ie Türkei ist komplex.Für manchen wird sie zum Komplexbei der Frage,ob das Land in die Europäische Union auf-genommen werden soll.Argumentiert wird mit Geschich-te,Religion,Demografie,wirtschaftlichem Entwicklungsstand,poli-tischen Verhältnissen,kulturellen Unterschieden.Die Diskussion ver-weist immer auch darauf,dass noch nicht entschieden ist,was Europaist,werden soll und wie weit es gehen kann.Vielleicht trifft ja hier Brechts Wort zu:dass es das Einfache sei,das schwer zu machen ist.
fluter
hat Momentaufnahmen aus der Türkei zusammengetragen.AusIstanbul,dieser faszinierenden Metropole mit ihren gegensätzlichenSzenerien,Menschen und Kulturen,und aus dem kurdischen Diyar-bakir in Südostanatolien.Wir fragen nach Träumen und Hoffnungender Menschen,nach den Erwartungen an Europa und nach dem Um-gang mit Minderheiten.Vor mehr als achtzig Jahren erfuhr die Türkeieine radikale Modernisierung von oben.Der Staatsgründer KemalAtatürk hat diesen Prozess mit einer bemerkenswerten Konsequenzbegonnen.Die Türkei ist widersprüchlich.Es ist ein Land,in demFrauen in Universitäten und Schulen keine Kopftücher tragen dür-fen,aber auch ein Land,in dem islamisch-konservative Parteien im-mer mehr Zuspruch bekommen.Es ist ein Land,in dem die jungeMusik- und Kreativenszene oft auch politisch aktiv ist.Gleichzeitiggibt es Prozesse gegen Autoren wegen sogenannter Beleidigungendes Türkentums.Die Grenzen der Sprachen sind auch hier politisier-bare,ethnische Grenzen.Eine Erfahrung,die selbst in Westeuropa,zum Beispiel im Baskenland,noch gegenwärtig ist.Ein Blick in dieTürkei lohnt sich also – er spiegelt immer auch unsere Werte,Vorur-teile,Erwartungen und Ungewissheiten.Der Offenheit der künftigenEntwicklung begegnet man deshalb am besten mit offenen Augenund Ohren.Denn so weit entfernt das Land auch ist,so nah ist es unsdoch schon.Hallo,Nachbar.
Thorsten Schilling
Susanne Güsten
,43,kommt seit fünfzehn Jahrenimmer wieder nach Diyarbakir.Ob dort geradeNATO-Truppen für den ersten Golfkrieg aufmar-schieren oder Hunderttausende Kurden das Endedes Kriegsrechts feiern,ob das Thermometer 45Grad im Schatten zeigt – wie bei diesem Besuch – oder der Flughafen wegen Schneemassen geschlossen ist:Lauwarmoder langweilig hat sie Diyarbakir noch nie erlebt.>> Seite 36Der gebürtige Stuttgarter
Cem Yücetas
,29,reist drei-bis vier mal im Jahr nach Istanbul.Dem Fotografen ge-fällt dort das Undurchsichtige:„Immer wenn ich glau-be,ich weiß,wie es läuft,kommt etwas vollkommenNeues.“ Für
fluter
fotografierte er mehrere Tage in der Stadt.Probleme hatte er dort noch nie,bis er diesmalim religiösen Stadtteil Fatih einem selbst ernannten Sittenwächter auffiel – den er aber wieder beruhigen konnte.widmet sich im Oktober ganz demtürkischen Leben in Deutschland.Mit dabei:der Kölner KabarettistFatih Cevikkollu,türkische Mütter auf Patrouille am Kottbusser Tor in Berlin,die Macher von Europas größtem türkischem Politikfo-rum.Außerdem:Eine Schulstunde mit dem Koran und die Suchenach türkischstämmigen Richtern und Polizisten.Dazu wie immer Foren,Umfragen und Diskussionen.
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D
EDITORIAL / INHALT
Nationalmannschaft:
Was in der Türkei jeder kennt.
Kontinentaldrift:
Matthias Kalle versucht,sich Istanbulzu nähern.
Viertelstunde:
Der Stadtforscher Orhan Esen über dieIdentität Istanbuls.
Redewendung:
Türkisch hat schon einiges durchgemacht.
Erbengemeinschaft:
Ein Mann,ein Staat – Kemal Atatürk.
Vorstellungsrunde:
Junge Türkinnen und Türken erzählenvon ihrem Alltag,ihren Träumen und Wünschen.
Völkerball:
Minderheiten und ihr Status.
Doppelname
Warum der Armenier Rober Koptas manch-mal Murat heißt.
Kartenspiel:
Türkei in Zahlen,Fakten und einer Karte.
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Vertragspoker:
Der türkische EU-Experte Cengiz Aktar erklärt,warum die EUihren guten Ruf verspielen könnte.
Altneuland:
Eliz war Türkin,ist Deutsche – und jetzt?
Reifeprüfung:
Gängige Vorurteile über die Türkei – undwas wirklich dran ist.
Jugendtreff:
In Diyarbakir leben viele Jugendliche,derenVergangenheit düster ist.Susanne Güsten hat sie besucht.
ImpressumGebrauchsanweisung:
Neue Generationen brechen lang-sam mit vertrauten Traditionen.Und am Ende gewinnt:Ikea.
Stärkemittel:
Nil ist jung,weiblich – und Popstar.
Aufklärung:
Was wirklich alles aus der Türkei kommt.
Abschlussarbeit:
Gewinnspiel.
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T i t e l : M e h m e t K a ç m a z , N A R P h o t o s
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HALLO, NACHBAR
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