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Prof. Dr. Peter Kruse
ist geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice GmbH und Honorarprofessor für Allgemeine undOrganisationspsychologie an der Universität Bremen. Zunächstbeschäftigte er sich über 15 Jahre als Wissenschaftler auf der Schnittfläche von Neurophysiologie und Experimentalpsycho-logie mit der Komplexitätsverarbeitung in intelligenten Netz-werken. Anfang der 90er Jahre reorganisierte er das Managementeiner familieneigenen Produktionsfirma und gründete eineUnternehmensberatung mit Schwerpunkt auf der Anwendungund praxisnahen Übertragung von Selbstorganisationskonzeptenauf unternehmerische Fragestellungen.Mit mitreißenden Impulsvorträgen sorgte er als Berater jahrelangim In- und Ausland fürAufsehen. 2005 bezeichnete die „Compu-terwoche“ den mehrfach Ausgezeichneten als „DeutschlandsChange-Management-Papst“. 2009 wählte ihn das „Personal-magazin“ zum wiederholten Male in die Liste der „40 führendenKöpfe im Personalwesen“.Heute liegt der Fokus von Prof. Dr. Peter Kruse auf der Entwick-lung von neuen Ansätzen zur Förderung und Nutzung kollektiver Intelligenz und zur Professionalisierung von Unternehmertumim Zeichen eines stabilisierenden Kulturaufbaus.
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Reboot_D:
Was macht eigentlich die Wirkungskraft von Netzwerken aus?
Peter Kruse:
Die Wirkungskraft und Ordnungsbildungskapazität von Netz-werken hängt wesentlich an zwei Parametern. Zum einen ist da die Dichte derVerbindungen zwischen den im Netz befindlichen Knoten. Je ausgeprägter dieDichte der Verbindungen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Aus-breitung von Wirkungen und Rückwirkungen. Je höher die Verbindungsdichtedesto höher die mögliche Komplexität. Die zweite zentrale Einflussgröße istdas Ausmaß der spontanen Aktivität der beteiligten Netzwerkknoten. Je höherdiese Spontanaktivität, also die Erregung ohne Anregung, desto intensiversind das Grundrauschen und damit die Dynamik des Netzwerkes.Übertragen auf die Welt der neuen interaktiven Medien – wie beispiels-weise Internet und Handy – ist die erste Ebene hauptsächlich eine Frage dertechnischen Infrastruktur. OhneVerbindung keineVernetzung. Es geht um das„Wie?“ derVernetzung, um das gewählte Medium, die zurVerfügung stehendeTransfermenge von Daten usw. Die frühe Phase der Internet-Euphorie wargeprägt durch die Begeisterung an den damals noch überraschenden Mög-lichkeiten des Informationsaustausches. Heute sind die Netzwerke technischhervorragend ausgestattet. Bandbreite, Nutzerfreundlichkeit, Alltagspräsenz – alles nahezu in Perfektion – weit mehr als wir uns zu Beginn hättenTräumenlassen. Das „Wie?“ der Vernetzung ist weitgehend geklärt und zur Selbstver-ständlichkeit geworden. Auf der Ebene der Spontanaktivität im Netzwerk gehtes nun um ganz andere Aspekte:• warum vernetzen sich die Menschen überhaupt?• warum sind so viele Teilnehmer tatsächlich so aktiv?• warum tragen sie ihre Kreativität kostenlos zu Markte?Es geht nicht mehr um die technischen Möglichkeiten, sondern um dieHandlungsmotivation, die zur individuellen und kollektiven Beteiligung in denNetzwerken führt.
Reboot_D:
Die aktuelle Frage lautet also nichtWIE vernetzen wir uns, sondernWARUM ...
Peter Kruse:
Genau! Die Netzwerke mit prinzipiell hoher Vernetzungsdichtesind einfach da. Das war nicht immer so. Denken wir an die Zeit vor der Ein-führung der neuen Kommunikationstechnologien zurück. Da hatten wir die
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