangreiche Briefwechsel der beiden Weggenossen bezeugt die Intensität der geistigen
Leave a Comment