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Herbert Marcuse - Über soziale u. pol. Aspekte des Nationalsozialismus

Herbert Marcuse - Über soziale u. pol. Aspekte des Nationalsozialismus

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Aus Herbert Marcuse "Nachgelassene Schriften" Band 5: Feindanalysen - Über die Deutschen
Aus Herbert Marcuse "Nachgelassene Schriften" Band 5: Feindanalysen - Über die Deutschen

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11/13/2012

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text

original

 
Über
soziale
und
pol
iti
sch
e
Aspekte
d
e
s
Na
t
i
on
a
lso
zialismus
Der
vorliegende
Text
befindet
sich
unter
der hier zitierten Überschrift
im
Max
Horkheimer
-·
und
nicht
im
Marcuse-Archiv.
Er
ist
von
1941
und umfaßt
im
Ori
ginal
29 Typoskriptseiten
mit zahlreichen Streichungen
handschriftlichen
Anmerkungen.
Das
Manuskript ist
aller
Wahrscheinlichkeit
nach
eine Vorarbeit
zu
dem
Vortrag»State
and
Individual
under Nationalsocialism
cc
.
Der
Vortrag
war
Teil
einerVorlesungsreihe überden
deutschen
Faschismus,
die
das
Institut
Ende
1941
an
der
Golumbia Universität
v e r a n s t a J t ~ t e .
M ~ u c u s e
schrieb
am
15.
Okto
ber
an
Horkheimer:
ªPoIIock
hat
vorgeschlagen,
daß
ich
einen
englischen
Vor
trag
über
State
and
Individual
under Nationalsocialism
halten
soll.
Vielleicht
läßt
sich
die
Arbeitdaranr
meinen
Aufsatz
[gemeint
ist
»Some
Sociallmplications
of
Modern
Technologycc,
1941/42,!.-E.
Jansen]
verwenden
-
dann
wäre
sie
loh
nenswert.
Sie
könnte einen konkreten
Ausgangspunkt
liefern,
um
zu
zeigen,wiedas
bürgerliche Individuum
eigentlich
beschaffen
ist
und
daß
der
Nationalsozialismus
dieses
Individuum eher
erfüllt
als
abschafft.«
(in:
Max
Horkheimer,
Gesammelte
Schriften,
Bd.
17,
S.
200).
Die
Übersetzung
berücksichtigt
alle Strei
chungen
und
handschriftlichen
Ergänzungen Marcuses.
Die
Übersetzung
aus
dem Englischenstammt
von
P e t e r ~ E r w i n
Jansen.
Wir
müssen heutzutage nicht länger die Meinung widerlegen,
daßder
Nationalsozialismus eine
Revolution
bedeutet.
Wenn
Revolution eineÄnderung
~
der
g e s ~ l l s c h a f t l i c h e n
Gesamtstruktur meint, also dieÜbertragung
der
herrschenden MachtaufeineneuesozialeGruppe,dieEinführung neuer Standards für die Produktion
und
Verteilung
von
Reichtumetc.,
dann
istderNationalsozialismusnichtsdergleichen.
Der
 
 
folgendeVortragwirdversuchenzuzeigen, daß diegleichen Kfte undInteressen,diediedeutscheGesellschaftseitdem
1.
Weltkriegbestimmten, letztlich auch den nationalsozialistischen Staatbeherrschen.Auf der anderen Seite ist der Nationalsozialismus keine gesellschaftliche
und
politische
Restauration.
Das nationalsozialistischeRegime stellt in großem Maße die Herrschaft derjenigen Kräfte
und
Interessenwiederher, dievonderWeimarerRepublikbedrohtodervonihr enttäuscht worden sind. Wir müssen
nur
auf die Tatsache hinweisen,
daß
die Armee wieder ein Staat im Staate geworden ist, daß dieAutorität des Unternehmers in den Betrieben von zahlreichen Ein
..
.schränkungen befreit
und
die Arbeiterklasse unter totalitäre Kontrollegebrachtwurde. Dennoch
hat
dieserProznichtdie alten Formen derHerrschaft
und
sozialen Schichtungwiederhergestellt. Dernationalsozialistische Staat
hat
kaum etwas mit der gesellschaftlichen und politi-!_schen Struktur des alten Reiches gemeinsam. Die
A r m e e ~
einmal dieBrutstätte-preußischen Drills
und
des Feudalismus, wurde sogar ehernach demokratischen Auswahlprinzipien reorganisiert,
und
über diesozialen Beziehungen außerhalb der Armee
hat
sich ein NetzpseudodemokratischerMaßnahmengelegt. UnternehmerundArbeitersind
in
derdeutschenArbeitsfrontvereint,nehmenSchulter
an
Schulter
an
dengleichen Demonstrationen
und
Paraden teil,'haben·sich den gleichenVerhaltensregeln verpflichtet. Eine Reihe von Privilegien
und
Unterscheidungen, Reste der feudalen Ordnung wurden abgeschafft. Dochwichtigerist, diestaatliche Bürokratie
und
dieführenden Bosseaus derIndustrie
und
der Finanzwelt sind zu einer neuen Gruppe verschmolzen, wurden von dernationalsozialistischen Partei aufgewertetundbejahendenneuen Herrenunddieneuen MethodenderRegierung.Der Führerstaatist
in
derTatnicht mehreinebloße Ideologie, sondernschreckliche Realität.
Wenn
dem so ist - die folgenden Vorträge wer
den
versuchen, diese Tatsachen zu
belegen-,
wenn der Nationalsozialismus weder eine Revolution, noch eine Restauration ist,
was
is
e
dann?
Dieser Vortrag wird sich mit diesen Fragen beschäftigen. Er wirdversuchen zu zeigen,-daß der Nationalsozialismus die
alte
gesellschaftlicheOrdnung
nur
durch die Entwicklung einer
neuen
Ordnung
absichern konnte, die neue
Formen
der sozialen
und
politischen
Vorherr-
schaft hervorbrachte, die womöglich mit dem Inhalt unvereinbar sind,densiezuerhaltenwünschen. IndieserEinführungsvorlesungsollledig-
 
 
lieh ein allgemeiner Rahmen für die
dann
folgende Diskussionkonkreter Themen gegeben werden.Die gewöhnliche Herangehensweise
an
den Nationalsozialismuswirdvon zwei
sehr
auffälligen Phänomenengeleitet: (1) demtotalitärenCharakter des
Staates
und
(2) dem autoritären Charakter
der
Gesell-
schaft.
Diese Phänomene lassen
uns
im Nationalsozialismus die absolute Herrschaft des Staates über alle privaten
und
sozialen Beziehungen
und
die völlige Unterdrückung des menschlichen Individuums mitall seinen Rechten
und
Fähigkeiten sehen. Wir werden versuchen
zu
zeigen,
daß
diese Interpretation bestenfalls äußerst fragwürdig ist.Die These, die
wir
entwickeln werden, lautet,
daß
der
National-
sozialismusnicht 
länger 
ein Staat 
im
traditionellen
Sinne
des Begriffsist
under
wedermitdenbekannten FormendesAbsolutismus
noch
mitdenen
der
Demokratie identisch ist. Er·tendiert
eher
dazu, jede Trennung zwischen Staat
und
Gesellschaftabzuschaffen, indem
er
die politischen Funktionen auf die Gesellschaft überträgt, also auf die eigentlichherrschende soziale Gruppe. MitanderenWorten,
der
Nationalsozialismus tendiert zu einer direkten
und
schnellen Selbstherrschaft
der
vorherrschenden sozialen
Gruppen über
den Rest
der
Bevölkerung.Eine solche Regierung impliziert eine kontrollierte
und
manipulierteBefreiung
der
Individuen.
Um
diese These
zu
erklären, müssen
wir
unskurz
der
wesentlichenImplikationendesBegriffs
»Staat«
vergewissern.Sie
kannam
besten
anhandder
Unterscheidung
 zwischen
Staatund Gesellschaft 
erklärt werden.
Der
moderne·Staat -
und
wir behandeln
nur
diese Form des Staates
-war 
außerhalb des Reichs
der
menschlichenBeziehungen, die
man
für nicht-politisch hielt
und
die ihren,eige
nen
Gesetze
und
Standards unterworfen waren, errichtet
und
organisiertworden. DasprivateLeben
der
Individuen,die Familie,die Kirche,große Bereiche
der
Wirtschaft
und
das
kulturelle Lebengehörtenindieses Reich. Das bedeutet nicht,
daßder
Staat es unterließ, sich in diesozialen Beziehungen einzumischen; nicht·
nur
der
absolutistischeStaat,sondern
auch
der demokratische Staatbeanspruchten
und
übtendieses Recht aus.
Der
Staat erkannte
damit
an,
daß
gewisse angebore
ne
soziale Rechte seinereigenen
Macht
vorausgehen und.seine Einmischung
nur
insoweitgerechtfertigt
und
akzeptiertist,wiesiedieseRechte schützt, fördert
oder
wiederherstellt. Wie
auch
immerdie Rechte derMenschen
als
sozialeWesen,
als
MitgliedereinerGesellschaftdefiniertworden sind, - als die Freiheit zu
kaufen
und
zu verkaufen, Verträge
 

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