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Kopleva Neu

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04/02/2014

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REISE NACH KOPLEVA
------------------------------------------------------ von Theodor Leipert INNEN - DUNKLER RAUM - TAG Das Bild ist SCHWARZ. BEGINN VORSPANN. Ein Foto wird an die Wand projiziert: Es zeigt ein junges Paar, Mann und Frau, gekleidet im Stil der 60 er, das sich umarmt. Stakkatohaft folgen weitere Bilder, Mosaiksteine eines Familienschicksals: Das junge Paar bei seiner Trauung. Die mittelalterliche Kleinstadt, in der sie leben. Die junge Frau schwanger. Das Neugeborene im Arm der Mutter. Das Kleinkind an der Hand der Eltern, daneben der dazugekommene jüngere Bruder. Stationen ihres Älterwerdens. 1. Schultag: ein Bruder mit der Zuckertüte, der kleinere heulend daneben. Fotos aus der Schulzeit der beiden Brüder. Der ältere immer ein wenig selbstbewusster, der jüngere mehr im Hintergrund. Familienfoto der Brüder mit Eltern. Der Ältere beim Abitur. Der Jüngere beim Abitur. Die Brüder an der Universität. Ein Foto der Eltern mit großem Bruder in einem Wagen. Das Unfallfoto aus der Montagsseite der Zeitung: das ausgebrannte Autowrack an einem Brückenpfeiler. Das Klacken des Diaprojektors. Der Transport hat sich verhakt, es wird nur ein weißes Standbild an die Wand geworfen. Erneutes Klacken. Dasselbe Ergebnis. Ein drittes Klacken. Dasselbe Ergebnis. Die Kamera fährt auf das weiße Bild zu bis es bildfüllend ist. ENDE VORSPANN. AUSSEN/INNEN - ODESSA/UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK - TAG Das bildfüllende überstrahlende Weiß verwandelt sich in ein tiefes Blau. Der Fokus verändert sich und wir erkennen einen Horizont: die Grenze zwischen Himmel und Meer. Wir hören die Geräusche einer Stadt. Wir fahren zurück und erkennen ODESSA, Perle am Schwarzen Meer: der Hafen, die Potemkinsche Treppe, an deren Ende das Denkmal des Stadterbauers Richelieu. Das Puschkindenkmal. Akazienalleen. Die Oper. Wir bewegen uns weiter zurück und sehen die Begrenzungen eines Fensterrahmens. Wir befinden uns in einem Raum: eine Bibliothek, offenbar zur Universität gehörend. Lesende Studenten. Ein Bibliothekar passiert das Bild. Wir ziehen uns weiter zurück und enden auf dem Profil eines jungen Mannes, ALEXANDER BRAUN, 27, in dem wir den jüngeren der beiden Brüder erkennen, älter, ernster und gereift. Er ist in ein Buch vertieft. Auf den zweiten Blick erkennen wir, dass er nicht wirklich liest. Sein Blick ist weit weg. Ein kurzer Pfiff. Als ALEXANDER nicht reagiert, wiederholt er sich.
 JOHN: Sssst!!
ALEXANDER blickt auf. Er sieht in das sommersprossige sympathische Gesicht von JOHN DARDINO, 27, eines amerikanischen Austauschstudenten.
 JOHN (CONT'D): Schluss mit Puschkin. Es ist schon 4.00 Weekend!  ALEXANDER: Ich muss noch...  JOHN:... nichts musst du. Es ist Freitag nachmittag. Du verstehst? Unter der Woche: Puschkin, Puschkin, Puschkin. Weekend: Bier, Party, Strand. Puschkin ist nur als legales Mittel zum Verführen von Bräuten erlaubt. Also komm!  ALEXANDER: Leise!!!  JOHN: Komm schon!
 
ALEXANDER nimmt das Lesezeichen, ein Foto, aus dem Band und klappt das Buch zu. Sie gehen durch die Bibliothek in Richtung Ausgang. Eine unscheinbare Studentin mit dicker Brille kommt ihnen entgegen.
STUDENTIN: Hallo Alex! Und... hast du sie dabei?  ALEXANDER: Oh, tut mir leid, nein. Hab ich total vergessen. STUDENTIN(enttäuscht): Schade!  ALEXANDER: Sonst komm doch am Wochenende einfach vorbei und hol sie dir ab. Du wohnst doch nicht weit. STUDENTIN: OK. Danke!  ALEXANDER: Tschüss!
Die Studentin geht. JOHN zieht eine Grimasse.
 JOHN: Was ?!  ALEXANDER: Eine CD. Sie steht auf Jazz.  JOHN(erneute Grimasse): Gehen wir!
AUSSEN - VOR BIBLIOTHEK - TAG ALEXANDER und JOHN sind gerade aus der Bibliothek herausgekommen und laufen durch die sommerlichen Straßen.
 JOHN: Ich hab heute meinen Flug gebucht. In zwei Monaten bin ich hier durch mit meinen Recherchen.  ALEXANDER: Und das Zusammenschreiben?  JOHN: Mach ich daheim. Mein alter Herr wird langsam misstrauisch. Er  glaubt, ich steige hier nur den Weibern hinterher.
In dem Moment dreht er sich tatsächlich nach einem gutaussehenden Mädchen um, das einen Kampfhund führt.
 JOHN (CONT'D): Scheißköter.  ALEXANDER: Der Mann kennt dich.  JOHN: Außerdem kann ich es gar nicht erwarten, so habe ich Heimweh nach amerikanischen Kulturerrungenschaften: Pizza, Tacos, Dünnbier. Und du?  ALEXANDER: Ich weiß noch nicht.  JOHN: Wie du weißt noch nicht?  ALEXANDER: Hab ich doch gesagt. Ich weiß noch nicht. Wahrscheinlich werde ich hier schreiben.  JOHN: In Odessa?  ALEXANDER: In Odessa.  JOHN: Warum um Gottes willen. Ich meine jetzt, da kann ich es verstehen. (Ein weiterer Blick zu einem passierenden Mädchen. Die Mädchen tragen kurze  Röcke und es ist warm, man kann draußen sitzen, aber bald kommt der Winter, es wird kalt, die Röcke werden zu Hosen, dann kommen die dicken Mäntel dazu und dauernd Probleme mit dem Leitungswasser. Und alle deine Freunde werden weg sein.
 
 ALEXANDER: Alle meine Freunde. Du meinst dich?  JOHN: Ja, ich. Oder hast du sonst noch welche hier?  ALEXANDER: Lass mich überlegen. Nein.  JOHN: Siehst du. Ich meine, was würdest du tun, ohne mich? Du würdest jetzt noch in der Bibliothek sitzen, bis sie dann schließt. Dann würdest du heim  gehen und vermutlich Tee trinken oder irgendeine andere Abnormität. (er  schüttelt sich)Ich sage dir, das ist nicht gut für deine Entwicklung. Wenn du  Lust hast, könntest du zum Schreiben ja in die Staaten mitkommen.  ALEXANDER: Um dann zwei Doktorarbeiten fertig zu schreiben. Bedankt!
Sie sind an einer Kneipe angekommen und setzen sich an einen freien Tisch. Eine Kellnerin kommt auf sie zu.
 ALEXANDER (CONT'D): Ein Mineralwasser bitte!  JOHN(verneinend den Kopf schüttelnd): 2 Wodka!  ALEXANDER: John...!!  JOHN: Wir gehen gerade aus, pal! Was willst du später mal deinen Kindern erzählen?(lächelnd zur Kellnerin) 2 Wodka bitte!
Die Kellnerin geht ab. AUSSEN - CAFE - NACHT Die Kellnerin stellt eine neue Runde Schnaps auf den Tisch und räumt die letzten beiden Runden ab.
 JOHN(grinsend): Na also.
ALEXANDER schnauft tief durch. Er ist schon angeheitert.
 ALEXANDER: Immer dasselbe, wenn wir weggehen. Dabei ist es purer Zufall, dass wir uns überhaupt kennen.  JOHN: Ein Riesenzufall. Ich zähle normalerweise keine introvertierten Stubenhocker zu meinen Bekannten.  ALEXANDER: Nein, das meine ich nicht. Will sagen, ein Riesenzufall, dass ich hier bin... (auf John's fragenden Blick) ...dass ich ausgerechnet hier in Odessa bin.  JOHN: Was soll daran zufällig sein. Nimm Sonne, Meer, eine große Universität  zusammen. Da bleiben nicht so viele Möglichkeiten, wenn du als Slawist ein  Recherchesemester beim Ex-Feind machen willst.  ALEXANDER: Nein, nein, nein, nein. So ging das gar nicht. Soll ich dir mal erzählen, wie ich hier gelandet bin?
JOHN blickt nur fragend. ALEXANDER hält ihm seine rechten Zeigefinger vor die Nase.
 ALEXANDER (CONT'D): Ich habe einen Weltatlas vor mich gelegt. Verschlossen. Dann habe ich die Augen zugemacht und den Atlas geöffnet. Ich habe irgendeine Seite aufgeschlagen und mit dem Finger draufgedeutet. Und da wo ich gelandet war, hab ich die nächste größere Stadt gesucht und dahin bin ich dann gegangen.

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