Kausalit\u00e4t im S\u00fcden
Niklas Luhmann
Zusammenfassung: Politische Entwicklungsplanungen, die rechtliche und
monet\u00e4re Mechanismen benutzen, haben sich als wenig erfolgreich
erwiesen. Widerstand gegen Modernisierung ist, infolge dieser
Erfahrung, durch Faktoren wie "Tradition", "Kultur", "Mentalit\u00e4ten"
erkl\u00e4rt worden. Aber solche Erkl\u00e4rungen sind mehr oder weniger
tautologisch geblieben. Es wird vorgeschlagen, sie durch einen Faktor zu
ersetzen, den man als "soziale Konstruktion" von Kausalit\u00e4t bezeichnen
k\u00f6nnte.
Nach jahrzehntelangen Forschungen \u00fcber Kausalattribution und
Wahrnehmung kausaler Beziehungen kann man nicht mehr davon
ausgehen, da\u00df Beziehungen zwischen Ursachen und Wirkungen
objektive Sachverhalte der Welt seien, \u00fcber die dann wahre bzw.
unwahre Urteile m\u00f6glich sind. Vielmehr geht es um eine Unendlichkeit
m\u00f6glicher Kombination von Ursachen und Wirkungen, die nur extrem
selektiv genutzt werden kann, wenn ein Zusammenhang von
bestimmten Ursachen mit bestimmten Wirkungen irgendeinen
kognitiven oder praktischen Sinn geben soll. In anderen Worten:
Kausalit\u00e4t ist ein Medium lose gekoppelter M\u00f6glichkeiten, dessen
Verwendung eine Bildung von relationalen Formen, also eine feste
Kopplung bestimmter Ursachen und bestimmter Wirkungen erfordert.
Aussichten auf erfolgreiches Handeln ebenso wie das Beobachten der
Intentionen anderer h\u00e4ngt von einer solchen Formselektion ab. Dabei
handelt es sich um soziale Konstrukte, deren Konstruktion jedoch nicht
wie eine Meta-Ursache, gleichsam als Ursache der Kausalit\u00e4t selbst, in
das Kausalschema aufgenommen wird. Vielmehr dient die Formbildung
als "blinder Fleck", der es \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht, Kausalit\u00e4t zu
sehen
und
zu
benutzen.
Wenn eine Gesellschaft daran gew\u00f6hnt ist, Kausalit\u00e4t in personalisierten
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