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F. W. J. Schelling - Wesen der menschlichen Freiheit

F. W. J. Schelling - Wesen der menschlichen Freiheit

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F. W. J. Schelling
Philosophische Untersuchungen über dasWesen der menschlichen Freiheit und die damitzusammenhängenden Gegenstände.
1809 — S. W. I/7, 331-416
 Vorbericht
1
 
Ueber die folgende Abhandlung findet der Verfasser nurweniges zu bemerken.
 
Da zum Wesen der geistigen Natur zunächst Vernunft,Denken und Erkennen gerechnet werden, so wurde derGegensatz von Natur und Geist billig zuerst von dieser Seitebetrachtet. Der feste Glaube an eine bloß menschliche Ver-nunft, die Ueberzeugung von der vollkommenen Subjektivi-tät alles Denkens und Erkennens und der gänzlichen Ver-nunft- und Gedankenlosigkeit der Natur, sammt der überallherrschenden mechanischen Vorstellungsart, indem auch dasdurch Kant wiedergeweckte Dynamische wieder nur in einhöheres Mechanisches überging und in seiner Identität mitdem Geistigen keineswegs erkannt wurde, rechtfertigen hin-länglich diesen Gang der Betrachtung. Jene Wurzel des Ge-gensatzes ist nun ausgerissen, und die Befestigung richti-gerer Einsicht kann ruhig dem allgemeinen Fortgang zu bes-serer Erkenntniß überlassen werden.
 
Es ist Zeit, daß der höhere oder vielmehr der eigentlicheGegensatz hervortrete, der von Nothwendigkeit und Freiheit,mit welchem erst der innerste Mittelpunkt der Philosophiezur Betrachtung kommt.
 
Da der Verfasser nach der ersten allgemeinen Darstellungseines Systems (in der Zeitschrift für speculative Physik),deren Fortsetzung leider durch äußere Umstände unter-brochen worden, sich bloß auf natur-
 
1 Diese Bemerkungen bildeten ursprünglich einen Theil der Vorrede zuSchellings Philosophischen Schriften, erster Band, Landshut 1809, wo die Abhandlung zuerst erschien. D. H.
 
 334philosophische Untersuchungen beschränkt hat, und nachdem in der Schrift:
 Philosophie und Religion
gemachten An-fang, der freilich durch Schuld der Darstellung undeutlichgeblieben, die gegenwärtige Abhandlung das Erste ist, worinder Verfasser seinen Begriff des ideellen Theils der Philoso-phie mit völliger Bestimmtheit vorlegt, so muß er, wenn jeneerste Darstellung einige Wichtigkeit gehabt haben Sollte, ihrdiese Abhandlung zunächst an die Seite stellen, welcheschon der Natur des Gegenstandes nach über das Ganze desSystems tiefere Aufschlüsse als alle mehr partiellen Darstel-lungen enthalten muß.
 
Obgleich der Verfasser über die Hauptpunkte, welche inderselben zur Sprache kommen, über Freiheit des Willens,Gut und Bös, Persönlichkeit u.s.w. sich bisher nirgends er-klärt hatte (die einzige Schrift Philosophie und Religion aus-genommen), so hat dieß nicht verhindert, ihm bestimmte,sogar dem Inhalt dieser – wie es scheint, gar nicht beachte-ten – Schrift ganz unangemessene Meinungen darüber nacheignem Gutdünken beizulegen. Auch mögen unberufene so-genannte Anhänger, vermeintlich nach den Grundsätzen des Verfassers, manches Verkehrte wie über andere so auch überdiese Dinge vorgebracht haben.
 
 Anhänger im eigentlichen Sinn sollte zwar, so scheint es,nur ein fertiges, beschlossenes System haben können. Der-gleichen hat der Verfasser bis jetzt nie aufgestellt, sondernnur einzelne Seiten eines solchen (und auch diese oft nur ineiner einzelnen, z. B. polemischen, Beziehung) gezeigt; somitseine Schriften für Bruchstücke eines Ganzen erklärt, derenZusammenhang einzusehen, eine feinere Bemerkungsgabe,als sich bei zudringlichen Nachfolgern, und ein bessererWille, als sich bei Gegnern zu finden pflegt, erfordert wurde.Die einzige wissenschaftliche Darstellung seines Systems ist,da sie nicht vollendet wurde, ihrer eigentlichen Tendenznach von niemand oder höchstwenigen verstanden worden.Gleich nach Erscheinung dieses Fragments fing das Ver-leumden und Verfälschen auf der einen, und das Erläutern,Bearbeiten und Uebersetzen auf der andern Seite an, wovondas in eine vermeintlich genialischere Sprache (da zugleicher Zeit ein ganz haltungslo
s
er poetischer Taumel sichder Köpfe bemächtigt hatte) die
 
 335schlimmste Gattung war. Jetzt scheint sich wieder eine ge-sundere Zeit einfinden zu wollen. Das Treue, Fleißige, Innigewird wieder gesucht. Man fängt an, die Leerheit derer, diesich mit den Sentenzen der neuen Philosophie wie französi-sche Theaterhelden gespreizt oder wie Seiltänzer geberdethaben, allgemein für das zu erkennen, was sie ist; zugleichhaben die andern, die das erhaschte Neue auf allen Märktenwie zur Drehorgel absangen, endlich einen so allgemeinenEkel erregt, daß sie bald kein Publikum mehr finden werden;besonders, wenn nicht bei jeder unverständigen Rhapsodie,worin einige Redensarten eines bekannten Schriftstellerszusammengebracht sind, von übrigens nicht übelwollendenBeurtheilern gesagt wird, sie sey nach dessen Grundsätzen verfaßt. Behandeln sie lieber jeden solchen als Original, wasdoch im Grunde jeder seyn will, und was in gewissem Sinneauch recht viele sind.
 
So möge denn diese Abhandlung dienen, manches Vorur-teil von der einen, und manches lose und leichte Geschwätz von der andern Seite niederzuschlagen.
 
Schließlich wünschen wir, es mögen die, welche den Ver-fasser von dieser Seite, offen oder verdeckt, angegriffen, nunauch ihre Meinung ebenso unumwunden darlegen, als eshier geschehen ist. Wenn vollkommene Herrschaft über sei-nen Gegenstand die freie kunstreiche Ausbildung desselbenmöglich macht, so können doch die künstlichen Schrauben-gänge der Polemik nicht die Form der Philosophie seyn. Nochmehr aber wünschen wir, daß der Geist eines gemeinsamenBestrebens sich immer mehr befestige, und nicht der dieDeutschen nur zu oft beherrschende Sektengeist die Gewin-nung einer Erkenntniß und Ansicht hemme, deren vollkom-mene Ausbildung von jeher den Deutschen bestimmt schien,und die ihnen vielleicht nie näher war als jetzt.München, den 31. März 1809.

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