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Berliner Mauer - was war das überhaupt,wer hat sie gebaut und wie kam es zu ihremFall?
von Jan Filter 
Viele von Euch sind ein bisschen zu jung, um es bewusst miterlebt zu haben. Anderehaben zu dem Zeitpunkt zu dem der Geschichtsunterricht mit diesem Thema nervte,vermutlich nicht den Weitblick besessen, von einer späteren Verwendung alsFaslamsthema auszugehen und schon deshalb alles schnell wieder vergessen.Wie auch immer, mir schien eine kurze geschichtliche Auffrischung nötig und darumhabe ich hier so kurz es geht die relevantesten Fakten versucht so angenehm lesbar wiemöglich zusammenzutragen.
Kriegsende und die ersten Jahre
Selbst die größten Geschichtsmuffel werden vielleicht noch wissen, dass Deutschland denZweiten Weltkrieg in jeder nur denkbaren Form verloren hat und ich mag mir ein "Gottsei Dank" an dieser Stelle nicht verkneifen.Schon während des Krieges jedoch wuchs das Misstrauen der beiden großen Machtblöcke jener Koalition, die sich einzig und allein für den Kampf gegen Nazi-Deutschland gebildethatte: Die Kommunisten Russlands und die westlichen Staaten um Amerika undGroßbritannien lieferten sich bereits im Krieg einen regelrechten Wettlauf nach Berlin,um zu gewährleisten, am Ende des Krieges eine möglichst gute Verhandlungsposition zuhaben.Das führte dazu, dass nach dem 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation also,nicht nur Deutschland komplett, sondern zusätzlich nochmal die ehemaligeReichshauptstadt Berlin, die zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als ein Haufen Trümmerwar, in insgesamt vier Zonen eingeteilt wurde, von denen die größte allerdings denSowjets, also den Kommunisten zugesprochen wurde.Bereits ein Jahr später wirkten die Sowjets darauf hin, dass die Grenzen zwischen Ost-und dem aus den drei anderen Zonen bestehendem Westberlin ebenso wie dieinnerdeutsche Grenze zwischen den beiden entstehenden Deutschlands militärischgesichert wurden. Kurz danach war das Passieren dieser Grenze dann nur noch miteinem maximal 30 Tage geltenden "Interzonenpass" möglich. Lange vor der Mauer gabes also schon so eine Art Mauer aus Regeln und Gesetzen, die die Freiheit vor allem derWestberliner einschränkte.Denn Westberlin befand sich ja inmitten der Sowjetischen Besatzungszone, also jenemBereich Deutschlands, der später zur DDR werden sollte. Dieser Umstand führte dazu,dass die Sowjets im Jahr 1948, also nur drei Jahre nach Kriegsende, mit einer BlockadeWestberlins begannen. Die "falsche" Hälfte der Stadt sollte regelrecht ausgehungertwerden. Man wollte so erreichen, dass die westlichen Alliierten ihre Besatzungszonenaufgaben und den Sowjets überlassen. Denn die konten einen solchen Vorposten mittenin dem Staat, den sie gerade aufbauten natürlich nicht gebrauchen.Um es kurz zu machen: Die Blockade scheiterte. Vor allem deshalb, weil dieKommunisten die Entschlossenheit der Amerikaner unterschätzten, die allen Ernstes eine
 
ganze Stadt mit einer in der Geschichte einmaligen "Luftbrücke" zu versorgenvermochten. Das war unfassbar teuer und forderte aufgrund vieler Flugzeugabstürzeetliche Menschenleben. Man kann den Russen also nicht verdenken, dass sie fest voneinem Erfolg ihrer Blockadepolitik ausgegangen waren, dabei aber die Entschlossenheitdes Westens - und vor allem der Amerikaner - Westberlin nicht aufzugeben unterschätzt.12 Tage nach dem Ende der Blockade Westberlins wurde die BundesrepublikDeutschland gegründet, zu der auch Westberlin gehören sollte. Wenige Monate spätergründeten die Sowjets mit der DDR ihre sozialistische Version eines Deutschen Staates,der nun eben eine Westdeutsche Enklave mitten in seinem Herzen hatte und damitirgendwie klar kommen musste.
Wie es zum Mauerbau kam
Die ersten Jahre nach ihrer Gründung waren für Ost- und Westdeutschlandgleichermaßen schwierig. Alles lag noch in Trümmern und überall hatte der Krieg auchseine psychologischen Spuren hinterlassen. Von den Zigmillionenen Menschen, die vonden Nazis ermordet oder im Krieg umgekommen waren und nun beim Wiederaufbaufehlten, ganz zu schweigen.Ost und West setzten aber auf ganz verschiedene Konzepte, um ihre Wirtschaft wieder inSchwung zu bringen. Im Westen war es der Wirschaftsminister Ludwig Erhard, der ab1949 die Marktwirtschaft in Deutschland einführte und damit etwas in Gang setzte, dasals "Wirtschaftswunder" in die Geschichte einging. Innerhalb der folgenden 10 Jahreentwickelte sich Westdeutschland von einem Trümmerhaufen zur zweitstärkstenWirtschaftsmacht der Welt.Im Osten setzte man auf staatsgelenkte Betriebe, alles sollte langfristigenausgeklügelten Plänen gehorchen. Auch das führte zu einem Wiederaufbau, nur lief derim Vergleich mit dem westdeutschenAufschwung langsamer ab.Im Juni 1953 verfügte die DDR-Regierung unter dem Staatsratsvorsitzendem WalterUlbricht, die ja die Löhne willkürlich festlegen konnte, dass nunmehr für den gleichenLohn mehr gearbeitet werden sollte. Die Arbeiter der DDR wussten vom westdeutschenWirtschaftswunder, sahen also, dass auf der anderen Seite die Menschen offensichtlichnicht mehr mit den gleichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten, wie inOstdeutschland.Am 17. Juni 1953 kam es in vielen Städten der DDR darum zu Streiks undDemonstrationen, die sich zu einem Volksaufstand entwickelten. Eine Regierung, die sichals alleinige Macht darstellen wollte, konnte das aber nicht auf sich sitzen lassen undmusste etwas tun. Der Aufstand wurde also blutig niedergeschlagen, es kam zuhunderten von Toten und die Anführer dieser Aufstände wurden zum Tode verurteil undteils enthauptet. In Westdeutschland wurde der 17. Juni später zum Nationalfeiertagerklärt, im Gedenken an die Opfer und die Gräueltaten dieses Tages, an dem die Bürgerder DDR gezeigt hatten, dass sie sich nicht alles gefallen lassen wollten und darin brutalunterdrückt worden waren.Schon vor, vor allem aber nach den Erfahrungen um den 17. Juni begannen vieleMenschen aus der DDR in den Westen Deutschlands zu fliehen. Sie gingen, weil ihnendie Arbeits- und Lebensbedingungen in der DDR zuwider waren, weil sie mehr Freiheitwollten, als das Regime ihnen zugestehen konnte und wollte. "Republikflucht" nannteman das und sie fand in einem Maß statt, dass die Wirtschaft der DDR ernsthaftgefährdete. 1957 wurde Republikflucht schließlich sogar zu einem Straftatbestanderklärt. Damit wurde die DDR quasi zu einem gigantischen Gefängnis für seineMenschen.
 
Nun kann man sich vorstellen, wie wirkungsvoll eine solche Strafandrohung für sichgenommen ist. Wer ein Land verlässt, in dem das verlassen des Landes eine Straftatdarstellt, wird sich ohne weitere Vorkehrungen seitens der Regierung kaum von einerFlucht abhalten lassen. Man musste also zusehen, dass man möglichst schon bei derPlanung einer Flucht zuschlagen konnte - solche Gedanken führten dann zu jenerBehörde namens Stasi und der Bespitzelung von Millionen von Bürgern.Eine ganz andere Methode, die Leute am Republikflüchten zu hindern, bestand in derzunehmenden Abriegelung der Grenzen. Da Westberlin aber noch immer einriesengroßes Schlupfloch mitten in der DDR darstellte,mehrten sich die Gerüchte, dassdie DDR-Regierung auch die Grenze innerhalb Berlins hermetisch abriegeln könnte - undso sah sich Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht im Juni 1961 genötigt zu verkünden:
 Ääh, mir ist nicht bekannt, dass [eine] solche Absicht besteht, da sich dieBauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigenund ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer  zu errichten.
Nur zwei Monate später begannen dann die Bauarbeiten an der Berliner Mauer. Ohne jede Ankündigung, beziehungsweise völlig gegen die Worte des Regierungschefs derDDR und unter dem Schutz der inzwischen gegründeten Nationalen Volksarmee (NVA).Natürlich konnte die DDR-Regierung öffentlich nicht sagen, dass die Mauer im Grundegenommen gegen die eigenen Menschen gerichtet war. Man sprach darum lieber voneinem "antifaschistischen Schutzwall" (in der DDR-Propaganda galt der Westen ohnehinals faschistisch), so als wäre die Mauer als Schutz gegen Flüchtlinge aus dem Westengedacht.
Leben mit einer Mauer mitten in der Stadt
In den Folgejahren kamen mindestens 200 Menschen beim Versuch, die Mauer innerhalbBerlins zu durchbrechen, zu über- oder unterqueren, ums Leben. Wieviele es geschaffthaben, ist schwer zu sagen aber es gab etliche, zum Teil abenteuerliche Methoden.Tunnels wurden gegraben, Autos präpariert und manche versuchten die Grenzen auch inBallons oder schwimmend zu überqueren. Das geschah nicht nur in Berlin selbst,sondern entlang der gesamten innerdeutschen Grenze, an der noch weit mehr Menschenihr Leben ließen.Für die ganze westliche Welt war die Mauer ein Symbol, dass sich hervorragend gegendie Regime der DDR und auch der Sowjetunion, die die DDR viele Jahre maßgeblichlenkte, einsetzen ließ.Unvergessen ist zum Beispiel Präsident Kennedys Rede, in der er sich mit den Worten
Ich bin ein Berliner.
für jeden Berliner und jeden Deutschen unsterblich und zudem vor aller Welt deutlichmachte, dass man auch nach dem Mauerbau von amerikanischer Seite nicht darandachte, Westerberlin aufzugeben.
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