Nun kann man sich vorstellen, wie wirkungsvoll eine solche Strafandrohung für sichgenommen ist. Wer ein Land verlässt, in dem das verlassen des Landes eine Straftatdarstellt, wird sich ohne weitere Vorkehrungen seitens der Regierung kaum von einerFlucht abhalten lassen. Man musste also zusehen, dass man möglichst schon bei derPlanung einer Flucht zuschlagen konnte - solche Gedanken führten dann zu jenerBehörde namens Stasi und der Bespitzelung von Millionen von Bürgern.Eine ganz andere Methode, die Leute am Republikflüchten zu hindern, bestand in derzunehmenden Abriegelung der Grenzen. Da Westberlin aber noch immer einriesengroßes Schlupfloch mitten in der DDR darstellte,mehrten sich die Gerüchte, dassdie DDR-Regierung auch die Grenze innerhalb Berlins hermetisch abriegeln könnte - undso sah sich Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht im Juni 1961 genötigt zu verkünden:
Ääh, mir ist nicht bekannt, dass [eine] solche Absicht besteht, da sich dieBauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigenund ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.
Nur zwei Monate später begannen dann die Bauarbeiten an der Berliner Mauer. Ohne jede Ankündigung, beziehungsweise völlig gegen die Worte des Regierungschefs derDDR und unter dem Schutz der inzwischen gegründeten Nationalen Volksarmee (NVA).Natürlich konnte die DDR-Regierung öffentlich nicht sagen, dass die Mauer im Grundegenommen gegen die eigenen Menschen gerichtet war. Man sprach darum lieber voneinem "antifaschistischen Schutzwall" (in der DDR-Propaganda galt der Westen ohnehinals faschistisch), so als wäre die Mauer als Schutz gegen Flüchtlinge aus dem Westengedacht.
Leben mit einer Mauer mitten in der Stadt
In den Folgejahren kamen mindestens 200 Menschen beim Versuch, die Mauer innerhalbBerlins zu durchbrechen, zu über- oder unterqueren, ums Leben. Wieviele es geschaffthaben, ist schwer zu sagen aber es gab etliche, zum Teil abenteuerliche Methoden.Tunnels wurden gegraben, Autos präpariert und manche versuchten die Grenzen auch inBallons oder schwimmend zu überqueren. Das geschah nicht nur in Berlin selbst,sondern entlang der gesamten innerdeutschen Grenze, an der noch weit mehr Menschenihr Leben ließen.Für die ganze westliche Welt war die Mauer ein Symbol, dass sich hervorragend gegendie Regime der DDR und auch der Sowjetunion, die die DDR viele Jahre maßgeblichlenkte, einsetzen ließ.Unvergessen ist zum Beispiel Präsident Kennedys Rede, in der er sich mit den Worten
Ich bin ein Berliner.
für jeden Berliner und jeden Deutschen unsterblich und zudem vor aller Welt deutlichmachte, dass man auch nach dem Mauerbau von amerikanischer Seite nicht darandachte, Westerberlin aufzugeben.
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