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Moishe Postone - Geschichte und Ohnmacht

Moishe Postone - Geschichte und Ohnmacht

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Geschichte und Ohnmacht
Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus
Geschichte und Ohnmacht
Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus

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Geschichte und Ohnmacht
Massenmobilisierung
und
aktuelle
Formen
des AntikapitalismusDerZeitra
um
seitdenfrühen siebzigerJahrenistbekanntlichvoneinemtiefgreifendenhistorischen
Strukturwandel
geprägt, derhäufigalsÜbergangvom Fordismus zumPostfordismusbezeichnetwird (oderbesseralsÜbergangvom FordismusüberdenPostfordismuszumneoliberalenglobalenKapitalismus) und die Mittedes 20. Jahrhundertsentstandenestaatszentrierte Ordnung unterminiert'hat. Diese Transformation desgesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Lebens ist ebensoeinschneidend wie der frühere Übergang vom liberalen Kapitalismusdes
19.
Jahrhunderts indiestaatsinterventionistischen,bürokratischenFormen des 20. Jahrhunderts.Weil auch der dramatische Zusammenbruch der Sowjetunion unddesKommunismus inOsteuropasichimZugedieserTransformationenvollzog, wurden sie als Anzeichen für das Ende des Marxismus undder Marxschenkritischen Gesellschaftstbeorie gedeutet. Zugleichha
ben
die jüngeren historischen Transformationen
jedoch
die zentraleBedeutung historischer Dynamik
und
übergreifender strukturellerVeränderungen erneut
erwiesen-
die Problematik, die
im
Zentrumder Marxschen Kritik steht (und die genau
jene
ist, die den großenTheorienderpostfordistischenÄra- denen vonFoucault, DerridaundHabermas - entgleitet).Rückt man diese Problematik in den Mittelpunkt, dann erscheinteine Reihe wichtiger Fragen in neuem Licht. So stellt sich etwa dasVerhältnis der Demokratie zum Kapitalismus und zu seiner Negation, dem Kommunismus, anders dar, wenn es
au
die übergreifendenhistorischenTransformationenderletztendreißig Jahrebezogenwird;gleiches gilt
au
einer allgemeineren Ebene für das Verhältnis vonhistorischer Kontingenz (und somit Politik) und Notwendigkeit.Derjüngere StrukturwandelistdieUmkehrung einerEntwicklung,die als Logik eines zunehmenden Staatszentrismus erschien. Folglichwerden lineare Vorstellungen historischer Entwicklung, ob marxistischoderweberianisch, durch diesen
Strukturwandel
in
Fragegestellt.Die Feststellung umfassender historischer Muster - wie derAufstiegdes Fordismus aus der Krise des liberalen Kapitalismus des 19. Jahr-
195
 
hundertsund derspätereNiedergangderfordistischen
Synthese -
zeigtzudem, daß das Ausmaß der Kontingenz im Kapitalismus beschränktist. Aus der SphärederPolitikallein,beispielsweisedenUnterschiedenzwischen konservativen und sozialdemokratischen Regierungen, läßtsichnichterklären, warumunabhängigvon
der jeweiligen Regierungs-
partei die Institutionen des Wohlfahrtsstaats überall
im
Westen in dennfziger, sechzigerund frühen siebzigerJahren gestärktundausgebautwurden, nurum
in
dendarauffolgendenJahrzehntenzurückgestutztzuwerden. DieUnterschiede,die esdabei zweifellosgab,warengraduelle,nicht qualitative.Die Existenz solcher allgemeinen Muster, die meines Erachtensin letzter Instanz in der Dynamik des Kapitals gründen, wurde
in
denDiskussionen über Demokratie ebenso weitgehend übersehen wie inden Debatten über die
Vorzüge
gesellschaftlicher Planung gegenüberder Marktvermittlung. Diese Muster verweisen
au
einen bestimmtenGrad historischerNotwendigkeit. Indem Marx sie aus den Kategorienseiner Kritik entwickelte, bestimmte
er
sie als historisch spezifischeFormenvonHeteronomieunddeutetedaraufhin, daß dieÜberwindungdes Kapitals nicht allein Ausbeutung und strukturelle Ungleichheitumfaßt, sondern auch bestimmte strukturelle Einschränkungen desHandeins, wodurch sich
das
Reich historischer Kontingenz und somitder Horizont der Politik erweitern.Soweit wir von 'Indeterminiertheit' reden wollen, sollten
wir
dar-unter ein Ziel sozialen und politischen Handelns verstehen und nichteine ontologische Eigenschaft des gesellschaftlichen Lebens. Posi-tionen, die dies versuchen, betonen
zwar
den Zusammenhang vonFreiheitund Kontingenz, übersehen dabeijedoch, daß die Kontingenzdurch das Kapital als Form gesellschaftlichen Lebens eingeschränktwird. Innerhalb des hierdargestellten theoretischen Rahmens läßt sichder Begriff 'Kommunismus' als Bezeichnung der Indeterminiertheitwiedergewinnen, diemitderÜberwindungderkapitalistischenZwängemöglichwird; SozialdemokratiebezeichnetdieVersuche, Ungleichheit
im
Rahmen der Notwendigkeit zu mildem, die das Kapital stiftet. DerKommunismus, in diesem Sinne als Unbestimmtheitverstanden, kann jedochnuralshistorischbestimmteglichkeitentstehen, die aus deninneren Spannungendes Kapitals erwächst, undnichtals 'Tigersprung'aus der Geschichte.
196
 
Das zweitegroßeThema, das diejüngerenhistorischenTransfonnationen aufwerfen, istderInternationalismus.
Der
Zusammenbruch
der
Sowjetunion
und
das Ende des Kalten Krieges haben die Möglichkeiteines erneuerten, global kritischen Internationalismus eröffnet;
im
 
Gegensatz
zu
 jenen
Fonnen
des 'Internationalismus' aus der Zeit desKalten Krieges, deren Kritik 
an
einem
der
Lager zugleich als Legitimationsideologie
für
andere Lager diente. Diese waren
 jedoch
durch
und
durch Teil eines größeren Ganzen, das
der
Gegenstand
der
Kritik hätte sein sollen.
Dieser
Aufsatz stellt
den Beginn einer
Auseinandersetzung
mit
diesem zweiten großen
Thema
dar, dem Zusammenhang
von
historischenVeränderungen, Internationalismus
und
den gegenwärtigenpolitischenMobilisierungen. TrotzderzentralenBedeutungderMarxschenAnalyse für einen
Begriff der
heutigen Welt besteht eine tiefe Kluftzwischen seinerkritischen Theorie des Kapitalismus
und
den meisten jüngerenantihegemonialenMassenmobilisierungen. Ichmöchte einigehöchst vorläufige Reflexionen
über
die Sackgassevorstellen,indie
viele antihegemoniale Bewegungen
 
meines Erachtens heute geratensind, unter kritischer Berücksichtigung verschiedener
Fonnen
politischer Gewalt.Diese Sackgassezeigte sich
au
dramatischeWeise
in
den ReaktionenvielerLinker- in
 jedem
FallindenUSA,vielleichtauch
in
Europa-
au
den Selbstmordanschlag
au
das
World Trade Center
am
11. September2001
und
am Charakter
der
Massenmobilisierungen gegen denIrak-Krieg.
In
beiden Fällen
war
die Linke
mit
etwas konfrontiert, dassie als Dilemmahätte begreifenmüssen-
au
einmal befand sich eineglobale imperiale Macht
im
Konflikt
mit
einer zutiefst reaktionärenBewegung
der
Gegenglobalisierung,
im
anderen Fall
im
Konflikt miteinembrutalenfaschistoiden Regime. Dochinkeinem
der
beidenlleproblematisierte die Linke (wenigstens in den USA) dieses Dilemma
und
versuchte, diese Konstellation
im
Hinblick 
au
etwas
zu
analysieren, das in
der
heutigen Welt außerordentlich schwierig gewordenist- die Fonnulierung einerKritik 
in
emanzipatorischerAbsicht. Dieshätte erfordert, eine neue
Fonn
des Internationalismus
zu
entwickeln,die mit den Dualismen des Bezugsrahmens des Kalten Krieges bricht.Diese Dualismen legitimierten häufig die Politik 
und
Struktur
von
Staaten als 'antiimperialistisch', die keinen
Deut
emanzipatorischer
197

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