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Die Guerilla zieht Bilanz - Über Uruguay

Die Guerilla zieht Bilanz - Über Uruguay

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Aus: Die Guerilla zieht Bilanz - Über Uruguay
Auch die Uruguayer außerhalb der Gefängnisse waren während der 12-jährigen Diktatur einer ausgefeilten sozialen Kontrolle unterworfen; es herrschte eine lückenlose Pressezensur, an die Öffentlichkeit gelangte nur die Desinformation des Regimes. Alle drei Millionen Einwohner waren gemäß ihres Gefährlichkeitsgrades in die Kategorien A, Bund C eingeteilt, und das "Zertifikat über den demokratischen Glauben" der Diktatur entschied über Fortbildung, Arbeitsplatz und Überwachung. Die Polizei löste Fußballclubs auf, Lind sogar Geburtstagsfeiern waren genehmigungspflichtig. Langhaarigen wurde auf der Straße der Kopf geschoren und Bärtigen der Zutritt zu Schulen verwehrt.
Aus: Die Guerilla zieht Bilanz - Über Uruguay
Auch die Uruguayer außerhalb der Gefängnisse waren während der 12-jährigen Diktatur einer ausgefeilten sozialen Kontrolle unterworfen; es herrschte eine lückenlose Pressezensur, an die Öffentlichkeit gelangte nur die Desinformation des Regimes. Alle drei Millionen Einwohner waren gemäß ihres Gefährlichkeitsgrades in die Kategorien A, Bund C eingeteilt, und das "Zertifikat über den demokratischen Glauben" der Diktatur entschied über Fortbildung, Arbeitsplatz und Überwachung. Die Polizei löste Fußballclubs auf, Lind sogar Geburtstagsfeiern waren genehmigungspflichtig. Langhaarigen wurde auf der Straße der Kopf geschoren und Bärtigen der Zutritt zu Schulen verwehrt.

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Warum das Drei-Millionen-Volk »Die SchweizAmerikas« genannt wird, darüber sind dieMeinungen geteilt; die einen meinen, dies sei der(früheren) politischen Stabilität und dervorbildlichen Sozialgesetzgebung zu verdanken,andere glauben, daß es dem Umstand zuverdanken sei, daß die Uruguayer wie dieEidgenossen überaus konservativ seien.1903 gelangte der Colorado-Politiker Jose Battle yOrdrriez an die Regierung und legte dieGrundlagen für einen modernen Staat. Ohne dieMacht der Großgrundbesitzer anzugreifen, schuf er einen internen Markt, nationalisierte dieEisenbahn und Versicherungen, erhöhte dieindustrielle Produktion und führte Schutzzöllezugunsten der einheimischen Betriebe ein. DieKirche wurde entmachtet, der Acht-Stunden-Tag,Sozial-und Rentenversicherung sowie das Rechtauf kostenlosen Unterricht kamen sechzig Jahrevor der»Fortschrittsallianz« vor allem den Armenzugute. Der Staat wurde zum wichtigstenArbeitgeber, der Paternalismus und damitKlientelismus wuchs, und es entstand eine riesigeMittelschicht.Nach dem Korea-Krieg war es mit der sozialenIdylle vorbei. Der synthetische Ersatz für Wolleund Leder ließ die Nachfrage für die traditionellenExporte auf dem Weltmarkt sinken, und dieextensive Viehwirtschaft erwies sich alsHemmschuh für die notwendigenStrukturreformen. Die Lohnabhängigen mußtenden Gürtel enger schnallen, und das Land gerietunter das Diktat des IWF. Uruguay mußte sich
 
verpflichten, den freien Wechselkurs zuzulassen,der Inflation und Arbeitslosigkeit nach sich zog.Anfang der sechziger Jahre machen ein gewisserRaul Sendic und die von ihm gegründeteGewerkschaft der Zuckerrohrarbeiter UTAA vonsich reden; sie besetzen Fabriken und machen inmehreren Märschen in die Hauptstadt auf diefeudalen Arbeitsbedingungen auf dem Landaufmerksam. Im Juli 1963 stehlen sie aus dem»Schweizer Schießclub« Gewehre, ein halbes Jahrspäter beginnen sie mit ihren Robin-Hood-Aktionen: Sie überfallen Lieferwagen undverteilen die Lebensmittel in den Armenvierteln.Aus dieser Gruppe um Raul Sendic, NatoHuidobro und Julio Marenales geht 1966 offizielldie »Bewegung der Nationalen Befreiung«, MLN- Tupamaros hervor.Die Tupas wurden wohl zur berühmtestenStadtguerilla. Auf ihrem Höhepunkt hatten sie -soeine Schätzung der uruguayischen Polizei -rund10.000 mehr oder weniger militante Anhänger.Kaum eine Bank und kaum einer aus demGroßkapital war vor ihnen sicher. Ihrespektakulärsten Aktionen waren die Besetzungder Stadt Pando (8. Oktober 1969), dieEntführung des britischen Botschafters (9. Januar1971) und des Herausgebers zweier reaktionärer Tageszeitungen (September 1969) und dieEntführung und Erschießung des US-amerikanischen Folterspezialisten Dan Mitrione(31. Juli bis 10. August 1970), nacherzählt in demFilm »Der unsichtbare Aufstand«. Die größtenSympathien erreichten sie mit dem Einbruch in
 
die Finanzierungsgesellschaft »Monty« am 14.Februar 1969; sie ließen dabei nicht nur 24.000Dollar, sondern auch die Kassenbücher mitgehen,in denen die illegalen Transaktionen mitScheinfirmen festgehalten waren. Die MLN legteKopien der Bücher einem Richter vor die Haustürund löste damit die Verhaftung mehrererangesehener Geschäftsleute und eineRegierungskrise aus. Ein überführter Ex-Minister,den die Justiz mit Samthandschuhen anfaßte,wanderte ins Volksgefängnis.Noch unter der verfassungsmäßigen Regierungdes Colorado-Politikers Jorge Pacheco Arecowaren der innere Kriegszustand erklärt, dieindividuellen Rechte außer Kraft gesetzt und dasLand in einen Polizeistaat verwandelt worden. Die Tupamaros wurden 1972 militärisch zerschlagen.Als ein Jahr später, am 27. Juni 1973, die Militärsputschten, hielten die Gewerkschaften einenzweiwöchigen Generalstreik durch. Nun wurdendie gesamte Linke und die GewerkschafteniIIegalisiert. Insgesamt lernten 50.000 Bürger dieGefängnisse von innen kennen, und fast alle sindgefoltert worden. Im Hochsicherheits Gefängnis"Libertad", zu deutsch: Freiheit, versuchte einspeziell geschultes Psychologen-Team mitwissenschaftlichen Methoden die Persönlichkeitder Gefangenen zu zerstören.Auch die Uruguayer außerhalb der Gefängnissewaren während der 12-jährigen Diktatur einerausgefeilten sozialen Kontrolle unterworfen; esherrschte eine lückenlose Pressezensur, an dieÖffentlichkeit gelangte nur die Desinformation

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