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Fristbeginn für KündigungsschutzklageVoraussetzung für die Wirksamkeit der Kündigung ist, dass dem Arbeitnehmer dieKündigung zugeht. Der Zeitpunkt des Zugangs ist wichtig für den Beginn der Kündigungsfrist sowie die Frist zur Erhebung einer Kündigungsschutzklage ist.1. Die Kündigung ist dem Arbeitnehmer zugegangen, wenn sie so in seinen Machtbereichgelangt ist, dass er unter gewöhnlichen Umständen von ihr Kenntnis hätte nehmen können.Beispiele:- Ist der Beschäftigte im Urlaub, so geht ihm die Kündigung in dem Zeitpunkt zu, in dem siein seinen Briefkasten gelangt; allerdings reicht es bei eingeschriebenen Briefen nicht aus, dassder Postbote einen Benachrichtigungszettel in den Briefkasten wirft, da dort der Absender nicht vermerkt ist; hat der Beschäftigte einen Nachsendeantrag gestellt, so ist für den Zugangdie Ankunft im Feriendomizil entscheidend.- Eine Kündigung ist z.B. auch dann zugegangen, wenn sie dem Zimmervermieter ausgehändigt wird und dieser sie auf den Schrank gelegt hat.2. Mit Zugang der Kündigung beim Beschäftigten beginnt die 3-Wochen-Frist für dieKündigungsschutzklage zu laufen. Hat der Arbeitnehmer die Frist für dieKündigungsschutzklage allerdings schuldlos versäumt, kann auch nach Ablauf der 3-Wochen-Frist die Klage erhoben werden.Zugang eines KündigungsschreibensDie Kündigung eines Arbeitsvertrages wird erst wirksam, wenn sie dem anderenVertragspartner zugeht. Eine schriftliche Willenserklärung ist zugegangen, sobald sie inverkehrsüblicher Weise in die tatsächliche Verfügungsgewalt des Empfängers oder einesEmpfangsbevollmächtigten gelangt ist und für den Empfänger unter gewöhnlichenVerhältnissen die Möglichkeit besteht, von dem Schreiben Kenntnis zu nehmen.Verfügt ein Wohnhaus mit mehreren Mietparteien über keine Briefkästen und erfolgt diePostzustellung durch Einwurf in den dafür vorgesehenen Briefschlitz an der Haustür, ist einauf diesem Weg durch einen Boten zugestelltes Kündigungsschreiben in den Machtbereichdes Empfängers gelangt und diesem zugegangen. Auf die tatsächliche Kenntnisnahme desAdressaten kommt es nicht an.Praxistipp: Die Zustellung eines Kündigungsschreibens durch einen Boten ist grundsätzlichdie zuverlässigste Methode der Übermittlung. Allerdings sollte sichergestellt werden, dass dieÜbergabe des Schriftstückes an den Empfänger persönlich erfolgt und von diesem quittiertwird. Bei einer Zustellung wie im vorliegenden Fall ist der Streit über den Zugang in der Regel vorprogrammiert.Urteil des LAG Düsseldorf vom 19.09.200016 Sa 925/00MDR 2001, 145Betriebs-Berater 104
 
Folge 124: Hilfe Kündigung - Zugang der KündigungDer Fall:Arbeitgeber Gottlob beschäftigt 150 Arbeitnehmer. Er muß 50 Arbeitnehmer betriebsbedingtabbauen. Gottlob meint, die Altarbeitnehmer Walter von der Vogelweide und Oskar vonWolkenstein beim Mittagessen in der Kantine mündlich gekündigt zu haben. Dieausgefuchsten Techniker Klopstock und Grimmelshausen hat Gottlob vorsichtshalber schriftlich und per Einschreiben gekündigt. Grimmelshausen war aber in Urlaub. SeinEinschreiben konnte nicht zugestellt werden. Den schwerbehinderten und kranken AndreasGryphius hat Gottlob per Fax gekündigt. Das Faxprotokoll gab “okay” an. Gryphius bestreitet, eine Kündigung erhalten zu haben.Die Jungarbeitnehmer Uhland und Bettina von Arnim hat der fesche Gottlob per SMSgekündigt. Echt modern. Dem aufmüpfigen Betriebsrat Friedrich von Spee hat er dieKündigung per e-mail direkt ins Betriebsratsbüro geschickt.Sind die Kündigungen formgerecht zugegangen? Wann muß geklagt werden?Die Lösung:1. KlagefristDie Klagefrist des Kündigungsschutzgesetzes beträgt nach § 4 KSchG 3 Wochen nachZugang, d.h. nach Erhalt der Kündigung. Das Kündigungsschutzgesetz findet Anwendung,wenn der Arbeitnehmer länger als 6 Monate beschäftigt ist und der Betrieb mehr als 5Arbeitnehmer zählt.Immer dann, wenn das Kündigungsschutzgesetz gilt, muß der Arbeitnehmer binnen 3 Wochennach Zugang klagen. Sonst ist die Kündigung nach § 7 KSchG unwirksam, soweit sie sich auf das Kündigungsschutzgesetz stützt.Zwar kann die Kündigung auch aus anderen Gründen unwirksam sein, z.B. bei Schwangeren(Mutterschutzgesetz), Schwerbehinderten (SGB IX), Betriebsräten (BetrVG), bei Elternzeit (§18 ErzGG).Es ist jedoch auch allen Arbeitnehmern dringend anzuraten, eine Kündigungsschutzklage binnen 3 Wochen nach Zugang zu erheben. Sie gehen damit sicher, daß ihre Klagemöglicherweise nicht schon aus formellen Gründen scheitert.2. ZugangsdatumEntscheidend für die Klagefrist ist der Zugang und der Ausspruch der Kündigung gegenübedem Arbeitnehmer. Nicht das Datum auf dem Kündigungsschreiben zählt. Dieses Datumkönnte willkürlich sein. Vielleicht lag das Kündigungsschreiben auch zuerst eine Woche nochzur Überlegung in der Schublade des Chefs.Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist es wichtig, das Zugangsdatum möglichst beweisbar festzuhalten. Am besten geschieht dies durch ein schriftliches Empfangsbekenntnis desArbeitnehmers oder bei einer Übergabe durch einen Boten durch dessen schriftliches Zeugnis.3. Ordnungsgemäßer ZugangDer Zugang muß ordnungsgemäß erfolgen, d.h. der Arbeitnehmer muß in der Lage gewesensein, vom Kündigungsschreiben Kenntnis zu nehmen. Dazu reicht es i.d.R. aus, wenn dasKündigungsschreiben dem Arbeitnehmer persönlich übergeben wird, oder in dessen
 
Briefkasten eingeworfen wird. Verweigert dann der Arbeitnehmer die Annahme, so hat dieskeine Auswirkungen auf den Zugang der Kündigungserklärung. Problematisch ist der ordnungsgemäße Zugang aber z.B. bei dem Einschreiben mit Rückschein. Grimmelshausenwar in Urlaub, er hatte im Briefkasten nur einen Benachrichtigungszettel. Die Post ist nichtabgeholt worden. Er hatte keine Möglichkeit des Einblicks in die Kündigungserklärung.Auch ein Anheften der Kündigungserklärung an die Wohnungstür oder ein Übergeben aneinen Kollegen oder Bekannten des Arbeitnehmers ist problematisch. Der Kollege/Bekanntemuß das Schreiben an den Arbeitnehmer wieitergeben oder in dessen Briefkasten werfen. Erstdann ist die Kündigung zugegangen.4. Nachweis des ZugangsIm Streitfall muß der Arbeitgeber nachweisen, daß eine Kündigungserklärung demArbeitnehmer tatsächlich zugegangen ist. Dies kann sehr problematisch sein, wenn nichtsorgfältig gearbeitet wurde.Die Altarbeitnehmer Vogelweide und Wolkenstein erinnern sich nicht mehr an die Kündigungin der Kantine. Schon deshalb bekommt der Arbeitgeber Gottlob Probleme. Außerdem hättedie Kündigung schriftlich sein müssen. Bei Grimmelshausen ist die Kündigung nichtzugegangen, da sie durch die Post mangels Abholung wieder an den Arbeitgeber zurückgeschickt wurde.Will der Arbeitgeber sicher gehen, so muß er sich den Empfang der Kündigungserklärungvom Arbeitnehmer quittieren lassen (Empfangsbekenntnis). Er kann auch einen Boten benutzen, um die Kündigungserklärung in den Briefkasten des Arbeitnehmers werfen zulassen oder dem Arbeitnehmer persönlich übergeben zu lassen. Der Bote muß dann als Zeugeoder mit einer schriftlichen Quittung dieses bestätigen. Hat der Arbeitgeber keinen Nachweisder Kündigung geführt, so geht das Gericht davon aus, daß eine Kündigungserklärungüberhaupt nicht ausgesprochen wurde
LAG Rheiland-Pfalz in Mainz2001-01-1010 Sa 949/00Rechtsbereich/Normen: BGBEinstellung in die Datenbank: 2001-11-15Bearbeitet von: Markus BaumQuelle: dpa
Schriftliche Kündigung nur bei Zugang wirksam
 Eine schriftlicheKündigungist nur dann wirksam, wenn das Schreiben dem Mitarbeiterauch tatsächlich zugegangen ist. Trifft der Postbote den Mitarbeiter nicht an undhinterlässt daher einen Benachrichtigungszettel, so ist das Schreiben noch nichtzugegangen.In dem verhandelten Fall hatte einArbeitgebereinem Elektroinstallateur per Einschreibengekündigt. Da der Postbote den Mann nicht angetroffen hatte, hatte er einenBenachrichtigungszettel zurückgelassen. Der Installateur hatte den Brief jedoch nichtabgeholt, so dass er schließlich an denArbeitgeberzurückgesandt worden war.DieRichterdesLandesarbeitsgerichts(LAG)Rheinland-Pfalzin Mainz urteilten: Werde der Brief beim Postamt nicht abgeholt, so sei dieKündigungnicht wirksam. DerInstallateur sei nicht dazu verpflichtet gewesen, das Schreiben bei der Post abzuholen.Etwas anderes gelte nur, wenn der Mitarbeiter mit dem Kündigungsschreiben hätterechnen müssen.
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Oft wird allerdings übersehen, dass - selbst wenn ein Zugang vorliegen mag (weil die beiden angeblich zuverlässigen Mitarbeiter beide das Schreiben eingeworfen haben wollen, fest daran glauben und sich "ganz sicher sind") - eine Voraussetzung der Schriftform besteht, dh. das Schreiben muß eigenhändig von den richtigen Personen selbst unterschrieben worden sein, sonst war alles umsonst.

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