/  5
 
- Universität Duisburg-Essen -Stellungnahme des Studierendenparlaments zum Hochschulentwicklungsplan des Rektorats
Das Studierendenparlament (StuPa) als höchstes beschlussfassendes Gremium der Studierenden-schaft begrüßt eine langfristige strategische Planung für die Universität Duisburg-Essen (UDE) unddas Bemühen um ein solides finanzielles Fundament durch das Rektorat. Die im Hochschulentwick-lungsplan dargelegte Ausrichtung entspricht jedoch in vielen Punkten nicht den Vorstellungen desStuPa von einer zukunftsgerichteten Hochschule. Wir sehen es äußerst kritisch, dass sämtliche be-schriebenen Maßnahmen und Neuerungen vorrangig und zum Teil ausschließlich auf wirtschaftli-che Kriterien (DFG-Mittelvergabe, Mittelvergabe im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 etc.) aus-gerichtet sind. An dieser Stelle soll auch schon darauf hingewiesen werden, dass eine Partizipationstudentischer Vertreter bei der Erarbeitung eines langfristigen Entwicklungsplanes für die UDE ab-solut notwendig gewesen wäre. Die Universität wird von den Studierenden getragen, weshalb dieseauch in die Gestaltung 'ihrer' Hochschule miteinbezogen werden müssen. Dies würde nicht zuletztdie Identifikation der Studierenden mit 'ihrer' Universität stärken, was dem Ruf der UDE sehr zugu-te käme.Im folgenden möchte das StuPa zu einzelnen Punkten des Hochschulentwicklungsplans genauer Stellung nehmen.
Zu Aspekten im Bereich Studium und Lehre
Die Erhöhung der Studienanfängerzahlen, die Abschaffung des NCs, sowie eine überarbeitete Stu-dieneingangsphase erhöht eindeutig die Chancengerechtigkeit an der Hochschule. Eine „Überbu-chung“
1
der Studiengänge kann jedoch nicht im Interesse der Studierenden sein, da es hierdurch zumassiven Engpässen an personellen und räumlichen Kapazitäten kommen wird. Eine angemesseneBetreuung und eine adäquate Unterbringung kann so nicht mehr gewährleistet werden. Abgesehendavon sind ausschließlich Großveranstaltungen in Vorlesungsform, die bei derartigen Zuständen un-umgänglich sein werden, auch in der Studieneingangsphase nicht zu befürworten. „Selektionsme-chanismen“
2
der Fachbereiche in Form von Prüfungen am Ende einer Studieneingangsphase mitderartigen Verhältnissen erscheint ebenfalls als eine fragliche Methode, die bewusste Überbuchungvon Studiengängen zu korrigieren, da auch hierdurch nicht sichergestellt werden kann, dass nur diegeeignetsten Studierenden ihren Studienplatz behalten. Die Überbuchung von Studiengängen istzudem nicht im Interesse von bereits eingeschriebenen Studierenden an der UDE, da diese erheblichunter den hierdurch entstehenden schlechten Studienbedingungen zu leiden haben werden. Eserscheint desweiteren zweifelhaft, dass nach dieser Orientierungsphase „alle Studierenden
1HEP des Rektorats, S. 82HEP des Rektorats , S. 13
 
verlässlich zum Examen geführt werden können“
3
. Selbstverständlich ist es begrüßenswert, dass dasRektorat darum bemüht ist, möglichst vielen Studierenden einen Abschluss zu ermöglichen. Esdrängt sich jedoch der Verdacht auf, dass den nach der Orientierungsphase verbliebenenStudierenden durch ein niedriges Niveau in der Lehre der Weg zum Abschluss besonders leichtgemacht werden soll, worunter die Qualität der Abschlüsse an der UDE erheblich leiden würde.Das StuPa ist der Auffassung, dass die speziellen sozialen Bedingungen an der UDE berücksichtigtwerden müssen. Es ist bekannt, dass viele Studierende neben dem Studium arbeiten müssen, umdieses zu finanzieren. Aus dem Grund bleibt diesen Studierenden weniger Zeit sich mit ihrenStudieninhalten auseinander zu setzen und sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten, was vor allem zulängeren Studienzeiten von Menschen aus sozial schwachen Schichten führt.
4
Durch die im HEPangedachten Maßnahmen werden diese Studierenden an der UDE weiter strukturell benachteiligt,das heißt, sie werden entweder aus dem Studium gedrängt oder gänzlich von einem Studiumabgeschreckt. Die UDE ist daher in der Pflicht auf die bekannten regionalen Gegebenheiten einzu-gehen und auch sozial benachteiligten Studierenden das Studium zu ermöglichen.Die Umstellung der Berechnung der Dropout-Quoten verfälscht zudem noch das Bild deStudierendenzahlen an der UDE.Das StuPa nimmt diese Pläne mit großer Besorgnis zur Kenntnis, da wir vermuten, dass dieseMaßnahmen im Hinblick auf den Hochschulpakt 2020, der bekanntlich hohe pro-Kopf-Beiträge für Studienanfänger an die Universitäten vorsieht, lediglich zur Beschaffung weiterer Finanzmittel die-nen sollen. Die Studienqualität, sowie der Ruf der UDE würden hierunter jedoch stark leiden undnicht, wie fälschlich angenommen, die Attraktivität der UDE steigern.Das StuPa hält das Konzept der E-University für lobenswert
5
, sofern die Online-Angebote als Er-gänzung zu den bereits vorhandenen, nicht jedoch als Ersatz für gegebenenfalls kostenintensivereAngebote verstanden werden. Online-Service-Angebote können die persönliche Betreuung der Stu-dierenden nicht ersetzen.Als ein großes Defizit im HEP des Rektorats sieht das StuPa die fehlenden Regelungen bezüglichdes Übergangs von Bachelor- in die Masterprogramme. Mit großer Besorgnis nimmt das StuPa diePläne zu einer finanziellen Ausschlachtung der Masterstudiengänge zur Kenntnis. Zwar begrüßenwir die Bestrebungen des Rektorats „die UDE als Marke in der wissenschaftlichen Weiterbildung zuetablieren“
6
, jedoch dürfen die Masterprogramme nicht nur einer kleinen Elite zugänglich sein. Esmuss grundsätzlich allen Bachelorabsolventen offen stehen, sich durch hochwertige Masterpro-gramme weitergehend zu qualifizieren. Die UDE sollte bestrebt sein gerade auch die eigenen Ba-
3HEP des Rektorats, S. 84Vgl.: 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System5Vgl HEP des Rektorats, S. 156HEP des Rektorats, S. 16
 
chelorabsolventen durch die Einrichtung und Öffnung von Masterstudiengängen weiter an sich zu binden. Hierzu dürfen die Masterprogramme selbstverständlich nicht kostenpflichtig werden.Eine Verbesserung der Gebäudeinfrastruktur in Form von funktionellen Seminarräumen, Aufent-halts- und Kommunikationsbereichen und einer Verbesserung der räumlichen Situation der Univer-sitätsbibliothek 
7
ist nicht nur am Campus Essen, sondern an der gesamten UDE wünschenswert.Auch eine Optimierung der Raumverwaltung und Raumvergabe würde das StuPa begrüßen. Andieser Stelle fehlt uns leider der Hinweis darauf, wie diese Bauvorhaben finanziert werden sollen.Eine Verwendung von Studiengebühren ist rechtlich nicht vorgesehen und auch nicht im Interesseder Studierenden, da wir hier das Land in der Pflicht sehen.
Zu Aspekten im Bereich Forschung
Das StuPa erachtet die Einrichtung und Fortführung von Forschungsschwerpunkten als sinnvoll, be-trachtet die im HEP dargelegte, vorrangig wirtschaftliche Ausrichtung eben dieser jedoch mit Sorge.Sofern eine Evaluation von Forschung überhaupt möglich ist, sollten Forschungsschwerpunkte nachder Qualität ihrer Forschung bewertet werden, nicht jedoch anhand des Kriteriums „Programmför-derung der Deutschen Forschungsgemeinschaft“
8
, also an größtmöglichem finanziellen Gewinn.Das Aufgeben von Forschungsschwerpunkten, die diesem Kriterium „in absehbarer Zeit“
9
nicht ge-gen, erachten wir als untragbar. Wir erachten es als notwendig, dass gerade auchForschungsschwerpunkte eingerichtet werden, die von vornherein nicht auf ökonomischen Profitausgerichtet sind, da sich die UDE hierdurch besonders profilieren könnte.
Zu Aspekten im Bereich Personal
Das StuPa weiß um die „problematische Finanzsituation
der UDE. Die chronische Unterfinanzie-rung der Universitäten erscheint jedoch politisch gewollt, um einen wirtschaftlichen Wettbewerb anden Hochschulen zu implementieren und sie marktgerecht umzustrukturieren. Studiengebühren, dieUmstellung auf Bachelor- und Masterprogramme, die Einrichtung eines Hochschulrates und eine parametergesteuerte Mittelvergabe sind Folgen dieser Politik, die vom Rektorat immer mitgetragenwurde. Vor diesem Hintergrund ist besonders auch aus studentischer Sicht eine Verringerung der Professuren
nicht zu akzeptieren, da sich hierdurch das Betreuungsverhältnis von Studierenden zuProfessoren (auch im Hinblick auf steigende Studierendenzahlen) weiter verschlechtern wird, wasfür die Qualität der Lehre und damit für die Attraktivität der UDE nicht förderlich ist. Bei der Neu- besetzung von Professuren ist auch weiterhin darauf zu achten, dass die Fachbereiche weitgehend
7Vgl. HEP des Rektorats, S. 98HEP des Rektorats, S. 109HEP des Rektorats, S. 1010HEP des Rektorats, S. 2011Vgl. HEP des Rektorats, S. 20

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...

eddie932left a comment

Good title