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Theodor W. Adorno zu Walter Benjamin

Theodor W. Adorno zu Walter Benjamin

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Vermächtnis. Dialektisches Denken ist der Versuch, den Zwangscharakter der Logik mit deren eigenen Mitteln zu durchbrechen. Aber indem es dieser Mittel sich bedienen muß, steht es in jedem Augenblick in Gefahr, dem Zwangscharakter selber zu verfallen: die List der Vernunft möchte noch gegen die Dialektik sich durchsetzen. Nicht anders läßt das Bestehende sich überschreiten als vermöge des Allgemeinen, das dem Bestehenden selbst entlehnt ist. Das Allgemeine triumphiert übers Bestehende durch dessen eigenen Begriff, und darum droht in solchem Triumph die Macht des bloß Seienden stets sich wied
Vermächtnis. Dialektisches Denken ist der Versuch, den Zwangscharakter der Logik mit deren eigenen Mitteln zu durchbrechen. Aber indem es dieser Mittel sich bedienen muß, steht es in jedem Augenblick in Gefahr, dem Zwangscharakter selber zu verfallen: die List der Vernunft möchte noch gegen die Dialektik sich durchsetzen. Nicht anders läßt das Bestehende sich überschreiten als vermöge des Allgemeinen, das dem Bestehenden selbst entlehnt ist. Das Allgemeine triumphiert übers Bestehende durch dessen eigenen Begriff, und darum droht in solchem Triumph die Macht des bloß Seienden stets sich wied

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Vermächtnis.
Dialektisches Denken ist der Versuch, denZwangscharakter der Logik mit deren eigenen Mitteln zu durch-brechen. Aber indem
es
dieser Mittel
sich
bedienen muß, steht
es
in jedem Augenblick in Gefahr, dem Zwangscharakter selberzu verfallen: die List der Vernunft möchte
noch
gegen dieDialektik 
sich
durchsetzen. Nicht anders
läßt
das Bestehende
 
sich
überschreiten als vermöge
des
Allgemeinen, das dem Bestehenden selbst entlehnt ist. Das Allgemeine triumphiert übersBestehende durch dessen eigenen Begriff, und darum droht in
solchem
Triumph die
Macht
des
bloß Seienden stets
sich
wiederherzustellen aus der gleichen Gewalt, die sie brach. Durch dieAlleinherrschaft der Negation wird nach dem Schema des immanenten Gegensatzes die Bewegung
des
Gedankens wie der Geschichte eindeutig, ausschlilich, mit unerbittlicher Positivitätgeführt. Alles wird unter die in der gesamten Gesellschaft histo
risch
je
maßgebenden wirtschaftlichen Hauptphasen und ihreEntfaltung subsumiert: das ganze Denken hat etwas von dem,was Pariser Künstler le genre
chef-d' oeuvre
nennen.
Daß
dasUnheil gerade von
der
Stringenz solcher Entfaltung bewirktwird; daß jene geradezu mit der
Herrschaft
zusammenhängt, istin der kritischen Theorie zumindest nicht explizit, welche wiedie traditionelle vom Stufengang auch das Heil erwartet. Stringenz und Totalität, die bürgerlichen Denkideale von Notwendigkeit und Allgemeinheit,
umschreiben
in der
Tat
die Formelder Geschichte, aber eben darum schlägt in den festgehaltenen
herrschaftlich
großen Begriffen die Verfassung der Gesellschaft
sich
nieder, gegen welche dialektische Kritik und Praxis
sich
richten. Wenn Benjamin davon
sprach,
die
Geschichte
sei
bislangvom Standpunkt
des
Siegers geschrieben worden und müsse vondem der Besiegten aus geschrieben werden,
so
re dem hinzuzufügen, daß zwar Erkenntnis die unselige Geradlinigkeit derFolge von Sieg und Niederlage darzustellen hat, zugleich aberdem
sich
zuwenden muß, was in
solche
Dynamik ·nicht einging,am Wege liegen blieb - gewissermaßen den·Abfallstoffen undblinden Stellen, die der Dialektik entronnen sind.
Es
ist dasWesen
des
Besiegten, in seiner Ohnmacht unwesentlich, abseitig,skurril zu scheinen. Was die herrschende Gesellschaft transzendiert, ist nicht nur die von dieser
entwickelte
Potentialität,sondern ebensowohl das, was nicht recht in die historischenBewegungsgesetze hineinpaßte. Die Theorie sieht
sich
aufs Quere, Undurchsichtige, Unerfaßte verwiesen, das als
solches
zwar
vorweg ein Anachronistisches an
sich
trägt, aber nicht aufgeht imVeralteten, weil
es
der historischen Dynamik ein Schnippchenschlug. An der Kunst läßt
sich
 
das am ehesten einsehen. Kinder-

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