Octave Mirbeau : Ein Kind (1902)
Motteau machte folgende Aussage: »Herr Präsident ... ! Sie haben jetztalle diese Leute gehört, meine guten Nachbarn und meine lieben Freunde. Siehaben mich nicht geschont, und das ist ganz recht. Ah, sie haben nicht so vielCourage gehabt, so lange ich noch in Boulaie-Blanche war und noch keineGendarmen zwischen ihnen und den Lauf meiner Flinte standen. Sie liebtenmich nicht, das ist sicher, aber sie hätten sich gehütet, von ihrem Haß etwasmerken zu lassen, weil sie wohl wußten, daß mit Motteau nicht zu spaßen ist.Heute steht die Sache freilich anders. Sehen Sie, das kostet mich nur einAchselzucken, und ich lache, wenn mir auch nicht darnach ist. Maheu, dereinäugige Maheu, der Ihnen jetzt gesagt hat, daß ich ein Mörder und ein Diebbin, eben dieser Maheu war es, der voriges Jahr auf dem Markt in Gravoir denFlurwächter von Blandé ermordet hat. Leugne es nicht ab, du Schuft, wirwaren miteinander ...! Léger, der bucklige Léger, der soeben vor Ihnen seineendlosen, scheinheiligen Reden geführt hat, Léger hat vor sechs Monaten dieKirche von Pontillon ausgeraubt. Er wird nicht die Frechheit haben, es inAbrede zu stellen; wir haben den Streich zusammen ausgeführt. Nicht wahr,Léger? Sie wissen nicht, Herr Präsident, wer dem alten Jaquinot den Halsumgedreht hat, als er eines Abends vom Markt in Feuillet heimging? Sie habendamals eine Menge Leute deshalb eingesperrt und endlose Untersuchungenangestellt. Es ist Sorel, Sorel, der gerade vorhin meinen Kopf von Ihnenverlangt hat. Was, alter Kamerad, du sagst nicht nein? Das wäre nämlich nichtgut möglich, sehen Sie; während er den Alten erwürgte, habe ich seineTaschen durchsucht, ha, ha! Wundert Sie das? Aber schau'n Sie die Leutedoch nur an! Ah, ihr seid nicht mehr stolz, meine Guten, nicht mehr hochnäsig,ihr zittert und werdet blaß. Ihr sagt euch wohl, daß ihr euch selbst verratenhabt mit eurer Anzeige gegen Motteau, den ihr loswerden wolltet, und daßjetzt uns allen die nämliche Guillotine den Hals abschneiden wird.Herr Präsident! Was ich Ihnen sage, ist die Wahrheit: Sie können mirruhig glauben. Wir sind alle so in Boulaie-Blanche; und weiß Gott, das ist zubegreifen. Zwei Meilen rund um unsern Hügel giebt's keine gute Erde, nichtsals Heidekraut und stachliges Gebüsch auf der einen Seite, nichts als Sand
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